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Biographie:
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Dieses ist nicht die Legende von BLACKFOOT, es ist die Story eines Fans gitarrenorientierter Rockmusik, welcher zwangsläufig bei der Suche nach neuem "Futter" in den ewigen Gründen des Rocks auf die Schwarzfüße stoßen musste. Biographien, Chronologien oder Statistiken sollen hier nicht aufgetürmt werden. Es geht um die Eindrücke, welche man einst gewann und über zwanzig Jahre später noch hat bzw. bis heute weiterentwickelt hat. Und wenn jemand diese Zeilen liest - die/der damals noch nicht geboren war oder auf dem Wickeltisch lag - und damit etwas anfangen kann, freut sich der Rezensent.
Anfang 1981 las ich eine Kritik zu "Marauder". Der Name BLACKFOOT sowie der Begriff Südstaatenrock, das las sich ansprechend. Obwohl, eigentlich zählte meinereiner eher zu der Kategorie Headbanger sprich IRON MAIDEN, SAXON oder JUDAS PRIEST waren die Faves der Stunde. Der Kritiker ließ an "Marauder" nicht so viel Gutes sprich mokierte sich über die "leeren Heavy Metal Hülsen" und "planloses Gedresche", was ihn zur Vergabe dreier von sechs möglichen Punkten bewegte. Wer weiß, dass auch Alben wie "Killers" oder "Back In Black" teilweise heftige Verrisse ernteten, sah das natürlich als Empfehlungsschreiben. Mein erster Höreindruck endete mit einem eher durchwachsenem Ergebnis. Da hämmerte und bollerte (sorry folks, manchmal gehen halt die Pferde durch...) es phasenweise prächtig, aber andererseits erschien mir manches ein wenig lahmarschig (ja ja, sorry...). Der Plattenhändler durfte wohl auch nicht so wie er wollte, nämlich L-A-U-T vorspielen, und so kaufte ich die Scheibe letztendlich doch, denn irgendwas reizte an dem Ding. Daheim, bei entsprechendem Lautstärkepegel, fiel dann der Groschen (Deutsch Mark Zeiten...). Good Morning prasselt mit einer solchen Urgewalt los, die Gitarrenläufe nehmen dich sofort in den Griff. Dry County kommt im Stil einer alles niederwalzenden Büffelherde daher, während Rick Medlocke sich die Seele aus dem Hals brüllt. Da wird nicht vorsichtig taktiert, hier geht es voll auf die Zwölf. Die Südstaaten stehen nicht nur für Dösen bei brütender Hitze, es gibt auch große Wirbelstürme. Und so einen lassen BLACKFOOT auf die Hörerschaft los. Man spürt regelrecht das Donnern der Hufe und indianischen Trommeln bei Too Hard To Handle, bevor eine mexikanische Trompete ein kurzes Intermezzo gibt, die schneidende Leadgitarre einsetzt und es erneut heftigst zur Sache geht. Doch schreiten wir noch einige weitere Jahre zurück und beginnen mit einem dreijährigen Rick Medlocke, der von seinem Großvater Shorty das Banjospiel beigebracht bekommt. Schauplatz ist Jacksonville im US-Bundesstaat Florida und besagter Opa Shorty ein regional bekannter Bluesmusiker. Mit acht steigt Rick aufs Schlagzeug um und als Zehnjähriger wechselt er erneut, diesmal auf die Gitarre. Mit seinen Freunden Jakson Spires (Drums) und Greg Walker (Bass), welche aus seiner Nachbarschaft stammen, gründet Rick einige Zeit später seine erste Band. In ihren Adern fließt indianisches Blut, sie sind fest in der amerikanischen Bluestradition verwurzelt und entwickeln im Laufe der Jahre einen völlig eigenen Stil. Zwar hat man es mit Hardrock zu tun, doch geht dieser weit über Gitarre, Bass, Schlagzeug hinaus und überrascht sowohl mit vielfältiger Instrumentierung als auch Songelementen, die vom 08/15-Schema abweichen und der Band ihren ganz eigenen Reiz verleihen. Im Jahre 1971 benannte man sich endgültig in BLACKFOOT um, doch kurz darauf verließ Rick Medlocke die Band um bei SKYNYRD die Trommeln zu rühren. Im Rahmen der ersten Studiosessions wurden auch Songs des späteren Blackfoot-Leaders gespielt. Der damalige Bassist, Rick's Kumpel Greg Walker, übernahm den vakanten Posten als Chef. 1972 hatte es sich der ehemalige Skynyrd Drummer Bob Burns noch einmal überlegt und wollte wieder zurück auf seinen alten Posten, den Medlocke räumte und Walker gleich mitnahm, um sich von nun an nur noch um BLACKFOOT zu kümmern.
