| Melodic Rock Of The 21st Century, Zyx Music, 2006 |
|
Länge: 152 Min 42 Sek |
Medium: Do-CD |
|
 |
Sampler gibt es in der Rock-Musik en masse. In dieser Reihe sollen fortan mehr oder weniger interessante Erscheinungen besprochen/kommentiert werden. Die Auswahl der Alben ist allerdings eher sporadisch und die Eindrücke und Meinungen sind natürlich subjektiv.
Sampler stellen eine Orientierungshilfe dar und sollten nicht mit den Best Of bzw. Greatest Hits Alben diverser Künstler verglichen werden .Oft lernt man durch diese Compilations vormals völlig unbekannte oder schon wieder vergessene Acts kennen.
Die Verkaufspreise dieser Alben sind in der Regel stark schwankend. Wie viel so ein eventuelles Überraschungs-Ei kosten darf, sollte jede(r) für sich selber entscheiden.

"Melodic Rock Of The 21st Century", der Titel des betr. Samplers, ist ein wenig irreführend. Es handelt sich ohne weiteres um einen Rock-Sampler, der viele unterschiedliche Genres der großen Rockwelt beinhaltet. Schon der Blick aufs Booklet verrät jedoch eine gewisse Metal-Lastigkeit.
Der Sound dieser Zusammenstellung ist auffallend gut. Ausfälle diesbezüglich gibt es nicht einen einzigen, was bei Samplern nicht unbedingt die Regel ist.
Ein Kritikpunkt: Die vorliegende Doppel-CD sollte doch wahrscheinlich Appetit auf mehr machen. Ein ausführlicheres Booklet mit umfangreicheren Infos (z.B.: welcher Track stammt von welchem Album?) zu den einzelnen Acts wäre da durchaus hilfreich.
Die beiden Rezensenten haben sich also hingesetzt, die zwei CDs äußerst konzentriert angehört und versuchen nun in einer Art "Cross-Check" die passenden Worte zu finden. Die Highlights sind mit drei Sternchen (***) versehen. Here we go.
CD 1, Spieldauer: 76 Min 09 Sek
LORDI - Who's Your Daddy *** - 3:26 - Metal
Bea: Schon klar, warum der erste Track von LORDI ist. Weil er "The Winner of the Eurovision Song Contest 2006" geworden ist. Alles in allem ein rockiger, guter Song. Egal ob Gitarre, Vocals, Arrangement - hier stimmt einfach alles.
Jürgen: Ein prächtiger Song mit guter Hookline. Das mächtige Riff geht in einer fetten Produktion erstaunlich stark ab.
DORO - Thunderspell - 4:40 - Metal
Jürgen: Nicht Für immer, dafür wie immer. Ein konstruiert wirkender Track mit einem bis zur Kotzgrenze wiederholten Refrain. Klischee-Metal!
Bea: Dito. Schade um die gute Stimme.
U.D.O. - Shell Shock Fever - 3:53 - Metal
Bea: Vocals wie ein wild gewordenes Miezekätzchen und eine Band, die sich durch den Song prügelt, als wäre sie auf der Flucht.
Jürgen: "Animal House" (1987), das waren noch Zeiten. Grauenhaft, für welche Fan-Schar soll das denn sein? . never surrender ., und ob! Nix wie weg hier!
EDGUY - Rocket Ride - 3:53 - Metal
Bea: Kein schlechter Song, würde ich als Mittelklasse-Metal bezeichnen. Die Sologitarre taucht mir allerdings zu selten auf und wenn, dann in einem viel zu dünnen Soundgewand.
Jürgen: Sehr schnell gespielter Track mit Double-Bass-Gedonner. Jedenfalls besser als die bisherigen teutonischen Recken (DORO, U.D.O.).
HELLOWEEN - Come Alive - 3:20 - Metal
Jürgen: Die "Väter" von EDGUY . Andi Deris hat mir bei PINK CREAM 69 besser gefallen, da er viel mehr Akzente setzen konnte. Ein mittelschneller, unspektakulärer Track auf B-Seiten-Niveau.
Bea: Der Song hat einen starken Einstieg, der dann schnell abflacht. Die Vocals sind für Metal einfach zu zahm. Insgesamt langweilig.
