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Volkswagen Catfish

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Volkswagen Catfish
Volkswagen Catfish, Heart Of Gold Records, 2008
Rob Malone Vocals, Guitar, Synthesizer, Electric Sitar
Russell Mefford Vocals, Guitar
David MacKay Bass
Clint Bailey Piano, B3, Synthesizer, Clavinet, Wurlitzer, Rhodes
Daniel Ledford Drums, Percussion
Gäste:
S. Kennedy Drums
D.J. MacKay, D. Drinkard, E. Erdmann Vocals
Jimmy Nutt Percussion
Zion Godchaux, Mitch Mann, B. Farris, Kelvin Holly Guitar
Jimmy Woods Percussion
Produziert von: Jimmy Nutt Länge: 62 Min 56 Sek Medium: CD
1. 4288. Volkswagen Catfish
2. Easy Girl9. Blackness
3. Heartbreak Escapade10. September
4. Crows11. Rag Man
5. I'm Not The One12. Sympathize
6. When The Axe Fell13. Strutting Duck
7. The Noble Lie

Ein netter Fauxpas: Steht da doch auf dem Promozettelchen glatt "Hardrock". Oha, denkt der Rezensent, was werden denn die liebenswerten Hippies aus Alabama wohl plötzlich für Hardrock machen? War die letzte Studio-CD "Year Of The Cock" nicht freundlich versponnener Jam Rock'n'Roll der unterhaltsamen Sorte? Und warum heißt die neue Platte "Volkswagen Catfish" und hat ein sehr buntes Cover? Nein, nach gesteigerten Dezibelangriffen sieht das alles nicht aus, es riecht eher leicht süßlich aus dem Volkswagen. Und außerdem setzt sich der Wurm auf der Rückseite des hübschen Digipacks breit grinsend gegen jedes Rauchverbot durch. So muss das sein.

Natürlich machen die FIDDLEWORMS keinen Hard Rock oder ähnlichen Lärm auf ihrer neuen CD, das können die auch gar nicht. Aber unheimlich schön rocken, grooven und zappeln können sie, die kleinen Würmchen. Allen Anglern sei an dieser Stelle gesagt: Finger weg! Diese Prachtburschen hängt keiner den Fischen zum Fraß vor.
Eineinhalb Jahre haben sie an "Volkswagen Catfish" gearbeitet, zwischenzeitlich erschien die diskussionswürdige Live-Mini-CD "Live Bait", halbwegs viele Club-Gigs fanden statt, aber im Hinterkopf hatten die Männer um Rob Malone, der übrigens in den Neunzigern kurzzeitig die dritte Gitarre bei den DRIVE-BY TRUCKERS spielte, offensichtlich nichts anderes als die Weiterentwicklung ihres unaufgeregten und dennoch explosiven Jam-Sounds, der schon nach "Year Of The Cock" signifikant war und mit "Volkswagen Catfish" endgültig unverwechselbar ist.
Die Unverwechselbarkeit beginnt damit, dass zwei Gitarren am Werk sind. Rob Malone und Russell Mefford lassen es schon mal richtig fliegen, sogar im vordergründig harmlos anmutenden Eröffnungs-Country-Stomper 428. Ja, da kommen einem die KENTUCKY HEADHUNTERS in den Sinn. Aber es geht auch anders, nämlich schmeichelnd schön und poppig in Easy Girl. Wären nicht die herrlich anachronistische Hammond B3, die echt handgemachten Synthesizertöne und der Alabama-Twang in der Stimme, irgendwelche Nashville-Trolle würden sich die Nummer flugs schnappen und von einem Designercowboy vermarkten lassen.
Hitparadenverwertung ist beim Reggae Heartbreak Escapade nicht möglich. Obwohl nicht so sperrig wie GOV'T MULEs Geniestreich "Mighty High, gehen die anfänglichen Hammond-Variationen langsam in einen manischen und für Spießer unverträglichen Groove über, den in diesem Fall Russell Mefford gesanglich zu einem furiosen Finale treibt. An der famosen zweiten Gitarre ist hier Zion Godchaux zu hören, dessen Band BoomBox für neugierige Rockfans eine Empfehlung ist. Dass er der Sohn von GRATEFUL DEADs Donna Godchaux ist, sei auch erwähnt - um der Berichterstatterpflicht zu genügen.
Fröhlich weiter mit gleich drei Gitarren bei Crows. Dazu gibt's ein Boogiepiano und einen fröhlich schmetternden Rock & Roll, den man sich in dieser Perfektion von den DEAD gewünscht hätte. Und wetten, dass Russell Mefford ein glühender Verehrer von Lennon und Harrison ist? Nur Fans schreiben Songs wie I'm Not The One. Im Background wird "uuuh, uuuh, uuuh" gesungen und vorne jubeln B3 und Wurlitzer (erinnert euch an Lazy Sunday von den SMALL FACES!) zu einer Gitarren- und Gesangsorgie.
Bassist David MacKay dürfte eher den alten LITTLE FEAT frönen, nur dass die die leicht jazzige Instrumental- und Schlussnummer Strutting Duck wohl noch mit ein paar "erklärenden" Worten von Lowell George veredelt hätten. All die genannten Stücke könnte man problemlos in XXL-Überlänge genießen, so viel Spaß machen sie.

Auch wenn "Volkswagen Catfish" nicht nur aus Überfliegern besteht, findet man selbst in den eher unscheinbaren Nummern Schmankerl. Der Bassgesang in When The Axe Fell, die schwebende Orgel in The Noble Life, die Double-Leads mitsamt anschließendem Jam aus dem ALLMAN-Lehrbuch im Titelsong, alles viel mehr als Appetithäppchen für verwaiste Freaks, eher eine Herausforderung für Bands wie beispielsweise WIDESPREAD PANIC, die trotz riesiger Gefolgschaft in den letzten Jahren auf dem kreativen Bein doch leicht lahmten und aus welchen Gründen auch immer das Feuer der früheren Studioaufnahmen nicht mehr richtig entfachen konnten. Die FIDDLEWORMS sind über diesen Zenit noch nicht hinaus, da wird noch experimentiert und gespielt, wo bei anderen längst Routine eingekehrt ist. Bestes Beispiel ist der finstere Rocker Blackness mit seinem vielfältigen Klangspektrum.
Mit Rag Man und Sympathize scheinen zwei Balladen zu viel auf dem Album gelandet zu sein, aber auch das sind eben die Wurzeln dieser Band, man kann und darf nicht von Füllern sprechen, zu viel Seele steckt darin. Spätestens beim elegischen Gitarrensolo guckt man in den Nachthimmel und bewundert die Sterne. Winkt dort nicht SPIRITs Randy California aus einem interstellaren Nebel?

Zur endgültigen Vollendung fehlt den FIDDLEWORMS noch eine Platte mit ausschließlich großartigen Songs. "Volkswagen Catfish" kommt der Sache sehr nahe, lässt aber glücklicherweise noch ein wenig Entwicklungsspielraum zu. Solche Bands und CDs halten den (Jam) Rock am Leben und geben Hoffnung für die nächsten Jahre. Wunderbar.

Fred Schmidtlein, (Impressum, Artikelliste), 10.08.2008

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