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"It's boogie time" oder "Suck it or get out"?

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Fotos: Wolfgang Gürster @www.rock-shot.com & Adelina Schmidtlein
Quellen: "SOUTHERN ROCK - Bands und Fakten" erhältlich über Southern Rock Archiv; www.siogo.com; MusikExpress; "Hunde, wollt Ihr ewig rocken" von Chris von Rohr
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Rick Medlocke
Rick Medlocke 1992
Rick Medlocke
Rick Medlocke 2003

Rick Medlocke Nicht nur im Home of Rock taucht immer mal wieder der Name LYNYRD SKYNYRD auf. Und dann eben zwangsläufig der des Gitarristen/Sänger/Songschreiber Rick Medlocke. Und dann... dann wird fast zwangsläufig der Name BLACKFOOT auftauchen, jene Band, in welcher besagter Mr. Medlocke mitwirkte und die heute oftmals in einer Form dargestellt wird, die in Richtung "legendär" geht. Nur, wie das so eben ist mit den Legenden (den Begriff "Sagen" vermeide ich bewusst, das geht mehr in Richtung Drachentöter, und da haben wir ja einen geradezu prädestinierten Shouter anzubieten...) [Wat? Unser Drachentöter singt jetzt? Die Redaktion ist verängstigt], es ist zwar meist ein Fünkchen Wahrheit dabei, vieles wird jedoch hinzugedichtet oder verschwommen dargestellt.

Dieses ist nicht die Legende von BLACKFOOT, es ist die Story eines Fans gitarrenorientierter Rockmusik, welcher zwangsläufig bei der Suche nach neuem "Futter" in den ewigen Gründen des Rocks auf die Schwarzfüße stoßen musste. Biographien, Chronologien oder Statistiken sollen hier nicht aufgetürmt werden. Es geht um die Eindrücke, welche man einst gewann und über zwanzig Jahre später noch hat bzw. bis heute weiterentwickelt hat. Und wenn jemand diese Zeilen liest - die/der damals noch nicht geboren war oder auf dem Wickeltisch lag - und damit etwas anfangen kann, freut sich der Rezensent.
Wie schon erwähnt, muss man sich in die Zeit Ende 70er/Anfang 80er zurückversetzen. Kein Internet, eine sehr überschaubare Landschaft betr. Rockzeitschriften und ARD, ZDF plus regionales drittes Programm. Wer da nicht auf Zack war oder musikbegeisterte Freunde hatte, konnte schon mal ein Mauerblümchendasein in Sachen Rock'n'Roll führen. Und somit so manches verpassen...

Marauder

Anfang 1981 las ich eine Kritik zu "Marauder". Der Name BLACKFOOT sowie der Begriff Südstaatenrock, das las sich ansprechend. Obwohl, eigentlich zählte meinereiner eher zu der Kategorie Headbanger sprich IRON MAIDEN, SAXON oder JUDAS PRIEST waren die Faves der Stunde. Der Kritiker ließ an "Marauder" nicht so viel Gutes sprich mokierte sich über die "leeren Heavy Metal Hülsen" und "planloses Gedresche", was ihn zur Vergabe dreier von sechs möglichen Punkten bewegte. Wer weiß, dass auch Alben wie "Killers" oder "Back In Black" teilweise heftige Verrisse ernteten, sah das natürlich als Empfehlungsschreiben.

Mein erster Höreindruck endete mit einem eher durchwachsenem Ergebnis. Da hämmerte und bollerte (sorry folks, manchmal gehen halt die Pferde durch...) es phasenweise prächtig, aber andererseits erschien mir manches ein wenig lahmarschig (ja ja, sorry...). Der Plattenhändler durfte wohl auch nicht so wie er wollte, nämlich L-A-U-T vorspielen, und so kaufte ich die Scheibe letztendlich doch, denn irgendwas reizte an dem Ding. Daheim, bei entsprechendem Lautstärkepegel, fiel dann der Groschen (Deutsch Mark Zeiten...). Good Morning prasselt mit einer solchen Urgewalt los, die Gitarrenläufe nehmen dich sofort in den Griff. Dry County kommt im Stil einer alles niederwalzenden Büffelherde daher, während Rick Medlocke sich die Seele aus dem Hals brüllt. Da wird nicht vorsichtig taktiert, hier geht es voll auf die Zwölf. Die Südstaaten stehen nicht nur für Dösen bei brütender Hitze, es gibt auch große Wirbelstürme. Und so einen lassen BLACKFOOT auf die Hörerschaft los. Man spürt regelrecht das Donnern der Hufe und indianischen Trommeln bei Too Hard To Handle, bevor eine mexikanische Trompete ein kurzes Intermezzo gibt, die schneidende Leadgitarre einsetzt und es erneut heftigst zur Sache geht.
Rattlesnake Rock'n'Roller gibt Rick's Opa Shorty die Ehre, sich mit einem kurzen Banjointro und einigen einleitenden Worten (die leider nicht im Booklet, im Gegensatz zum sonstigen Text, festgehalten wurden) zu verewigen. Nach Grandpa's (Medlocke, nicht Walton!) Intermezzo legt die Band mit einem hartrockenden Boogie los, der von Piano und Bläsern begleitet wird. Die dazugehörige Szenerie in einem Saloon kommt wahrscheinlich nicht nur mir dabei vor Augen. Die dumpfen, stampfenden Gitarrenläufe dominieren allerdings auch hier wieder.
Im Laufe der Jahre waren es aber nicht nur eben die puren "Kracher" des Albums, welche mich immer wieder in ihren Bann zogen. Die eher verhalten beginnenden und sich mit Verlauf fortschreitender Spieldauer steigernden Songs wie Diary Of A Workingman oder Fly Away gewannen immer mehr an Wert, je weiter man die Bandbreite seiner Toleranz streckte. Für jemanden, der mitten in der NWOBHM (New Wave Of British Heavy Metal) steckte und IRON MAIDEN, SAXON oder MOTÖRHEAD zu seinen Faves zählte, waren akustische Gitarren, Tasten- und Blasinstrumente schwere Kost und konnten schon mal zu einer Magenverstimmung führen. Im Falle BLACKFOOT schien das alles egal, die Band übte eine große Anziehungskraft auf die Schar der europäischen Headbangerschaft aus. Nicht umsonst stehen Touren im Vorprogramm diverser Hard'n'Heavy Acts und Festivals mit der damaligen Creme de la Creme des Hardrocks. Auch in den US of A tourte man oft gemeinsam mit Heavybands und machte den Südstaatenrock einem Fanlager schmackhaft, dem dieser zuvor schlicht und einfach zu lahmarschig erschien. Die indianischen Wurzeln sorgten zusätzlich für weitere Reize. Fire Of The Dragon mag da als Beispiel gelten. Da steigert sich der Song zum Ende hin ein ums andere mal.
BLACKFOOT lieferten mit "Marauder" einen absoluten Meilenstein ab, der für mich bis heute zu den besten Alben dieses Genres zählt. Stark von der damals explodierenden Heavyszene beeinflusst, vergisst man jedoch nie seine Wurzeln und nimmt ein Album für die Ewigkeit auf.
Das abschließende melancholische Searchin' lässt ein Werk ausklingen, welches quasi als schlechtes Omen für die weitere Geschichte des damaligen Quartetts gelten sollte. Man hatte eine eigene Nische gefunden und anstatt diese auszubauen, verließ man die eingeschlagenen Pfade um weitere Fanscharen zu erreichen, die es ganz offensichtlich gar nicht gab. Die Suche sollte schon wenige Jahre später kläglich enden. Bis heute jedoch steht "Marauder" auf einer Stufe mit "Ace Of Spades" (MOTÖRHEAD), "Killers" (IRON MAIDEN) oder "Blackout" (SCORPIONS) - und einem kurzen Zeitraum (1981/82) in dem Großes möglich war.

