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Brewer and Shipley

Michael Brewer & Tom Shipley

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Discographie
Down in L.A. 1968
Weeds 1969
Tarkio Road 1970
Shake off the Demon 1971
Rural Space 1973
ST11261 1974
Welcome to Riddle Bridge 1975
Not far from free 1978
Shanghai 1995
Heartland 1997

Etwa 1975 empfahl mir mein EMI/Elektrola-Vertreter eine US-Importscheibe. Ungewöhnlich an ihr war, dass der Albumtitel gleich der Bestellnummer war: ST11261 (Capitol, 1974). Die Interpreten hießen Brewer & Shipley und waren mir unbekannt, besser gesagt, ich hatte noch nie Musik der beiden gehört, aber die Namen kannte ich aus dem Polydor-Katalog. Da gab es eine Scheibe namens Rural Space, die ich aber noch nie genommen hatte.

Cover ST-11261 Auf jeden Fall legte ich die LP auf den Teller und hörte sie schnell durch. Halt, schnell war geplant, ließ sich aber nicht durchführen. Denn bereits der zweite Songs, "It did me in", traf. Für den einen die schlimmste Schnulze, die er jemals gehört hatte, für mich ein wunderbar süßes Liebeslied mit einem tollen Duo-Gesang, die eine Seite von Brewer & Shipley.
Sie gehören für mich zu den besten Singer/Songwritern, die jemals langsame, melodische Songs geschrieben und intertrepiert haben. Die andere Seite der beiden sind mittelschnelle Country/Folksongs mit wenig E-Gitarre, meistens das Solo. Ihre Alben haben in etwa 50% der ersten und 50% der zweiten Kategorie. Wobei die schnelleren Lieder nicht zu denen gehören, die man unbedingt gehört haben muss. Die Langsamen hingegen sind wirklich Spitze.
Auf der ST11261 sind dies "It did me in", "Shine so strong", "Keeper of the Keys" (Remake von ihrem Debütalbum), "Bound to fall" (siehe Stephen Stills Manassas) und "Oh so long".

Cover Rural Space Klar, dass ich mir diese Scheibe sofort bestellte und dann natürlich auch die "Rural Space" (1972). Letztere bietet die o.g. Mischung, nur sind die langsamen Lieder nicht von der Klasse der ST11261. Dafür gibt es "Fly, fly, fly", die Leidensgeschichte eines Vielfliegers, mit Ziehharmonica und Klarinette im New Orleans Dixie-Stil, wie man sie selten so gut im Folk/Country gehört hat. "I always have to sit between a fat lady and a soldier on the plane" und "next time, I go to San Franzisco, I'm gonna ride a train" geht es im Text los. Dazu die schrägen Dixie-Bläser, köstlich, zum Mitschunkeln.

Im Laufe der Monate und Jahre konnte ich dann im Versand regulär oder als Cutout die vorhergehenden Alben erstehen, vom Debüt "Down in L.A.", über "Weeds" und "Tarkio" zu "Shake off the Demon".
Cover Down in L.A. Cover Weeds Cover Tarkio Cover Shake off the Demon

An Instrumenten hören wir das ganze Spektrum: Akustik- und E-Gitarren, Keyboards (Orgel und E-Piano), Schlagzeug, Pedalsteelguitar, Mundharmonika und mehr. Die Verantwortung für die Begleitung liegt in 90% der Lieder bei der Akustikgitarre, das Solo wird von einer sauberen (Fender-)Gitarre vorgetragen. Der Gesang ist meistens zweistimmig, zur Betonung singen sie dann unisono. Ausnahmen .......
Die (Akustik-)Gitarrenarbeit der beiden ist immer dem Lied angemessen. Alle Lieder sind aus ihrer Feder (All along the Watchtower könnte die einzige Ausnahme sein; vielleicht gibt es noch einige wenige mehr), es gibt immer ein paar kleine Riffs, und der Klang lässt nichts zu wünschen übrig.

Highlights:
"Down in L.A." (1968) "Truly right", "Keeper of the Keys", "Dreamin' in the Shade" und "Mass for my Lady"
"Weeds" (1969) "Lady like You", "Rise up (Easy Rider)" und "Witchi Tai To" (einer meiner Top-Favoriten)
"Tarkio Road" (1970) "One toke over the Line", "The Light", "Don't want to die in Georgia", "Seems like a long Time"
Shake off the Demon" (1971) "Merciful Love", "When everybody comes home", "Rock me on the Water", "Sweet Love"
Danach wechselten die Beiden die Plattenfirma und gingen zu Capitol Records. Konsequenterweise war dies für das alte Label Kama Sutra der Anlass eine Best of auf den Markt zu bringen, die auch tatsächlich mit die besten Songs auf einem Doppelalbum vereint. Als Komplettsammler musste ich auch dieses haben. Cover The Best .....
1975 erschien dann "Welcome to Riddle Bridge", das gleich sechs ruhige und nur vier lebhafte Lieder hat. "Hearts overflowing" war von Anfang an mein Liebling, aber auch der Rest ist sehr gut anzuhören. Welcome to Riddle Bridge
Das Folgealbum "Not Far from Free" habe ich niemals gesehen, geschweige denn gehört. Laut dem All Music Guide trennten sich die beiden nach dem Erscheinen dieser LP im Jahre 1979 (dem Jahr, in dem ich in den Naturheilmittelvertrieb umstieg :o) und nicht mehr direkt an der Quelle saß).
Von Michael Brewer gibt es eine Solo-LP aus dem Jahr 1983, die damals die WEA sogar im deutschen Programm veröffentlichte und so leicht zu mir fand. Sie ist nicht spektakular, aber schön zum Anhören. Cover Beautiful Lies

Aber seit 1989 gibt es wieder "Brewer & Shipley", mit Unterbrechungen, fast ständig auf Tour und 1995 erschien die CD "Shanghai", gefolgt von "Heartland" 1997 (so ist bei www.allmusic.com nachzulesen). Wenn diese drei Alben einmal ihren Weg zu mir finden werden, werde ich wahrscheinlich vor Freude an die Decke springen und dann beim Hören, möglicherweise, fürchterlich enttäuscht sein, weil mir ihre aktuelle Musik nicht mehr gefällt. Andererseits scheint mir dies unwahrscheinlich, denn Musiker, mit so guten Stimmen und dieser tollen Musikalität können gar nicht so daneben liegen.

Noch ein Wort zur Definition ihrer Musik.
Bei allmusic heißt es:
Styles: Jesus Rock, Folk-Rock, Folk-Pop, Folk
und
Tones: Laid-Back/Mellow, Earthy, Amiable/Good-Natured
Also, ganz ehrlich, von Jesus Rock habe ich mein Leben lang noch nichts gehört, vielleicht eine ganz spezielle Richtung des allmusic-Schreibers Steve Huey. Ich, als Nicht-Amerikaner, hatte sie all' die Jahre in der Country / Country Rock / Westcoast-Schublade. Bei Folk sehe ich immer mit den Beinen stampfende Fiddler und weniger E-Gitarre und Keyboard. Zuerst wollte ich mich einfach darüberhinwegsetzen und sie auf unsere Country Rock-Seite setzen, aber ich schließ mich dem Spezialisten an und sie kommen unter Folk.

Werner Saumweber (Impressum, Artikelliste), 15.02.2001

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