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New Honky Tonk Bootlegs

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New Honky Tonk Bootlegs
New Honky Tonk Bootlegs, Eigenvertrieb, 2008
Charlie Starr Vocals, Guitar, Pedal Steel & Banjo
Richard Turner Bass, Vocals
Brit Turner Drums
Paul Jackson Guitar, Vocals
Gäste:
Joey Huffman Piano
Bobby Yang Fiddle
Produziert von: Blackberry Smoke Länge: 22 Min 19 Sek Medium: EP
1. Son Of The Bourbon4. The Only Thing She Left Behind
2. Lesson In A Bottle5. Livin Hell
3. Keep On Keepin On6. Livin Hell (Dirty Version)

Ein Intermezzo der Southern-Krachmaten aus Atlanta - und es ist ein Country-Bastard! So sind sie, die Herren Starr, Jackson und 2x Turner: Immer bodenständig, immer an der Basis (der heimatlichen natürlich), immer für einen guten Suff zu haben.
Live sind sie ja ständig unterwegs, zurzeit mit ZZ TOP, im nächsten Jahr mit LYNYRD SKYNYRD, aber seit der wirklich guten ersten CD "Bad Luck Ain't No Crime" von 2003 hat man keine neuen Songs gehört. Ist sicher auch recht anstrengend, sich Jahr für Jahr als, wie in den Staaten üblich, völlig unbeachtete Vorgruppe oder als Samstagabendunterhaltung in den lokalen Whiskyschuppen zu verdingen, da kann man schon verstehen, wenn der Sinn zur Abwechslung nach Hausmusik steht.

Nach dem Genuss der EP "New Honky Tonk Bootlegs" bleibt nur die Frage, ob man als eigentliche Rockband derlei Freizeitvergnügen unbedingt aufwändig im Studio aufnehmen und produzieren muss, um am Ende 22 vollkommen stinknormale Minuten Countrymucke unters Volk zu werfen. Das hier ist nämlich weder Outlaw-Musik noch sonst wie ein Aufreger, es sind einfach sehr professionell gespielte Liedchen, die letztendlich a.) niemandem Schmerz bereiten, und b.) den einen oder anderen Rocker verprellen könnten, falls der nicht auch ab und an auf Banjo, Fiddle und Pedal Steel abfährt.
Mag ja im Saloon ein Spaß sein, wenn man über die Trinkgewohnheiten von Mama und Papa Starr aufgeklärt wird, und als Showstopper zwischen dem normalen Southern-Boogie eignet sich Son Of The Bourbon ganz bestimmt. Aber damit sollte dann auch gut sein. Die nächsten beiden Nummern braucht kein Mensch, außer vielleicht der ganz desperate Nashville-Flüchtling, der ums verrecken keinen Einheitsbrei mehr hören möchte. Für den gibt es in The Only Thing She Left Behind sogar noch einen auf "vintage" getrimmten Standard-Volksmusiksong extra.
Livin Hell gibt's gar doppelt. Einmal als normalen Langweiler und dann die "Dirty Version". Die ist aber auch so was von dirty. "Sucking dick" und "eating pussy at the Sheraton Hotel" erschüttert unser Moralempfinden heftig, denn schließlich kann man das hierzulande wesentlich kostengünstiger in anderen Hotels, zuhause oder an jeder grade passenden Stelle erledigen. Also ehrlich, seit dem asozialen David Allan Coe mitsamt seinem rassistisch-sexistischem Unsinn hatte man solche Pennälertexte eigentlich für erledigt gehalten.

Der Ordnung halber sei gesagt, dass es durchaus auch schicke Gitarren zu hören gibt. Aber irgendwie gehen die in der Beliebigkeit der Songs unter.
Ob sich BLACKBERRY SMOKE mit dieser EP - wenigstens was die europäischen Fans betrifft - einen Gefallen getan haben, darf bezweifelt werden. Die meisten Rocker werden die Augenbraue heben und in Zukunft nach der generellen Glaubwürdigkeit fragen, von den Cowboys wird beim nächsten harschen Gitarrenton nur noch der Stiefelabsatz von hinten zu sehen sein. Ein Brückenschlag zwischen beiden Musiken und Konsumentenschichten wäre eine Möglichkeit, aber dann haben BLACKBERRY SMOKE ein riesiges Konkurrenzproblem und müssen im Songwriting deutlich zulegen.

Fred Schmidtlein, (Impressum, Artikelliste), 08.09.2008

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