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| Sascha Gutzeit, Wunschkind Media, 2008 |
| Sascha Gutzeit |
Stimme, Flügel, Gitarren, Orgel, Synthesizer, Mundharmonika |
| Gäste: |
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| Martin Huch |
Dobro (Komm einfach noch mal rein), Pedal Steel (Schleswiger Straße) |
| Chancy Gärtner |
Saxophon (Rauchende Mütter) |
| Anna Pomerantseva |
Geige (Erogene Zone) |
| Ingo Meyer |
Elektrische Gitarre (Bernd ist gerade dabei sich umzubringen & Dass mir wieder was wehtut) |
| Hennes Bender |
Bass (Für immer) |
| Produziert von: Phil Friederichs & Sascha Gutzeit |
Länge: 58 Min 03 Sek (CD) & ca. 52 Min (DVD) |
Medium: CD & DVD |
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| CD: | |
| 1. Komm einfach noch mal rein | 8. Dass mir wieder was wehtut |
| 2. Langweilig | 9. Arsch auf Eimer |
| 3. Schleswiger Straße | 10. Hallo grosse Plattenfirma |
| 4. Rauchende Mütter | 11. Für immer |
| 5. Erogene Zone | 12. Ewig währt am längsten |
| 6. Bernd ist gerade dabei sich umzubringen | 13. Lied für die Menschen vonne Welt |
| 7. Der Pflug ist kaputt | 14. Schleswiger Straße (akustische Soloversion) |
| DVD: | |
| 1. Ich bin die Vorgruppe | 8. Grand Prix |
| 2. Komm einfach noch mal rein | 9. Lied für die Menschen vonne Welt |
| 3. Langweilig | 10. Wass muss ich machen, dass du rockst |
| 4. Schleswiger Straße | 11. Frau Schröder |
| 5. Bernd ist gerade dabei sich umzubringen | 12. Rastaplatz |
| 6. Frühstücksfernsehen | 13. Auf meiner Seite der Stadt |
| 7. Füsse hoch, Niveau kütt | |
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Was ist der Gutzeit nun eigentlich? Rock'n'Roller, Liedermacher, Singer/Songwriter, Kabarettist oder gar, brrr, Chansonnier? Dieser ziemlich bekannte ältliche Typ im verschwitzten Bademantel wird im Boulevard-Fernsehen gerne als Chansonnier bezeichnet, also ist Gutzeit so einer nicht. Weder mit noch ohne Sahne. Aber Sascha Gutzeit singt und macht Lieder. So wie Bob Dylan und Reinhard Mey. Leider rockt kein einziges Lied dieses Herrn Mey, aber in den, sorry, Chansons von Gutzeit steckt oft mehr Rock & Roll als in den letzten fünf Platten unseres Lieblingsschnösels Westernhagen, obwohl der "wilde Fetzer" Dass mir wieder was wehtut in der zweitmöglich kleinsten Besetzung eingespielt ist, nämlich als Duett mit einem Gitarristen. Gerüchte, dass es sich bei diesem Gitarristen um Keith Richards handelt sind falsch.
Hach, dieser Sascha hinterlässt einen wirklich ratlos. Erschwerend kommt dazu, dass seine neue CD bei einer kleinen Plattenfirma erschienen ist, deren einer Geschäftsführer Ingo Oschmann heißt. Über den kann man manchmal lachen, obwohl nicht immer klar wird, ob es aus Mitleid oder Freude über einen lange nicht gehörten Kalauer ist. Hört man aber den Song Bernd ist gerade dabei sich umzubringen, kichert man gleich über zwei Sachen gleichzeitig: Den verdrehten Wortwitz und den empörend leichtfertigen Umgang mit einem so ernsten Thema. Und plötzlich singt die Kollegin vom Nachbarschreibtisch gemein grienend den Refrain mit - vermutlich denkt sie dabei an ihren Ex. Bernd hat sich erledigt.
Die frohe Botschaft dieser CD ist, dass Sascha Gutzeit berühmte Freunde hat. Xavier Naidoo zum Beispiel, dem er auch ein Lied widmet. Xavier hat übrigens einen zweiten Vornamen: Kurt. Vermutlich geht er deswegen aus Scham nicht ans Telefon, wenn Sascha ihn anruft. Macht aber nichts, unser Sohn Wuppertals wird bestimmt irgendwann auch in Mannheim auftreten und vielleicht kommt Kurt dann vorbei.
"Sascha Gutzeit" ist das siebte Album seit 1993 und geht konsequent den auf "Entschleuniger" eingeschlagenen Weg weiter, also keine Band, nur ab und an Gitarre oder Saxophon zusätzlich. An dieses Konzept gewöhnt man sich zunehmend, weil die kleinen Lieder zwar fast alle Gruppen-kompatibel wären, aber in ihrer jetzigen Einfachheit jede Menge Platz für die eigene Phantasie und Konzentration auf den Text haben.
Es wird Zeit für die Aufklärung. Sascha Gutzeit ist überhaupt nicht schwer zu verstehen, ratlos macht er sowieso nicht. Er ist witzig und nicht albern, melancholisch, nicht trübsinnig, anspruchsvoll, aber nicht überkandidelt, höchst musikalisch und abwechslungsreich, dennoch reduziert. Pedal Steel und Dobro zaubern ruckzuck klassisches Americana-Feeling, das Sax in Rauchende Mütter bläst einen kurz und schmerzlos in einen, nun ja, verrauchten Bluesclub und die Geige in Erogene Zone schafft es, nicht auf die Nerven zu gehen.
Die kleinen Geschichten erzählen kleine Wahrheiten, die eigentlich jeder so erzählen könnte, wenn er nur das Talent dazu hätte. Manchmal erzählen sie auch einfach nur Nonsens, den nur ganz wenige Leute in dieser unaufdringlichen Art bieten können. Nicht mal ein Gedicht wie Der Pflug ist kaputt mag einen abschrecken, weil auch hier virtuos mit Worten gespielt wird. Gutzeit ist in der deutschen Szene einzigartig.
In der Erstauflage ist eine DVD enthalten, die einen Auftritt in einem Wuppertaler Theater dokumentiert. Sollte man dringend haben, weil klar wird, wie professionell und gut der Mann unterhalten kann, selbst wenn das Programm "Langweilig" heißt. Außerdem kann man sich über Absurditäten wie Frau Schröder köstlich amüsieren.
Eigentlich bleibt nur ein Wunsch offen: Alle Jubeljahre mal würde man sich Sascha Gutzeit wieder mit Band wünschen. Muss ja keine Dauereinrichtung werden, nur zum Spaß zwischendurch und sozusagen als Lied für die Menschen vonne Welt.
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