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| Double Down - Live (Live At Rockpalast 1980 & On The Road 2008), Eagle Vision, 2009 |
| Billy Gibbons |
Guitars & Vocals |
| Dusty Hill |
Bass & Vocals |
| Frank Beard |
Drums |
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Länge: ca. 154 Min |
Medium: Do-DVD |
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| DVD 1: "Live At Rockpalast 1980" | |
| 1. I Thank You | 12. Cheap Sunglasses |
| 2. Waitin' For The Bus | 13. Arrested For Driving While Blind |
| 3. Jesus Just Left Chicago | 14. Beer Drinkers & Hell Raisers |
| 4. Precious And Grace | 15. La Grange |
| 5. I'm Bad, I'm Nationwide | 16. She Loves My Automobile |
| 6. Manic Mechanic | 17. HiFi Mama |
| 7. Lowdown In The Street | 18. Dust My Broom |
| 8. Heard It On The X | 19. Jailhouse Rock |
| 9. Fool For Your Stockings | 20. Tush |
| 10. Nasty Dogs & Funky Kings | 21. Tube Snake Boogie |
| 11. El Diablo | 22. Just Got Paid |
| DVD 2: "On The Road 2008" | |
| 1. Got Me Under Pressure | 7. Just Got Paid |
| 2. Waitin' For The Bus | 8. I Need You Tonight |
| 3. Jesus Just Left Chicago | 9. La Grange |
| 4. I'm Bad, I'm Nationwide | 10. Hey Joe |
| 5. Blue Jean Blues | 11. Tush |
| 6. Heard It On The X | |
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Der frühe Morgen des 20. April 1980 hatte ein ganz besonderes Erweckungserlebnis. Gongschlag 4 Uhr und ein paar Minuten stand die bis dahin heftigste und schrägste Band der bisherigen Rockpalastnächte auf der Bühne und: riss etliche Millionen Eltern aus dem Schlaf. Ja, dieser Rockpalast war eine Sendung für das aufgeweckte Kind. Gut aufgewärmt von der BLUES BAND, zum Alkohol gezwungen von der für erstaunlich bartlose Rocker sterbenslangweiligen Joan Armatrading, grandios unterhalten von Ian Hunter und dem einzigartigen Mick Ronson ging es los. Und wie.
Knapp 30 Jahre später gibt es dieses Konzert offiziell auf DVD - dankenswerterweise mit dem sehr guten Radiosound (der WDR übertrug die Rockpaläste parallel zum Fernsehbild auch im Rundfunk) und nicht im aus den alten Videos hinlänglich bekannten Hallenklang. Außerdem ist die Bildqualität verdammt gut und nicht mit vielen "verrauschten" Rockpalast-DVDs zu vergleichen (THIN LIZZY auf der Loreley ist beispielsweise so ein Fall).
An das Konzert kann sich sicher noch jeder der vielen Millionen Zuschauer akustisch wenigstens halbwegs erinnern. Für die meisten war ZZ TOP ein bis dahin unbeschriebenes Blatt, nur die Freaks hatten sich im Vorfeld die ziemlich teuren Import-LPs geholt, umso nachhaltiger war der Auftritt dann. Die Optik dürfte bei den meisten nicht mehr im Detail präsent sein, es ist ja wirklich schon lange her, und es war sehr früh geworden. Außerdem war in diesen Jahren das Teufelszeug Apfelkorn sehr populär… Zur Erinnerung: Das haushoch flammende Logo auf der Bühne entpuppte sich schnell als schienbeinhohe Funzel vor dem Schlagzeugpodest, Billy Gibbons und Dusty Hill sahen aus wie Amische auf Wanderschaft, doch wer hatte damals schon Ahnung von den "Amish People". Außerdem hielten in der Arena der Essener Grugahalle irgendwelche Spinner ein riesiges Banner mit der Aufschrift "RODGAU MONOTONES grüssen ZZ TOP" in die Höhe. Sehr verwirrend das. Heute weiß man, dass die Texaner keiner Sekte angehören und warum die RODGAU MONOTONES grüßten, sie wurden nämlich in den folgenden Jahren zur besten und witzigsten Partyboogieband, nein, Boogiepartyband Deutschlands und hatten immer einen schicken Riff aus Texas auf der Pfanne. Doch ZZ TOP hatten in dieser Nacht viel mehr drauf.
