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| Ain't Bringing Me Down, Jazzhaus Records, 2009 |
| Michael Vdelli |
Guitar & Vocals |
| Ric Whittle |
Drums & Percussion |
| Troy Gennoe |
Bass |
| Produziert von: Kevin Shirley |
Länge: 48 Min 22 Sek |
Medium: CD |
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| 1. Manhole | 7. Boogie A |
| 2. Something New | 8. Suck It Up |
| 3. Loose Endz | 9. Condescending Lies |
| 4. Boogie Sea | 10. Boogie Bee |
| 5. Going Too Hard (For Too Long) | 11. Childhood Demons |
| 6. Could Be Good | 12. Ain't Bringing Me Down |
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14 oder 15 Jahre ist Michael Vdelli mit seinem Schlagzeuger Ric Whittle und wechselnden Bassisten nun schon auf Achse, den Durchbruch hat er längst geschafft - bei den beinharten Anhängern des Trio-Bluesrock in den kleinen Clubs. Reichtum schreibt sich anders.
Die Band VDELLI ist auch immer fleißig auf Tour - in Australien und Deutschland und für drei Gigs auch mal in Österreich und der Schweiz. Das ist nicht der weltweite Erfolg.
Für manche Superstars ist es sicherlich ärmlich, wie sich begabte Musiker wie Michael Vdelli mitsamt Band verdingen müssen, für die Betroffenen funktioniert es dann, wenn sie ein Leben im kleinen Tourbus und auf Kleinkunstbühnen akzeptieren und einfach nur ihre Musik machen wollen und dürfen. Vermutlich wird VDELLI in diesem Leben keine Band mehr für die großen Venues, es sei denn, es findet eine durch die Wirtschaftskrise bedingte Rückbesinnung auf alte Werte statt: 12 Euro Eintritt für leidenschaftliche Vollbedienung bei einem Bierpreis von 2,50, damit man sich die CD und das T-Shirt auch noch leisten kann.
VDELLI ist eine Band, die (bis auf den Bierpreis) solche verbraucherfreundlichen Konditionen bereithält, leider berappen immer noch Hunderttausende lieber Mondpreise für die Boring Stones, Clown Jovi und Bruce Springinsgeld, als sich den echten Deal zu genehmigen.
Hoffentlich stehen all diese Abzocker irgendwann alleine in den Stadien, während sich nebenan die echten Rocker für eine gierige Meute die Finger blutig spielen.
Noch ist es nicht soweit, aber Michael Vdelli hat inzwischen beim kleinen Freiburger Label Jazzhaus Records eine seriöse Heimat gefunden. Anständiger Vertrieb, gute Promotion und vernünftige Tourneen sind mit diesem Team wohl garantiert. John Mellencamp schrieb neulich in einem Artikel für die Süddeutsche Zeitung sinngemäß, dass es nichts schlimmeres für einen Künstler gibt, als sich 'nebenher' auch noch um die Vermarktung seiner Kunst kümmern zu müssen. M.V. sollte fürs Erste von dieser Last befreit sein, das Album "Ain't Bringing Me Down", immerhin schon das circa 10. über die Jahre, sieht ganz danach aus. Das fängt beim Artwork an. Zugegeben, ganz neu ist die Idee mit dem Typen, der den Kopf in den Sand steckt nicht, aber auf "Ain't Bringing Me Down" ist diese Idee grafisch ganz vorzüglich umgesetzt. Nach althergebrachtem Bluesrock riecht das nicht, eher nach Progressive Rock, was auf keinen Fall schadet, denn vielleicht hört sich der eine oder andere Frickelbruder deswegen versehentlich mal anständige Musik an. Frei nach Loddar Maddäus: Man muss nicht gleich den Sand in den Kopf stecken.
Weiter geht es mit dem Produzenten der neuen VDELLI-CD. Kevin 'Caveman' Shirley, ein nach Australien ausgewanderter Südafrikaner, ist einer der Top-Knöpfchendreher der letzten Jahre. Von IRON MAIDEN über Bonamassa zu RUSH, den BLACK CROWES und BLACK STONE CHERRY hat er als Producer und/oder Engineer bzw. Mischer einen beeindruckenden Querschnitt zeitgenössischer Musik mitverantwortet, Klagen über seine Arbeit sind nicht bekannt. Michael Vdelli scheint wenigstens eine kleine Stufe auf der Karriereleiter genommen zu haben und kann sich solche Leute leisten.
