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CD-Review:
Mouth Of ClayColors Of Utopia, |
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Warum muss man jedem neuen Trend hinterher jagen? Warum wird man als Freund traditioneller Klänge als ewig Gestriger beschimpft? Warum werden Bands trotz enormer Kreativität und großem Output nicht wahrgenommen? Warum wird dauernd ein Revival der, ach so tollen, 80er Jahre propagiert (dem Jahrzehnt mit dem erwiesenermaßen miesesten musikalischen Innovationsgrad)? Ok, ich erzähle jetzt mal, wie ich zur Rockmusik kam. Es war ca. 1973, der große Bruder eines Freundes hatte ein musikalisches Sendungsbewusstsein. Er besaß eine Tonbandmaschine und überspielte mir DEEP PURPLE "In Rock", URIAH HEEP "Look At Yourself", BLACK SABBATH "Paranoid" und STATUS QUO "Hello" auf 2 BASF C90 Kassetten. Das war's dann für mich. 30 Jahre und Tausende Kassetten, LPs und CDs später, sitze ich hier und frage mich, ob ich irgend etwas dazugelernt habe oder ob ich in meiner Entwicklung spätestens im Jahr 1979 stehen geblieben bin. Klare Antwort: Es ist mir egal. In der Stadt Sala, irgendwo in Mittelschweden, westlich von Uppsala, hat sich vor gut 2 Jahren die Band MOUTH OF CLAY zusammengefunden und macht seither Rockmusik, die ganz eindeutig ihre Wurzeln bei den großen Rockbands früherer Tage hat. Die Band hat bereits kurz nach ihrer Gründung, besser gesagt nach 2 Übungseinheiten, das erste Demo eingespielt. Volle 4 Spuren standen zur Verfügung und ein ganzes Wochenende. Ergebnis: 6 Songs oder 33 Minuten, zusammengefasst unter dem Namen "Colours Of Utopia". Müsste ich einen zeitgemäßen Namen für die Musik benennen, könnte man sagen Stoner Rock. Blödsinnige Schublade, es ist viel sinnvoller, wenn man die Musik als klassischen Hard Rock bezeichnet. Größtenteils im mittleren Tempo, mit sehr schönen akustischen Gitarren und vor allem mit viel Slide Gitarre, gespielt von Hawkan Englund. Feine Bandleistung. Der Sound ist ein wenig dumpf, aber im Vergleich zu manchen LPs von damals durchaus akzeptabel. Kurze Zeit nach dem ersten Demo hatte die Band bereits 13 neue Stücke auf Lager. "A New Beginning" wurde also aufgenommen. Die Band nimmt sich Zeit ihre Songs auszuspielen. Es wird nicht gehetzt und gehudelt. Wo die Gitarre psychedelisch klingen soll, klingt sie psychedelisch. Wo die Slide singen muss, wird der Flaschenhals poliert. Und wenn für Erica 12 Saiten gebraucht werden um ihr zu huldigen, werden die eben aufgezogen. Einer meiner Lieblinge ist The Sinners Lullaby. Ein wunderbarer akustischer Song, der an LED ZEPPELIN anknüpft. Gleich anschließend wälzt dann Shine wie Lava daher. Tony Iommi könnte als Komponist dahinter stehen. Allerdings bedient der keine Slide Gitarre. Der bisher letzte Streich von MOUTH OF CLAY heißt "What Have You Got To Loose?". Die Band meint ernst was sie macht und sie machen es technisch und songschreiberisch sehr sehr gut. Absolutes Highlight: Rush. Ein hart rockendes Sahnestück, angetrieben von einem Sänger, der ganz offensichtlich auf der Flucht vor der ihn verfolgenden Slidegitarre ist. So und nicht anders muss Riff-Rock klingen. Die Band hat ein schweres Jahr hinter sich. Sänger Jocke hat die Gruppe verlassen und wurde inzwischen durch den jungen Shouter Serkan ersetzt. Schwerer wiegt, dass Drummer Olle seinen rechten Arm aufgrund einer lebensgefährlichen Infektion verloren hat. Ich weiß nicht, warum diese Band bisher nicht von einer entsprechenden Plattenfirma entdeckt wurde. Für jeden interessierten A&R muss diese Band eigentlich ein gefundenes Fressen sein. Fred Schmidtlein, (Impressum, Artikelliste), 16.09.2002
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