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Hell-Bent On Glory

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Hell-Bent On Glory
Hell-Bent On Glory, Halycon Music, 2004
Stefan Kossmann Guitar & Vocals
Torsten Kossmann Guitar, Hammond B3 (The Revenge)
Emil Renner Guitar
Matthias Popp Bass
Michael Schneiderbanger Drums
Kathrin Saalfrank & Sabine Kossmann Background Vocals
Gäste:
Billy Moss Guitar (Joyride)
Joe Turnbull Hammond B3 & Piano (Joyride)
Produziert von: Flatman Länge: 57 Min 03 Sek Medium: CD
1. That's All I Need8. Fairy Queen
2. Mama Told Me9. Calamity Jack
3. Hold My Heart10. Shot Down
4. Try It Again11. Horse In Flames
5. Hell-Bent On GloryBonus Tracks:
6. Joyride12. Lonesome Boy From Dixie
7. The Revenge13. I Lost A Friend

Listen, Baby! Dies hier ist die zweite CD der zweitbesten Southern Rock Band Deutschlands und wer jetzt noch meckert, hat entweder Ohren- oder Hirnsaußen. Ja, es ist eine starke Platte, ja, der Gesang klingt erstmals (fast) wie auf der Bühne, ja, das Ding rockt, ja, es ist stinknormaler Südstaatenrock!

Sänger Stefan Kossmann tritt im Booklet in einen imaginären Dialog mit Ronnie Van Zant, der 1977 vom "toten Label" Southern Rock gesprochen hat und entgegnet ihm "nothing makes me more proud than when people call my music southern rock". Er will es so, die handvoll Hardcorefans will es so, mir soll's also recht sein, auch wenn ich mich seit Jahren gegen diese mausetote Stiltypisierung ausspreche. Und letztendlich stimmt es ja, denn wir hatten in den letzten drei Jahren Bands wie REBEL STORM und eben FLATMAN auf den Bühnen, die nichts anderes als klassischen Südstaatenrock machen. So wie sie Südstaatenrock eben interpretieren. In diesem Fall sei auf eine gequälte Bezeichnung a la New Southern Rock verzichtet. Bestenfalls kann man "Hell-Bent On Glory" noch als "Classic Rock" titulieren - für die Menschen, die nicht wissen was Southern Rock ist.

Ich konnte die Band in den letzten Jahren in ihrer Entwicklung verfolgen und bin sicher nicht unparteiisch in der Beurteilung. Aber der Leser darf sicher sein, dass es eine freundschaftliche Gutschreiberei im Home of Rock nicht gibt. Ich mochte das Debut der Band, wäre aber nicht eine deutliche Weiterentwicklung erfolgt, es hätte Wort-Prügel gehagelt. Eine junge Band mit ihrem Erstling haut man nicht in die Pfanne wie eine Seniorenkapelle die nach 30 Jahren Erfahrung einen soundtechnischen Rohrkrepierer abliefert (s.a. die letzten Releases von LYNYRD SKYNYRD und 38 SPECIAL). Eine nicht mehr ganz grüne Band wie FLATMAN darf man sehr wohl bei ihrem Zweitwerk kritisieren. Here we go: Ihr habt ganz schön lang gebraucht mit der Scheibe und den einzigartigen Billy Moss von REBEL STORM hättet Ihr im Booklet auch richtig schreiben können! (In der Zweitauflage ist es bereits korrigiert, Billy ist rehabilitiert)