Und doch ist "Ain't Bringing Me Down" 'simpler' Blues Rock eines 'simplen' Trios. Kann man damit bei mehr Menschen als den üblichen Kneipenhockern punkten?
Zeit seiner bisherigen Karriere stand Michael Vdelli irgendwo zwischen den Stühlen. Einerseits konnte er mit hemmungslosen Boogie-Orgien einem Haudrauf wie Michael Katon jederzeit locker das muddy water reichen, andererseits gerieten manche Gigs dann doch zu bedenklich rückwärtsgewandten Slowblues-Veranstaltungen. Neuer Tag, neues Publikum, plötzlich spielt Michael auf einer Ebene mit Virtuosen wie Steve Schuffert oder Rob Tognoni. Und wenn ihn der Teufel reitet, gibt's Guitarhero-Getöse, das wohl der Musikerpolizei gefällt, dem Bier trinkenden Headbanger allerdings leicht den Nerv rauben kann.
Um es direkt zu sagen: "Ain't Bringing Me Down" ist der Brückenschlag über alle Interessensgruppen. Blueser, Rocker, Boogiefreaks und Gitarrennotenzähler werden gleichermaßen bedient - und modern klingt das Ding auch noch. Jedenfalls im Rahmen des Möglichen.
Der heavy Einstieg Manhole changiert noch ein wenig in Richtung der alten Power-Trios aus unserer Kindheit, aber, nomen est omen, Something New gerät verblüffend frisch, obwohl man derlei funky Zeug schon von vielen Bluesrockern gehört hat, vom ihm selbst mit Condescending Lies später auch noch mal. Feines Händchen für die Melodie, gelungener Chorus, ein Song mit Hookline, auch wenn sich das Solo etwas gewollt drüberschraubt. Condescending Lies birst in Momenten beinahe wie ein Song von Lenny Kravitz, nur hat der schon seit vielen Jahren keinen solchen Brecher mehr geschrieben.
Immer mehr traut sich Herr Vdelli, Loose Ends ist ein prächtiger Riff-Rocker mit Ohrwurmqualität, Boogie Sea ein (nicht ganz überraschender) de luxe Shuffle ohne Abnutzungserscheinungen und der Blues Going Too Hard (For Too Long) geht unvermittelt in den Wiegeschritt. Wohlgemerkt, das alles ist nicht neu, derlei hat Vdelli auf seinen bisherigen CDs schon dutzendfach zelebriert, doch diesmal hat die Sache nicht den geringsten Club-Mief in den Kleidern, es ist flink gespielt, geschickt arrangiert und luftig produziert. So klingt oller Bluesrock wie schlechtestenfalls aus zweiter Hand. Und der Erstbesitzer hat die Kotflügel immer brav poliert.
Noch ein Heavyrocker mit Could Be Good, tolles Schlagzeug übrigens, dann die Verbeugung vor den jungen Texanern mit den damals noch kurzen Bärten (Boogie A). Sooo jung hört man DIE nicht mehr. Selbst ein akustischer Blues wie Suck It Up klingt nicht wie die vielen verzweifelten Versuche der einschlägig bekannten Blues-Matadoren, eher wie eine feurige Version von beispielsweise SAVOY BROWN in den kommerziell miserablen Zeiten zwischen 1974 und '81 ("Boogie Brothers", "Wire Fire", Skin'N'Bone", "Savage Return", "Rock And Roll Warriors"; alles vorzügliche Alben).
Einfachen, losgelassenen Boogie gibt's natürlich auch noch mal, namentlich ist es die Boogie Bee, die einem den Stachel mit dem Arsch voraus ins Bein jagt. Aber den Höhepunkt behält sich Vdelli mit dem Titeltrack bis zum Schluss vor. Ain't Bringing Me Down ist einer dieser Kopfüber-Rocker, die jede noch so lahme Party befeuern und aus der öden Ökotrulla im Wallekleid eine enthemmte Rock'n'Roll-Braut machen.
Zum langsamen mitlesen: "Ain't Bringing Me Down" ist nicht die Neuerfindung des Bluesrock, aber dem Genre bläst die Scheibe eine beträchtliche Staubschicht vom Dach. Und für VDELLI ist es ganz klar die beste CD bisher.
PS: Beileibe nicht alle Songs auf "Ain't Bringing Me Down" sind neu verfasst, ganz vier Stücke finden sich bereits auf dem Album "Out Of The Blues" aus dem Jahr 2002, der signifikante Unterschied rechtfertigt die Neuauflage allemal.
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