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Bruce Springsteen

Nebraska

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Nebraska
Nebraska, CBS, 1982
Bruce Springsteen Vocals, Guitar, Harmonica
Produziert von: Bruce Springsteen Länge: 40 Min 49 Sek Medium: CD
1. Nebraska6. State Trooper
2. Atlantic City7. Used Cars
3. Mansion On The Hill8. Open All Night
4. Johnny 999. My Father's House
5. Highway Patrolman10. Reason To Believe

Stell dir vor, du sitzt an einem beschissenen, verregneten Tag in deinem klapprigen Auto, machst Halt an einer staubigen, verrauchten Raststätte, setzt dich mit einem wässrigen Kaffee zu einem heruntergekommenen Fremden, der irgendwann anfängt, dir die Geschichte seines verkorksten Lebens zu erzählen. Du hörst zu, weil es eine spannende Geschichte ist. Und vielleicht lernst du etwas.

In jedem der Songs kommt ein Erzähler zu Wort, der auf dem emotionalen und faktischen Tiefpunkt seines Lebens angekommen ist, der die Bindung zu allem verloren hat, zu seinem Job, seinen Freunden, seiner Familie, seinem Land, dessen Seele schlicht verkümmert ist.
Der Opener Nebraska handelt vom Amok-Tripp eines Pärchens, dem mehrere Unschuldige zum Opfer fallen. Die Begründung: "Sie und ich, Sir, hatten wenigstens einige Zeit unseren Spaß." Der letzte Wunsch des zum Tode verurteilten: "Sheriff, wenn der Mann den Schalter drückt, sorgen Sie dafür, dass mein hübsches Baby auf meinem Schoß sitzt."

Alle Geschichten erzählen von ähnlich gescheiterten Existenzen. Von Existenzen, die auf die schiefe Bahn geraten, die ihr Leben lang auf der Verliererseite stehen, von Frustmördern, von zerrissenen Familien. Immer wieder versucht Springsteen eine Antwort zu finden auf die Frage: "Was passiert, wenn all das, woran du mit 25 geglaubt hast, sich als falsch heraus stellt? Was passiert, wenn das alles einfach in sich zusammenfällt, wenn deine Freunde dich im Stich lassen, wenn du allein bist? Kannst du dann noch weiterleben? Kannst du weitermachen?"

Der Kernsatz dieses Albums findet sich im Song State Trooper...
"Hey somebody out there, listen to my last prayer
Hi ho silver-o deliver me from nowhere."
... und wird in Open all Night noch mal wiederholt:
"Hey mr. deejay woncha hear my last prayer
hey ho rock 'n' roll deliver me from nowhere."

Das besondere an diesem Album ist die geniale Umsetzung dieser Stimmung in brillanten Melodien, in einem spartanischen Folk-Soloalbum, das an Klarheit kaum zu überbieten ist. Klarheit z.B. auch im Gesang: Springsteen vernuschelt hier mal nichts.

Nur drei Stunden benötigte Springsteen angeblich, bis er die Songs von "Nebraska" und einige andere, die man später auf "Born in the U.S.A." wiederfinden sollte, in seinem Schlafzimmer lediglich mit Gitarre und Harmonika bewaffnet auf ein Vierspur-Cassettendeck aufgenommen hatte.
Das brauchbar auf Vinyl zu pressen, muss eine wahre Meisterleistung gewesen sein... Und man kann nur von Glück reden, dass Springsteen zu diesem Zeitpunkt schon seinen Super-Star-Status hatte. Andernfalls hätte er wohl lange nach einer wohlgewogenen Plattenfirma suchen dürfen...

Fazit:
Wenn es Platten gibt, die wegen ihrer Besonderheit, ganz unabhängig vom Geschmack, in keiner Sammlung fehlen sollten, dann ist Springsteens "Nebraska" ganz sicher eines dieser Alben! Wer sowieso auf Folk und Singer/Songwriter steht, der hat dieses Album ohnehin schon im Regal!

Tribute-Alben, zu Ehren aller möglichen Künstler, gibt es ja wie Sand am Meer – dass es aber ein Tribute-Album zu Ehren eines Albums gibt, habe ich bei "Nebraska" zum ersten Mal erlebt. "Badlands – a Tribute to Bruce Springsteen's Nebraska" (2000) vereint u.a. Chrissie Hynde, Aimee Mann und Johnny Cash, die manchmal schön, manchmal interessant die Songs interpretieren.
"Nebraska" hat es ganz sicher verdient!

Andreas Futschik, (Artikelliste), 12.03.2002

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