RAGE - Soul Survivor - 3:42 - Metal
Bea: Allgemein kann man sagen: "Die Deutschen haben es furchtbar eilig!" Sie starten im "Double-Bass-Schuhplattler"-Tempo und flachen danach ab in die Rührseligkeit. Der Eindruck eines "aufgesetzten" Metal-Feeling entsteht. Das Ganze wirkt schlichtweg seelenlos.
Jürgen: Trotz guter Instrumentalisten lässt mich die Chose kalt. Zudem fehlt für meinen Geschmack mal wieder jegliche Hookline.
AXXIS - Take My Hand *** - 5:07 - Melodic Metal
Jürgen: Ich sage nur: G-e-n-i-a-l!!! Kein Vergleich mehr mit den teilweise arg peinlichen frühen Veröffentlichungen der Band. Ein absolutes Sahnestück mit einem beachtlichen Aufbau. Melodien ohne Ende, fette Gitarren . Pflichtkauf!
Bea: Sagenhafte Vocals! Ein vollendetes Duett mit tollen Stimmen. Von Anfang an gut durchkonzipiert. Ein Indiz dafür ist immer ein Track, der nach einem brillanten, sich steigerndem Verlauf zu einem "richtigen" Ende findet. Interessante Instrumentierung, bei der insbesondere auch mal richtig was mit dem Schlagzeug passiert. Ein absoluter Hörgenuss!
Bea & Jürgen: Den Song haben wir direkt mehrfach hintereinander gehört!
INTO ETERNITY - Surrounded By Night - 5:08 - Prog Metal
Bea: Intro mit klassischer spanischer Gitarre. Nach diesem schönen balladenhaften Intro geht das Ganze in ein seelenloses Gebolze über. Schnelle brachiale Komponenten müssen dementsprechend aufgebaut werden. Das Drumming klingt eher nach einem epileptischen Anfall. Schade, man hätte viel mehr daraus machen können.
Jürgen: Ein viel versprechender Anfang. Anschließend beweisen die Musiker, zu welchen Taten sie in der Lage sind. Nur . weniger ist nicht nur manchmal mehr!
CRYSTAL BALL - Powerflight - 3:56 - Metal
Jürgen: Unüberhörbar stark von der NWOBHM (New Wave Of British Heavy Metal) beeinflusst. Der Song geht gut ab, klingt allerdings recht altbacken und ist trotz der fetten treibenden Gitarre kein Überflieger.
Bea: Handwerklich gut gemacht mit einem mächtigen Sound, aber mit wenig Seele. Berührt mich nicht wirklich.
SARACEN - Meet Me At Midnight *** - 4:39 - Hardrock
Jürgen: Eine Mischung aus RAINBOW und THIN LIZZY. Ein Song, der einen zurück in die Siebziger katapultiert. Großartige Twin-Lead-Gitarren mit einem famosen Sänger. Hier stimmt einfach alles, der mitreißende Refrain setzt diesem Track die Krone auf. Großartiger Rocker, den man einfach kennen muss!
Bea: Intro und Rhythmus prima, Vocals ganz gut. Die Leadgitarre weist verspielte, dem Southern-Rock ähnliche Komponenten auf.
HAMMERFALL - Natural High - 4:32 - Metal
Bea: Die Musiker beweisen Fingerfertigkeit, was jedoch nicht gleichbedeutend mit songwriterischen Fähigkeiten ist. Brachialer Sound mit einem Refrain, der sich wie ein Kinderlied anhört. Das Ganze wirkt konstruiert. Irgendwie wissen die Jungs wohl noch nicht so genau, wohin der Hammer fallen soll.
Jürgen: Ein typischer durchschnittlicher Metal-Sänger, der keinerlei Akzente zu setzen vermag. 08/15-Metal der alten Schule. Leute, wenn Ihr old-school mögt, dann greift gleich zu den Alben der alten Recken.
JORN - Blacksong *** - 5:38 - Metal
Jürgen: Wow! Vocals wie ein junger David Coverdale auf Metal. Ein mittelschneller, stampfender Banger, der live höchstwahrscheinlich zu einer absoluten Granate wird. Die fette Produktion macht diesen Hammer-Track zu einem Muss für jeden Fan der harten Töne!
Bea: Prima Stimme. Der Song hat absolut Charakter. Interessanter Einstieg ins erste Gitarrensolo. Hier kommt zur vorhandenen Fingerfertigkeit auch der ganze, nötige Rest, welcher zu einem guten Song notwendig ist. Mir gefällt besonders die fette Gitarre und die Entwicklung des Songs von Anfang bis Ende.