Klar ist: die vielen falschen, ausgelassenen oder schiefen Töne und vermasselten Einsätze dieses Wahnsinnskonzerts sind immer noch in aller Deutlichkeit zu hören, aber die 90 Minuten dazwischen krachen nach wie vor wie einst im April. Nie mehr konnte man Billy Gibbons so völlig aus dem Häuschen über eine Bühne toben sehen, nie mehr brüllte Dusty Hill so losgelöst die Mär von der Hi Fi Mama, nie mehr konnte man Frank Beard so "echt" trommeln hören, nie mehr dröhnte der Tube Snake Boogie brachialer. Diese Nummer wurde übrigens erst eineinhalb Jahre später auf "El Loco" veröffentlicht.
Es war eine Offenbarung, was die drei heute sechzigjährigen Stoiker mit 30 aus den Boxen zimmerten. Dazu noch die unbeschreiblich anmachende Choreographie von Gibbons und Hill, schon standen ziemlich viele der vielen Zuseher breitbeinig vor dem Fernsehgerät. Zusammen mit ihren Kindern werden das nun hoffentlich viele wieder tun.
Die LP "Degüello" war seit einem guten halben Jahr veröffentlicht, deren Opener I Thank You eröffnete auch den Rockpalast. Bis auf die wunderschöne Ballade Esther Be The One kamen im Verlauf alle Songs dieses bis dato "Ladenhüters" zum Vortrag, am Montag danach war die Scheibe in allen Läden ausverkauft und ZZ TOP eine Superstarband. Keine andere Band aus der glorreichen Rockpalast-Historie wurde mit nur einem, übrigens dem allerersten, Auftritt in Europa so reich und berühmt, auch wenn etliche andere bis heute vom WDR-Ruhm zehren, MOTHER'S FINEST zum Beispiel.
Der brutale Heavyblues'n'Boogie von ZZ TOP ging und geht bis heute direkt ins Kleinsthirn und von dort in die Beine; bessere Unterhaltung als die tödlichen Riffs von Gibbons gibt es nicht, hört und seht euch doch einfach diesen unbeschreiblich verbogenen Boogie I'm Bad, I'm Nationwide an. Oder Gibbons' Auftritt mit der doppelläufigen Gitarre in Lowdown In The Street. Oder das markerschütternde Ende des Prediger-Blues Fool For Your Stockings mitsamt dem noch markerschütternderen Nasty Dogs & Funky Kings. Hier, nach etwa einem Drittel des Konzerts, waren Gibbons, Hill und Beard in einem Spielrausch, der sie zu (fehlerfreien!) Höhepunkten am laufenden Band und einer für die noch folgende Stunde nicht wiederholbaren Euphorie führte. Drei mutmaßlich nüchterne Texaner im Rock & Roll- und Entertainmenttaumel. Es war ein Segen, dass ZZ TOP nicht die gewohnte US-Show mit all den Tieren und sonstigem Brimborium mitbringen konnte, nur so wurden Arrested For Driving While Blind und Konsorten zu dem Hardcoreboogie wie er hier erst- und letztmalig aufgeführt wurde. Und es sieht so unverschämt gut aus, wie sich die zwei Bärte dazu über die Bühne biegen und die härteste Version aller Zeiten von Beer Drinkers & Hell Raisers zelebrieren.
La Grange war 1980 der Abschluss des regulären Set, und es war mehr als der heute von jeder Coverband genudelte Blödmannsong, es war die endgültige Abfahrt für Billy Gibbons und Dusty Hill, es war ihre Berufung in den Olymp. Außer AC/DC gab es keine Band, die vergleichbare Emotionen hervorrufen konnte. ZZ TOP war eine der zwei Bands, die die ausgehenden 70er und die beginnenden Achtzigerjahre maßgeblich prägten - beide haben bis heute ihre Duftmarke so nachhaltig gesetzt, dass noch viele Generationen daran Spaß haben werden. "Zeitlos" ist für dieses Konzert der falsche Ausdruck, richtig ist: EPOCHAL.
