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Club Daze

Volume I
The Studio Sessions
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Club Daze - Volume I: The Studio Sessions
Club Daze - Volume I: The Studio Sessions, Armoury Records/Eagle Rock, 2011 (1999)
Dee Snider Vocals
Jay Jay French Guitar & Vocals
Eddie Ojeda Guitar & Vocals
Tony Petri Drums (Tracks 1-12)
Kenneth Harrison-Neill Bass (Tracks 1-8)
Mark Mendoza Bass (Tracks 9-13)
Produziert von: Steve Bramberg (1-8), Eddie Kramer (9-12), Mark Mendoza (13) Länge: 55 Min 19 Sek Medium: CD
1. Come Back8. Follow Me
2. Pay The Price9. I'll Never Grow Up, Now
3. Rock N Roll Saviors10. Lady's Boy
4. High Steppin'11. Leader Of The Pack
5. Big Gun12. Under The Blade
6. TV Wife13. Shoot 'Em Down
7. Can't Stand Still

"Club Daze" gab es 1999 schon einmal. Aber bei einer repräsentativen Blitzumfrage unter zwei ausgewählten TWISTED SISTER Fans (Detlef und ich) konnten wir feststellen, dass "Club Daze" seinerzeit kein von allzu großem Erfolg gesegnetes Album war und ohne nennenswertes Echo recht schnell wieder in der Versenkung verschwand. Klar, es war das Ende des letzten Jahrtausends, das Musikbusiness irrte mit immer noch beträchtlichem Erfolg durch die Nachwehen der Grunge-Welle und die Dotcom-Blase war noch in der Schwellphase (der Knall kam erst im März 2000), da hatte niemand wirklich Zeit und Lust sich um obskure Ausgrabungen von 1978, '79 oder '81 zu kümmern. Andererseits war die Veröffentlichung durchaus folgerichtig, denn die Compilation "Club Daze" entstand unter der Ägide von Jay Jay French und Mark Mendoza, die beide höchst erfolglos durch ihre Solokarrieren stolperten und letztlich außer TWISTED SISTER nichts vernünftiges gelernt hatten. Ein paar Dollars wird die CD schon gebracht haben. Dass "Club Daze" jetzt, 12 Jahre später, in unveränderter Form wieder auf den Markt geworfen wird, scheint auf den ersten Blick seltsam. Auf den zweiten jedoch logisch.
Warum? Nun ja, das Musikbusiness irrt mit beträchtlichem Misserfolg durch die Nachwehen all der selbstverschuldeten Hype-Katastrophen seit dem Ende der Grunge-Welle, TWISTED SISTER verdienen sich seit Jahren bei den großen Festivals wieder ein erkleckliches Zubrot zu ihrer schmalen Künstlerrente, haben eine wesentlich größere Fanbase als in den Neunzigern und außerdem hat beim noch aktiven Musikkonsumenten der alten Schule längst ein Umdenken stattgefunden: Der Jugendwahn ist vorbei, Retro ist in, die Fachleute greifen wieder gerne zu altem oder alt klingendem Material - früher war schließlich alles besser, und ein wenig Nostalgie schadet nicht. Und mal ganz ehrlich, TWISTED SISTER haben seit der Reunion live nur Spitzenware abgeliefert (ein neues Studioalbum wird es wohl nicht mehr geben).

Der letzten Wiederveröffentlichungswelle von T.S.-Alben haben wir uns 2005 ausgiebig gewidmet, ergo sind biographische Daten zu "Club Daze - Volume I: The Studio Sessions" weitgehend unnötig, außer vielleicht, dass am Bass und Schlagzeug die in der turbulenten Frühphase der Band am längsten agierende Rhythmusabteilung zugange war. Kenny Neill (Kenneth Harrison-Neill) war Gründungsmitglied und Tony Petri trommelte von 1976 (etwa zeitgleich mit Sniders Einstieg) bis Dezember 1980. In diesen Jahren kämpften sich TWISTED SISTER durch die New Yorker Clubs und wurden zu einer guten, wirklich guten Band. Die Verkleidungs- und Schminkarie trug ihren Teil zum langsamen aber unabwendbaren Aufstieg bei. Es war einfach spektakulär, wenn eine Club-Band den Rock & Roll mit derben Boogieriffs, schrillen Kostümen und pseudosexueller Anmache zum ausgewachsenen Heavy Rock "pervertierte".
Musikalisch taten die verdrehten Yankees gar nicht viel anderes als die Rednecks von MOLLY HATCHET, man braucht sich nur die andere "Club Daze" CD "Live In The Bars" anhören (wird bestimmt auch bald wieder veröffentlicht), da donnert die alte Long Tall Sally beinahe identisch mit der aus den Südstaaten übers Bühnenbrett - es war einfach "Big Rock", das Jahrzehnt der ganz großen Rockbands war in vollem Gange und TWISTED SISTER wollten mitspielen beim Ringelpietz. Bis einschließlich 1982, als endlich "Under The Blade" erschien, hatten Snider & Co. diesen wundervollen Seventies-Groove, der auch "Club Daze - Volume I: The Studio Sessions" ausmacht.