Doch schreiten wir noch einige weitere Jahre zurück und beginnen mit einem dreijährigen Rick Medlocke, der von seinem Großvater Shorty das Banjospiel beigebracht bekommt. Schauplatz ist Jacksonville im US-Bundesstaat Florida und besagter Opa Shorty ein regional bekannter Bluesmusiker. Mit acht steigt Rick aufs Schlagzeug um und als Zehnjähriger wechselt er erneut, diesmal auf die Gitarre. Mit seinen Freunden Jakson Spires (Drums) und Greg Walker (Bass), welche aus seiner Nachbarschaft stammen, gründet Rick einige Zeit später seine erste Band. In ihren Adern fließt indianisches Blut, sie sind fest in der amerikanischen Bluestradition verwurzelt und entwickeln im Laufe der Jahre einen völlig eigenen Stil. Zwar hat man es mit Hardrock zu tun, doch geht dieser weit über Gitarre, Bass, Schlagzeug hinaus und überrascht sowohl mit vielfältiger Instrumentierung als auch Songelementen, die vom 08/15-Schema abweichen und der Band ihren ganz eigenen Reiz verleihen.
Ende der Sechziger ist man jedoch noch weit davon entfernt. Charlie Hargrett stößt als zweiter Gitarrist zur Band und man nennt sich fortan FRESH GARBAGE. Gespielt und geübt wird meist im Comic Book Club in Jacksonville. An besagtem Platz trafen sich seinerzeit fast alle jungen Musiker der Gegend, und aus ihnen rekrutierten sich nicht nur BLACKFOOT, sondern auch die ALLMAN BROTHERS und LYNYRD SKYNYRD.
Die Verbindung zwischen Rick und den einige Jahre später durchstartenden Skynyrds war besonders intensiv. Man hing des öfteren mit Shorty Medlocke im besagten Club ab, wo der alte Mann den Youngstern vieles vom Blues erzählte und ihnen so manchen Kniff beibrachte.

Im Jahre 1971 benannte man sich endgültig in BLACKFOOT um, doch kurz darauf verließ Rick Medlocke die Band um bei SKYNYRD die Trommeln zu rühren. Im Rahmen der ersten Studiosessions wurden auch Songs des späteren Blackfoot-Leaders gespielt. Der damalige Bassist, Rick's Kumpel Greg Walker, übernahm den vakanten Posten als Chef. 1972 hatte es sich der ehemalige Skynyrd Drummer Bob Burns noch einmal überlegt und wollte wieder zurück auf seinen alten Posten, den Medlocke räumte und Walker gleich mitnahm, um sich von nun an nur noch um BLACKFOOT zu kümmern.

No Reservations

Das erste Album des Quartetts, "No Reservations", wurde 1975 veröffentlicht und fand einige wohlwollende Kritiker. Grundtenor vieler Fans der Band ist jedoch die mangelnde Power der Scheibe, welche kein Verkaufserfolg wurde. Ein Jahr später erschien mit "Flyin' High" ein zweites Album, das ebenfalls in keinster Weise die gewünschten Erfolge erzielen konnte.

Flyin' High

Da man auf der verkaufsmäßigen Seite ohne nennenswerte Resultate blieb, musste man sich mit Live-Auftritten finanziell über Wasser halten und fand nach und nach zu einem Stil, der sie einzigartig werden ließ. Southern Rock von enormen Härtegrad und hohem Bluesanteil sowie unverkennbaren indianischen Wurzeln welche besonders in den Rhythmusparts hervortraten.
Man erspielte sich durch Hunderte von Liveshows ein treue Fangemeinde und eines Tages hatte man auch ihren späteren Produzenten und Manager Al Nalli im Publikum. Mächtig angetan vom Dargebotenem sprach er die Band nach Konzertende an und nahm sie einige Zeit später unter Vertrag. Von da an sollte BLACKFOOTs Erfolgskurve steil nach oben zeigen.

Strikes

Im Frühjahr 1979 startet die US-Tour zum neuen Album "Strikes". Die Radiostationen jedoch machten keinen direkten Favoriten unter den Songs aus und spielten deshalb immer wieder diverse Albumtracks. Mitte des Jahres erschien die Single Train, Train und erreichte als höchste Position die Nummer 38 der US-Single-Charts. Damit kam der Siegeszug der Band ins Rollen und eine weitere Single (Highway Song) kletterte bis zur Position 26. "Strikes" wird zu einem Verkaufsrenner und beschert BLACKFOOT spätere Platinehren. Man hat den Durchbruch geschafft und tourt unermüdlich mit AOR/Hardrock-Acts wie JOURNEY, FOREIGNER, REO SPEEDWAGON, Ted Nugent oder AC/DC. Im Dezember des gleichen Jahres, mittlerweile mitten in den Aufnahmen zu einem weiteren Album steckend, eröffnet man für die britische Legende THE WHO.

