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Humanity - Hour I

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Humanity - Hour I
Humanity - Hour I, Sony BMG, 2007
Klaus Meine Vocals
Rudolf Schenker Guitars
Matthias Jabs Guitars
James Kottak Drums
Pawel Maciwoda Bass
Gäste:
John 5 Guitar (Hour I)
Billy Corgan Vocals (The Cross)
Produziert von: Desmond Child Länge: 56 Min 57 Sek Medium: CD
1. Hour I8. We Will Rise Again
2. The Game Of Life9. Your Last Song
3. We Were Born To Fly10. Love Is War
4. The Future Never Dies11. The Cross
5. You're Lovin' Me To Death12. Humanity
6. 32113. Cold
7. Love Will Keep Us Alive14. Humanity (Radio Edit)

"Humanity -
Auf wiedersehen -
It's time to say goodbye -
The party's over -
As the laughter dies -
An angel cries"
Jemand Schmerzen? Da hilft kein Aspirin, ihr müsst leiden.
Menschenskinder, was war diese Band mal geil. "Tokyo Tapes", "Lovedrive", "Blackout" - wer diese drei Platten nicht besitzt, wer nie bei einem der vor positiven Funken sprühenden Konzerte war, ist kein Hardrocker. Basta. Und heute muss man sich gewaltig anstrengen, all die oberpeinlichen Auftritte der beiden Hauptfiguren Meine und Schenker in sämtlichen greifbaren Boulevardveranstaltungen der Familienmedien zu ignorieren. Gottschalk, Kai Pflaume, ZDF-Sommergarten, Bild der Frau, wo waren die eigentlich noch nicht? Das ist eindeutig das Lothar-Matthäus-Syndrom - bloß keinem Mikrofon und Fotografen ausweichen, immer schön den Gutmensch raushängen lassen, maximal sülziges Geblubber von sich geben. Und immer wenn eine neue Platte ansteht, muss man natürlich behaupten, dass man Rock'n'Roller to the bone ist. Das Peter-Kraus-Trauma.
Diesmal also "Humanity - Hour I", so was wie ein Konzeptalbum, Desmond Child hat seine Finger als Produzent und Songwriter ganz tief drin, man bekommt Albträume. Das Konzept: Rocker, Ballade, Rocker, Ballade, manchmal beides zusammen. Wow, geht doch arg in Richtung "The Wall" oder gar "Operation: Mindcrime". Harharhar.
Nein, der Crosschecker kann diese Band wirklich nicht mehr richtig ernst nehmen. Zu viel haben sie einem seit spätestens Wind Of Change angetan (wobei einem so eine Nummer erstmal gelingen muss, die SCORPIONS haben sich damit unsterblich gemacht und dafür gebührt ihnen jeder Respekt, auch wenn das Lied sehr schnell sehr unerträglich geworden ist).
Trotzdem, irgendwie ist es unsere Pflicht, auch "Humanity - Hour I" so zu hören, als ob es eine Platte einer hungrigen Jungspundkapelle wäre. Wohlan.
Die peinsamen Balladen lassen wir außen vor. Das sind zwei, drei üble Dinger, die in einem Rock-Haushalt nichts zu suchen haben. Aaaaber, da sind doch tatsächlich noch andere Sachen auf der CD. Hoppla. Okay, das textliche und gedankliche Konzept hinter "Baby 3 2 1 are you ready to rock" erscheint doch etwas dünn, aber die Nummer knallt. Hour I ebenso. Satt nach unten getrimmte Gitarren, dicker Groove, eine eingängige Hookline, damit sind die Oldies überraschend nah an guter Musik.
In You're Lovin' Me To Death hat sich Rudolf Schenker eine schöne Rhythmusgitarrenlinie zum Hymnencharakter eingebaut und We Will Rise Again hat gar ein, na ja, Alternative-Intro. Danach kommt allerdings Pampe und flache Zeitgeistanbiederung. Klaus Meine quietscht verdächtig und man sieht schier den Tontechniker an seinem Arbeitsplatz schwitzen.
Die Beiträge von Matthias Jabs darf man wohl als medioker einstufen, die Anwesenheit von John 5 und Billy Corgan ist nur unmerklich spürbar, insgesamt ermüdet die Scheibe mit ihren knappen 50 Minuten dann doch. Dennoch, ein paar coole Songs sind ihnen gelungen, den alten Säcken. Und ein paar Peinlichkeiten auch (dieser Titelsong, weia), aber das sind wir ja gewohnt. Ergo: Banale 4, ohne den üblichen Eimer Hohn und Spott, aber doch leicht gelangweilt.