Das erste Album des Quartetts, "No Reservations", wurde 1975 veröffentlicht und fand einige wohlwollende Kritiker. Grundtenor vieler Fans der Band ist jedoch die mangelnde Power der Scheibe, welche kein Verkaufserfolg wurde. Ein Jahr später erschien mit "Flyin' High" ein zweites Album, das ebenfalls in keinster Weise die gewünschten Erfolge erzielen konnte.
Da man auf der verkaufsmäßigen Seite ohne nennenswerte Resultate blieb, musste man sich mit Live-Auftritten finanziell über Wasser halten und fand nach und nach zu einem Stil, der sie einzigartig werden ließ. Southern Rock von enormen Härtegrad und hohem Bluesanteil sowie unverkennbaren indianischen Wurzeln welche besonders in den Rhythmusparts hervortraten.
Im Frühjahr 1979 startet die US-Tour zum neuen Album "Strikes". Die Radiostationen jedoch machten keinen direkten Favoriten unter den Songs aus und spielten deshalb immer wieder diverse Albumtracks. Mitte des Jahres erschien die Single Train, Train und erreichte als höchste Position die Nummer 38 der US-Single-Charts. Damit kam der Siegeszug der Band ins Rollen und eine weitere Single (Highway Song) kletterte bis zur Position 26. "Strikes" wird zu einem Verkaufsrenner und beschert BLACKFOOT spätere Platinehren. Man hat den Durchbruch geschafft und tourt unermüdlich mit AOR/Hardrock-Acts wie JOURNEY, FOREIGNER, REO SPEEDWAGON, Ted Nugent oder AC/DC. Im Dezember des gleichen Jahres, mittlerweile mitten in den Aufnahmen zu einem weiteren Album steckend, eröffnet man für die britische Legende THE WHO. BLACKFOOT finden als eine der sogenannten Bands der zweiten Southern Generation viele Fans im aufkommenden Heavy Metal Lager. "Strikes" präsentiert jedoch keineswegs ein einfallsloses Gehämmer diverser Riffs. Abwechslung wird groß geschrieben, man arbeitet mit Slide-Gitarren, Mundharmonika und hier und da auch weiblichen Backgroundvocals. Wer als erstes das "MARAUDER"-Album zu Ohren bekam, wird vielleicht anfangs von "Strikes" enttäuscht sein und benötigt einige Hördurchgänge um den Reiz der Scheibe auszumachen. Anfangs konnte ich mich des Eindrucks einer angezogenen Handbremse nicht erwehren, denn so voll auf die Zwölf geht es hier nicht zu. Der Southern-Einschlag dominiert eindeutig und das permanente Touren mit Hard Rock Acts haben BLACKFOOT wahrscheinlich stets heftiger werden lassen. Würde man "Strikes" charakterisieren, müsste man fast von einem Album der verpassten Chancen sprechen. Das von Opa Shorty komponierte Train, Train wird auf eine Länge von zwei Minuten und sechsundfünfzig Sekunden zurechtgestutzt und endet da wo es eigentlich erst einmal richtig losgehen sollte. Daran ändern auch die sechsunddreißig Sekunden Prelude nicht mehr viel. Trotz alledem, ein Klassiker war entstanden. Der zweite All-Time-Fave, Highway Song, leidet bis heute unter der Meinung vieler Kritiker - und solcher die sich für welche halten - ein zweites Free Bird darzustellen. Man tut BLACKFOOT mehr als unrecht, sie quasi der Abkupferei zu bezichtigen. Da wo bei LYNYRD SKYNYRD doch