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Dick's Picks Vol. 23

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Dick's Picks Vol. 23
Dick's Picks Vol. 23, Grateful Dead Records, 2001
Jerry Garcia Lead Guitar, Vocals
Donna Jean Godchaux Vocals
Keith Godchaux Piano
Bill Kreuzman Drums
Phil Lesh Bass, Vocals
Bob Weir Rhythm Guitar, Vocals
Produziert von: Grateful Dead Länge: 224 Min Medium: 3 CDs
CD 1: 
1. Promised Land (3:39)7. Big River (5:22)
2. Sugaree (7:59)8. Tennessee Jed (8:05)
3. Black-Throated Wind (6:34)9. Mexicali Blues (3:57)
4. Friend Of The Devil (4:19)10. China Cat Sunflower (5:18)
5. El Paso (5:11)11. I Know You Rider (6:16)
6. Bird Song (10:55) 
CD 2: 
1. Playing In The Band (18:48)5. Jack Straw (5:22)
2. Casey Jones (6:12)6. Mississippi Half-Step Uptown Toodleloo (8:38)
3. Truckin' (12:19)7. Me And My Uncle (3:15)
4. Loser (7:20) 
CD 3: 
1. He's Gone (10:21)4. Sugar Magnolia (9:25)
2. The Other One (39:07)5. Uncle John's Band (7:22)
3. Sing Me Back Home (10:50) 

An GRATEFUL DEAD reiben sich viele, die Deadheads lieben sie, manche andere hassen sie. Unzweifelhaft aber eine Kultband über 4 Jahrzehnte, bis zum viel zu frühen Tod Jerry Garcias, deren musikalische Klasse nie angreifbar war.
Man kann die langen Jams als "Gedudel" ablehnen, klar. Das ändert aber nichts an der Tatsache, dass die Dead eine musikalische Einheit auf höchstem Niveau waren.

Neben den zahlreichen offiziellen Platten gibt es nun schon seit geraumer Zeit die "Dick's Picks"-Serie, so genannt nach dem verstorbenen Band-Archivar Dick Latvala, der alle Grateful Dead Konzerte auf technisch hochwertigem 1/4" Band mitschnitt.
Dies nun ist die 23. und neueste Ausgabe als 3 CD-Set, aufgenommen im Civic Center in Baltimore am 17. September 1972.
Und 1972 war ein gutes Jahr für Grateful Dead, sie kamen gerade von ihrer ersten grossen Europa-Tournee zurück, die natürlich auch ein hervorragendes Live-Album abwarf: "Europe '72". Einen Rückschlag gab es allerdings, weil Ron McKernan ("Pigpen") wegen seiner Suchtkrankheit des öfteren nicht mehr auftreten konnte. So auch an diesem Abend in Baltimore, ausserdem fehlte der zweite Schlagzeuger Mickey Hart, ohne dass dies aber etwas an der Performance der Band gemindert hätte.

Das spannende an den Live-Auftritten der Dead war immer, dass man nie voraussagen konnte, wie ein Song interpretiert wurde. Mal wurden im Original akustische Stücke "elektrisch" gespielt (oder auch umgekehrt), mal war ein Song an einem Abend 5 Minuten lang um dann an anderen Auftritten auf 25 Minuten ausgedehnt zu werden.
Die Band startete an diesem Abend mit ihren bekannten Songs in fast traditionellem Klanggewand, ohne grosse Überraschungen. Vor allem Jerry Garcia überzeugt, wie fast immer, mit zarten bis harten Gitarrensounds. Unüberhörbar haben die Musiker Spass, die Spielfreude überträgt sich auf den (interessierten!) Hörer. Was allerdings Donna Jean Godchaux liefert, ist, ausser dass sie den anderen im Weg rumsteht, äusserst dürftig: Sie gröhlt ein paar Mal "Yeah, yeah" ins Mikro, das war's schon.

Nach etwa einer Stunde gehen die Dead dann mehr und mehr dazu über, Anleihen des Jazz zu verarbeiten, was den Songs manchmal gut bekommt (Playing in the Band) und zeigen somit hier schon eine Änderung ihres Interpretationsstils zu dem, was sie in den 80ern auf die Bühnen der Welt bringen würden.
Das sehr komplexe, fast 40 Minuten lange The other one geht mir allerdings schon nach 5 Minuten ein wenig auf die Nerven. Hier benutze ich selbst den negativ belegten Ausdruck "Gedudel". Das fliesst ja sehr anspruchsvoll vor sich hin, aber es ist für mich persönlich auch langweilig.

Wer auf Jam-Rock steht, kommt an den Urvätern dieser Musikrichtung nicht vorbei. Ob es allerdings dieses CD-Set sein muss, wage ich zu bezweifeln. Obwohl das komplette Konzert insgesamt hervorragend rüberkommt, denke ich, dass die "offizielle" Doppel-CD "Europe '72" der bessere Kauf ist. Viele Dead-Standards, so z.B. die jam-mässig ineinander überfliessenden Titel China Cat Sunflower und I know you Rider haben auf dem Europa-Mitschnitt mehr Feuer, auch klanglich verweist diese Aufnahme die vorliegende Dick's Picks auf die Plätze.

Das Cover ist diesmal gut gelungen, das 6-seitige Booklet liefert, neben ein paar Photos, genaue Angaben zur Besetzung und der Setlist und zwei zeitgenössische Zeitungsausschnitte aus der "Baltimore Sun", die das Konzert Revue passieren lassen.
Also wohl ein Fall für Komplettisten. Diese armen Leute müssen den Output von Grateful Dead mit dem Schubkarren durch die Wohnung befördern. Denn echte Deadheads sammeln ja auch die von der Band legalisierten "Bootlegs", so dass mehrere Leben nötig sind, um das alles zu hören.

Manni Hüther, (Artikelliste), 08.12.2001

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