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Walter Rossi

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Cover Walter Rossi
Walter Rossi, Aquarius Records, 1976
Walter Rossi Guitar, Lead Vocals
Bobby Fisher Drums, Percussion
Leon Feigenbaum Bass
Doug Riley Keyboards
King Biscuit Boy Harp (Little Mis Evil)
Produzent: Walter Rossi, Studio/Ort: Montreal Länge: 37 Min 22 Sek Medium: LP
1. Goin' Down (4:50)2. Little Miss Evil (2:44)
3.Chasing Rainbows (3:54)4. Get goin' fast (3:14)
5. Ripdad (4:51)6. Woman, sweet Woman (5:56)
7. Rock me Baby (3:47)8. Dance with me (3:44)
9. Hey Serena (4:04) 

Walter Rossi war für mich der erste kanadische Gitarrist. Wie es in Endsiebzigern so üblich war, kosteten die Importe nach wie vor 22 Mark, während viele LPs im deutschen Programm mit 19.95, 17.95 und billiger angeboten wurden. Da überlegten sich schon viele, ob sie diese Importe haben mussten. Entsprechend gering waren daher auch die Stückzahlen, die verkauft wurden. Und damit konnte der Bekanntheitsgrad auch nicht wachsen.
In meinen Augen war das sehr schade, denn Walter Rossi hätte ein breiteres Publikum verdient. Ende 1999 sind alle seine Alben als »remastered« CDs wieder erschienen, als Importe für circa 35 Mark das Stück. Damit sind sie auf den heutigen Preisniveau, und vielleicht wird's ja noch was.

Dieses erste Soloalbum ist ein Gitarrenalbum. Kein extravaganter Solotrip eines sich überschätzenden »Künstlers«, sondern ein exzellentes Rockalbum mit sehr guten Kompositionen und nur wenigen übertriebenen Solo-Demonstrationen.
Wir finden auch so einige Gitarren-Overdubs, aber niemals aufdringlich. Im Gegenteil, so möchte ich sie hören.

Goin' Down als erstes Lied, ist ein typischer Opener, rockt stark. Was es abhebt, ist ein superbes Gitarren-Intro, das man nicht besser machen kann. Und es ist nicht die Art wie, sondern das, was Walter Rossi spielt. Er singt rauh, wie es sich für diese Art Song gehört, und die Gitarren krachen, In Harmonie mit den Drums.

Der Boogie "Little Miss Evil" wird von Akustikgitarre, Piano und Mundharmonika getrieben. Gitarrensolo Fehlanzeige.

"Chasing Rainbows" ist die erste langsamere Nummer. Aber beileibe nicht langweilig. Die Gitarre begleitet melodisch, erst im Refrain wird sie lauter. Die Begleit-Soli sind gut gesetzt. Im kurzen Hauptsolo, das den Song beendet, kommt plötzlich eine Akustik dazu. Schön.

Die vierte Nummer "Get goin' fast" ist ein Fetzer, wie ich sie gerne höre. So schnell, wenn die Post wäre. Die Riffs sind zwar nicht alle neu, aber gut variiert.

"Ripdad", die einzige Instrumentalnummer, ist die schwächste des Albums. Mehrstimmige Gitarren eröffnen und dann gleitet der Song ins Banale ab. Finde ich. Fading und andere Effekte (Boston läßt grüßen) kommen hinzu - Geschmacksache. Aber, teilweise wiederum fast genial.

Der Titel des Lieds "Woman, sweet Woman" sagt schon klar, dass dies kein Boogie sein kann. (Da kommt Widerspruch - versteh ich.) Sorry, in der Rockmusik kann dies fast nur ein Blues sein. Leider ein bisschen "schuhbiduh". Wären da nicht die Gitarren, mit Breaks und einem angedeuteten Wechsel zum schnellen Rhythmus. Die Steigerung zum Ende hin, entschädigt für die Banalitäten zuvor.

Mit "Rock me, Baby" kommen wir zurück in die schnelle Abteilung. Eine Gitarre schrubbt die Septen, mindestens zwei weitere schießen die Soli. Und das Schlagzeug hät die Massierung der Synkopen locker mit. Und wenn der Song zu Ende scheint, kommt wieder diese schräge Rhythmusgitare und die Soli darüber. Super.

Let's Boogie mit "Dance with me". Der Titel ist Programm. Zum Schunkeln und Mitsingen mit der "Talking Guitar" (und warum auch nicht, tanzen). Das Hauptsolo wird wohl kaum eine Saite voll funktionsfähig überstanden haben.

"Hey Serena" beschließt das Album. Als letzten erwarten wir oft ein ruhigeren Song. Nicht so hier. Walter Rossi läßt die Breaks in schneller Abwechlsung tanzen und zerfetzt die letzen Saiten. Da freue ich mich auf den Refrain, an dem ich mich festhalten kann.

Fazit: Abgesehen vom Zeitgeist, den die Produktion atmet, ist dies ein Album für Gitarristen und alle, die fetzige Gitarren mögen.

Werner Saumweber , (Impressum, Artikelliste), 11.02.2001

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