HUMAN ZOO - Raise Your Hands - 4:16 - Metal
Jürgen: Weia, was für ein klischeehafter Titel. Mir gefällt das Spiel des Gitarristen, wenn gleich ich so was auch schon ca. tausend Mal gehört habe. Die Produktion ist anständig und die Idee mit dem Einsatz des Saxophons interessant, doch trotzdem macht so etwas nicht gleich einen guten Song aus.
Bea: Das Ganze klingt sehr bemüht, bleibt aber letztlich eher flach. Keine herausragende, charakteristische Komponente. Da reicht auch das Saxophon nicht.
SECTION A - Hunted - 5:17 - Metal
Bea: Ein passables Intro gleitet ab in ambitionsloses Gehämmer. Man hat das Gefühl, dass sich Gesang und Gitarre auf zwei vollkommen verschiedenen Veranstaltungen befinden. Der Saitenquäler scheint sehr fingerfertig zu sein, hört sich allerdings ein wenig so an, als ob er Tonleitern übt. Nichts korrespondiert miteinander. Die Textzeile "I don't know what I'm doing here" bekommt eine gänzlich neue Bedeutung.
Jürgen: Mindestens 1.000 Gruppen spielen so. Auf 'nem Festival wär ich entweder aufm Klo oder am Bierstand.
PAX - Why This Had To Be *** - 3:37 - Rock
Bea: Hier haben Stimme und Instrumente definitiv etwas miteinander zu tun, die Instrumente und der Sänger übernehmen teilweise voneinander die Parts. Die Melodie ist sehr ansprechend und melancholisch, aber leider fehlt mir hier ein Highlight oder Solo. Insgesamt ein sehr runder, homogener Song.
Jürgen: Ein sehr interessanter Song, bei dem alles sehr gut miteinander harmoniert. Der Refrain wiederholt sich für mein Verständnis ein wenig zu oft, aber trotzdem haben wir es hier mit einer überdurchschnittlichen Aufnahme zu tun.
AIM - Rock'n'Roll Star - 3:37 - Pop-Punk
Jürgen: Kinder-Punk! Nee Leute, das taugt maximal fürs Jugendzentrum, Altersklasse "nicht-alkoholische Getränke".
Bea: GREEN DAY-Verschnitt, kommt teenyhaft rüber. Jürgen, mach die nicht so schlecht!
MUSTASCH - Haunted By Myself - 4:12 - Metal
Jürgen: Fängt mit Streichern und der darin einmündenden fetten Klampfe cool an. Der Sänger, na ja, kein Überflieger. Der powervolle Refrain haut das wieder raus, ebenso wie die klasse Einleitung hin zum Solo. Besitzt das Rüstzeug zu einem livehaftigen Knaller.
Bea: Klar, das Intro ist schon klasse, aber mir gefällt der Gesang nicht. Zudem sind die Übergänge holprig und dem Song fehlen die Feinheiten. Irgendwie habe ich das Gefühl, man hätte mehr daraus machen können.
SUB7EVEN - Fall 2 Pieces - 3:54 - Alternative Rock
Bea: Überbetonung des Schlagzeugs, viel zu Snare-lastig. Der Mix ist ziemlich unglücklich. Mir fehlt ein anständiges Gitarrensolo. Überhaupt fehlt mir hier eine Leadgitarre.
Jürgen: Wenn der Drummer nicht gerade alles niederprügelt, ist das Riff gar nicht mal so übel. Der Rest fällt allerdings schlichtweg langweilig aus.
. auf zur zweiten CD!
CD 2, Spieldauer: 76 Min 33 Sek
CHEAP TRICK - Perfect Stranger *** - 3:41 - Melodic Rock
Jürgen: Warum sind die nie was in Deutschland geworden? I Want You To Want Me & Dream Police haben rund drei Jahrzehnte auf dem Buckel.
Nachdem ich Perfect Stranger in meine persönliche Endlosschleife eingereiht habe, wage ich mal das Fazit: Melodic-Rock vom Aller-Aller-Feinsten! Ein Song mit Klassiker-Potential, beim dem einfach alles stimmt. Prima Gesang, astreine Hookline, phantastisches Arrangement. Ich bin hin & weg. Besser geht es nimmer. Ich glaub, ich muss mir mal das dazugehörige Album krallen. Wenn auch sehr melodisch, der Track besitzt einen enormen Wumms.
