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| Get What You Need, Sanctuary Records, 2003 |
| Paul McLoone |
Vocals |
| Damian O'Neill |
Guitar |
| John O'Neill |
Guitar |
| Mickey Bradley |
Bass |
| Billy Doherty |
Drums |
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Länge: 38 Min 19 Sek |
Medium: CD |
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| 1. Thrill Me | 8. Girl Like You |
| 2. I Need Your Love The Way It Used To Be | 9. The Cruellest Thing |
| 3. Everything But You | 10. Oh Please |
| 4. Ride The Rough Escalator | 11. Winter Sun |
| 5. You Can't Say That | 12. Joyland |
| 6. Enough | 13. Shut Down |
| 7. Touch | |
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Ja ja, das Musik-Business ist schnelllebig. Nur 28 Jahre nach ihrer Gründung und 25 Jahre nach ihrer ersten Platte sind sie wieder da. THE UNDERTONES aus Nordirland.
Was haben wir damals gelacht über all die englischen Punk-Stümper mit ihrem albernen Provo-Outfit und den in aller Eile zusammengeschusterten LPs, EPs, Split-Singles und Label-Compilations. Wirklich böse und gefährlich waren die nie, aber dafür um so schlechter gespielt, produziert und vermarktet. Alles was eine Gitarre in der Hand hatte und halbwegs gradeaus spucken konnte, wurde kurzerhand in die Punk-Schublade gesteckt und fertig war. Ob nun DR. FEELGOOD, MOTÖRHEAD oder die PISTOLS. Alles war Punk und bunt.
Trotzdem, dass sie zu den so genannten Urvätern gehörten, waren die UNDERTONES nie erste Liga im damaligen Hype, ergatterten auch keinen der völlig überzogenen Superstar-Deals mit garantierter Rentenversicherung. Das führte zu einer baldigen Abkehr vom Rock'n'Roll-Brechsound, hin zum Pop-Rock und das war's denn auch für diese Band. Nur ihr Sänger Feargal Sharkey (haha, kann sich an den und seinen Solo-Hit Good Heart noch jemand erinnern?) trieb sich noch eine Zeit lang in den gängigen TV-Pop-Sendungen herum. Legendär seine Auftritte in grausamsten New Wave Klamotten und mit einer Frisur, die zum direkten draufschlagen animiert hat.
Von Sharkey hat man nie mehr etwas gehört. Dafür lungerten seine Ex-Kollegen (namentlich die beiden O'Neill Brüder) nach einem Wave/Alternative-Ausflug mit THAT PETROL EMOTION arbeitslos (?) in der Gegend herum und haben sich nun entschlossen, die alte Band wieder aufleben zu lassen.
Keine Ahnung wie es wirklich war, aber romantischerweise stellt man sich vor, dass mehr oder minder würdevoll gealterte Punks bei ein paar Bierchen beschließen, dem scheiß Establishment nun endlich und endgültig den Garaus zu machen und die alten Waffen - also Gitarren, Wut und Frust - entrosten, um endlich wieder die Studios, Chefetagen der Plattenfirmen und Hotels zu verwüsten.
Unglücklicherweise kommen solchen Vorhaben im 3. Jahrtausend ein paar Kleinigkeiten in die Quere. In erster Linie ist es das eigene Alter. Wie, zum Geier, soll man denn noch eine Tür eintreten, wenn es hinten und vorne im Knochengerüst zwickt? Auf wen hatten wir seinerzeit eigentlich diese elende Wut? Und überhaupt, wie krieg ich es hin, dass mein Sound wieder genau so kaputt klingt wie damals? Immerhin haben sich in den Jahren ein paar dazugelernte Gitarrengriffe angesammelt und ein bisschen darf man doch wohl mit seinem Können kokettieren, oder?
In der Mitte der Siebziger war Punk nichts anderes als schlecht gespielter Rock & Roll. Heute ist Punk entweder hyperaktives Gehüpfe kleiner Jungs oder - wie im Fall der UNDERTONES - einfach und gut gespielter Rock & Roll.
Nicht umsonst findet man in der History und in der Gegenwart der Undertones haufenweise Hinweise auf eine gewisse Seelenverwandtschaft mit den RAMONES. Beide hatten Fun und Rock & Roll im Sinn, beide haben nie zornbebenden Krachoverkill produziert und zumindest bei den Briten haben es alle aus der alten Riege überlebt (wenn keiner Feargal die Frisur eingeschlagen hat).
"Get What You Need" ist eine klasse CD geworden. Im Vordergrund steht der Spaß an der Musik, und alle dreizehn Songs (bis auf einen ganz schmierigen Ausrutscher) halten dieses Versprechen auch. Weil die Jungs heute besser spielen können als damals, klingt es auch gar nicht mehr aggressiv, sondern ganz einfach nach lustigem, ganz leicht angeschrägtem und immer nach vorne losgehendem Power-Pop, der darüber hinaus gar nicht so einfach als britisch identifizierbar ist.
Nein, diese Band hat es nicht mehr nötig, in ihrer eigenen Wut zu implodieren. Lieber arbeitet man an ein paar ausgefeilten Ohrwurmmelodien und der einen oder anderen Sixties-Reminiszenz. Dazu ein "Wall of Sound", der in seinen besten Momenten an Phil Spector erinnert und schon hat das werte Publikum eines der nettesten Comebacks des Jahres.
Und außerdem ist Paul McLoone eh ein viel besserer Sänger als Sharkey.
Klasse! Wenn nur alle alten Punks so gereift wären. THE UNDERTONES kriegen von mir jedenfalls die goldene Sicherheitsnadel auf Samt verliehen. Die ist rostfrei und man muss sie sich auch nicht durch die Backe rammen. Ein Ehrenplatz auf dem Plattenregal genügt.
Schade, dass ich die Herren im Mai live verpasst habe.
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