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Exile On Blues Street

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Exile On Blues Street
Exile On Blues Street, Telarc/in-akustik, 2003
Brian Stoltz Guitar
Tommy Shannon Bass
Chris Layton Drums
Andrea Re Backup Vocals
Rob Roy Backup Vocals
Ryan Zoidis Tenor & Alto Saxophone
David Noyes Trombone
Scott Thompson Trumpet
Produziert von: Randy Labbe Länge: 50 Min 16 Sek Medium: CD
1. Lucky Peterson - Ventilator Blues 6. Colin James & Andrea Re - Tumbling Dice
2. Christine Ohlma - All Down The Line 7. Tab Benoit - Shake Your Hips
3. Johnny Castro - Rip This Joint 8. Joe Louis Walker - Shine A Light
4. Otis Taylor & CassieTaylor - Sweet Black Angel 9. Deborah Coleman - Happy
5. Jeff Lang - Sweet Virginia 10. Jimmy Thackery - Rocks Off

"Speaking of Tribute-Albums..." Die aufmerksamen Leser des HoR-Forums (wer ist das nicht?) haben eine der aktuellen Diskussionen mitgekriegt und schon flattert mir wieder so ein Teil in den Player.
Wieder ein paar Blues-Hansel die die ROLLING STONES verwursteln? Da hatten wir doch vor ein paar Jahren erst diese "Paint It Blue" Scheibe von RUF-Records (übrigens mit einer genialen You Can't Always Get What You Want-Version von Luther Allison und einem rockenden Tumbling Dice von Johnny Copeland. Letzterer wurde von Derek Trucks an der Slide-Gitarre sowie den YAYHOOS begleitet).

Diesmal haben sich die Blueser dem Meisterwerk "Exile On Mainstreet" von 1972 angenommen. Schön, die Stones haben einen gewissen Blues-Background, aber muss man es gleich übertreiben und alles in einem stupiden Schema runterschrammeln?
Fehlanzeige! Sag ich Euch gleich schon mal.

Lucky Peterson hat sich den Ventilator Blues geschnappt und bleibt zwar recht nahe am Original, spielt aber eine scharfe Lead-Gitarre mit allen möglichen Licks und Wah-Wah und Slide-Einsatz und der Gesang passt ja sowieso zu so einem Blues bestens.
Jetzt wären ja auf der STONES-LP noch reichlich Blues-Stücke drauf, wie etwa Casino Boogie, Stop Breaking Down, Just Wanna See His Face, etc. Aber die Jungs hier haben sich überwiegend den flotteren, rockigeren Nummern gewidmet.
So folgt denn auch All Down The Line und es geht absolut straight zur Sache! Christine Ohlman ist kein Jagger, aber sie macht einen Klasse-Job unterstützt vom hervorragenden Background-Gesang von Andrea Re und Rob Roy. Geht schnurgerade aus mit einem treibenden Bass und rockigen Gitarren. Naja, die Rhythmusabteilung, Tommy Shannon und Chris Layton, hat ja reichlich Erfahrung vorzuweisen. Von Blues kann hier bestenfalls beim Gesang die Rede sein - der steigert sich denn auch noch richtig gut rein. Das Saxophon ist wohl nicht ganz so "scharf" wie das von Bobby Keith, dafür ein ganzes Stück filigraner.

Einer der STONES-Rocker schlechthin ist Rip This Joint.
Der ist hier nicht ganz so pure Energie, weil einfach exakter gespielt, aber trotzdem geeignet mich aus dem Sessel zu zerren und meine Gitarre überzuwerfen (das passiert übrigens nicht bei vielen CDs!). Die Bläser-Einwürfe erinnern stark an die bei LYNYRD SKYNYRD's Version von Call Me The Breeze. Die rauen Vocals von Johnny Castro passen wunderbar zu diesem Rocker (spricht noch jemand von Blues?) und ein Rock'n'Roll-Solo hat er auch noch parat.