Bea: Ich finde den ganzen Track sehr gefällig. Er hat eine schöne melancholische Melodie, ein absolut perfektes Arrangement und herausragend sind die sehr guten Vocals, aber mir fehlt ein bisschen der einzigartige Charakter. Der Song enthält kein Solo und ist insgesamt ein bisschen sehr homogen (zu gleichförmig; enthält z. B. keine Tempiwechsel). Darum ist Perfect Stranger für mich ein guter Song, aber kein Überflieger.
SAGA - You Were Right - 4:05 - Prog-Rock
Jürgen:: Wind Him Up . oder hieß das seinerzeit Wind Me Up? Ich weiß es nicht mehr so genau. SAGA mögen viele seit was-ich-nicht-wie-vielen Jahren. Wohl auch gerechtfertigt. Schlecht ist das alles nicht, allerdings finde ich den Song wie so viele andere von dieser Band seelenlos. Ohnehin nicht der weltgrößte Fan dieses Genres, bevorzuge ich RUSH.
Bea: Dass die Musik von SAGA Qualität hat ist unüberhörbar. Ich bin ja ohne weiteres für sperrige Sachen zu haben, aber ich finde keinen Einstieg zu dieser Musik. Z.B. wird das ansprechende Intro brutalst abgehackt und übergangslos durch ein auch interessantes Thema ersetzt, welches in der Melodie bewusst mit Disharmonien provoziert. Zwar wird das Thema des Intros später wieder aufgenommen, jedoch präsentiert sich mir das ganze Konzept zu aufgelöst und übergangslos, um mich musikalisch zu fesseln. Außerdem werden mir einzelne Themen zu oft wiederholt.
WIG WAM - Kill My Rock'n'Roll - 3:24 - Glam-Rock
Jürgen: Schlimmste Befürchtungen wurden nicht bestätigt. Glam-Rock vom Feinsten. I really like it!
Bea: Nee, kann ich nicht sagen. Ist mir viel zu schmalzig. Handwerklich ganz gut, aber sonst? Hat den Charme eines Kinderlieds.
Jürgen: Wo sind meine Plateaustiefel? This shit rules!
Bea: Die ganz offensichtlich zum Mitsingen bzw. -grölen gedachten Passagen sind bestechend in ihrer Schlichtheit.
HANOI ROCKS - Hurt *** - 3:53 - Melodic Rock
Bea: Ein Stück mit schöner Rhythmus- und Leadgitarre (die für mich allerdings weiter in den Vordergrund gehört). Gute Vocals mit packenden Melodiebögen, der Refrain baut sich spannungsvoll auf. Insgesamt ein schlüssiges Konzept, was Hurt zu einem Hörgenuss macht.
Jürgen: Interessante Arrangements, u.a. mit Kastagnetten. Die unüberhörbare Weiterentwicklung der finnischen ex-(?)Glam-Rocker präsentiert sich mir als eine der Überraschungen des hier besprochenen Samplers.
BONFIRE - But We Still Rock *** - 4:02 - Hardrock
Jürgen: Die mochte ich noch nie. Frag mich warum? Vielleicht weil zu konturlos? Was für ein simpler Text. Der Track rockt gar nicht mal so schlecht, bleibt jedoch viel zu überschaubar. Reicht maximal für Bierzelt-Feten. BONFIREs Songs sollten dringend mehr Charakter entwickeln.
Bea: Na ja, AC/DC lässt grüßen, aber für das Echte gibt es natürlich keinen Ersatz. Der ein bisschen hymnenhafte Refrain wird mit einem ganz anständigen Gesang präsentiert. Der Aufbau ist nicht übel, die Sologitarre ist sehr gut, aber viel, viel zu leise abgemischt. Trotzdem rockt das Ganze gut ab. Von mir bekommen die so gerade noch ihre "Bonus-Sternchen".
Jürgen: Sorry, ich kann BONFIRE ihren Wandel vom Saulus zum Paulus nicht abkaufen und habe einmal das Album "Fire Works" (1987) herausgekramt. Gut, das ist lange her und seitdem ist viel Wasser den Rhein hinunter geflossen. Sweet Obsession oder Ready 4 Action sind Songs ohne Verfallsdatum, doch für mein Verständnis hat die Band so viele Imagewechsel probiert, dass ich denen die harte Rocknummer nicht mehr abkaufe.