BLACKFOOT finden als eine der sogenannten Bands der zweiten Southern Generation viele Fans im aufkommenden Heavy Metal Lager. "Strikes" präsentiert jedoch keineswegs ein einfallsloses Gehämmer diverser Riffs. Abwechslung wird groß geschrieben, man arbeitet mit Slide-Gitarren, Mundharmonika und hier und da auch weiblichen Backgroundvocals. Wer als erstes das "MARAUDER"-Album zu Ohren bekam, wird vielleicht anfangs von "Strikes" enttäuscht sein und benötigt einige Hördurchgänge um den Reiz der Scheibe auszumachen. Anfangs konnte ich mich des Eindrucks einer angezogenen Handbremse nicht erwehren, denn so voll auf die Zwölf geht es hier nicht zu. Der Southern-Einschlag dominiert eindeutig und das permanente Touren mit Hard Rock Acts haben BLACKFOOT wahrscheinlich stets heftiger werden lassen.
Nichtsdestotrotz handelt es sich beim ersten Longplayer für das Atlantic Label um ein Muss für jeden Sympathisanten der Band und Southernfreak schlechthin. Die wenige Jahre später auf "Marauder" perfektionierte Bandbreite des Jacksonville-Vierers ist bereits hier deutlich spürbar. Es beginnt mit dem rockigen Road Fever und führt über ein Pop-beeinflußtes I Got A Line On You (man höre spätere Live-Versionen, da verschwindet besagter Einfluss nahezu völlig) [was kein Wunder ist, denn es handelt sich um ein Cover der Band SPIRIT aus dem Jahr 1968 von der LP "The Family That Plays Together"; geniale Nummer von Randy California - Red.] und führt mit Left Turn On A Red Light zu einem Track, der einen Vorgeschmack auf den Jahre später folgenden Überhammer Diary Of A Workingman bietet.
Über die Hälfte des Materials stammt vom Songwriterduo Rick Medlocke & Jakson Spires und zeigt auch hier das große Potential der Band auf, denn die Eigenkompositionen brauchen sich keineswegs verstecken und stellen durchweg die besseren Songs dar. Der FREE-Klassiker Wishing Well erfährt eine gelungene Interpretation. Wenn auch nicht weit vom Original entfernt, so geht er in der hier aufgenommenen Versionen durchaus als bandeigener Song durch.

Würde man "Strikes" charakterisieren, müsste man fast von einem Album der verpassten Chancen sprechen. Das von Opa Shorty komponierte Train, Train wird auf eine Länge von zwei Minuten und sechsundfünfzig Sekunden zurechtgestutzt und endet da wo es eigentlich erst einmal richtig losgehen sollte. Daran ändern auch die sechsunddreißig Sekunden Prelude nicht mehr viel. Trotz alledem, ein Klassiker war entstanden. Der zweite All-Time-Fave, Highway Song, leidet bis heute unter der Meinung vieler Kritiker - und solcher die sich für welche halten - ein zweites Free Bird darzustellen. Man tut BLACKFOOT mehr als unrecht, sie quasi der Abkupferei zu bezichtigen. Da wo bei LYNYRD SKYNYRD doch eher dezent musiziert wird, geht es bei BLACKFOOT um einige Zacken heftiger zu. Spätere Liveaufnahmen unterstreichen das nur zu gut, und was die Menge des eingebrachten Herzblutes betrifft liegt Highway Song bis zum heutigen Tage für mich literweise vorne. Einziges Manko des Tracks ist sicherlich sein recht abruptes Ende und somit eine weitere verpasste Chance, den Song nicht nur bei einer heute recht überschaubaren Anzahl von Fans unsterblich werden zu lassen.
Diese Medlocke/Spires-Komposition sollte die Meßlatte für künftige Veröffentlichungen werden.
"Strikes" war seinerzeit die erste Scheibe, welche man auf dem begehrten deutschen Plattenmarkt veröffentlichen konnte.

Wie überall im Leben, so folgen auch bei BLACKFOOT den glückseligen Momenten solche, die man als Schläge des Schicksals bezeichnet. Während einer Tour mit REO SPEEDWAGON stiehlt man der Band im kalifornischen Long Beach ihren Kleinlaster mit dem kompletten Equipment. Innerhalb kürzester Zeit müssen neue Gitarren und Verstärker besorgt werden und es trifft sich gut, dass Manager/Produzent Al Nalli auch gleichzeitig Inhaber eines Instrumentenladens ist, wo man dem Schlagzeuger ein neues Drumkit besorgen kann.

Tomcattin'

Gegen Ende des Jahres 1979 beginnen die Aufnahmen zum nächsten Album "Tomcattin'".
Ort des Geschehens ist wiederum das Subterranean Studio in Ann Arbor im US-Bundesstaat Michigan. Gemäß dem Motto "never change a winning team" teilen sich erneut Al Nalli und Henry Weck [Bassist bei BROWNSVILLE STATION - Red.] den Produzentensessel.

Im Frühjahr 1980 stand "Tomcattin'" in den Plattenregalen und präsentierte eine Band die ihren eingeschlagenen Weg konsequent weiterging. Im Unterschied zu "Strikes" waren Medlocke und Spires nun kompositorisch an sämtlichen Songs beteiligt, während der zweite Gitarrist Charlie Hargrett und Bassist Greg T. Walker jeweils bei einem Track als Autoren aufgeführt werden. Shorty Medlocke tritt erneut, bei Fox Chase, als Co-Autor und Mitmusiker auf. Dieser mittelschnelle Riff-Rocker mit unnachahmlichem Groove zählt für mich bis heute zu den besten Albumsongs.
Den eigentlichen Hit bildet wahrscheinlich Gimme, Gimme, Gimme, ein weiterer Rocker mit heulender Slide-Gitarre. Wie bei der vorjährigen Veröffentlichung kommen auch hier Instrumente wie Keyboards, Saxophon oder eine Mundharmonika zum Einsatz. Den einen oder anderen Track veredelt man mit Backingsängerinnen und scheut sich bei Spendin' Cabbage auch nicht, einen waschechten Bottleneck-Blues aufzunehmen.
BLACKFOOT überzeugen auf "Tomcattin'" durchweg mit ihren härteren, rockigeren Nummern wie dem Opener Warped, Every Man Should Know (Queenie) oder On The Run, während so manches andere doch mit dem Prädikat "durchschnittlich" versehen werden muss.
Die Ursachen für diesen kleinen Rückschritt sind unter anderem darauf zurückzuführen, dass der Einfluss der Plattenfirma zunehmend größer wurde. Man forderte radiotauglicheres Songmaterial und erreichte letztendlich, dass die geforderten Hitsingles floppten. "Tomcattin'" erreichte zwar die Position #50 der US-Album Charts, erfüllte jedoch keineswegs die Erwartungen und ließ bereits erkennen, wie verheerend sich der Labeleinfluss Jahre später auswirken sollte. Der von einigen angeführte Grund, die Songs seien größtenteils während der Tourneen geschrieben worden und hätten deswegen nicht mehr das vorherige Niveau erreicht, erscheint zweifelhaft, da bekanntermaßen viele große Songs der Rockgeschichte unter stressigen Bedingungen entstanden und BLACKFOOT gerade "on the road" zu jener Zeit eine Klasse für sich darstellten.

