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Book Of Days

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Book Of Days
Book Of Days, Bellaphon/Bacillus Records, 2008
Roye Albrighton Guitars, Lead Vocals
Ron Howden Drums, Percussion, Vocals
u. a.
Länge: 54 Min 50 Sek Medium: CD
1. Over Krakatoa5. The Iceman
2. King Of The Deep6. Where Are You Now?
3. Lamorna7. Book Of Days (Between The Lines)
4. Doctor Kool8. Book Of Days

Sind NEKTAR wirklich die "deutscheste kraut-rockigste" britische Band (Zitat: www.metal.de v. 19.08.2007)? Man möchte es glauben, wenn man bedenkt, dass sich die Formation 1969 in Deutschland gründete und sich die Jungs im Star Club zu Hamburg kennen lernten. Und dann verbrachte die Band mehrere Jahre im Odenwald in Seeheim, komponierte Alben wie "Remember The Future" und "A Tab On The Ocean", die sie über den großen Teich in Richtung USA trieb. Die großen Konzerte mit den imposanten Lightshows kenne ich nur aus Erzählungen, doch ihre frühen Alben darf ich mir Gott sei Dank reinziehen. Alt genug bin ich auch, um mir Gedanken über ihr 2004er-Werk "Evolution" zu machen, und ganz ehrlich: Ich stehe auf den altehrwürdigen Sound, mag die progressiven Elemente in einer großartigen Rockmusik, vermisse die psychedelischen Eingebungen nicht wirklich und habe eine Menge Spaß, mit NEKTAR zu rocken.

Als neulich, zumindest für mich, plötzlich und unerwartet die neue NEKTAR-Scheibe im Briefkasten lag, breitete sich schon bei loser Betrachtung des Albums Nostalgie aus. Der geile Schriftzug und dann der Titel "Book Of Days", welcher neugierig macht und wieder eine Fahrt in die Vergangenheit dieser großartigen Band erwarten lässt. Dabei muss man allerdings anmerken, dass die Veröffentlichung bereits seit einiger Zeit im Raum steht. Selbst die letzte Tour 2007 wurde nach "Book Of Days" benannt, ohne dass der Fan bis dato in der Lage war, die Scheibe zu erwerben. Gleichwohl war das Material zwischenzeitlich als Download über "i-tunes" (mit anderem Coverartwork) erhältlich. Und es scheint so, dass die Songs bereits seit längerer Zeit im Kasten sind, aber es auf Grund von Problemen mit dem Management erst jetzt zu einer offiziellen Veröffentlichung kommt. Deswegen ist klar, dass die beiden Deutschen, Peter Pichl (Ex-RUNNING WILD, Ex-Uli Jon Roth, YARGOS) am Bass und Klaus Henatsch (Ex-JANE, Ex-Jutta Weinhold) an den Tasten, nicht auf diesem Album zu hören sind, obwohl sie bereits seit dem letzten Jahr zusammen mit Ron Howden (Drums) und Mastermind Roye Albrighton (Guitars, Lead Vocals) das Live-Line-up von NEKTAR bilden. Und genau so wird es auch im Booklet von "Book Of Days" dargelegt, nämlich mit einem Hinweis auf die aktuelle Live-Besetzung, und über die Musiker, die "Book Of Days" eingespielt haben, wird der Deckel des Schweigens gelegt.

Nun zur Musik: In den Lyrics verarbeiten NEKTAR die Probleme des Alltags und ich finde auch keinen Hinweis darauf, dass mit einer Art Tagebuch besondere konzeptionelle Zusammenhänge musikalisch untermalt werden sollen. Der Sound geht erwartungsgemäß "back to the roots". Die anfänglichen Verzerrungen der Stimmen und die satten Guitar-Riffs, eingebettet in einen lockeren rhythmischen Ablauf, verdeutlichen in Over Krakatoa die bekannte härtere Gangart von NEKTAR. Die Soli sind traumhaft markant und weisen schon jetzt eine zeitlose Dynamik auf. In King Of The Deep hören wir auch die eine oder andere melodische Ader heraus, dabei treiben die Orgeln von Beginn zum dezenten Mainstream an, und doch hat man den Eindruck, dass sich die Band auf wunderbare Art selbst covert. NEKTAR sind und bleiben NEKTAR, und zwar egal, in welcher Besetzung.
Auch auf "Book Of Days" wird deutlich, dass die Kompositionen an sich in den USA noch immer ziehen müssten. Lamorna zeigt Ähnlichkeiten zu Melodic Rock-Größen wie frühe BOSTON auf, während in einem Stück wie The Iceman erheblich experimentiert wird. Was anfangs wie eine schmalzige Ballade beginnt, entpuppt sich zur Darbietung von verschiedensten Geräuschen. Da sind sie also wieder, die progressiven Einflüsse, die so eine Nummer ohne Probleme auf über 10 Minuten Spiellänge heben und den Hörer in atmosphärische Klanggebilde eintauchen lassen. Wobei sich mein persönlicher Favorit Where Are You Now? nennt. Satter Groove, kernige Riffs, rockige, angecrunchte Funkelemente, zahlreiche Tempiwechsel, und das bitte in einer gehörigen Lautstärke, damit man endgültig weiß, wo der Hammer hängt und nicht dem Irrglauben aufsitzt, nur Chappo könnte solche Tracks schreiben.
Die beiden Book Of Days-Parts liefern uns abschließend den Schmachtfetzen schlechthin, bevor das Album mit einem fulminanten und einfühlsamen Gitarrensolo endet.

NEKTAR sind ganz bewusst auch im Jahr 2008 nicht up-to-date. "Book Of Days", das ist "moderner" 70er-Jahre-Rock. Für Fans der Band ein Muss, ohne Frage. Aber auch Neuankömmlinge bekommen vor Augen geführt, wo die Wurzeln der Rockmusik liegen, und man merkt mit jeder Spielminute, wie viel Erfahrung und Leidenschaft im Universum der "deutschen" britischen Prog-Rock-Legende noch zu finden ist. Welcome back, NEKTAR!

Ralf 'Jogi' Ruhenstroth, (Impressum, Artikelliste), 12.05.2008

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