KROKUS - Angel Of My Dreams *** - 3:47 - Melodischer Hardrock
Jürgen: Und KROKUS kriegen von mir für Angel Of My Dreams die besagten Sternchen! Ein brillantes Intro und ein astreiner Gitarrensound. Schade, dass Fernando von Arb nicht mehr mit dabei ist. Klar, Mandy Meyer stellt einen guten Ersatz dar, doch bei GOTTHARD hat er für mein Verständnis prima mit Leo Leoni harmoniert und von Arb ist einfach ein Urgestein. Aufgrund der im HoR geäußerten Kritik habe ich mich auch weiter nicht mehr mit der aktuellen KROKUS-CD beschäftigt, obwohl ich "Rock The Block" (2003) für einen bärenstarken Neuanfang hielt. Angel Of My Dreams besitzt für mich trotz seiner gelungenen melodischen Grundrichtung enorm viel Schmackes. Switzerland, three points!
Bea: Da bin ich absolut anderer Meinung. Klar, der Song beginnt mit einem sehr interessanten Gitarrenriff, das allerdings ein bisschen oft wiederholt wird. Der Gesang ist mir selbst für Hardrock zu schwerfällig. Der Text ist sehr dünn und Klischee-beladen (. angel of my dreams.), das Gitarrensolo fällt ein bisschen ärmlich aus und geht nicht wirklich unter die Haut. Das reißt mich nicht um, da darf es auch gerne mal etwas mehr sein als ein brillantes Intro.
THE ORDER - Sweet Stranger *** - 4:16 - Hardrock
Bea: Ein echt prima Hardrock-Song. Hier setzt sich der Druck auch nach dem beachtlichen Einstieg fort. Die raue Stimme des Sängers passt sich gut ein und der Track bietet auch vom Arrangement her einiges. An den Texten (. lay down on me my angel.) müsste man allerdings noch feilen. Ich möchte dringend mal etwas anderes hören als sexuelle Phantasien.
[Die Redaktion empfiehlt "Girls got rhythm" von Chefaufklärer Bon Scott. Hähähä]
Jürgen: Gefällt mir bestens. Hier stimmt eigentlich alles. Druckvolle Gitarren, tonnenschwer. Die Vocals sind ebenfalls reif für die erste Liga. Die mit SARACEN und JORN auf einer Tournee, das wäre es. Fazit: Ich sollte, müsste und will mehr von THE ORDER kennen!
NARNIA - Into This Game - 4:36 - Metal
Bea: Schade nur, das sich die Namen alle gleich anhören. NARNIA, GALACTICA, ALTARIA, METALLICA, INSIDIA, SAGA, SONATA ARCTICA... usw. Den Buchstaben "A" gibt es im Metal- und Rockbereich anscheinend billiger.
Der Song ist ein typischer Fall von "weniger wäre mehr". Die Elemente des Metal sollte man an den Song anpassen und nicht um ihrer selbst willen positionieren, sonst wirkt das Ganze unsubstanziiert. Der Gitarrist stellt hier seine Fingerfertigkeit unter Beweis. Man weiß nur nicht, warum? Nach einem noch passablen Einstieg gehen die verschiedenen Elemente (Gesang, Gitarre, Keyboards, Rhythm-Section) getrennte Wege. Was ich positiv vermerken darf . beim Text handelt es sich anscheinend mal nicht um eine sexuelle Phantasie.
Jürgen: Du hast noch Anastacia, Shakira und Madonna vergessen, haha. Zu Into This Game. Man nehme ein paar unüberhörbar nicht untalentierte Musiker und lasse sie munter drauflos spielen. Wo sind die großen Arrangeure geblieben? Hauptsache, die Jungs hatten ihren Spaß!
AXEL RUDI PELL - Rock The Nation - 5:29 - Hardrock
Jürgen: Wieder einmal ein klasse fettes Intro, aber dann?
Bea: Die Show ist schon vorbei, bevor sie überhaupt erst angefangen hat. Schlimm ist hier, dass man trotz der weinerlichen Stimme die Texte so gut versteht. Von wegen ". we gonna rock the nation.", das treibt einem ja heiße Tränen des Mitleids in die Augen.