Nach der Albumveröffentlichung ging es gleich wieder weiter mit dem Touren. Zunächst auf dem nordamerikanischen Kontinent im Vorprogramm der WHO, wo man am 5. Mai 1980 in Toronto erstmals Edelmetall (Goldauszeichnung für die Verkäufe von "Strikes") erhält. Im Herbst supported man AC/DC in deren australischer Heimat und anschließend touren BLACKFOOT als Special Guests der SCORPIONS erstmals durch Großbritannien, wo sie einen regelrechten Kultstatus erreichen. 1981 spielen sie dort bereits auf dem "Monsters Of Rock" im Castle Donnington Park neben BLUE ÖYSTER CULT, WHITESNAKE sowie AC/DC und räumen gewaltig ab.
Live werden BLACKFOOT immer mehr zu einer festen Größe und bauen ihren Status in der Hard Rock & Heavy Metal Szene ständig aus. Dabei heben sie sich nicht nur musikalisch vom Einheitsbrei ab. Die Band hat zwar headbangermäßig lange Haare, im Gegensatz zu Acts wie JUDAS PRIEST sind sie jedoch nicht von Kopf bis Fuß mit Nieten beschlagen und auch wenn man sie vom Spirit her des öfteren mit MOTÖRHEAD vergleicht, fehlen die obligatorischen Patronengurte. Dass in ihren Adern indianisches Blut fließt, sieht man ihnen nicht nur aufgrund ihrer Physiognomie an, besonders Bassist Greg Walker kleidet sich auch dementsprechend. Zudem beschränken sich BLACKFOOT nicht nur aufs hart sein sondern sind bemüht echte Songs zu schreiben.

Zum Ende des Jahres 1980 hin kehrt man wieder nach Ann Arbor zurück und beginnt mit den Arbeiten am dritten Major-Album "Marauder".
Die Band hat mehr Zeit fürs Komponieren und die Ruhe tut BLACKFOOT offensichtlich gut. Die Qualität des Albums steigt wieder spürbar. Wie auch zuvor ist Abwechslungsreichtum angesagt, jedoch überzeugen nicht nur die rockigeren Tracks sondern die gesamte Scheibe. Die Arrangements der Gitarren sind sorgfältiger als zuvor, während die Produktion äußerst druckvoll herüberkommt und sauberer als bisher erlebt klingt.
Die Credits als Songautoren gehen ausnahmslos an das Duo Medlocke/Spires - bis auf Rattlesnake Rock'n'Roller, wo der gute alte Shorty erneut mitwirkt.
Mit Produzententeam und Aufnahmeort wie gehabt, veröffentlichen BLACKFOOT Anfang 1981 ihr stärkstes Studiolangeisen und klettern in den Charts wieder weiter nach oben (USA #48, UK #38). In England erreicht die Single Good Morning sogar die Pole Position der Single Charts in dem seinerzeit beherrschenden Metal-Journal Kerrang.

Die schier endlosen Touren setzen wieder ein und man tourt diesmal auch monatelang durch Europa, wo auch die großen Festivals beackert werden. In Deutschland tritt man beim "Golden Summernight Festival" auf, nachdem man die englischen "Monsters of Rock" im Sturm genommen hat. In den USA fungieren Medlocke & Co. mittlerweile auch als Headliner, damals u.a. auch mit den aufstrebenden DEF LEPPARD im Vorprogramm.

Während der Wintermonate 1981/82 mietet man sich ein Haus in Florida. Der Gedanke welcher dahinter steht ist jener, weg von der Party-Atmosphäre in Ann Arbor zu kommen und sich statt dessen vollkommen aufs Songwriting zu konzentrieren.
Nach mehreren Monaten ist bei weitem nicht genügend Songmaterial für ein weiteres Album zusammen gekommen, und so bricht man zu einer weiteren Tournee gen Europa auf. In Frankreich supported man IRON MAIDEN, in Deutschland wird das Vorprogramm der SCORPIONS bestritten und in Großbritannien spielt man mittlerweile als Headliner.

Highway Song - Live

Während der Tour durchs U.K. nimmt man mittels des Rolling Stones' Mobile das Livealbum "Highway Song" auf, welches 1982 erscheint und ursprünglich nur im Vereinigten Königreich zu bekommen war. All zu lange hielt dieser Zustand jedoch nicht an, denn als ich im weiteren Verlauf des gleichen Jahres das heißbegehrte Vinyl erwarb, stand auf der Rückseite des Covers bereits "Manufactured in Germany by Record Service GmbH, Alsdorf; Deutschland Vertrieb durch WEA Musik GmbH" und eine Auflistung weiterer europäischer Länder in denen man die Scheibe erhalten konnte.
Welche Spuren dieses Album hinterlassen sollte wird auch daran deutlich, dass, als ich Ende der Neunziger endlich die CD in Händen halten wollte, einen angeblichen Japanimport teuer bezahlen musste der "Manufactured in New Zealand" war.

Ganz offensichtlich hatte man bei Atlantic Records ein Problem mit der Band. BLACKFOOT stießen in Europa und ganz besonders in Großbritannien auf euphorische Resonanzen und schickten sich an, besonders in der wachsenden Heavy Metal Anhängerschaft eine feste Größe zu werden. Dave Lewis, ein Redakteur der britischen Musikzeitschrift Sounds, fand damals die passenden Worte: "Blackfoot have established a blood brother bond with this country, sharing a warmth and friendship with their growing ranks of fans that is real and very precious to them." Ganz offensichtlich sah das die nordamerikanische Atlantic etwas anders, denn wie ist es zu erklären, dass diese phänomenale Livescheibe auf dringenden Wunsch des englischen Ablegers von Atlantic Records aufgenommen wurde? Der U.S. Markt alleine schien zu zählen, während man die Entwicklung auf dem alten Kontinent und auch in Japan (nettes Foto im HM PHOTO BOOK "Heavy Metal In Japan") kaum beachtete. Ein fataler Irrtum, wie sich kaum ein Jahr später herausstellen sollte.

Sonntag, 16. Mai 1982, Bochum Ruhrlandhalle. In einer nicht ausverkauften Halle macht die SCORPIONS Tour '82 zu ihrem letzten hardrockigen Album "Blackout" Station. Im Vorprogramm sind die Southern Rocker BLACKFOOT angekündigt, und als das Hallenlicht erlischt, beginnt eine viel zu kurze Show, die mir bis heute unvergessen blieb. Hatte mich diese Stilrichtung in früheren Jahren nicht sonderlich interessiert, tauchten mit Bands wie MOLLY HATCHET und eben auch BLACKFOOT Vertreter einer zweiten Generation auf, die einen deutlichen Zacken direkter und härter zur Sache ging. BLACKFOOT hämmerten sofort drauflos, dass meinereiner aus dem Staunen nicht mehr herauskam. Mit bierseligem und schwerfälligen Rock (... mit oftmals viel zu dezenten Gitarren) hatte das nichts zu tun, hier gab's die absolute Vollbedienung.
Unvergessen bleiben Rattlesnake Rock'n'Roller oder das endlich in verlängerter Version gespielte Highway Song. Das sich nach Mundharmonika-Intro immens steigernde und anschließend regelrecht explodierende Train, Train (dagegen wirkt die Albumversion wie ein Bummelzug) oder das den "whiskey drinkern" gewidmete Every Man Should Know (Queenie). Eines der besten Konzerte welches ich in mehr als 25 Jahren bis heute gesehen habe.