Fred Schmidtlein, (Impressum, Artikelliste), 10.06.2007

"Humanity Hour I" bietet doch einige Überraschungen, beispielsweise die ungewohnt modernen Klänge, die Klaus Meine & Co. mit dem Opener Hour I anschlagen. Nicht weniger überraschend, dass die Hannoveraner mit Stücken wie The Game Of Life oder Love Will Keep Us Alive scheinbar mühelos an ihre Glanzzeiten in den Achtzigern anknüpfen.
Wäre "Humanity Hour I" 1990 erschienen, dann hätte man guten Gewissens von einem ordentlichen, wenngleich etwas schwächeren "Savage Amusement"-Nachfolger sprechen können, und wer weiß, vielleicht wären uns dann auch Peinlichkeiten der Neunziger wie Wind Of Change oder das unsägliche "Eye To Eye"-Album komplett erspart geblieben. Die Band befindet sich aber auf einem Kurs, mit dem sich die alte Fangemeinde durchaus wieder stärker anfreunden könnte. Über die komplette Distanz geht den SCORPS leider etwas die Luft aus und das Album hinterlässt einen zu ruhigen, entspannten Gesamteindruck. Das nächste Mal einfach noch ein bisschen mehr Schmackes, dann ringe ich mich auch zu einem Punkt mehr durch.
(3).

Martin Schneider, (Artikelliste), 13.06.2007

Als Fan der ersten Stunde konnte ich dem Kommerzstreben der Hannoveraner nach dem Weggang von Uli Jon Roth nichts mehr abgewinnen und auch "Humanity Hour One" wird daran wieder nichts ändern, obwohl sich durchaus Anspieltips und hörbare Intermezzi auf dem Album befinden. Der vereinzelt auftretenden harten Note steht leider jedoch wieder die geballte, weichgespülte und glattgebügelte Radiotauglichkeit gegenüber. Überraschenderweise geht mir K.M. weniger auf den Keks als gewöhnlich, das ein oder andere Solo mag man auch erwähnen und der Titelsong mausert sich am Ende dann doch noch ganz ordentlich, aber alles in allem ist das für meines Vaters Sohn leider zu wenig. Werde die Scheibe wohl nie wieder freiwillig hören.
Gehört und gelöscht. Note 5