In der ausgiebigen Zugabe aus der Grugahalle gab es noch den zaghaften Versuch einer Multimediashow, auf einer Leinwand liefen nämlich die "Lone Wolf Horns", also Gibbons, Hill und Beard als Saxofontrio. Was gut aussieht, muss nicht zwangsläufig gut klingen, die Performance war reichlich unsynchron, aber das hat um halb 6 morgens niemanden mehr gestört. Der Tonmeister drehte nach She Loves My Automobile das Playback der Bläser gnädig herunter, danach kann man sich an den grandiosen Bildern ohne Dissonanzen erfreuen. Herrlich, wie Gibbons die Gitarre bei Dust My Broom lässig vor sich her trägt und dazu rifft wie vom Leibhaftigen verfolgt. Außerordentlich, wie Hill "Let's rock" plärrt, den Jailhouse Rock tanzt und bei Tush final ausrastet. Bewegend, wie die Halle nach einer weiteren Zugabe brüllt, und natürlich bekommt.
Es war eines der eines der besten jemals aufgenommener Konzerte aller Zeiten, ein einmaliges Ereignis, das jetzt in bestmöglicher Qualität für alle verfügbar ist. Die alten Zeitzeugen können sich freuen, die jungen Menschen werden sich nachträglich begeistern. Falls sie entsprechende Anleitung bekommen.
Als Extra gibt es bei "Double Down - Live" gleich eine ganze zweite DVD. Verblüffenderweise lässt die Band dabei den direkten Vergleich zwischen Heute und Gestern zu, was naturgemäß für Veteranen nicht gut für die Gegenwart ausgeht. Es ist nicht so, dass die drei Männer nicht mehr cool wären, im Gegenteil, es ist auch nicht so, dass die Musik oder Performance bei der Tour 2008 schlecht gewesen wäre, auch der vor allem in den 90ern ins Absurde gesteigerte Technik-Wahnsinn gehört der Vergangenheit an, es ist einfach so, dass der Zahn der Zeit vollkommen selbstverständlich auch an den drei alten Wüstenkakteen genagt hat. Niemand, außer Asterix und Obelix, kann die Power seiner Jugend und der darauf folgenden kreativen Hochleistungsphase über Jahrzehnte konservieren und bei Bedarf wieder und wieder abrufen, auch das Urgestein ZZ TOP nicht. Im Grunde gilt das gleiche wie bei der erst kürzlich veröffentlichten DVD "Live From Texas", nämlich dass das Feuer nicht mehr lodert, sondern nur noch glimmt. Man kann es ihnen nicht vorwerfen, die Zeit vergeht nun mal und andere Althelden schneiden wesentlich schlechter ab, aber gegen 1980 und den Rockpalast ist kein Kraut gewachsen, auch wenn heute die Mädels in den ersten Reihen eigentlich viel zu jung für ein Konzert nach 20 Uhr sind.
Witzig sind die Intervieweinspielungen mit einem französischen Musikjournalisten, der sich sichtlich müht und ab und an dennoch an seinen Sprachkenntnissen und den bösartig knapp gehaltenen Antworten scheitert. Witzig ist auch die Koketterie von Gibbons und Hill mit dem Alter, wo sie doch immer noch oft genug richtig deftig das Pedal durchtreten und die gleichen alten Patzer bei I'm Bad, I'm Nationwide einbauen. Und trotzdem ist alles behäbiger, routinierter, schlichterdings nicht mehr so hochtourig wie damals.
Liebe Leserin, lieber Leser, "Double Down - Live" kauft man sich wegen der Rockpalast-DVD. Für die Jetztzeit gibt es junge Bands zuhauf, die das musikalische Vermächtnis von ZZ TOP ganz vorzüglich pflegen und heute so viel Kraft haben wie die Bärte einst. Nostalgie ist diese Doppel-DVD dennoch nicht, denn sie bietet Rock & Roll ohne Verfallsdatum, ist also ähnlich lang haltbar wie Salz. Und genauso essentiell.
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