Einige Monate später lag dann die LP "Highway Song - Live" auf meinem Plattenteller. Kopfhörer aufgesetzt und die Nadel in die Rille der ersten Seite vorsichtig abgesenkt. Was ich dann zu hören bekam, ist wohl bis zum heutigen Tage das größte Aha-Gefühl welches ich jemals beim erstmaligen Anhören spüren durfte.
Man hat den Eindruck mitten im Konzert zu sein und vor meinem geistigen Auge lief das Bochumer Konzert erneut ab. Die LP hatte einen Bombensound, der auch wirklich live klingt. Hier erlebt man eine Band, die sich durch einen Gig spielt, bei dem man den Eindruck erhält als stachele sich das lautstark mitgehende Publikum und die sich in einer unschlagbaren Form befindliche Band gegenseitig auf. Die immer wieder eingestreuten bluesigen Elemente, Rick Medlockes Reibeisenstimme mit welcher er das Publikum durch kurze Ansagen weiter aufputscht und der mit viel Feeling vorgetragene Donnersound machen dieses Album zu einem der besten Livemitschnitte aller Zeiten. Für mich ist es bis heute das perfekte Livealbum mit einer Stimmung die unschlagbar ist.
Da wird durch Brecher wie Dry County geradezu leichtfüßig gerockt und es wimmelt nur so an satten Grooves und röhrenden Gitarren [Hell yeah! Das Redaktions-Phrasensuchschwein grüßt].
Train, Train und Highway Song entfalten sich hier zur vollen Größe und beenden viel zu schnell ein Album, das als einziges Manko seine relative Kürze hat. Ein Doppelalbum wird wohl ein immer währender Wunschtraum bleiben, sofern nicht eines Tages irgendwelche Bänder in verstaubten Archiven gefunden werden. So klingt ein Album viel zu schnell aus, bei dem das völlig begeisterte Publikum die Band mit Howay The Lads hochleben lässt.
So bleibt einem also nichts anderes übrig, als immer wieder von vorne anzufangen. Sobald das Geräusch einer anfahrenden Dampflok als Intro ertönt, die Band dem sich schon lautstark bemerkbar machendem Publikum angesagt wird und Rick Medlocke mit den Worten "Ok London it's boogie time" die ersten Takte von Gimme, Gimme, Gimme einleitet, geht die Party wieder los. Ein kleiner Rocker wie Rollin' & Tumblin' wird durch Ricks einleitende Worte und dem immer euphorischer reagierenden Publikum zu einem Großereignis. Das Nonplusultra aller Live-Alben!!

"Highway Song - Live" wurde ein relativ großer Erfolg in Europa und festigte den Beliebtheitsgrad der Band innerhalb der Hard Rock Gemeinde. Während Southern Rock auf dem absteigenden Ast schien, schwammen BLACKFOOT auf einer Welle der Sympathie. Die Zukunft für die Band schien glänzend auszusehen und ein weiteres Klettern auf der Erfolgsleiter vorhersehbar. Besonders im britischen Kerrang Magazine, der damals wohl einflussreichsten Metallerzeitschrift, tauchte die Band häufiger auf und ihr Livealbum wurde zu den zehn besten aller Zeiten gewählt. Daheim in den US of A schienen die Verantwortlichen von Atlantic Records derweil ganz andere Vorstellungen von der weiteren musikalischen Entwicklung zu hegen...

Im Sommer 1982 spielten BLACKFOOT auf dem englischen Reading Festival und zeigten auch hier erneut die Verbindung zum Heavy Metal auf, als man gemeinsam mit IRON MAIDEN den ZZ TOP-Klassiker Tush coverte und mit Bruce Dickinson plus 4 Gitarristen und je 2 Bassisten und Drummern einen zum Besten gab. Es wurde ein Abschied, denn die klassische Besetzung mit Rick "Rattlesnake" Medlocke (Lead Vocals, Lead & Rhythm Guitars), Jakson "Thunderfoot" Spires (Drums & Vocals), Greg T. Walker (Bass Guitar & Vocals) und Charlie Hargrett (Lead & Rhythm Guitars) sollte ein letztes Mal als Quartett ein Album eingespielt haben.

Zurück in den Staaten, sah sich die Band mit der Tatsache sinkender Plattenverkäufe konfrontiert. An dieser Stelle muss man sich allerdings fragen, welche Buchhalterseele jemals gedacht hat, dass sich "Marauder" über ein Jahr nach seinem Erscheinen immer noch wie geschnitten Brot verkaufen sollte. Auch der restliche Backkatalog konnte letztendlich nicht unendlich viel hergeben, immerhin hatte "Strikes" irgendwann mal die Platingrenze überschritten. Auch die Rolle ihres Managers und Produzenten Al Nalli begann immer dubioser zu werden. So schleppte er die Band in den Sylvester Stallone Boxerfilm "Rocky III", um neue Inspirationen hervorzukitzeln und so mit den Widrigkeiten des Lebens, sprich mangelnden Albenverkäufen, besser fertig zu werden.

Im Verlauf des Jahres 1982 änderten einige der amerikanischen Radiostationen ihre Sendegewohnheiten. Anstatt nur jeweils einen Song zu spielen, brachten sie zu gewissen Sendezeiten Alben in voller Länge ohne Pause. Das Rockpublikum, ohnehin zu keiner Zeit von prallen Geldbeuteln gebeutelt, nahm diese neue Verhaltensweise natürlich dankbar an und kurbelte den Absatz von Kassetten erheblich an, während die Absatzzahlen vieler Acts drastisch absackten.
Zeitgleich kam die Musikindustrie zu der Feststellung, dass Southern Rock tot sei und Heavy Metal statt dessen der neue zu melkende Goldesel sei. Der Konsens aus den Gesprächen zwischen Label und Management war jener, dass die Band verbraucht sei und zur Auffrischung neues Blut benötige. Gleichzeitig solle an einer "Modernisierung" des Images gearbeitet werden. Die amerikanische Plattenfirma war trotz der positiven Entwicklung "Marauder"s und den europäischen Resonanzen unzufrieden und verlangte weitere Radio-Hits von einer durch dieser Situation verunsicherten Band.

Die Diskussionen innerhalb des Bandlagers ergaben, dass ein zusätzlicher Keyboarder gesucht werden solle. Die Vorstellungen bewegten sich allerdings weiter in Richtung harter Gitarrenrock und somit fielen schnell die Namen Jon Lord (ex-DEEP PURPLE) und Ken Hensley (ex-URIAH HEEP). Deren Spiel auf der Hammond Orgel konnte man sich durchaus zu dem Powersound BLACKFOOTs vorstellen. Nach einigen Verhandlungen mit Hensleys altem Management stieg dieser schließlich in die Band ein.

