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The Acoustic Sessions

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The Acoustic Sessions
The Acoustic Sessions, Vanguard Records, 2010
Mato Nanji Lead & Backing Vocals, Guitars
Jamie Candiloro Percussion, Cymbals, Bass, Keyboards, Backing Vocals
Leah Nanji Backing Vocals
Lisa Germano Violin
Produziert von: Jamie Candiloro Länge: 45 Min 01 Sek Medium: CD
1. Now That You're Gone7. Some On Home
2. Things We Do8. Leaving
3. Little Time9. Should I Stay
4. Rest Of My Days10. Eyes Of A Child
5. Want You To Say11. You Got It
6. Fool Me Again

INDIGENOUS veröffentlichen also ein Akustik-Album. Soll das nun heißen, Mato Nanji jagt nicht mehr im gestreckten Galopp durch die Prärie, um mit seinen schneidigen Gitarrensoli Büffel zu erlegen? Mimt er nun lieber das sanfte Ponyfohlen, das den lieben langen Tag auf der Suche nach frischem Gras durch das Gelände schlürft?
Nein und nochmals nein!
Denn irgendwie weckt der Albumtitel dann doch falsche Assoziationen. "The Acoustic Sessions" beinhaltet letztendlich nämlich gar keine reinen Akustik-Songs, sondern INDIGENOUS-Gassenhauer aller Epochen, bei denen Mato den Verzerrer aus und die Klampfe angeschaltet hat. Darüber hinaus wurde das Schlagzeug aus dem Studio hinaus in eine temporäre Reservation verbannt. Was aber gar nichts ausmacht, denn die kunst- und effektvoll von Jamie Candiloro bedienten Percussions hauchen den Songs flockige Magie ein. INDIGENOUS klingen dadurch so frisch wie seit den seligen Tagen nicht mehr, in denen Vetter Horse die Trömmelchen streichelte. Auf welcher Koppel der jetzt trabt, weiß sicher nur der große Manitu selbst.
Noch ein paar Worte zu eben jenem Jamie Candiloro. Der bekannte Knöpfchen-Dreher (wo er überall seine Spuren hinterlassen hat, wollen wir an dieser Stelle nicht aufzählen. Interessiert? Guckst du hier!) ist das zweite Standbein der Acoustic Sessions Mato Nanjis. Neben den erwähnten Aktivitäten zupft er den Bass, lässt die Cymbals klirren, bedient die Keyboards im Zehnfingersystem und füllt die Räume mit Backing Vocals. Quasi fungiert er also als der Medizinmann des Stammes.

Mato selbst gilt, nicht nur bei seinen Fans, als überaus talentierter Gitarrist, der mit seiner gefühlvollen Spielweise den INDIGENOUS-Sound seit nunmehr 1998 auf der Silberscheibe lebendig werden lässt. Das ist aber nur eines seiner Markenzeichen. Als fast noch wichtiger als seine Gitarrenarbeit müssen seine Qualitäten als Songwriter eingestuft werden. Seine Kompositionen strahlen diese unnachahmliche Art einer subtilen Melancholie aus, die sich wie ein Teppich sanft von Horizont zu Horizont über die Landschaft legt. Sie ist weder niederschmetternd noch deprimierend. Nein, sie packt die Ohren der Hörer bei ihren Seelen und kreiert sogar ein sanftes Lächeln, wenn die Songs ihre volle Wirkung entfalten. Aber als noch wichtiger als die noch wichtigeren Songwriting-Stärken entpuppt sich wieder einmal Matos Kehlkopf. Ein guter, ausdrucksstarker Sänger vereint sowohl eine gute Stimme als auch einen guten Gesang. Jeder möge mal seine Plattensammlung durchgehen und feststellen, wie vielen der sich dort produzierenden Stars entweder das eine (ein guter Gesang) oder das andere (eine gute Stimme) fehlt. Stimmt, dabei handelt es sich meist um die CDs, die nur einen oder zwei Umläufe schafften. Mato Nanji hingegen ist mit dem perfekten Mischungsverhältnis ausgestattet. Durch seinen kehligen, eindringlichen Gesang erzählt er dort Geschichten, wo andere nur gefühllos Reime quäken. Dargeboten als Quasi-Akustiksongs werden diese Geschichten zu Juwelen in der über zehnjährigen INDIGENOUS-Karriere.

Widmen wir uns also nun den Songs.
Wer gleich mit solchem Tripel-Talent (Gitarre, Songwriting, Gesang) gesegnet ist wie Mato, produziert natürlich mehr Hauer als es in seiner Stadt Gassen gibt. INDIGENOUS präsentieren erst einmal 10 von ihnen.
Eine tolle, relaxte Atmosphäre kommt gleich beim zweiten Song auf. Dabei handelt es sich um DEN INDIGENOUS-Hirnokkupanten schlechthin. Things We Do hat in seiner ursprünglichen Interpretation das Potenzial zum Superhit. In der vorliegenden akustischen sicherlich auch.
Dass auch temporeichere Nummern im akustischen Gewand tofte rüberkommen können, beweißt Little Time. Diesmal nicht so laut wie im Original, dafür umso fesselnder. Rest Of My Days folgt dichtauf. Auf verschiedenen INDIGENOUS-Outputs bereits vertreten, erlebt es nun eine Wiedergeburt der leichten, sommerlichen und stressfreien Art.
Die absolute Premium-Liga der Songs wird durch Want You To Say meisterlich abgerundet. Die subkutane Traurigkeit wird besonders durch die Backing-Vocals einer gewissen Lea Nanji akzentuiert.
Als letztes Stück hat es eine aus Funk und Fernsehen bekannte Nummer aus den Federn von Lefty, Otis und Charly T. Jr. Wilbury in die "acoustic sessions" geschafft. Wohl auch zu Ehren des leider verstorbenen Lefty interpretieren INDIGENOUS You Got It. Das ist, zugegebener Maßen, von Lefty Wilbury weitaus brillanter dargeboten worden. Allerdings macht es Spaß, diese Nummer mit einem anderen Sound dargeboten zu bekommen, als den, mit dem uns Otis Wilbury seit Jahren quält.

Nun zurück zu den phantastischen INDIGENOUS…

Stopp! Hier ist Trevor, Ollis Zwillingsbruder!
Wie immer, wenn er INDIGENOUS thematisiert, werden seine Artikel metaphernreich, überschwänglich, himmelschreiend subjektiv und loben jede verdammt Note über den grünen Klee!
Bevor er mich von der Tastatur wegboxt, ein kleines, neutrales Fazit: "The Acoustic Sessions" ist eine gut produzierte Scheibe geworden, die handgemachte Musik bietet, aber gegen Ende irgendwie sogar etwas eintönig wird. Trotzdem passt sie zu fast allen Gelegenheiten. Außer vielleicht als Beschallung bei einem Vandalentreffen. Auch INDIGENOUS-Neueinsteiger können sich daran wagen, bekommen allerdings nicht den wahren Sound der Band geboten. Denn wenn Mato elektrisch spielt, ist es wieder eine ganz andere Hausnummer. Zum Kennenlernen sind die bisherigen Alben doch besser geeignet. Wobei festgestellt werden wird, dass die Gassenhauerdichte Mato Nanjis groß genug ist, um sich ein weiteres Album dieser akustischen Machart vorzustellen. Und vielleicht noch ein weiteres.

Olli "Wahn" Wirtz, (Artikelliste), 29.07.2010

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