eher dezent musiziert wird, geht es bei BLACKFOOT um einige Zacken heftiger zu. Spätere Liveaufnahmen unterstreichen das nur zu gut, und was die Menge des eingebrachten Herzblutes betrifft liegt Highway Song bis zum heutigen Tage für mich literweise vorne. Einziges Manko des Tracks ist sicherlich sein recht abruptes Ende und somit eine weitere verpasste Chance, den Song nicht nur bei einer heute recht überschaubaren Anzahl von Fans unsterblich werden zu lassen. Wie überall im Leben, so folgen auch bei BLACKFOOT den glückseligen Momenten solche, die man als Schläge des Schicksals bezeichnet. Während einer Tour mit REO SPEEDWAGON stiehlt man der Band im kalifornischen Long Beach ihren Kleinlaster mit dem kompletten Equipment. Innerhalb kürzester Zeit müssen neue Gitarren und Verstärker besorgt werden und es trifft sich gut, dass Manager/Produzent Al Nalli auch gleichzeitig Inhaber eines Instrumentenladens ist, wo man dem Schlagzeuger ein neues Drumkit besorgen kann.
Gegen Ende des Jahres 1979 beginnen die Aufnahmen zum nächsten Album "Tomcattin'". Im Frühjahr 1980 stand "Tomcattin'" in den Plattenregalen und präsentierte eine Band die ihren eingeschlagenen Weg konsequent weiterging. Im Unterschied zu "Strikes" waren Medlocke und Spires nun kompositorisch an sämtlichen Songs beteiligt, während der zweite Gitarrist Charlie Hargrett und Bassist Greg T. Walker jeweils bei einem Track als Autoren aufgeführt werden. Shorty Medlocke tritt erneut, bei Fox Chase, als Co-Autor und Mitmusiker auf. Dieser mittelschnelle Riff-Rocker mit unnachahmlichem Groove zählt für mich bis heute zu den besten Albumsongs. Nach der Albumveröffentlichung ging es gleich wieder weiter mit dem Touren. Zunächst auf dem nordamerikanischen Kontinent im Vorprogramm der WHO, wo man am 5. Mai 1980 in Toronto erstmals Edelmetall (Goldauszeichnung für die Verkäufe von "Strikes") erhält. Im Herbst supported man AC/DC in deren australischer Heimat und anschließend touren BLACKFOOT als Special Guests der SCORPIONS erstmals durch Großbritannien, wo sie einen regelrechten Kultstatus erreichen. 1981 spielen sie dort bereits auf dem "Monsters Of Rock" im Castle Donnington Park neben BLUE ÖYSTER CULT, WHITESNAKE sowie AC/DC und räumen gewaltig ab. Zum Ende des Jahres 1980 hin kehrt man wieder nach Ann Arbor zurück und beginnt mit den Arbeiten am dritten Major-Album "Marauder". Die schier endlosen Touren setzen wieder ein und man tourt diesmal auch monatelang durch Europa, wo auch die großen Festivals beackert werden. In Deutschland tritt man beim "Golden Summernight Festival" auf, nachdem man die englischen "Monsters of Rock" im Sturm genommen hat. In den USA fungieren Medlocke & Co. mittlerweile auch als Headliner, damals u.a. auch mit den aufstrebenden DEF LEPPARD im Vorprogramm. Während der Wintermonate 1981/82 mietet man sich ein Haus in Florida. Der Gedanke welcher dahinter steht ist jener, weg von der Party-Atmosphäre in Ann Arbor zu kommen und sich statt dessen vollkommen aufs Songwriting zu konzentrieren.