Besonders Rick Medlocke hatte zu jener Zeit mit weiteren Problemen zu kämpfen. Sein geliebter Großvater Shorty Medlocke war gerade gestorben und er kämpfte zudem mit einem Alkoholproblem. Das unverständliche Verhalten der Plattenfirma, welches die Situation zusätzlich verschärfte, trug nicht gerade zu guten Voraussetzungen für ein neues Album bei.
Die beiden Songschreiber Rick Medlocke und Jakson Spires standen nun vor dem Problem ein kommerzielles Rockalbum schreiben zu müssen. Alleine schienen sie jedoch überfordert und so stieg Ken Hensley bei einigen Songs als Co-Writer mit ein, der spätere Album-Opener Send Me An Angel entstand ganz ohne die beiden Hauptsongwriter. Mit Heart's Grown Cold gab es nach längerer Zeit wieder eine Coverversion, und mit Bobby Barth wirkte ein späteres Bandmitglied beim Komponieren von Crossfire mit. Der immer etwas im Schatten Medlockes stehende Charlie Hargrett steuerte ebenfalls seine Ideen zu Crossfire und Sail Away bei, die mit zu den stärksten Songs des Albums zählen. Rick's langjähriger Weggefährte sollte die einsetzenden Änderungen in den nächsten Monaten besonders bitter zu spüren bekommen.
Der knapp zwei Jahre zuvor mit "Marauder" eingeschlagene Weg erlebte eine drastische Änderung und die Band schien ihre Wurzeln und damit Stärken wenn nicht zu verlassen doch zumindest nicht mehr hundertprozentig zu nutzen. Die von der Plattenfirma gewünschte neue Richtung wirkte verunsichernd auf BLACKFOOT und führte letztendlich bei ausbleibendem Erfolg zu Unstimmigkeiten innerhalb der Band.

Siogo

Im Frühjahr 1983 erschien das "Siogo" betitelte neue Album. In der Sprache der Indianer steht dieses Wort für Geschlossenheit, Zusammenhalt oder Gemeinsamkeit. In Kreisen der Road Crew stand es allerdings seit einiger Zeit für "suck it or get out" (Übersetzung bitte selber nachschlagen...). Auf einer Präsentation kurz nach Erscheinen des Longplayers erklärte eine Mitarbeiterin der Plattenfirma einem bereits "eingeweihten" Reporter die "offizielle" Bedeutung des Albumtitels, der daraufhin in schallendes Gelächter ausbrach. Ihr Label ATCO Records war allerdings weniger amüsiert...

Egal ob es ein letztes Widersetzen gegenüber der Plattenfirma darstellte oder nicht, der vorgenommene Stilwechsel führte keineswegs zu den angepeilten höheren Absatzzahlen. Im United Kingdom kletterte "Siogo" sogar noch bis auf Platz 28 der Albumcharts, während in den USA die Verkäufe sehr enttäuschend verliefen und als höchste Position die Nummer 82 erreicht wurde. Zwar hatte man erneut in den gewohnten Subterranean Studios in Ann Arbor, Michigan aufgenommen, jedoch schien die Magie der vergangenen Alben verloren. Al Nalli, als alleiniger Produzent, hatte der Band einen neuen Sound verpasst der überall als Enttäuschung empfunden wurde.
Das Kerrang beispielsweise, welches BLACKFOOT in den Monaten zuvor noch über den grünen Klee gelobt hatte, stellte plötzlich die Frage wann ein Blackfoot-Album kein Blackfoot-Album mehr sei. Als Antwort folgte die Tatsache des Keyboarder-Daseins Ken Hensleys. Man attestierte der Band nach wie vor teilweise starke Songs, das Abdriften in Richting AOR nahm man ihnen jedoch bitter übel. Seltsamerweise beschrieb das Magazin das Album als teilweise europäisch klingend.

Fast 22 Jahre nach der Veröffentlichung mag ich vielleicht alleine auf weiter Flur stehen mit der Behauptung, dass "Siogo" sooooo schlecht gar nicht war und bis heute einige gute Momente aufweisen kann. Klar ist die Entwicklung enttäuschend für jemanden der "Marauder" und das überragende Livealbum zu seinen absoluten Faves zählt. Und sicherlich besitzt "Siogo" auch nicht die Dichte, Geschlossenheit und Atmosphäre des vorherigen Studioalbums, vom Fehlen der überragenden Songs ganz zu schweigen. Trotzdem ist es nicht so jämmerlich, wie es bis heute gemacht wird.
Der Sound ist transparent und druckvoll, die Keyboards leider viel zu süßlich und verwässert. Die Songs sind eindeutig als solche aus der Southern Ecke zu erkennen, die Rhythmusparts teilweise recht heftig und die Soli auch nicht immer die übelsten. Wer jedoch die - vorher typischen - brachialen Gitarren unterstützt von einer schweren Hammond-Orgel erwartete, lag daneben. Eine (weitere) Chance wurde vertan und statt dessen nur einige herausragende Songs wie Crossfire (stampfender mid-tempo Rocker), Run For Cover (kommt leicht melancholisch daher, starker Refrain, treffend unterstützend eingesetzte Gitarren), Sail Away (treibender Riff-Rocker) und Drivin' Fool (immer geradeaus...) rausgehauen. Was hätte sein können wenn, beweist Ken Hensley mit seinem brillianten Slide-Solo auf Drivin' Fool, welches durchaus alte BLACKFOOT Qualitäten aufweist.

Im Rahmen der Modernisierungswelle wurde auch an Outfit und Image gebastelt. Charlie Hargrett wurde gebeten, sich die Haare schneiden zu lassen. Kaum hatte er zugestimmt, stand der von der Plattenfirma bestellte Friseur schon parat.
Ken Hensley seinerseits brachte nicht nur neue musikalische Ideen ein sondern auch solche welche die Kleidung der Band betrafen. So sah man Rick Medlocke fortan nicht mehr mit seinem typischen Hut, Staubmantel und in Stiefeln sondern in engen, knapp sitzenden Streifenhosen und Schuhen die Charlie als Tanzschuhe bezeichnete.
Auf dem Albumcover ist diese Pracht allerdings noch einmal an uns vorübergegangen, obwohl die Band dort auch nicht gerade glücklich ausschaut. Das Foto auf der Rückseite zeigt einen Rick Medlocke in Pose vor einem enthusiastischen Publikum, das es von nun an kaum noch geben sollte.
Charlie Hargrett konnte am wenigsten mit den Veränderungen anfangen und wehrte sich längere Zeit erfolgreich gegen die modischen Änderungen, bis er letztendlich auch seine Jeans gegen enge Nylonhosen eintauschte. Als ihm eine solche während eines Konzerts riss, stieg er allerdings wieder auf die alten Jeans um. Was sich hier eher beiläufig und amüsant liest, wurde ihm bald darauf übel ausgelegt.