Die hier versammelten Studioaufnahmen waren Hard Rock, ganz ohne Zweifel, aber es war Hard Rock, den auch andere Bands so oder so ähnlich machten. BROWNSVILLE STATION, die frühen YESTERDAY & TODAY, GRAND FUNK, MONTROSE und nicht zuletzt MOTT THE HOOPLE und HUMBLE PIE. Einflüsse für TWISTED SISTER gab es endlos viele, allerdings kamen erst nach Sniders Einstieg 1976 nennenswerte und halbwegs eigenständige Songs heraus. Im gut und opulent gestalteten Booklet zu dieser CD sagt Snider, dass er vor TWISTED SISTER keinen einzigen Song geschrieben hatte, aber mit den bisherigen Elaboraten von Jay Jay French nicht glücklich war, also quasi zum Songwriting gezwungen wurde.
Ein guter Teil der Songs auf "Club Daze" wurde an einem einzigen Tag aufgenommen, dem 5. Mai 1978, alleine daran kann man erkennen, dass TWISTED SISTER keine Stümperkapelle war. Wer nun bei den bisher genannten Bands noch bei der Sache ist: stay hungry!

Der junge Dee Snider, er war 1978 erst 23, war eine Bühnensau ersten Ranges, als Sänger zwar eher durchschnittlich, aber mit einem Charisma ausgestattet, das ihn auch ohne visuellen Eindruck über den Durchschnitt hob. Jay Jay French und Eddie Ojeda waren ein brandheißes Gitarrenduo, das am 5.5.78 und den später folgenden Sessions wie aus einem Guss spielte und dabei einige geradezu sensationelle Leistungen vollbrachte. Gleich beim Opener Come Back, der sechseinhalb Minuten dauert, kommen diverse Duell-Soli, die seinerzeit von JUDAS PRIEST nicht hätten besser sein können, und wer im Mittelteil von Pay The Price ein sensationelles Gitarrengemetzel hören möchte: bitteschön. Die Band war 1978 heiß und perfekt eingespielt, Dee Snider sah sich und die Jungs als Rock N Roll Saviors und prophezeite der Discomusik einen baldigen Tod. "Saturday Night Fever" und die berühmten New Yorker Discos wie das "Studio 54" waren eine Pest und knallten die bis dahin populäre Rockmusik kommerziell in die Ecke, aber gut drei Jahrzehnte später gibt es die historische Wahrheit: Rock & Roll hat überlebt und kann immer noch faszinieren, Disco gibt es nicht mehr. Natürlich haben Leichtgewichts-Shuffles wie TV Wife und primitive Boogies wie Can't Stand Still kein bisschen mehr Tiefgang als Stayin' Alive von den Quietschebrüdern BEE GEES, aber Gitarren im Tiefflug machen einfach mehr Spaß als synthetisches Gejodel. Auch im Jahr 2011. Ein Feger auf der CD heißt nicht umsonst Follow Me.

"Club Daze - Volume I: The Studio Sessions" ist für den Seventies-Fan unabdinglich. So ursprünglich hat man TWISTED SISTER nie mehr gehört, sogar die rare 82er EP "Ruff Cuts" ist hier mit den frühen Versionen von Leader Of The Pack, Under The Blade (beide 1979 aufgenommen) und Shoot 'Em Down (1981) zu drei Viertel vertreten. Also besser jetzt kaufen, sonst müssen wir in zehn Jahren von der nächsten Wiederveröffentlichung berichten.

Gleichzeitig mit "Club Daze" karrt die Plattenfirma auch "You Can't Stop Rock 'N' Roll" nochmals in die Läden. Zu dieser CD ist wahrlich bereits alles gesagt, an der Einschätzung hat sich auch nichts geändert, außer vielleicht, dass man so manchen Fehltritt mit jedem Jahr mehr etwas milder beurteilt. Etwa im Jahr 2084 wird man "You Can't Stop Rock 'N' Roll" wohl als Wunderwerk ansehen. Wir werden berichten.

Fred Schmidtlein, (Impressum, Artikelliste), 20.01.2011

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