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| Thirds... & More, Eigenvertrieb, 2006 |
| Tom Coerver |
Lead & Harmony Vocals, Lead Guitar, Slide Guitar, Keyboards, Bass, Drums |
| Bill Doran |
Bass & Harmony Vocals |
| Keith Simoneaux |
Drums & Harmony Vocals |
| Produziert von: Tom Coerver |
Länge: 66 Min 50 Sek |
Medium: CD |
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| 1. It's All In Your Head | 9. Milk & Honey |
| 2. Dreams I'll Never See | 10. Adrift |
| 3. Mama's Run Off | 11. Fly Like An Eagle |
| 4. Poison Whiskey | 12. Dust In The River |
| 5. Politics As Usual | 13. South California Purples |
| 6. Life In The Fast Lane | 14. Spanish Town |
| 7. Get A Life Of Your Own | 15. Time Slips Away |
| 8. Can't You Hear Me Knockin' | 16. 100 Pounds Of Trouble |
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Neulich kriegte ich mal wieder Haue in unserem Forum: "Erstaunlich, wie schnell des Rockkritikers Herz im Sturm erobert werden kann. Gerade die beiden recht ausführlich herausgestellten Coverversionen von Whipping Post und White Room können mich persönlich wenig überzeugen, da sie nichts, aber auch gar nichts dem Original hinzuzufügen haben...".
Da ging es um die vorzügliche CD des GENTLEMENT'S BLUES CLUB.
Was wird wohl jetzt passieren, wo Tom Coerver einigen Coverversionen gleich gar nichts hinzufügt, sondern ihnen sogar noch etwas wegnimmt: Die ach so dringend benötigte zweite Gitarre nämlich. Werde ich mit dem Swamp-Shuttle zum Planet Louisiana deportiert? Werden mir zur Strafe sämtliche Gitarrensoli von Joe Bonamassa und Derek Trucks ans Bein gebunden und ich damit in den Everglades versenkt? Adieu, schöne Welt.
Ich gebe zu, solche Kritik bestürzt mich persönlich. Nein, nicht weil man mir den Sachverstand abspricht - mit jedem Tag mehrt sich die Zahl derer die mich Idiot nennen. Betroffen macht die Unwilligkeit, Soul und Herzblut einer Band/eines Künstlers zur Kenntnis zu nehmen, echtes Gefühl von technischer Selbstbefriedigung zu unterscheiden, andere Götter als die längst vergilbten aus den Siebzigern zu dulden. That's not good at all!
Vor einem Jahr sagte ich anlässlich der überwältigenden CD "Waterfront View": "... warum, zum Henker, nehmen Sie sich nicht endlich ein paar passende Musiker und fliegen nach Europa und spielen hier in den Clubs, bis die Waterfront in unseren Augen steht?". Tom Coerver hat den ersten Teil des Auftrags erfüllt. Auf "Thirds... & More" ist eine Band zu hören. Zumindest auf 10 der 16 Songs sind mit Bill Doran und Keith Simoneaux zwei ausgesprochen kompetente Mitstreiter vertreten, mit denen Tom auch live spielt.
Es ist nicht so, dass man die Band angesichts der Fähigkeiten Coervers im Studio unbedingt braucht. Er kann das alles wunderbar auch alleine einspielen, aber es ist ein irgendwie beruhigendes Gefühl, wenn man weiß, dass jetzt jederzeit auch der Übergriff auf Europa stattfinden könnte. Das wäre Teil 2 der Mission. Mr. Coerver, können sie uns hören?
Nun aber zur Musik auf "Thirds... & More". Ich bin Fan von Tom Coerver, keine Frage. Aber kann ein Musikkritiker KEIN Fan sein? Dürfen Sätze wie "Eigentlich kann ich mit der dargebotenen Musik/Stilrichtung nichts anfangen..." überhaupt sein, oder disqualifiziert sich ein Schreiber damit - genau wie sich ein Musiker disqualifiziert, wenn er Dinge spielt, hinter denen er nicht steht.
Tom Coerver und Home of Rock haben gemeinsam, dass keine Anbiederung stattfindet. Keine Macht und kein Zwerg einer Plattenfirma kann verhindern, dass T.C. und HoR nicht tun was ihnen gefällt. Traumhaft, dass sich nun zum dritten Mal die Interessen decken: "Thirds... & More" ist ein Meisterwerk geworden.
