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Manfred Mann

2006

with
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2006
2006, Edel Records, 2004
Noel McCalla Vocals
Mick Rogers Guitars
Steve Kinch Bass
Geoff Dunn Drums
Manfred Mann Keyboards, Vocals, Bass
Gäste:
Ade Laboriel Jr. Drum Loops
Thomas D. Rap Vocals
Chris Thompson Vocals
Matt Loffstadt Guitar
Barbara Thompson Saxophone
Dean Hart Vocals, Bass, Guitar, Keyboards
Hazel Hernandez Vocals
Henry's Eight Classical Vocals
Melanie Pappenheim Vocals
Arte Chorale Vocals
Produziert von: Manfred Mann & Dean Hart Länge: 48 Min 17 Sek Medium: CD
1. Demons And Dragons (with Thomas D.)8. Get Me Out Of This
2. Two Brides (Interlude)9. Frog
3. Down In Mexico10. Two Friends
4. Happenstance (Instrumental)11. Monkmann
5. The History Of Sexual Jealousy Parts 17 To 2412. Marche Slave (Instrumental Interlude)
6. Black Eyes13. Independent Woan (with Thomas D.)
7. Mars14. Dragons (Reprise)

Nein, ich hatte nicht mehr mit einem neuen und guten Album von Manfred Lubowitz gerechnet. Letztendlich hatte er seine kreative Phase vor ziemlich genau 20 Jahren mit dem Livealbum "Budapest" abgeschlossen, seither kamen unendlich viele Best Of-Compilations auf den Markt und vereinzelte Selbstverwirklichungsprojekte wie 1991 "Plains Music" mit seinen indianischen Meditationsklängen oder das mich gänzlich enttäuschende Fahrstuhlmusikmachwerk "Soft Vengeance" von '97. Live kann die EARTH BAND bis heute überzeugen, es ist und bleibt aber mehr oder weniger Oldieshow. Lange her sind die Chartbreaker "Watch", "Angel Station" oder "Chance", noch länger die unvergleichlichen Meisterwerke "Solar Fire" bis "The Roaring Silence" aus den Jahren 1973 bis 1976.

Was macht den Zauber dieser alten Platten bis heute aus? Die Songwriterkünste des Namensgebers sicher nicht, seine allerstärksten Momente hatte er immer, wenn mehr oder weniger bekannte Vorlagen genial adaptiert wurden. Ob von Springsteen, Dylan, Al Stewart oder Bob Marley, die Versionen der EARTH BAND sind die alleingültigen Masterpieces und überragen die Originale allesamt um Längen. Entscheidenden Anteil daran hatte natürlich der Meister des Moog-Synthesizers mit seiner Fähigkeit den Songs den mystisch-progressiven Ton zu geben und seiner aus den Sechzigern (man erinnert sich, Manfred Mann war Pop as Pop can) mitgebrachten Stärke, gradezu manisch rockende Ohrwürmer ohne jeden Überdrussfaktor zu kreieren. Es dürfte nicht viele Menschen geben, die nicht bis heute bei Mighty Quinn mitsingen. Außerdem hatte er jederzeit Spitzenmusiker um sich und mit Chris Thompson einen der besten Sänger aller Zeiten.
Thompson wurde etwa 1991 von Noel McCalla ersetzt, der zwar nicht dem Charisma aber der Stimmkraft von Thompson recht nahe kommt.

Nun also eine CD namens "2006" - Lubowitz begründet dies ausgesprochen schlüssig damit, dass ja jetzt 2004 sei... Die Platte erscheint nicht unter dem Banner der EARTH BAND, die gleichwohl fast durchgehend tätig ist, sondern als Manfred Mann Soloalbum. Auch dafür liefert er eine Erklärung: Die Songs spiegeln seinen persönlichen Geschmack wieder und passen nicht immer in das Konzept der EARTH BAND. Korrekte Vorgehensweise, auch mir gefällt nicht alles auf dieser Scheibe, aber doch immerhin fast alles. Und zwar beginnend mit dem großen Opener Demons And Dragons, bei dem sich Noel McCalla und Chris Thompson die Vocals teilen. Übrigens eine freundliche Übernahme eines Songs der SUPER FURRY ANIMALS. Ob der depressive Sprechgesang von Thomas D. unbedingt nötig war... nun ja, er macht nichts kaputt.

Im Booklet wird der Jam-Charakter vieler Songs betont. Ab und an hat man auch beim Hören den Eindruck, dass sich manche Idee erst bei der Ausführung bis zum Ende entwickelt hat. So baut sich zum Beispiel das Instrumental Happenstance wunderschön auf, endet dann aber doch irgendwie zu schnell. Überhaupt könnten einige Nummern durchaus länger - also im bekannten EARTH BAND Stil - ausgespielt werden, ein oder zwei Mal hat man das Gefühl, nur ein Fragment geboten zu bekommen (Black Eyes - ansonsten hätte die Nummer Klassikerformat).
EARTH BAND vom Besten dann bei Mars. Synthiewände, durch Mark und Bein gehender Gesang und eine erst langsame, dann losdonnernde Band garantieren eine Zeitreise zurück ins Jahr 1978. Ähnlich beeindruckend kommt Get Me Out Of This, zusätzlich aufgewertet durch die verschiedenen Sänger und einem Choral-ähnlichen Outro.

Wie erwähnt, bei Fremdkompositionen wird es (fast) immer großartig. Frog basiert auf einem russischen Osterlied, brilliert durch eine wunderschöne Gitarre, Mark Knopfler könnte es nicht besser als der ewig unterbewertete Mick Rogers, und geht unter die Haut mit den female vocals des Arte Chorale. Und dann kommt Chris Thompson nochmals zum Zug. Two Friends ist mein persönliches Highlight auf "2006". Basis ist der pumpende Bass von Steve Kinch, Thompson und Mann werfen sich die Bälle - zugegeben, mit ungleichen Waffen - zu und gestützt wird der letztendlich relativ simple Song durch klasse Percussionarbeit von Geoff Dunn. Die Einfachheit wird durch die auf den ersten Blick schäbig klingende Rhythmusmaschine noch verstärkt. Nach wenigen Minuten jedoch nimmt man das nur noch als Groove und nicht mehr als Geräusch wahr. Da ist es wieder, das Gespür für eingängige, also Pop-kompatible, Rockmusik.
Einen todsicheren Singlehit gibt es auch noch: Independent Woman, grandios gesungen von Co-Produzent Dean Hart. Unnötig zu sagen, dass auch dies keine Eigenkomposition ist, Inspirator ist hier Pyotr Ilyich Tchaikovsky.

So zieht diese CD dahin, echte Meisterwerke, instrumentale Spitzenleistungen, Gesang wie von einem anderen Stern, nur kurzzeitig unterbrochen durch unausgegoren wirkende Versuche, die diesem Album letztendlich nur 8 von 10 möglichen Punkten zukommen lassen.
Trotzdem, "2006" kommt direkt hinter den oben genannten Klassikern. Verbeugung vor MANFRED MANN'S EARTH BAND und sämtlichen Gästen!

Fred Schmidtlein, (Impressum, Artikelliste), 10.10.2004

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