Während der Tour durchs U.K. nimmt man mittels des Rolling Stones' Mobile das Livealbum "Highway Song" auf, welches 1982 erscheint und ursprünglich nur im Vereinigten Königreich zu bekommen war. All zu lange hielt dieser Zustand jedoch nicht an, denn als ich im weiteren Verlauf des gleichen Jahres das heißbegehrte Vinyl erwarb, stand auf der Rückseite des Covers bereits "Manufactured in Germany by Record Service GmbH, Alsdorf; Deutschland Vertrieb durch WEA Musik GmbH" und eine Auflistung weiterer europäischer Länder in denen man die Scheibe erhalten konnte. Ganz offensichtlich hatte man bei Atlantic Records ein Problem mit der Band. BLACKFOOT stießen in Europa und ganz besonders in Großbritannien auf euphorische Resonanzen und schickten sich an, besonders in der wachsenden Heavy Metal Anhängerschaft eine feste Größe zu werden. Dave Lewis, ein Redakteur der britischen Musikzeitschrift Sounds, fand damals die passenden Worte: "Blackfoot have established a blood brother bond with this country, sharing a warmth and friendship with their growing ranks of fans that is real and very precious to them." Ganz offensichtlich sah das die nordamerikanische Atlantic etwas anders, denn wie ist es zu erklären, dass diese phänomenale Livescheibe auf dringenden Wunsch des englischen Ablegers von Atlantic Records aufgenommen wurde? Der U.S. Markt alleine schien zu zählen, während man die Entwicklung auf dem alten Kontinent und auch in Japan (nettes Foto im HM PHOTO BOOK "Heavy Metal In Japan") kaum beachtete. Ein fataler Irrtum, wie sich kaum ein Jahr später herausstellen sollte. Sonntag, 16. Mai 1982, Bochum Ruhrlandhalle. In einer nicht ausverkauften Halle macht die SCORPIONS Tour '82 zu ihrem letzten hardrockigen Album "Blackout" Station. Im Vorprogramm sind die Southern Rocker BLACKFOOT angekündigt, und als das Hallenlicht erlischt, beginnt eine viel zu kurze Show, die mir bis heute unvergessen blieb. Hatte mich diese Stilrichtung in früheren Jahren nicht sonderlich interessiert, tauchten mit Bands wie MOLLY HATCHET und eben auch BLACKFOOT Vertreter einer zweiten Generation auf, die einen deutlichen Zacken direkter und härter zur Sache ging. BLACKFOOT hämmerten sofort drauflos, dass meinereiner aus dem Staunen nicht mehr herauskam. Mit bierseligem und schwerfälligen Rock (... mit oftmals viel zu dezenten Gitarren) hatte das nichts zu tun, hier gab's die absolute Vollbedienung. Einige Monate später lag dann die LP "Highway Song - Live" auf meinem Plattenteller. Kopfhörer aufgesetzt und die Nadel in die Rille der ersten Seite vorsichtig abgesenkt. Was ich dann zu hören bekam, ist wohl bis zum heutigen Tage das größte Aha-Gefühl welches ich jemals beim erstmaligen Anhören spüren durfte. "Highway Song - Live" wurde ein relativ großer Erfolg in Europa und festigte den Beliebtheitsgrad der Band innerhalb der Hard Rock Gemeinde. Während Southern Rock auf dem absteigenden Ast schien, schwammen BLACKFOOT auf einer Welle der Sympathie. Die Zukunft für die Band schien glänzend auszusehen und ein weiteres Klettern