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Rachel Stamp

Oceans Of Venus

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Oceans Of Venus
Oceans Of Venus, Pure Stirling / Sony Music, 2002
Will Crewdson Guitar
Shaheena Dax Keyboards
Robin Guy Drums
David Ryder-Prangley Vocals, Bass
Gast:
Katharina Blake Vocals (The Loveless)
Produziert von: Roger Tebutt & Rachel Stamp Länge: 49 Min 25 Sek Medium: CD
1. Starbirth In The Triffid Nebula7. The Agony Of St. Teresa
2. Les Océans De Venus8. Permanent Damage
3. Black Cherry9. Twisted
4. Witches Of Angelhölm10. Crucified
5. Do Me In Once And I'll Be Sad, Do Me In twice And I'll Know Better11. The Loveless
6. Superstars Of Heartache12. Victory

KREISCH!!!! Was ist das denn? Schwuchtelpop a la PET SHOP BOYS meet Boy George? Elton John beim Kopulieren? David Bowie unter falschen Drogen?
Ein ausgesprochen ungünstiger Einstieg in eine Platte, die MIR gefallen soll. Schwülstiges Blue Öyster Bar-Gesäusel für Männer mit Lederkäppi und Hundehalsband.
Auf dem Cover sitzen 4 Damen und/oder Herren im Pool und schauen mehr oder weniger lasziv. Noch ungünstiger. Rocker schauen anders aus.

RACHEL STAMP sind eine walisisch/britisch/kanadische Band, haben mit "Oceans Of Venus" ihr zweites Album eingespielt und setzen auf so immerschicke und dauermoderne Trümpfe wie Androgynität, also den Betrachter im Ungewissen lassend, ob man nun Männlein oder Weiblein ist, Schock und Provokation, Rotzrock (wie er plötzlich wieder angesagt ist) und Glam.

Leute, wir haben doch keine Zeit! Andere Bands sind aus nichtigeren Anlässen aus meinem Player geflogen und nur ein Telefonat hat mich abgehalten, die CD nicht direkt nach 30 Sekunden zu entsorgen.
Glück gehabt! Denn nach dem "Intro" des ersten Songs folgt ein hochspannender Longplayer zeitgenössischer Rockmusik. Alles gnadenlos zusammengeklaut, aber mit teilweise wirklich magischen Momenten und klasse Ideen.

Wollen wir mal aufzählen, welche Gesichter mir in der guten Dreiviertelstunde erschienen sind:
David Bowie, Kiss, Alice Cooper, Marilyn Manson, Alex Harvey, Blondie, Lou Reed, Sex Pistols, Marc Bolan, Jim Morrison/Doors, Twisted Sister, Iggy Pop, Hellacopters und Konsorten.

Gar nicht wenig für eine Band, die den Anspruch hat, modern zu sein. Modern ist bekanntlich relativ und vielleicht gelingt es, die Band als "next big thing" für die Teenies zu platzieren. Mir soll's recht sein, denn über den Durchschnitt der heutigen Chartbands ragen RACHEL STAMP meilenweit hinaus. Und vor allem machen sie ziemlich geilen ROCK.

Weniger kann ich mit dem Image der Kapelle anfangen. Sex sells, aber auf diese Karte haben in den letzten 30 Jahren so viele Künstler gesetzt, dass es im Jahr 2003 nicht mehr wirklich spannend ist. Ich steh nun mal nicht auf tuntig-undefinierbare Sänger mit Federboa um den geschminkten Hals und buntem Röckchen. Oder ist das die Keyboarderin? An der sieht der Eyeliner wirklich gut aus und sie bringt auch eine Menge interessanter synthetischer Sounds zustande.
Mein Gott, diesen kaputt-dekadenten Drogenstyle haben schon genügend andere vorgespielt und gelebt. Muss das sein? Das ist so klischeebeladen. Kann mir aber letztlich egal sein, denn MTV gucke ich nicht.

Selbst der Opener wächst sich gegen Schluss zu einem recht brachialen Rocker aus. Verziehen sei also der unglückliche Beginn. Es folgen diverse simpel-punkige Krachattacken. Macht Spaß. Wirklich gut wird es bei den mittelschnellen, düster-harten Rockern und Hymnen und vor allem bei den Zitaten alter und älterer Pop-Rock-Klassiker.
Black Cherry beispielsweise könnte einer alten KISS-LP entsprungen sein, nur eben unter Verwendung modernen Loops und Sounds und mit Lemmy Kilmister am Bass.
Witches Of Angelhölm lässt mich an Ziggy Stardust denken, Do Me In Once And I'll Be Sad... erweckt alte BLONDIE-Erinnerungen, The Agony Of St. Teresa gemahnt gar ein wenig an LED ZEPPELIN und The Loveless ist herrlich morbide und so rockt die CD äußerst abwechslungsreich dahin.

Im Gegensatz zu überflüssigen Krachmachern wie Marilyn Manson, haben Rachel Stamp den Dreh raus - zwischen richtigem Rock (und Roll), unablässig herausgeplärrten four letter words, Action und Noise - eine gut anhörbare, songbetonte CD zu machen. Gefällt mir!

Fred Schmidtlein , (Impressum, Artikelliste), 08.02.2003

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