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Raging Slab:

The Dealer

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The Dealer
The Dealer, Tee Pee Records, 2001
Greg Strzempka Vocals, Guitar
Elyse Steinman Slide Guitar, Vocals
Alec Morton Bass
Rob Cournoyer Drums
Gäste:
Dale Crover Drums (Here Lies)
Phil Ondich Drums (Real Good Time & The Ballad Of Truly Mae)
Produziert von: Greg Strzempka Länge: 53 Min 22 Sek Medium: CD
1. Here Lies9. The Ballad Of Truly Mae
2. Sir Lord Ford / When Electricity Came To Arkansas10. Bite The Lightning
3. Double Wide11. I Don't Know You
4. Real Good Time12. Roadless Rider
5. Too Bad13. (What I) See Through You
6. Chasin The Dragon14. I Saw The Light
7. Flap Your Boogie Flap15. That Aint What I Meant
8. That's Alright16. Good Mornin' Lil' Schoolboy

Diese CD aus dem letzten Jahr hat es mir nicht einfach gemacht. Einen ganzen Haufen Hördurchgänge brauchte ich, erst kam sie mir zu schräg vor, dann zu uneinheitlich. Dabei ist das Blödsinn. Die Scheibe passt genau in die Entwicklung der Band. Und das noch mehr, wenn man das neueste Werk "(pronounced eat shit)" anschließend hört.
Hatte ich "The Dealer" vor einer Woche im Konzertbericht noch als "schrammelig" bezeichnet, muss ich dieses Urteil jetzt einfach zurücknehmen.
Man muss bei dieser Platte einfach die Ohren auf Empfangsfunktion "Tolerant" stellen und schon klappt das. Will also sagen: Wem die Band nach "Dynamite Monster Boogie Concert" nicht mehr gefallen hat, der wird auch zu "The Dealer" nur schwer Zugang finden. Wer aber in der Lage ist, die RAGING SLAB'sche Interpretation von Boogie zu verarbeiten: Tolle Scheibe!

Man hat beinahe den Eindruck, dass die Band absichtlich immer wieder "Spaßbremsen" einbaut, um den simplen Ich-will-Fun-gebt-also-endlich-Gas Hörer zur Aufmerksamkeit zu zwingen.
So ist zum Beispiel der Opener Here Lies ein schwer verdauliches Ding mit mächtigen, zähen, drückenden Soundwänden, aber auf keinen Fall ein leichtgängiger Starter in ein Gute-Laune-Album.
Anders, aber dafür richtig beängstigend, ist Sir Lord Ford. "I'm in love with the dealer ... with the needle and the dealer". Schauder. Zum Glück wird Sir Lord Ford vom BLACK OAK Klassiker When Electricity Came To Arkansas abgelöst und sorgt kurzfristig für fröhlichere Stimmung mit seinen zweistimmigen Gitarren inkl. Slide. Die Nummer ist auch nach 30 Jahren ein Highlight.

Es ist natürlich nicht so, dass Raging Slab keinen Humor hätten oder als völlig kaputte Wracks durch die Gegend ziehen. Sie haben einfach eine andere Auffassung von Spaßmusik. Nachzuhören auf Real Good Time, ein Song, der den BLACK CROWES gut zu Gesicht gestanden hätte, den sie aber so nicht hingekriegt hätten, denn zu "Amorica"- oder "Three Snakes..."-Zeiten (wo der Song gepasst hätte), haben sie sich lieber in sinnlosen Dudeleien vergeistigt.

Gradezu in Lichtgeschwindigkeit und mit FOGHAT-Feeling dann Too Bad. Damit der wippende Hörer aber nicht übermütig wird, kommt gleich anschließend das finstere Chasin The Dragon. "I, myself, kill ... cemetary-daybreak, heartache and ill". Dazu bohrende Gitarren, tonnenschwerer Tony Iommi-Sound, Effekte, METALLICA-Krach.

Mein persönliches Lieblingslied ist natürlich Flap Your Boogie Flap. Der Song macht seinem Titel alle Ehre und shuffelt sich durch 30 Jahre Boogiegeschichte.
Und genau an dieser Nummer kann man das "Problem" der Band festmachen. Mit minimalem Aufwand hätten R.S. daraus einen Ohrwurm in Boogieformat machen können. Haben sie aber nicht, sondern dafür ein paar schräge Sounds eingebaut, die dem unvorbereitetem Hörer immer mal wieder einen Schrecken einjagen.

Insgesamt ist die CD sehr nahe an den 70ern dran (auch produktionstechnisch). That's Alright zum Beispiel könnte aus der rockigeren "Boogie Brothers"-Ära von SAVOY BROWN stammen. Natürlich zeitgemäßer und fürs Jahr 2001 überarbeitet.
Also viel Bluesrock, aber so, als ob er vom Fleischwolf durchgedreht worden wäre. Ich behaupte jetzt einfach: So muss diese Musik heute klingen, um uns mittelalten Menschen eine neue Motivation zu geben, Bluesrock nicht in die Schublade der alten Socken zu stecken.

Beispiel: Ich mag einen Standard wie Good Morning Little Schoolgirl heute eigentlich nicht mehr hören. Das All Music Guide listet 180 Versionen von so ziemlich allen bekannten Bluesrockern dieser Welt auf und es gibt sicherlich noch unendlich viel mehr Fassungen. Egal ob von Alvin Lee, Eric Clapton, Van Morrison oder Jonny Lang, es langweilt mich. Raging Slab machen kurzerhand Good Mornin' Lil' Schoolboy draus, Elyse Steinman wirft dazu ihre dreckigste Röhre an und lässt die Slide geradezu jämmerlich jaulen und fertig ist ein altbackener Song in modernem Gewand. Wer braucht da noch die alten Helden?

Man kann es sich schenken, die Band in eine Schublade zu packen. Es ist einfach ROCK. Es ist altmodischer, innovativer Rock. Ein Widerspruch? Nein! Checkt RAGING SLAB und dann reden wir weiter.

Dieses (und andere Alben von Raging Slab) gibt es übrigens nicht nur als CD. Bei diversen Mailorders sind auch die Vinylfassungen erhältlich. Bezeichnend irgendwie, dass grade Raging Slab so was heute wieder machen.

Fred Schmidtlein, (Impressum, Artikelliste), 06.10.2002

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