auf der Erfolgsleiter vorhersehbar. Besonders im britischen Kerrang Magazine, der damals wohl einflussreichsten Metallerzeitschrift, tauchte die Band häufiger auf und ihr Livealbum wurde zu den zehn besten aller Zeiten gewählt. Daheim in den US of A schienen die Verantwortlichen von Atlantic Records derweil ganz andere Vorstellungen von der weiteren musikalischen Entwicklung zu hegen... Im Sommer 1982 spielten BLACKFOOT auf dem englischen Reading Festival und zeigten auch hier erneut die Verbindung zum Heavy Metal auf, als man gemeinsam mit IRON MAIDEN den ZZ TOP-Klassiker Tush coverte und mit Bruce Dickinson plus 4 Gitarristen und je 2 Bassisten und Drummern einen zum Besten gab. Es wurde ein Abschied, denn die klassische Besetzung mit Rick "Rattlesnake" Medlocke (Lead Vocals, Lead & Rhythm Guitars), Jakson "Thunderfoot" Spires (Drums & Vocals), Greg T. Walker (Bass Guitar & Vocals) und Charlie Hargrett (Lead & Rhythm Guitars) sollte ein letztes Mal als Quartett ein Album eingespielt haben. Zurück in den Staaten, sah sich die Band mit der Tatsache sinkender Plattenverkäufe konfrontiert. An dieser Stelle muss man sich allerdings fragen, welche Buchhalterseele jemals gedacht hat, dass sich "Marauder" über ein Jahr nach seinem Erscheinen immer noch wie geschnitten Brot verkaufen sollte. Auch der restliche Backkatalog konnte letztendlich nicht unendlich viel hergeben, immerhin hatte "Strikes" irgendwann mal die Platingrenze überschritten. Auch die Rolle ihres Managers und Produzenten Al Nalli begann immer dubioser zu werden. So schleppte er die Band in den Sylvester Stallone Boxerfilm "Rocky III", um neue Inspirationen hervorzukitzeln und so mit den Widrigkeiten des Lebens, sprich mangelnden Albenverkäufen, besser fertig zu werden. Im Verlauf des Jahres 1982 änderten einige der amerikanischen Radiostationen ihre Sendegewohnheiten. Anstatt nur jeweils einen Song zu spielen, brachten sie zu gewissen Sendezeiten Alben in voller Länge ohne Pause. Das Rockpublikum, ohnehin zu keiner Zeit von prallen Geldbeuteln gebeutelt, nahm diese neue Verhaltensweise natürlich dankbar an und kurbelte den Absatz von Kassetten erheblich an, während die Absatzzahlen vieler Acts drastisch absackten. Die Diskussionen innerhalb des Bandlagers ergaben, dass ein zusätzlicher Keyboarder gesucht werden solle. Die Vorstellungen bewegten sich allerdings weiter in Richtung harter Gitarrenrock und somit fielen schnell die Namen Jon Lord (ex-DEEP PURPLE) und Ken Hensley (ex-URIAH HEEP). Deren Spiel auf der Hammond Orgel konnte man sich durchaus zu dem Powersound BLACKFOOTs vorstellen. Nach einigen Verhandlungen mit Hensleys altem Management stieg dieser schließlich in die Band ein. Besonders Rick Medlocke hatte zu jener Zeit mit weiteren Problemen zu kämpfen. Sein geliebter Großvater Shorty Medlocke war gerade gestorben und er kämpfte zudem mit einem Alkoholproblem. Das unverständliche Verhalten der Plattenfirma, welches die Situation zusätzlich verschärfte, trug nicht gerade zu guten Voraussetzungen für ein neues Album bei.