Jürgen: Was waren das noch für Zeiten mit Charlie Huhn (heute bei FOGHAT), der Verantwortliche für lyrische Großtaten wie Slave Of Love. Wo ist das Oxford-Englisch geblieben? Gone with the wind. Sextaner-Niveau!
Bea: Ok, für Text & Gesang gibt es anscheinend "null Punkte", obwohl das behandelte Thema ohne weiteres Potential hat.
Jürgen: Schon klar, worüber der singt.
Bea: . ist ja auch eigentlich kein schlechtes Thema. Vielleicht sollte er jemanden fragen, der sich damit auskennt. Da der Gitarrensound ja absolut brauchbar ist, wäre dann aus dem Song vielleicht was geworden.
Jürgen: Geschichtsunterricht. Axel Rudi Pell - "Wild Obsession" (1989). Forget about the lyrics. but those vocals! Cold As Ice und (Don't Trust The) Promised Dreams sind zweifellos Songperlen für die Ewigkeit.
MIND'S EYE - A Rabbit In The Hat *** - 6:01 - Prog-Rock
Jürgen: Straighter und brachialer als SAGA. Nicht mein Geschmack, aber sehr gut!
Bea: Gesanglich sehr stark mit interessantem Arrangement. Erinnert ein klein wenig an GENESIS Mitte der Siebziger Jahre.
GPS - Since You've Been Gone - 4:55 - Melodic Rock
Jürgen: Interessanter Anfang, doch der Song verflacht sehr schnell. So richtig viel passiert da trotz ansprechendem Arrangement und durchaus beachtlichen Vocals nicht.
Bea: Gelungene Übergänge. Handwerklich und gesanglich ohne weiteres akzeptabel, aber ohne Highlights, eher Mittelklasse.
INSIDIA - Let It Go - 4:52 - Melodic Rock
Bea: Die Vocals passen nicht zum Rest. Mir fällt dazu nix mehr ein. Drums & Guitar go wild . und der Rest ist Mittelmaß. Da wird irgendwas mit Gewalt auf Härte getrimmt, schaurig, aber nicht schön.
Jürgen: Ich trink mal ein Bier.
LEATHERWOLF - Behind The Gun *** - 4:55 - Metal
Jürgen: " ... LEATHERWOLF zählen leider zu den unterbewertetsten Bands aller Zeiten. Dabei hat das Quintett aus Los Angeles drei hervorragende Alben hinterlassen." (Quelle: Best of Rock & Metal - Die 500 stärksten Scheiben aller Zeiten; Hrsg.: Rock Hard, ISBN 3-89880-517-4). Was soll ich sagen? In meinem Plattenregal schlummert seit vielen Jahren das Album "Street Ready" (1987). Verdient, wie ich meine. Muss ich meine Ansicht revidieren? Behind The Gun überzeugt mich restlos. Ich bin positivst überrascht! Wenn das neue restliche Material auf einem vergleichbaren Niveau angesiedelt ist, kann man "blind" kaufen. Mannomann, das geht ab. Rockt und groovt wie die wilde Wutz. Power Metal, Speed Metal, Melodic Metal. so hätte ich mir die Band schon anno-dannemal gewünscht. Gitarren ohne Ende und ein Rezensent, der wieder zum Headbanger wird! Metal rules! Buy or die!
Bea: Wouw! Die Jungs liefern bärenstarken Metal ab. Nicht übermäßig brachial, aber handwerklich & gesanglich herausragend mit einer brillanten Sologitarre. aber, LEDERWOLF, wat soll dat denn? Wolfsleder hätte ich ja vielleicht noch verstanden.
CIRCLE II CIRCLE - Revelations - 3:43 - Metal
Jürgen: Rockt gut ab. Klasse Gitarrenarbeit und ein prachtvoller Track. Freunde von SAVATAGE und Jon Oliva sollten ob diesem anspruchsvoll geratenen Song zugreifen.
Bea: Die Gesangsmelodie reißt mich nicht unbedingt mit. Sehr gute Gitarren, aber warum so viel Double-Bass? Für meinen Geschmack schmälert der überproportionale Gebrauch davon den Hörgenuss. "Double-Bass" ist ein Ausdrucksmittel der Steigerung und sollte nicht überstrapaziert werden. So geht das Ganze knapp am "Hör-Tipp" vorbei.