Soundtechnisch haben meine Lieblingsfranken Unterstützung von Herman Frank (VICTORY u.v.a.) als Mischer bekommen. Ergebnis: Die CD ist laut, sehr laut, klingt aber besser als "A Bottle Of Booze" vor zwei Jahren, wenn auch nicht ganz einheitlich - ein paar Schwankungen sind zu hören.
Im Songwriting haben die beiden Kossmanns ebenfalls dazugelernt, annähernd jede Nummer ist ein sicherer Live-Bringer. Dennoch: Nicht alle Songs sind auf dem Niveau, das man der Band eigentlich zutraut. Ein wenig mehr Pfiff hätte der einen und anderen Komposition ganz gut getan (und ein oder zwei Schlampigkeiten bei der Aufnahme sind auch nicht ausgebessert worden). Auf der anderen Seite ist bei annähernd jeder Nummer natürlich der Hauch der großen Vorbilder zu spüren. Die Kapitel "Eigenständigkeit" und "Emanzipation von den Vaterfiguren" nehmen wir dann bei den Alben 3 bis 7 durch.
Ein großes Lob sei den beiden Hintergrund-Sangesmädeln für ihre Leistung bei Calamity Jack ausgesprochen. So muss das klingen, so will ich Euch auf der Bühne schreien hören.

Kontrapunkt zur großteils mächtig heavy ausgelegten Marschrichtung ist die hübsche Countrynummer Fairy Queen und mein Lieblingssong auf dem Album, Hold My Heart. Gut aufgepasst bei den ALLMAN BROTHERS, Herr Kossmann. Der Rest fetzt (fast) ganz genau so wie man es sich von dieser Band wünscht. Viele Gitarren, viele Hooks - die man auch als Klischees bezeichnen könnte, wären sie nicht so schön. Oder will mir ein Fan widersprechen, dass That's All I Need weniger ist als was der Southern Maniak braucht?
Hell yeah, kommen wir doch noch mal auf die Klischees zurück. Wenn sich eine Band im Drei-Gitarren-Outfit, mit langen Haaren, Bärten, Cowboyhüten, dem Albumtitel "Hell-Bent For Glory" und Klängen aus den Siebzigern präsentiert, dann hat das ganz selbstverständlich etwas mit Klischees zu tun. Genau wie bei den Jungs, die sich in Baggy Pants und mit Goldkettchen hinstellen, auf Gangsta machen und unartikuliert etwas von Motherfuckern von sich geben. Ich muss bei Erkan & Stefan-Deutsch lachen und den Kopf schütteln, bitte lache und schüttle jeder den Kopf, der sich bei einer richtigen und echten Rockband dazu berufen fühlt. Ihr werdet nicht gezwungen hinzuhören!

Zwei Songs sind noch herauszuheben. Auf Joyride sind Joe Turnbull an der Hammond und Billy Moss an der Gitarre zu hören, beide natürlich von REBEL STORM und beide lassen jeweils ein kurzes und knackiges Solo vom Stapel. Torsten Kossmann selbst drückt die Orgel bei The Revenge, das ansonsten ein feister Riffrocker ist. Kommt sehr gut!

Warten wir also auf die nächsten Platten unserer Helden aus dem Seniorenheim oder nehmen wir derweil FLATMAN als legitime Erben in unser Nachtgebet auf?
Ich bete nie, hoffe aber, dass das Publikum wenigstens in diesem Fall anerkennt, dass sich eine Band zu 100 Prozent mit ihrer Musik identifiziert und noch dazu gut ist. Wir haben in den letzten Jahren schon zu viele hochklassige Acts wegen Ignoranz verloren.
Gute Platte, Ihr Flatmänner!

Nachtrag: Die CD ist nun seit gut 3 Monaten fertig und steht längst bei vielen Fans im Schrank. Wir haben diese Besprechung in Abstimmung mit der Band zurückgehalten, weil ein Labeldeal in Verhandlung war. Der ist jetzt unter Dach und Fach, Halycon Music hat die CD übernommen und hat die Platte um zwei Bonus Tracks aufgestockt. Lonesome Boy From Dixie (geschrieben von Tommy Crain und auf "Full Moon" von der CHARLIE DANIELS BAND 1980 veröffentlicht) und I Lost A Friend sind gut aber nicht unbedingt dringendst notwendig.
Ob sich darüber viele Käufer der bandeigenen Erstauflage freuen sei dahingestellt. Ich persönlich finde die Idee nicht gut, es riecht etwas seltsam. Bonus Tracks für Japan haben mich immer genervt!

Fred Schmidtlein, (Impressum, Artikelliste), 20.10.2004

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