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Sixth Revelation:

Walking On The Rainbow

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Walking On The Rainbow
Die CD gibt es im Home of Rock zum Hören und Kaufen
Walking On The Rainbow, Eigenvertrieb / Spice Records, 2002 (VÖ am 19.05.2002)
"Papa D" Johnson Lead Vocals, Guitar
"Bassie" Williams Bass, Vocals
"Tolla" Williams Keyboards, DJ Vocals
"Dasha" Williams Drums
Phil Jones Lead Guitar
"Dani" Mayers Backing Vocals
Produziert von: The Sixth Revelation Länge: 76 Min 53 Sek Medium: CD
1. Mystic Time (5:51)9. Where Is Your Heart (6:09) Ohr
2. Cool Vibration (5:07) Ohr (unter "Anhören" zu finden)10. We Shall Overcome (6:01)
3. Music A Play (4:49)11. Hold Up Your Head (4:38)
4. We Have Life (4:35)12. A Place In My Heart (5:37) Ohr
5. Walking On The Rainbow (5:04)Ohr13. Chant (I Am Praying) (4:22)
6. Ram It (4:58)14. Think Reality (5:14)
7. Bridges (3:56)15. That's The Way (5:21)
8. Earth's Rightful Ruler (5:02)

Ich mache es nicht oft. Aber manchmal muss es sein und ich wildere in fremden Gewässern. Kollegin ID wird es mir verzeihen. Schließlich ist sie schuld, dass ich solche Musik überhaupt höre.

Es war an einem wunderschönen Augusttag im letzten Sommer, als ich im Münchner Theatron, mit gut 8.000 anderen Menschen, einem Konzert der Reggae Band THE SIXTH REVELATION zuhörte. Nach ca. 60 Sekunden war ich wohl der letzte Besucher, der noch auf seinem Allerwertesten saß.
Natürlich, nur weil das Wetter schön ist, die Band da unten großartig Stimmung macht und alle anderen vergnügungswütig sind, muss ich doch meinen coolen Hardrockhintern nicht durch die Gegend schmeißen.

Aber doch, irgendwas ist passiert. Spätestens nach dem zweiten Song schnippten meine Finger, hüpften meine Beine, wackelte mein Kopf bedenklich.
Kurz gesagt, es war ein tolles Konzert.

Neugierig auf mehr von dieser Band, habe ich mich sozusagen in den Entstehungsprozess der neuen CD "Walking On The Rainbow" eingemischt.
Ich bekam Gelegenheit, die Songs dieses vierten Albums zu verschiedenen Phasen ihrer Entstehung zu hören, konnte ihr Wachsen verfolgen und bekam nach und nach einen Eindruck, wie Jamaikaner eine CD, langsam langsam, kreieren.

Jetzt, nach mehr als 6 Monaten, liegt das Ergebnis vor mir und es geht mir wieder wie einst im August.
Ohne viel Hintergrundwissen über Reggae, immer etwas kritisch der Einstellung vieler Szenehelden gegenüber, von vielen alten Reggaeplatten sogar gelangweilt, schreibe ich dieses Review und es gibt nur ein einziges Kriterium:
Gefällt mir was ich höre, oder gefällt es mir nicht.

Die Entscheidung dauert letztlich nur einen Song.
Bereits nach dem Opener fühle ich, dass mich die CD mitreißt. Aber warum?
Das ist purer Ohrwurm-Reggae, Melodie, Message, echte Instrumente, Groove, gute Laune, Stimmung.
Ketzer können jetzt sagen, dass diese Beschreibung auf Pop schließen lässt. Und ja, das ist POP. Pop in seiner ursprünglichen Bedeutung bedeutet schließlich nur Populärmusik. Und damit sind/waren Bob Marley, Led Zeppelin, AC/DC und Peter Tosh allesamt Popmusikanten.
Bitte verwechselt das nicht mit den No Angels und sonstigen Mutanten!

SIXTH REVELATION haben uns bereits letztes Jahr exklusiv ihren Sommersong Cool Vibration zur Verfügung gestellt. Ich weiß, dass dieses MP3 von vielen unserer Leser downgeloadet wurde. Und ich weiß, wie Besucher eines Konzertes auf diesen Song reagieren.
Obwohl sie ihn nicht kennen (können), singen sie mit. Was bedeutet das? Es ist nicht nur ein Sommersong, sondern ein potentieller Sommerhit. Auch ich kriege dieses Lied nur schwer wieder aus dem Kopf. Und manchmal ertappe ich mich sogar, die Nummer frühmorgens unter der Dusche zu summen.

Von dieser Qualität gibt es etliche Songs auf dem Album.

Reggae ist nicht berühmt für dauernde und hektische Harmoniewechsel. Das macht manche CD dieses Genres schwer verdaulich oder gar eintönig.
SIXTH REVELATION springen auch nicht kreuz und quer durch die Harmonielehre. Aber sie haben eine Gabe, ihre Songs durch Einsatz von einfachen, aber effektvollen Mitteln, zu ausgesprochen abwechslungsreichen kleinen Kunstwerken zu machen. Mal ist es eine nette Rapeinlage von Keyboarder Tolla, mal kommen diverse Percussioninstrumente zum Einsatz, dann wieder sorgt der Synthie für verblüffende Effekte, oder es schleicht plötzlich eine dezente, aber ausgesprochen rockige Gitarre ins Gehör.
Apropos Gitarre. Viele Rockgitarristen, allen voran Eric Clapton, haben versucht Reggae zu adaptieren. Ich weiß nicht, wie viele Bob Marley-Hits Eric noch covern müsste, um auch nur annähernd das Feeling eines echten Reggae-Gitarristen zu erreichen. Bestes Beispiel ist das beinahe sechsminütige Stück A Place In My Heart. Ein Groover aller erster Güte, der mit knackiger Gitarre und unwiderstehlichem Rhythmus ein astreiner Jam-Reggae-Rocker mit Souleinflüssen geworden ist. Super.

We Shall Overcome. Zahllos sind die Versionen dieses Klassikers. SIXTH REVELATION machen einen einfühlsamen und trotzdem groovenden Rattenfänger daraus. Alleine die backing Vocals sind ihr Geld wert.
An anderer Stelle wird ein klassischer siebziger Jahre Discorhythmus benutzt, um einen absolut tanzbaren Feger durch die Boxen zu jagen (Life). Und dann plötzlich wandelt sich die hohe, klare Stimme von Papa D. in zorniges Fauchen und fetziger Dancehallsound schiebt sich daher (Hold Up Your Hand).

Fundament einer jeden guten Reggae Band sind natürlich Bass und Drums. Viel besser als auf "Walking On The Rainbow" kann ich mir die Arbeit eines solchen Rhythmusteams nicht vorstellen. Es swingt, groovt, rockt und treibt beständig. So muss das sein.

Die meisten Reggae-CDs dauern weniger als 40 Minuten und das ist gut so, weil Menschen wie ich dann wirklich ausreichend bedient sind. "Walking On The Rainbow" dauert über 75 Minuten und es langweilt mich nicht eine Sekunde. Das ist Verdienst einer klasse Band, die eine CD mit klasse Sound und klasse Songs abgeliefert hat.
Nuff respect!

Fred Schmidtlein, (Impressum, Artikelliste), 01.05.2002

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