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Doyle Bramhall II & Smokestack:

Welcome

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Welcome
Doyle Bramhall und Smokestack
Welcome, BMG, 2001
Doyle Bramhall IIGuitars & Vocals
Chris BruceBass, additional Rhythm Guitar (Cry)
J. J. JohnsonDrums and Percussion
Susannah MelvoinVocals and additional Percussion (Life)
Graig Rossother Guitars
Benmont TenchPiano & Organ
Produziert von: Jim Scott, Benmont Tench & Doyle Bramhall II Länge: 68 Min 29 Sek Medium: CD
1. Green Light Girl [Bramhall] (3:09) 7. Send Some Love [Bramhall] (4:52)
2. Problem Child [Bramhall] (5:52) 8. Smokestack [Bramhall/Melvoin] (7:04)
3. So You Want It to Rain [Bramhall/Melcoin] (5:18) 9. Last Night [Bramhall/Melvoin] (6:35)
4. Life [Bramhall] (5:29) 10. Blame [Bramhall/Melvoin] (4:55)
5. Helpless Man [Bramhall/Melvoin] (4:17) 11. Thin Dream [Bramhall/Melvoin] (8:38)
6. Soul Shaker [Bramhall] (4:05) 12. Cry [Bramhall] (8:08)

Es war ja nur eine Frage der Zeit, bis Buddy und Julie (Miller), Chris (Knight) und Co aus meinem CD-Player vertrieben würden, oder vielleicht besser gesagt, ihre Spielzeit mit einem Rocker teilen müssten. Auch eines meiner Alben des Jahres (Buddy und Julie) kann da auf die Dauer nicht wiederstehen, zu stark ist die Scheibe von Doyle Bramhall & Smokestack.
Dafür dürfen sie (Buddy und Julie) mich jeden Morgen wecken, was doch auch schon einiges ist. "Green little light", der Opener von "Welcome" ist mir zur Zeit der trüben Dezembermorgen zu heftig. Ich möchte nicht senkrecht im Bett stehen, wenn der Timer Stereoanlage und Licht anschaltet. Im Sommer, wenn es zur Aufstehzeit schon hell ist, ja, da kann mir auch "Green little light" kommen, aber nicht jetzt. Denn der treibende Bass, die knackige Snare und die fetzige Gitarre sind schon eine gewaltige Dosis. Gerade noch im Traum am Strand in der Sonne, dann brutal in die trübe Realität eines Wintermorgens gerissen zu werden, ist nicht der beste Tagesbeginn. Etwas ruhiger und geruhsamer darf es schon sein. Dafür ist "Welcome" dann die richtige Musik, um die Müdigkeit am späten Nachmittag (oder schon Abend, dem Licht nach) aus den Knochen zu schütteln. Denn selbst die bluesigen Nummern verströmen genug Power, um eine Horde müder, vollgefressener Büffel auf die Beine und in Trab zu bringen.

Und dann diese Gitarrensolos, vom Sound her oft der Fender-Legende J. H. ähnlich, keine Filigranarbeit, rauh gespielt, unwiderstehlich. So wird aus der Strat eine richtige Gitarre. Und das sage ich als bekennender Gibson Les Pauler. Man muss es nur richtig machen, nicht übertreiben. Auch mal dem dunklen Pickup seine Chance geben, gerade soviel Verzerrer rein, dass es fetzt und ab geht die Post. Im Studio die Solos so spielen, als wäre man on stage, spiel- und soundmäßig. Dazu Breaks an den richtigen Stellen und schon wird aus "problem child" oder "so you want it to rain" eine Power-Nummer.
Dazu eine soulig-angehauchte Stimme, und eine langsamere Nummer wie "life" wird zum Fetzer. Warum? Weil die Gitarre an den richtigen Stellen treibt, im Solo die Orgel gut unter der Gitarre steht. Im Refrain darf ruhig mal ein bisschen Jazzmelodie sein, wenn die Auflösung in die richtige Richtung geht.

Auch ein Intro, das vom Sound her an Mr. Richards zu "Exile"-Zeiten erinnert, passt perfekt, wenn dann das Solo einen Hauch Jimi heraufbringt. Einen Hauch, denn Doyle hat kein Interesse daran, die Legende zu kopieren. (Oder doch?) Das "huhu" erinnert allerdings dann schon sehr an "Sympathy for the Devil". Ich denke, eine gewollte Anspielung, die nicht zu überhören ist.

Die Songs warten immer wieder mit unerwarteten Wendungen auf, ob Melodien, Breaks oder Übergänge. "Smokestack", das als Blues beginnt, die Gitarre im Zwiegesang mit Doyles Stimme, bekommt immer wieder durch die Gitarrenakkorde einen tollen Drive. Und bei den Solos, die mancher Live nicht so spielen würde wie Doyle im Studio, wird der Schatten immer größer.

Dem Ende der CD zu werden die Songs länger und länger. Zwei Acht-Minuten-Stücke nacheinander sind selten zu finden. Doch zuvor will "last night" und "blame" erhört sein. Ersteres mit einem überaus vertrackten Rhythmus, der erst im Refrain von der Gitarre umgelenkt wird zum Power-Blues.
Das gleiche lässt sich für "blame" sagen, das nicht minder gut abgeht. Und das als Blues.

Vielleicht höre ich diese CD wieder mal mit zu viel Musikerohr, aber so kommt die Musik halt bei mir an. Mit über 68 Minuten wird wirklich viel geboten, und dies ohne einen Ausfall! Doyle Bramhall bringt auch in den langen Bluesnummern genug Rock hinein, dass sie nicht langweilig werden. Zumindest nicht für mich. Andererseits gebe ich zu, dass die Musik nicht ganz so einfach ist, manches erst beim wiederholten Hören richtig wirkt, dann aber gewaltig.

Liebe Fender-Fans, bitte nicht sauer sein. Es bietet sich halt sooo an, wenn ich an das Geklirre so mancher Strat denke.

Werner Saumweber, (Impressum, Artikelliste), 11.12.2001

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