Grund 1: Die sieben Coverversionen sind allesamt grandios ausgefallen. Die bekannteren davon stammen von den ALLMAN BROTHERS, LYNYRD SKYNYRD, den EAGLES, der (lange vergessenen) STEVE MILLER BAND und den ROLLING STONES. Dazu kommt South California Purples, vor Urzeiten von CHICAGO uraufgeführt, und 100 Pounds Of Trouble von Burton Gaar, einem wundervollen Cajun-Blueser, als Neuauflage vom letzten Album, diesmal eben in der Bandfassung.
Ich weiß nicht genau, wie ich dem Leser nahe bringen kann, dass diese Coversongs notwendig sind. Beispielsweise South California Purples, das in seinen siebeneinhalb Minuten explodiert wie ein rohes Ei in der Mikrowelle. Natürlich fehlen die Bläser, die bei CHICAGO ganz wichtiger Bestandteil waren. Dafür gibt Coerver diesem traditionellen Blues eine unvergleichlich lässige Vocals-Guitar Dekoration mit auf den Weg, würzt mit der Hammond nach, baut sagenhafte Breaks ein und lässt Bill Doran am Bass mächtig schwitzen. Puh, Blues macht satt.
Rock & Roll? Can't You Hear Me Knockin'! Eine der eher selten gecoverten Nummern der STONES. Vielleicht wegen Mick Taylor, der die Soli für normale Coverbands unspielbar macht? Coerver kann so sexy wie Keef riffen UND gleichzeitig dem persönlich eher drögen Taylor die Hosen strammziehen. Wer hat das eigentlich im Original gesungen?
Raus aus dem Sumpf, rein ins Weltall: Fly Like An Eagle ist ein Wagnis für jeden normal geerdeten Rocker. Steve Miller hatte schon vor 30 Jahren das Händchen für Space-Pop Hits und seriöse Adaptionen solcher Smasher sind rar. Doch da geht einer her und macht mit einfachen Mitteln ein Remake, das sofort wieder in die Charts einsteigen könnte. Und singen tut er... Verbeugung!
Noch mal Adler gibt's mit Life In The Fast Lane. Ich glaube, das war Joe Walshs erster echter Hinhörer für die EAGLES. Walsh wird bald 60 und er dürfte verblüfft sein, wenn er mitbekommt, wie tricky man seine ollen Kamellen heute spielen kann.
Poison Whiskey und Dreams als Trio zu covern ist natürlich Sakrileg (s.o.). Wer Ohren hat soll hören - und dann auf die Knie fallen und Tom, Bill & Keith danken.
Unfair, die nachgespielten Nummern über die selbstkomponierten zu stellen. Es ist aber nötig, damit nicht der Eindruck entsteht, dass mal wieder einer mangels eigener Ideen nur dumpf abkupfert. Es ist Coerver und der Band ein Anliegen, diese Klassiker zu machen und ihnen neuen Lebensmut zu geben. Lebens- statt Sterbehilfe. Als begleitende Maßnahme sei empfohlen, die spannenden und lustigen Geschichten zu jedem einzelnen Song auf Toms Homepage zu lesen. Wer damit fertig ist, darf sich dann in die Texte der neuen Nummern vertiefen und wahlweise herzhaft lachen oder zustimmend nicken. Apropos nicken. Das kommt zwangsläufig, weil die Dinger allesamt abgehen wie die Rohrpost, wenn man vom Synthie-Intro Adrift vor Fly Like An Eagle absieht.
Die Story zu It's All In Your Head: Köstlich. Die Musik: Laut Coervers Selbstanalyse purer Johnny Allman Stoff. Das ist eine Mischung aus Duane und Winter. Ihr versteht?
Dust In The River gab es unter anderem Namen und in anderer Weise schon auf "Backwater Tales". Welche Fassung ist besser? Ich weiß es nicht. Aber ich weiß, dass Milk & Honey mörderisch funky kommt, dass Mama's Run Off DAS Highlight einer jeden LITTLE FEAT-CD wäre und höchstens noch von Sonny Landreth vergleichbar gespielt werden könnte, dass Politics As Usual zu Berge stehende Haare verursacht, dass ich mir beim Versuch Get A Life At Your Own nachzutrommeln beinahe die Arme gebrochen hätte... und ich weiß, dass "Thirds... & More" nur noch verdammt schwer zu übertreffen sein wird.
Applaus!
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