Dann geht's an die zweite, folkigere Seite der 72er Doppel-LP (Sweet Black Angel). Otis Taylor an Gesang und Gitarre, sowie Cassie Taylor als Background-Sängerin gehen etwas bluesiger an diesen Song heran ohne den Grundcharakter zu verändern. Guter Sound und klasse gespielt ohne jetzt der "Über-Bringer" zu sein.
Bei Sweet Virginia lässt schon die Slide-Akustik-Gitarre mehr Bluesfeeling entstehen. Da ist nicht mehr viel vom Country-Stil der Stones. Jeff Lang hat eine absolut tolle einfühlsame Aufnahme abgeliefert. Allein der Gitarre zuzuhören macht bereits Spaß.
Das folgende Riff gehört wohl auch zu den bekanntesten der Rockmusik: Tumbling Dice!
Andrea Re tritt diesmal aus dem Background nach vorne. Die Nummer kommt zunächst etwas zurückhaltender als gewohnt, allerdings wiederum perfekt gespielt und spätestens beim Einsatz der Slide-Gitarre von Colin James ist man versöhnt und wippt freudig mit.

Durch das ganze Album macht sich sehr wohltuend der hervorragende Background-Gesang bemerkbar.
Ein Song wie Shake Your Hips liegt den versammelten Bluesern natürlich und für Tab Benoit an Gesang und Gitarre wahrscheinlich nur eine Pflichtübung. Trotzdem wird hier mit Engagement gespielt und irgendwie kriegt man den Gedanken an La Grange nicht aus dem Kopf. An Soli wird hier jedenfalls nicht gespart!
Das gospelhafte Shine A Light wird sehr soulig von Joe Louis Walker gesungen und mit einer angezerrten E-Gitarre wird immer mal etwas "Dreck" eingestreut. Sehr passend auch die Trompeten-Intermezzi die den Blues-R&B-Charakter noch verstärken. Zum Gitarrensolo hin steigert sich das Ganze dann auch, um auf dem Höhepunkt kurz zu verstummen und dann wieder Fahrt aufzunehmen, die dann leider ausgeblendet wird.

Der Keith Richards-Song ist wohl Happy! Noch etwas "abgehackter" als die Stones, wird der Song hier gespielt und mit Deborah Coleman hat man jemand der wirklich singen kann.
Auch das ist natürlich alles nicht so roh wie bei den Junkies von 1972, aber ihre Licks und Riffs haben die Interpreten hier drauf und die glasklare Produktion macht richtig Spaß.
Mit Rocks Off zäumt man das Pferd dann quasi von hinten auf und spielt den eigentlichen Opener von "Exile On Main Street" als letzten Song.
Und schon rollt die Rhythmus-Maschine wie ein 8-Zylinder. Klingt gleich 'ne Ecke zackiger. Jimmy Thackery ist diesmal an Gesang und Gitarre tätig und so knallt er uns denn auch ein dreckig-rockendes Solo hin, das sowohl Taylor als auch Richards beinhaltet. Wieder ist der Blues nur in der Kehle von Herrn Thackery vorhanden. Super wie sich die Band zum Ende hin immer mehr steigert und die Soli dazwischen hauen. Bald sieben Minuten geht das so dahin und scheint dann nur noch durch die Ausblendung beendet werden zu können.

Ich war ja wirklich skeptisch, aber die Jungs haben mich überzeugt und obwohl ich das Original so in- und auswendig kenne, mir auch darauf wieder mal Lust gemacht.
Ja, so findet man bei der Suche im Internet doch immer mal kleine Schätzchen. Diesen hier gibt's z.B. bei "in-akustik" und so lohnen sich für gewöhnlich auch die Aufrufe der Seiten von Bärchen-Records, Blue Rose, Blue Buffalo und noch einigen Spezialitätenhändlern.

Epi Schmidt, (Impressum, Artikelliste), 06.09.2003

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