FIREWIND - Ready To Strike *** - 4:35 - Melodic Metal
Bea: ... schon wieder so ein phantasievoller Name. Für die Double-Bass gilt dasselbe wie bei CIRCLE II CIRCLE. Der gesamte Track ist sehr ansprechend, besonders gut gefallen mir die Vocals, welche ohne überzogenes Timbre auskommen.
Jürgen: Den Namen der Komponisten nach Griechen. Boah ey, der Sänger ist ein Kracher! Klingt wie eine Mischung aus David Coverdale und Ian Gillan. Im solistischen Teil taucht sogar ein ansonsten verborgenes Piano auf. Ready To Strike entpuppt sich als Leckerbissen für Hard'n'Heavy-Fans, die etwas mit WHITESNAKE zu Zeiten von "Slide It In" (1984) oder "1987" anfangen können.
FURY IN THE SLAUGHTERHOUSE - Tinkerbell *** - 2:54 - Rock
Jürgen: Überraschung. Rockt besser als das sonstige Material der Band. Frag mich, warum ich unterschwellig den Eindruck von Kraut-Rock verspüre. Das soll hier aber keineswegs abwertend gemeint sein. FITS kenne ich als Garanten für erstklassige Live-Auftritte und Tinkerbell gehört unbedingt in die Setlist.
Bea: Ein sehr leckeres, aber auch kurzes Stück Rockmusik. Gesanglich sehr stark, mit phantasievollen Komponenten. Gute Hookline. Der Bandname hat zudem den Vorteil, dass man sich hier von dem Gesülze der meisten Acts absetzt.
MON ROE - Boys & Girls *** - 3:52 - Rock
Jürgen: THE POLICE? IAN DURY? Warum in der Vergangenheit schwelgen? FRANZ FERDINAND! Cooler Song mit präzise eingespielten Gitarren. Tanzbar ohne Ende, eine absolute Überraschung! Der Dancefloor-Feger des Albums!
Bea: Ein Track mit sehr akzentuiertem Rhythmus und interessantem Arrangement. Das "Tick-Tack" von Gitarre und Drums like My Sharona (THE KNACK, 1979) setzt Akzente. Geht vom Feeling her schon ins Bein.
TOMMY LEE FEAT. CHAD KROEGER - Trying To Be Me *** - 3:33 - Seattle Sound
Jürgen: NICKELBACK? Um Meilen besser als die letzten musikalischen Ergüsse von Lees Stammcombo MÖTLEY CRÜE. Die Mischung aus Grunge und Nu Metal kann mich entgegen meiner Vorurteile begeistern.
Bea: Trying To Be Me gefällt mir ausgesprochen gut. Es klingt nach typischem Seattle-Sound. Besonders überzeugend ist die Qualität der Vocals. Für Grunge-Fans ein Leckerbissen.
FAZIT
Bea & Jürgen: Mit dem Titel "Melodic Rock Of The 21st Century" hauen ZYX MUSIC schon ganz schön auf die Sahne. Wer aufgrund dessen Acts aus der ersten Liga des Mainstream erwartet hat, dürfte anfangs einigermaßen enttäuscht werden. Bei den überwiegenden Bands/Interpreten handelt es sich doch zumindest vom kommerziellen Erfolg her eher um Leicht- bis Mittelgewichte. Überraschend hoch fällt zudem der Anteil von Metal und Hardrock aus. Die erste CD erweist sich bis auf einige wenige Höhepunkte als recht durchwachsen, während es im zweiten Teil erfreulich oft hochklassig zur Sache geht. Unterm Strich macht das Hören des Samplers Spaß. Partytauglich eher weniger, eignet sich das Teil mehr zum Kennenlernen neuer Bands bzw. alter, vielleicht schon längst vergessener "Helden". Wie viel Euros das dem einzelnen Konsumenten wert ist, dürfte sich an den späteren Verkaufszahlen widerspiegeln.
Unsere Favoriten sind ganz eindeutig die vorgestellten Songs von AXXIS, CHEAP TRICK, SARACEN, LEATHERWOLF, HANOI ROCKS, JORN und THE ORDER. Da sind wir schon gespannt, wie sich ein komplettes aktuelles Album von unseren Faves anhört.
Sagt uns die Meinung zu diesem Artikel oder ergänzt oder verbessert ihn:

|