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Talisman

7

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7
7, Frontiers Records, 2006
Jeff Scott SotoVocals
Fredrik AkessonLead Guitar
Marcel JacobBass, Guitars, Keyboards
Jamie BorgerDrums
Länge: 45 Min 37 Sek Medium: CD
1. Falling7. Forevermore
2. Nowhere Fast8. Succumb 2 My Desire
3. Rhyme Or Reason9. Shed A Tear Goodbye
4. End Of The Line10. Troubled Water
5. The 1 I'm Living 411. Back 2 The Feeling
6. On My Way

Mann, es ist schon ein Kreuz mit dieser Band TALISMAN (genau so steht es auch in der Besprechung zu Jeff Scott Sotos letztem Soloalbum "Lost In The Translation" - aber Wiederholung ist nicht nur ein Recht des Musikers, auch der Schreiberling darf das). Da haben sie mit Soto einen überwältigenden Sänger, mit Basser Marcel Jakob einen spektakulären Vier-Saiten-Zwirbler und mit Fredrik Akesson einen der wenigen Dauerfudler aus der Malmsteen-Schule ohne überzüchtetes Auf-die-Nerven-Gen, aber so richtig klappen mag es mit den Studioplatten trotzdem nicht. Dabei hat "7" sogar einen gelungenen Sound, was man über Sotos "Lost In The Translation" leider nicht sagen konnte. Wo hakt es nun diesmal wieder?

Einmal mehr (Martin sagte dies schon vor über drei Jahren anlässlich dem seinerzeitigen Album "Cats And Dogs") ist es den Schweden und dem Amerikaner nicht gelungen, über eine komplette CD hinweg erstklassiges Songmaterial zusammenzutragen. Man könnte gemeinerweise sogar sagen, dass überhaupt kein erstklassiges Material vorhanden ist, aber damit tut man den Herren dann doch Unrecht. In fast allen Songs findet sich irgendwo ein lichter Moment, öfter auch tolle Ideen, manchmal beinahe geniale Töne. Dies hebt "7" durchaus über den Durchschnitt des heutigen Melodic Rock-Sumpfes, aber eines schaffen Soto & Co. nie: sie tun keinem weh, stoßen nie final mit dem Dolch zu, wählen letztendlich immer den sicheren Weg des Ohrenschmeichlers, anstatt mal konsequent in die Vollen zu hauen und dem hörenden Volk so richtig eine überzubratzen. Aber nein, sogar bei einem saftigen Bassungetüm wie Rhyme Or Reason greift man auf brave Melodic-Versatzstücke zurück, wo sich doch eine böse Dreschflegelparty geradezu anbieten würde. Das gilt auch für das direkt folgende End Of The Line. Marcel Jacob und Drummer Jamie Borger liefern die perfekte Vorlage für einen Heavyrocker der Extraklasse, aber dann macht der Extraklassesänger Soto mit seinem fatalen Hang zum Leichtgängigen doch wieder einen Radiosong daraus. Na ja, jedenfalls beinahe, die Nummer brummt schon ganz gehörig und dürfte eher kein Airplay bekommen, seichtet aber letztlich doch dahin.
Insgesamt erinnern TALISMAN diesmal weniger an KISS (Ausnahme: Nowhere Fast, das durchaus auch als 80er-KISS-Hymne durchgehen könnte), dafür öfter an MR. BIG, die ja auch über ein paar Jahre ein feines Händchen für eingängigsten Melodic Hardrock hatten. Ein Song wie The 1 I'm Living 4 hätte auch von denen kommen können, wir haben hier also einen der deutlich besseren Momente dieser CD.
Dass auch klassischer Eighties-Mainstream ins Bein gehen kann, beweist On My Way, für das JOURNEY ihren Aushilfssänger Soto sicher beneiden werden. Ein gut schiebender Rocker, der jedoch direkt vom klassischen Eighties-Balladenschmus Forevermore negativ übertroffen, später aber vom pop-rockigen Shed A Tear Goodbye freundlich-fröhlich wieder ausgebügelt wird. 20 Jahre zu spät und demzufolge komplett unsexy, aber in seiner Naivität charmant.
Wie bei TALISMAN üblich, finden sich auch wieder ein paar Funk-Nummern ein. Nicht wirklich "black", aber Succumb 2 My Desire knallt dann doch heftig und gut. Das können TALISMAN, den Spagat zwischen NuRock und ihrem eigenen Stil schaffen sie im Opener Falling nur halbgar.

Es ist wirklich ein Kreuz mit TALISMAN. So eine gute Band, so beeindruckende Musiker (was sich natürlich auch Kapellen und Projekte wie SOUL SIRCUS, ARCH ENEMY oder TREAT zunutze machen und sich die Jungs holen), aber wieder kein Vollgas-Album, wie es diese Kaliber mit ein wenig mehr Hingabe jederzeit hinkriegen müssten, nur wieder ein 50%plus-Ergebnis. Irgendwie geht auf "7" einmal mehr zu viel des Inhalts rechts rein, dreht eine Runde und vertschüsst sich links raus wieder. Soto verstreut seine Kreativität auf zu vielen Hochzeiten. Eine Bündelung der Kräfte würde sicher gut tun und TALISMAN über das nun schon so viele Jahre dauernde songwriterische Mittelmaß herausheben (und vielleicht ließe Soto dann auch endlich die albernen Zahlenspiele in den Songtiteln).

Fred Schmidtlein, (Impressum, Artikelliste), 15.10.2006

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