Für den immer einflussreicher werdenden TV-Musiksender MTV drehte man in Verlauf des Jahres 1983 Clips zu Teenage Idol (als Single fürs AOR Radio gedacht und sechs Wochen ohne großartige Resultate ausgestrahlt) und Send Me An Angel, welches nach einigen wenigen Ausstrahlungen in den Archiven verstaubte.
Die alten Fans verprellt, keine neuen hinzugewonnen, die Querelen innerhalb der Band begannen sich zu häufen. Der Headlinerstatus ist dahin, man spielt u.a. im Vorprogramm von KROKUS nach lokalen Vorbands und tourt durch die 3.-5.000er Hallen der USA.

Live On The King Biscuit Flower Hour

Im Rahmen der Reihe "Live on the KING BISCUIT FLOWER HOUR" traten BLACKFOOT am 10. August 1983 im Palladium im kalifornischen Hollywood auf. Dieser in der Quintett-Besetzung aufgenommene Mitschnitt zeigt die Band von einer sehr zwiespältigen Seite. Wer hier ein gutes Jahr nach "Highway Song - Live" ein zweites Hammeralbum erwartet wird enttäuscht. Es entsteht der Eindruck, als spiele man jeden Track schneller um den Auftritt möglichst rasch hinter sich zu kriegen. So sehr dich Train, Train oder Highway Song im Jahr zuvor noch gefangen nahmen, so sehr lassen sie dich jetzt kalt. Am ehesten werden die Erwartungen noch mit dem rockigen On The Run erfüllt, wo das Haus sprich Palladium gerockt wird. Das Programm wirkt zerrissen, denn muss man mit dem FREE-Cover Wishing Well bei dem hervorragenden eigenen Material alte Kamellen neu aufwärmen? Auch wenn Ken Hensley eine glorreiche Vergangenheit mit URIAH HEEP aufweisen konnte, wozu ein uninspiriertes Easy Livin' im Schnelldurchgang? Teenage Idol wird auch live nicht besser. Die Krönung des Ganzen stellt sicherlich Livin' In The City dar, welches einen Studiosong präsentiert, der mit seinen fürchterlichen Keyboards und gestelztem Refrain einen Shorty Medlocke hätte am Verstand seines Enkels zweifeln lassen. Sammlerstück...
[s.a. unsere Besprechung von 2001; Red.]

Im Sommer 1983, inmitten einer Tourstation in Los Angeles, beruft Manager Al Nalli ein Meeting Hotelzimmer ein. Er teilt der Band mit, dass die Albenverkäufe unbefriedigend seien und ihr nächstes Album eventuell ihr letztes werde. Nalli verlangt den sofortigen Beginn des Arbeitens an neuem Material. Die folgende Diskussion führt zu der Feststellung, dass einige Bandmitglieder nicht in der Lage seien, während der Tour zu komponieren, woraufhin man die Besprechung vertagt.
Noch am gleichen Tag nehmen Hargrett und Hensley einige Songideen auf und überreichen sie Nalli. Im Verlauf der Tour schicken die beiden mehrfach Tapes mit weiteren Tracks an ihren Manager. Später stellt sich heraus, dass Nalli den bisherigen Hauptsongwritern Medlocke und Spires mitgeteilt hat, sich verstärkt ans Schreiben zu begeben, um zu vermeiden, dass die Credits für die nächste Scheibe alleine an Hargrett und Hensley gehen würden. Medlocke schloss diese Möglichkeit daraufhin kategorisch aus.
Dass die Zustände nicht nur im BLACKFOOT Camp immer chaotischere Formen annehmen, beweist ein Zwischenfall während einer gemeinsamen Tour mit der zweiten großen Band der Second Southern Generation, MOLLY HATCHET. Ohne Vorankündigung fliegen deren Sänger Danny Joe Brown sowie die beiden Gitarristen Steve Holland und Duane Roland aus Kansas City in ihre Heimatstadt nach Florida zurück. Um der Band aus der Patsche zu helfen, übernimmt Medlocke nach einem schnellen Rehearsal im Umkleideraum die Position des Frontmannes, während Hargrett die vakante Stelle des Rhythmusgitarristen für einen Abend ausfüllt. Nach der Show in Kansas geht die Tour am folgenden Tag mit der Rückkehr der "Flüchtlinge" im gewohnten Stil weiter.

Mittlerweile ist es Herbst 1983. Die Tourneen sind vorüber und Medlocke, Spires plus der "Neue" Hensley befinden sich wie gewohnt in Ann Arbor um an neuem Material zu arbeiten. Hargrett wird von Manager/Produzent Nalli mit der Begründung ausgeladen, die restlichen Jungs denken, dass sein Stil des Gitarrenspiels nicht "modern" genug sei und sich nicht mit der neuen Richtung BLACKFOOTs vertrage. Im Verlaufe des Gesprächs begreift Hargrett ebenfalls die Ausbootung des Bassisten Greg T. Walkers an den laufenden Sessions.
Im November 1983 trifft man sich in Atlanta im US Bundesstaat Georgia im Eddy Offord Studio zu den Aufnahmen am neuen Longplayer. Offord, der vorher u.a. als Engineer für die englischen Progrocker YES tätig war, übernimmt die Produktion gemeinsam mit Al Nalli, während am Mix neben ihm auch Rick Medlocke mitwirken darf. Erstmals in der Bandgeschichte wird die Vorproduktion nicht von der kompletten Band bestritten und aus der weiteren Vorgehensweise heraus begreift Hargrett, dass er nicht mehr länger Teil des bisherigen Teams ist. Bereits zu Beginn der Studioaufnahmen teilt ihm Nalli mit, seine Bandkollegen würden seine Vorschläge bezüglich Musik und Arrangements als "ablenkend" bezeichnen. Nalli erklärt ihm während dieser Unterhaltung, er sei damit in diesem Kreis nicht willkommen und würde wahrscheinlich an vielen Songaufnahmen gar nicht mitwirken. Obwohl Nalli viele von Hargretts Ideen begrüße müsse er sich der Mehrheit beugen, da es schließlich die letzte Chance für BLACKFOOT wäre. Als der gute Charlie auch noch erfährt, er trage die Schuld daran, dass man aufgrund seines Aussehens ein jüngeres Publikum nicht anspricht und sein Spiel zu altmodisch sei ist das Maß voll.
Nach Hargretts Meinung waren die vorgebrachten Ansichten und Vorwürfe völliger Unsinn. Anstatt davon besessen zu sein, dem Erfolg einer kurz angesagten Band wie QUIET RIOT hinterher zu hecheln, solle man sich auf die eigenen Stärken besinnen und "der sein welcher man wirklich selber ist". Nach seinem Empfinden lag das eigentliche Problem in der Herangehensweise beim Schreiben von neuen Songs. Man beabsichtigte ein Publikum von Teenagern zu erreichen, welche nach Ergebnissen der Marktforschung die größte Käufergruppe auf dem heißumkämpften Plattenmarkt darstellten. Falls die Band ihn für den Misserfolg verantwortlich machen wolle, könne sie ihn feuern.
Von diesem Zeitpunkt an sah man Hargrett kaum noch im Studio. Statt dessen verbrachte er die meiste Zeit im gemeinsamen Apartment in Atlanta um an neuen Songideen zu feilen und anschließend auf einem kleinen Vierspurgerät aufzunehmen. Die restliche Band ignorierte diese Versuche und spielte unterdessen ohne Hargrett ein Album ein, welches von der Plattenfirma abgelehnt wurde.
Während dieser Phase standen nahezu täglich Meetings an, in denen zumeist jeweils ein Bandmitglied den Sündenbock für die Probleme spielen musste. Jeder schob die vermeintliche Schuld auf den anderen und in dieser kontraproduktiven Atmosphäre ging man auf eine kurze Tour, während der sich die anderen Mitglieder gegen Hargrett aussprachen und ihm die Hauptschuld am Misserfolg gaben. Nach dem Ende der Tour kam es zu einem weiteren Gespräch Nallis mit dem altgedienten Gitarristen in welchem der Manager ihm auf seine Frage hin bestätigte, dass der Rest der Band seinen Ausstieg wünschte. Das Resultat war der Abschied des langjährigen Bandmitglieds Ende Januar 1984.

