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For A Fistful Of Dollars

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For A Fistful Of Dollars
For A Fistful Of Dollars, Frontiers Records, 2005
Tommy Heart Vocals
Chris Lyne Guitar
Jogy Rautenberg Bass
Mario B. Drums
Produziert von: Tommy Heart & Chris Lyne Länge: 45 Min 23 Sek Medium: CD
1. Eatin' On Me6. Ten Seconds Of Love
2. Best Way To Fade7. She's Mine
3. Under Your Skin8. The Trigger (Goin' Downhill)
4. Remember9. Give Me A Ride (The Ride)
5. Where Do We Go10. Cheap Down 'n' Nasty

Der Seelenklempner für die einfacheren Gemüter ist da! Ihr wisst schon, nicht so ein verkappter Schönheitspsychologe für frustrierte Rechtsanwaltsgattinnen und potentielle Hera-Lind-Kundinnen. Eher das Modell "Bayrische Biergartenbedienung": 'Wos wuist? A Hoibe? Dann wartst bist an richtigen Durscht host und dann kaffst da a Maß!' Dampfhammerpädagogik ist bei SOUL DOCTOR angesagt - und der ohnehin minderverklemmte Hardrocker darf sich freuen.

SOUL DOCTOR gibt's ja nun schon eine ganze Weile, diverse ziemlich freundlich bedachte Touren (u. a. mit DIO, wir berichteten darüber), ein erstes Album, durchaus nennenswerter Erfolg in Japan und eine viel zu lange Wartezeit auf ein weiteres Lebenszeichen war die bisherige Bilanz der Band. Frontmann Tommy Heart kennt man seit kurz nach Anbeginn der deutschen Metal-Zeitrechnung als Sänger von FAIR WARNING, Gitarrist Chris Lyne ist ebenfalls Gründungsmitglied, Basser Jogy Rautenberg und Drummer Mario B. (zuletzt bei SKEW SISKIN) kamen neu hinzu. "For A Fistful Of Dollars" erscheint nun nach dem Japanrelease endlich auch bei uns, mehr oder weniger überraschenderweise beim italienischen Melodic-Label Frontiers Records.

Hervorstechend philosophisch geprägte Musik braucht man bei SOUL DOCTOR natürlich nicht erwarten, ein Blick auf Cover, Album- und Songtitel reicht. Aber wer seit Jahren auf eine gute Scheibe von AEROSMITH wartet (die wohl nicht mehr kommen wird, nur mal so unter uns gesagt) oder von der Arbeitsgeschwindigkeit von AC/DC genervt ist, bzw. das andauernde Rein und Raus bei KROKUS satt hat, wird perfekt bedient. Die Docs stehen bereit, auch wenn möglicherweise der Zug für guten alten Hardrock längst abgefahren scheint. Da die ollen Fans solcher Musik aber noch nicht alle tot sind, könnte die Handvoll Dollar vielleicht sogar etwas üppiger ausfallen. Hoffentlich.

Vom ZZ TOP-igen Intro darf man sich nicht verstören lassen, Eatin' On Me ist der Song, den die genannten AEROSMITH nicht mehr schreiben können. Slideguitar, vollfette Gesänge, Abmarsch-Hardrock, Voicebox, Break, nächster Song, Mundharmonika, giftige Malcolm Y.-Rhythm-Guitar, Tommy Heart in höheren Tönen, Solo, jawohl, so muss das sein!
Über den Hintergrundgesang bei Under Your Skin ist noch zu reden, da droht wohl eine Plagiatsklage aus Tralien (ein äußerst geschicktes Wortspiel!). Ansonsten: Qualitätspower, klasse Produktion, keinerlei Innovation, Heart gut wie nie zuvor.
Die Alibi-Ballade Remember ist natürlich für den Eimer, respektive für die Blondinen im zu kurzen Hausfrauen-Minirock. Da hilft auch die ansehnliche Steigerung mitsamt astreinem Klischee-Solo im hinteren Drittel nicht, Rock & Roll Bands sollten für immer die Finger von sowas lassen. Geht einfach gar nicht. Dafür geht dem Fan beim folgenden Where Do We Go direkt das schwarze Herzchen auf. Die Nummer beginnt astrein wie weiland die GEORGIA SATELLITES ihre größten Hymnen gerne starteten. Mittleres Tempo, Gitarren satt, Orgel, uuuh, das ist eine Geschichte für den nächsten Partyabend. Tommy Heart und Chris Lyne sind natürlich nicht Dan Baird und Rick Richards, aber so viel Klassiker-Anschiebpotential hat man bei einer deutschen Kapelle selten gehört.

Sapperlot, "For A Fistful Of Dollars" macht Spaß. Keinerlei Konventionen an Zeitgeister, immer nur (abzüglich natürlich Remember) auf die Glückshormondrüse und vollgepackt mit Hooks für den jederzeitigen Wiedererkennungswert. Auch in der zweiten Hälfte leisten sich SOUL DOCTOR keinen Ausrutscher, die Songs sind ganz offensichtlich mit Bedacht und viel Zeit entworfen worden.
Warum es nur Ten Seconds Of Love sein sollen, lassen wir uns bei Gelegenheit erklären, erstens dauert alleine der multiple Gitarrenorgasmus länger, zweitens eignet sich das Slide-Vorspiel vorzüglich für eine nähere Begutachtung der Dame und drittens plärrt Herr Heart sowieso das ganze Haus zusammen. Egal, das und She's Mine sind echte Perlen für Menschen ohne Vorbehalte gegen altmodische Musik. Sogar die (synthetischen?) Bläser kommen gut.
Noch mal verstärkten Headbang-Applaus für Give Me A Ride und eine Verneigung für den Lagerfeuersong Cheap Down 'n' Nasty. Klasse Schluss einer klasse CD.

Her mit den Liveshows! Die Praxisgebühr für diese Psychoheinis lohnt sich.

Fred Schmidtlein, (Impressum, Artikelliste), 30.10.2005

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