Im Frühjahr 1983 erschien das "Siogo" betitelte neue Album. In der Sprache der Indianer steht dieses Wort für Geschlossenheit, Zusammenhalt oder Gemeinsamkeit. In Kreisen der Road Crew stand es allerdings seit einiger Zeit für "suck it or get out" (Übersetzung bitte selber nachschlagen...). Auf einer Präsentation kurz nach Erscheinen des Longplayers erklärte eine Mitarbeiterin der Plattenfirma einem bereits "eingeweihten" Reporter die "offizielle" Bedeutung des Albumtitels, der daraufhin in schallendes Gelächter ausbrach. Ihr Label ATCO Records war allerdings weniger amüsiert... Egal ob es ein letztes Widersetzen gegenüber der Plattenfirma darstellte oder nicht, der vorgenommene Stilwechsel führte keineswegs zu den angepeilten höheren Absatzzahlen. Im United Kingdom kletterte "Siogo" sogar noch bis auf Platz 28 der Albumcharts, während in den USA die Verkäufe sehr enttäuschend verliefen und als höchste Position die Nummer 82 erreicht wurde. Zwar hatte man erneut in den gewohnten Subterranean Studios in Ann Arbor, Michigan aufgenommen, jedoch schien die Magie der vergangenen Alben verloren. Al Nalli, als alleiniger Produzent, hatte der Band einen neuen Sound verpasst der überall als Enttäuschung empfunden wurde. Fast 22 Jahre nach der Veröffentlichung mag ich vielleicht alleine auf weiter Flur stehen mit der Behauptung, dass "Siogo" sooooo schlecht gar nicht war und bis heute einige gute Momente aufweisen kann. Klar ist die Entwicklung enttäuschend für jemanden der "Marauder" und das überragende Livealbum zu seinen absoluten Faves zählt. Und sicherlich besitzt "Siogo" auch nicht die Dichte, Geschlossenheit und Atmosphäre des vorherigen Studioalbums, vom Fehlen der überragenden Songs ganz zu schweigen. Trotzdem ist es nicht so jämmerlich, wie es bis heute gemacht wird. Im Rahmen der Modernisierungswelle wurde auch an Outfit und Image gebastelt. Charlie Hargrett wurde gebeten, sich die Haare schneiden zu lassen. Kaum hatte er zugestimmt, stand der von der Plattenfirma bestellte Friseur schon parat. Für den immer einflussreicher werdenden TV-Musiksender MTV drehte man in Verlauf des Jahres 1983 Clips zu Teenage Idol (als Single fürs AOR Radio gedacht und sechs Wochen ohne großartige Resultate ausgestrahlt) und Send Me An Angel, welches nach einigen wenigen Ausstrahlungen in den Archiven verstaubte.
Im Rahmen der Reihe "Live on the KING BISCUIT FLOWER HOUR" traten BLACKFOOT am 10. August 1983 im Palladium im kalifornischen Hollywood auf. Dieser in der Quintett-Besetzung aufgenommene Mitschnitt zeigt die Band von einer sehr zwiespältigen Seite. Wer hier ein gutes Jahr nach "Highway Song - Live" ein zweites Hammeralbum erwartet wird enttäuscht. Es entsteht der Eindruck, als spiele man jeden Track schneller um den Auftritt möglichst rasch hinter sich zu kriegen. So sehr dich Train, Train oder Highway Song im Jahr zuvor noch gefangen nahmen, so sehr lassen sie dich jetzt kalt. Am ehesten werden die Erwartungen noch mit dem rockigen On The Run erfüllt, wo das Haus sprich Palladium gerockt wird. Das Programm wirkt zerrissen, denn muss man mit dem FREE-Cover Wishing Well bei dem hervorragenden eigenen Material alte Kamellen neu aufwärmen? Auch wenn Ken Hensley eine glorreiche Vergangenheit mit URIAH HEEP aufweisen konnte, wozu ein uninspiriertes Easy Livin' im Schnelldurchgang? Teenage Idol wird auch live nicht besser. Die Krönung des Ganzen stellt sicherlich Livin' In The City dar, welches einen Studiosong präsentiert, der mit seinen fürchterlichen Keyboards und gestelztem Refrain einen Shorty Medlocke hätte am Verstand seines Enkels zweifeln lassen. Sammlerstück... Im Sommer 1983, inmitten