Samstag, 17. März 1984. Mit meinem Bruder in die Essener Grugahalle gereist um "WHITESNAKE in concert '84" erleben zu dürfen. Auf dem Ticket steht als Special Guest BLACKFOOT!! Nichts ahnend von den Geschehnissen im Bandlager freuen wir uns, die Jungs trotz des etwas enttäuschendem "Siogo" wiederzusehen. Denkste, die HEADPINS langweilen mit 08/15-Rock. Warum & wieso bleibt zu der Zeit unklar. Heute wissen wir es besser.

Vertical_Smiles

Als ich "Vertical Smiles" erstmals in die Finger kriege, bekomme ich arge Zweifel ob sich ein Kauf lohnt. Nix gegen Frauenbeine, aber auf einem Cover der neuesten BLACKFOOT-LP? Doch es kann nicht sein was nicht sein darf, und so kauft meinereiner dieses Machwerk ohne Hörprobe. Daheim gibt es eine der größten Enttäuschungen der Musikgeschichte. Nicht ein Song geht als akzeptabel durch. Krampfige Synthiegrütze wie sie selbst in den Achtzigern nicht Standard war. Beim Schreiben dieses Artikels habe ich das Album noch einmal aufgelegt und nur mit Müh & Not durchgestanden. Schlimmer geht's nimmer.
Die neuen Wege wurden tatsächlich beschritten, aber denen wollte außer der Band kaum noch einer folgen. Von den neun Songs sind ganze zwei alleinige Kompositionen von Medlocke/Spires, der Rest wurde unter Mithilfe weiterer Schreiber zusammengewurschtelt oder schlichtweg gecovert. Sogar der treueste und hartnäckigste Fan musste einsehen, dass die "guten alten" Zeiten endgültig vorüber waren und die Gegenwart grausig. Eine Zukunft schien undenkbar.
"Vertical Smiles" floppte selbst in England, und kurz nach Veröffentlichung verließ auch Ken Hensley die Band. Man holte mit Bobby Barth einen neuen Keyboarder, während Rick Medlocke von nun an für die Gitarrenparts alleinverantwortlich war.

Im Jahre 1985 lösten sich die Reste der Band auf. In der Folgezeit kam es unter dem Namen BLACKFOOT zu einigen weiteren Aufnahmen, welche allerdings mehr oder weniger als Solowerke Medlockes zu bezeichnen sind. Das Thema BLACKFOOT hatte sich für mich erledigt, Hörproben konnten die Enttäuschung nicht verdrängen und so kaufte ich mir lieber noch einmal die CDs der Phase "Strikes" bis "Siogo". Besonders "Marauder" und das phänomenale Livealbum von 1982 seien jedem Rockfan der diese Alben nicht besitzt hier ein weiteres Mal wärmstens empfohlen.

Rick Medlocke Anfang 1996 stieg Rick Medlocke erneut bei LYNYRD SKYNYRD ein und hat seitdem an mehreren Alben mitgewirkt. Vom Härtegrad können diese nicht unbedingt mit den Alben BLACKFOOTs 1979-82 konkurrieren, was allerdings wie immer eine Frage des Geschmacks darstellt. Empfehlenswert ist "Edge Of Forever" aus dem Jahre 1999, welches für Skynyrd Verhältnisse recht heftig ausgefallen ist und laut Vorwort im Booklet das Album darstellt auf das die Fans der Band seit 1977 gewartet haben. Bis auf eine Ausnahme hat Medlocke an sämtlichen Songs mitgeschrieben und seinen Beitrag zu einem erstaunlich rockigem Album geleistet. Als ich LYNYRD SKYNYRD auf dem Arrow Rock Festival 2003 sah, präsentierte sich der ex-BLACKFOOT Frontmann ausgesprochen spielfreudig und zeigte eine sehr agile Performance.

Neben LYNYRD SKYNYRD hatten MOLLY HATCHET bereits 1996 mit "Devil's Canyon" ein Southern Rock Opus vorgelegt das die Herzen vieler Fans mit Metalschlagseite höher schlagen ließ. Der Nachfolger "Silent Reign Of Heroes" (1998) ging ähnlich heftig, wenn auch nicht mehr ganz so genial, zur Sache. In diesem Zusammenhang tauchte die Frage nach einer Reformierung BLACKFOOTs in der legendären Viererbesetzung häufiger auf. Medlocke betonte daraufhin stets, mit Skynyrd glücklich und zufrieden zu sein und sich nicht halbherzig einer ungewissen Geschichte widmen zu wollen. Auch wenn sich Charlie Hargrett, Jakson Spires und Greg T. Walker jetzt wieder mit Bobby Barth unter dem Namen BLACKFOOT zusammentun sollten bleibt die Angelegenheit zwiespältig.
[Medlocke sagte seine Meinung zu diesem Thema im Juli 2004 in unserem Interview]

BLACKFOOT haben sich mit wenigen Alben einen festen Platz in der Geschichte des Southern- und Hard Rocks gesichert. Ob legendär oder nicht, neue Generationen von Fans des harten Gitarrenrocks sollten ihnen Gehör schenken und sie neu für sich entdecken.

Jürgen Ruland, (Artikelliste), 30.12.2004

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