Ralf Frank, (Artikelliste), 07.06.2007

Erstaunlicherweise finde ich als Singer-Songwriter-, Americana-, Bluesrock- und Prog-Fan durchaus Gefallen am jüngsten Album-Sprößling der langen SCORPIONS-Karriere. "Humanity Hour One" überrascht zunächst mit wiedergewonnener Härte und wenig Gitarrensoli. Hard-Rock bzw. Metalkapellen protzen ja in der Regel reichlich mit ihrer Flitzefingerakrobatik. Mathias Jabs und Rudolf Schenker halten sich diesbezüglich etwas zurück und kaprizieren sich vornehmlich auf vollfette Riffgitarren und anderweitige Rhythmusgitarrenfiguren oder räkeln sich gar mit ihren Akustikklampfen im Bett. Was uns auf die Balladen der SCORPIONS bringt, die, wie in den letzten 10, 15 Jahren gewohnt, immer recht nah an triefenden Schmalzpfützen vorbeistolzieren, es 2007 aber schaffen, diese Gratwanderung halbwegs unbeschadet zu überstehen. Der eine oder andere Song dieser Gattung stünde wohl jeder Mainstream-Pop-Band gut zu Gesichte. Too catchy to be true. Zugeständnisse an die Formatradio-Macher, die einem hartgesottenen Rock-Fan wohl kaum mehr als ein Stirnrunzeln abringen dürften. Nett, aber nicht mehr.
Da präsentieren sich die hard-rockin' Songs, wie z.B. der Opener und das anschließende The Game Of Life oder auch We Will Rise Again weitaus spannender und packender, weil sich hier hier feine Melodien mit anständig bratzenden Gitarren vermählen, grad so wie es sich für eine ernstzunehmende Rock-Band gehört. Da paaren sich die guten alten Tugenden der Hannoveraner mit einer verträglichen Dosis moderner Produktionsfinessen. Der Übersong und wahrscheinlich die eindringlichste SCORPS-Komposition seit Jahren ist das gemeinsam mit Billy Corgan eingesungene The Cross. Spitzenklasse.
So finden sich also neben einigen relativ belanglosen, allzu gefälligen Radiosongs (Producer Desmond Childs Einfluss?), die letztlich nur durch Klaus Meines Trademarkstimme halbwegs gerettet werden, auch eine ansehnliche Zahl mächtig brodelnder Rocksongs auf diesem Album ein, die unterm Strich ein überraschend gutes, selten wirklich langweiliges SCORPIONS-Album ausmachen. Somit darf man den gestandenen Hannoveraner Recken wohl eine absolut ansteigende Formkurve attestieren. Weiter so, Männer.
Note 2-

Frank Ipach, (Impressum, Artikelliste), 30.05.2007

Ich gebe zu, dass ich nachtragend bin. Zumindest in diesem Fall. Jedenfalls hat Wind Of Change bei mir Wunden hinterlassen, die nicht so schnell heilen, und Schmerzen verursacht, die nicht so ohne weiteres wieder gutzumachen sind. Aber ich will trotzdem versuchen, einigermaßen fair mit dem neuesten Werk der Skorpione umzugehen, schließlich soll man es sich nicht zu einfach machen.
Und, schau an, das startet doch gar nicht so übel mit Hour I. Das ist zwar auch nicht mehr neu oder modern, dieses Nu-Metal-Riff, das einem da entgegengeschleudert wird, aber immerhin anders als sonst. John 5, der Gitarrist von Marilyn Manson bzw. Rob Zombie hinterlässt seine Spuren und der leicht düstere Anstrich bekommt der Nummer gut. Dafür tritt dann The Game Of Life schnell wieder auf die Bremse. Das nachfolgende We Were Born To Fly gefällt mir recht gut, bis der Gesang einsetzt, also etwa 8 Sekunden. Dann gibt es den befürchteten Konsens-Rock-Balladen-Midtempo-Schleim. Nicht wirklich hilfreich für die angeblich Blutauffrischung war auch die Produzententätigkeit von Desmond Child, der, wenn man sich seine sonstige Klientel anschaut (Meat Loaf, BON JOVI, Robbie Williams) weder für atemberaubende klangliche Innovationen noch sonderlich gnadenlose Härte aufgefallen ist. Passt also eigentlich gut zu den Hannoveranern.
Ab und an ist es durchaus ganz erträglich (321 mit der galoppiernden Gitarre oder The Cross, bei dem sich Billy Corgan wohl in der Studiotür geirrt hat), aber dann gibt es eben auch die unsäglichen Bombast-Beulen im "Kuschelrock für cabriofahrende BWL-Studenten"-Stil wie The Future Never Dies oder Love Will Keep Us Alive (ok, bei beiden Songs sind die Titel eigentlich schon eine deutliche Giftmüll-Warnung).
Also, machen wir es kurz: man muss nicht durchgehend göbeln, aber diese Riesensensation und vor allem die Megaüberraschung, wie Teile der Medienwelt glauben machen wollen, ist das Teil dann auch wieder nicht. Wer so etwas behauptet, hat die letzten 10, 15 Jahre verschlafen oder immer nur Wind Of Change gehört.
Von mir eine 4-

Ralf Stierlen, (Impressum, Artikelliste), 03.07.2007


 
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