einer Tourstation in Los Angeles, beruft Manager Al Nalli ein Meeting Hotelzimmer ein. Er teilt der Band mit, dass die Albenverkäufe unbefriedigend seien und ihr nächstes Album eventuell ihr letztes werde. Nalli verlangt den sofortigen Beginn des Arbeitens an neuem Material. Die folgende Diskussion führt zu der Feststellung, dass einige Bandmitglieder nicht in der Lage seien, während der Tour zu komponieren, woraufhin man die Besprechung vertagt. Mittlerweile ist es Herbst 1983. Die Tourneen sind vorüber und Medlocke, Spires plus der "Neue" Hensley befinden sich wie gewohnt in Ann Arbor um an neuem Material zu arbeiten. Hargrett wird von Manager/Produzent Nalli mit der Begründung ausgeladen, die restlichen Jungs denken, dass sein Stil des Gitarrenspiels nicht "modern" genug sei und sich nicht mit der neuen Richtung BLACKFOOTs vertrage. Im Verlaufe des Gesprächs begreift Hargrett ebenfalls die Ausbootung des Bassisten Greg T. Walkers an den laufenden Sessions. Samstag, 17. März 1984. Mit meinem Bruder in die Essener Grugahalle gereist um "WHITESNAKE in concert '84" erleben zu dürfen. Auf dem Ticket steht als Special Guest BLACKFOOT!! Nichts ahnend von den Geschehnissen im Bandlager freuen wir uns, die Jungs trotz des etwas enttäuschendem "Siogo" wiederzusehen. Denkste, die HEADPINS langweilen mit 08/15-Rock. Warum & wieso bleibt zu der Zeit unklar. Heute wissen wir es besser.
Als ich "Vertical Smiles" erstmals in die Finger kriege, bekomme ich arge Zweifel ob sich ein Kauf lohnt. Nix gegen Frauenbeine, aber auf einem Cover der neuesten BLACKFOOT-LP? Doch es kann nicht sein was nicht sein darf, und so kauft meinereiner dieses Machwerk ohne Hörprobe. Daheim gibt es eine der größten Enttäuschungen der Musikgeschichte. Nicht ein Song geht als akzeptabel durch. Krampfige Synthiegrütze wie sie selbst in den Achtzigern nicht Standard war. Beim Schreiben dieses Artikels habe ich das Album noch einmal aufgelegt und nur mit Müh & Not durchgestanden. Schlimmer geht's nimmer. Im Jahre 1985 lösten sich die Reste der Band auf. In der Folgezeit kam es unter dem Namen BLACKFOOT zu einigen weiteren Aufnahmen, welche allerdings mehr oder weniger als Solowerke Medlockes zu bezeichnen sind. Das Thema BLACKFOOT hatte sich für mich erledigt, Hörproben konnten die Enttäuschung nicht verdrängen und so kaufte ich mir lieber noch einmal die CDs der Phase "Strikes" bis "Siogo". Besonders "Marauder" und das phänomenale Livealbum von 1982 seien jedem Rockfan der diese Alben nicht besitzt hier ein weiteres Mal wärmstens empfohlen.
Neben LYNYRD SKYNYRD hatten MOLLY HATCHET bereits 1996 mit "Devil's Canyon" ein Southern Rock Opus vorgelegt das die Herzen vieler Fans mit Metalschlagseite höher schlagen ließ. Der Nachfolger "Silent Reign Of Heroes" (1998) ging ähnlich heftig, wenn auch nicht mehr ganz so genial, zur Sache. In diesem Zusammenhang tauchte die Frage nach einer Reformierung BLACKFOOTs in der legendären Viererbesetzung häufiger auf. Medlocke betonte daraufhin stets, mit Skynyrd glücklich und zufrieden zu sein und sich nicht halbherzig einer ungewissen Geschichte widmen zu wollen. Auch wenn sich Charlie Hargrett, Jakson Spires und Greg T. Walker jetzt wieder mit Bobby Barth unter dem Namen BLACKFOOT zusammentun sollten bleibt die Angelegenheit zwiespältig. BLACKFOOT haben sich mit wenigen Alben einen festen Platz in der Geschichte des Southern- und Hard Rocks gesichert. Ob legendär oder nicht, neue Generationen von Fans des harten Gitarrenrocks sollten ihnen Gehör schenken und sie neu für sich entdecken. Jürgen Ruland, (Artikelliste), 30.12.2004
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