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Live From Texas

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Live From Texas
Live From Texas, Eagle Vision, 2008
Billy F. Gibbons Guitars & Vocals
Dusty Hill Bass & Vocals
Frank Beard Drums
Länge: ca. 122 Min Medium: DVD
1. Got Me Under Pressure12. Gimme All Your Lovin'
2. Waitin' For The Bus13. Sharp Dressed Man
3. Jesus Just Left Chicago14. Legs
4. I'm Bad, I'm Nationwide15. Tube Snake Boogie
5. Pin Cushion16. La Grange
6. Cheap Sunglasses17. Tush
7. Pearl NecklaceBonus Features:
8. Heard It On The XPoker Game
9. Just Got PaidDallas Show Day
10. Rough BoyPhoto Shoot
11. Blue Jean BluesFoxey Lady

Spätestens seit "Recycler", also 1990, bekamen ZZ TOP nur noch Prügel. Zu Recht! Es war Klangmüll, der uns nach den ohnehin schon schweren Achtzigern geboten wurde. Trotzdem war jede Tour ausverkauft und manchmal waren die Konzerte sogar ganz gut, nämlich immer wenn auf den Einsatz unsäglicher Technik verzichtet wurde und einfach (ZZ) Top-Rock geboten wurde. Was uns in all den Jahren seit dem gigantischen Auftritt im Rockpalast 1980 vorenthalten blieb ist ein anständiges Konzert auf Video/DVD. Nur ein paar Jahrzehnte zu spät wird diese Lücke mit "Live From Texas" nun auch geschlossen.
Ausschließlich böse Menschen werden sagen, dass die drei Minimalisten nur auf die Möglichkeiten heutiger Digitaltechnologie gewartet haben, damit ihnen keine groben Fehler mehr nachgewiesen werden können, dabei weiß jedes Kind, dass Gibbons, Hill und Beard niemals perfekte Musiker waren. Selbstverständlich wird auch auf dieser nun endlich vorliegenden Live-DVD massiv nachgeholfen, aber, und das macht den Unterschied zu Britney Spears aus, ZZ TOP wären sogar noch als Karaokeversion einzigartig.

Anno 2007 verzichteten die drei alten Männer zum Glück auf großartige Bühnenpräsentation, bis auf nervige LED-Flackerlichter im Hintergrund genügten sie sich selbst. Kein Problem, angesichts der verdienten Millionen, aber deutlich sympathischer als sich einige andere der wenigen noch verbliebenen Superstars auf ihren Laufstegen und Teleskopbühnen produzieren. Gibbons, Hill und Beard brauchen das alles nicht (mehr) und vermutlich bekämen sie heutzutage massive Probleme mit dem Tierschutz, würden sie wie seinerzeit bei der "Worldwide Texas Tour" Büffel, Geier und Klapperschlangen auf die Bühne stellen. Andererseits haben wohl die wenigsten Leser jemals so eine Show erlebt, es wäre also durchaus ein spannendes Spektakel…
Anyway, kein Getier, heute liegt nur noch ein Leopardenfell (oder ist es ein Wolf, Bär, Goldhamster?) leicht deplatziert herum, die drei Texas-Farmer beeindrucken visuell nur noch mit Kleinigkeiten. Sensationelle Custom Gitarren von Billy Gibbons, ein geilstens bemaltes Schlagzeug, von innen beleuchtete Truck-Auspuffrohre als Mikrophonständer, eine schicke Lightshow, zwischendurch ein paar Projektionen auf den wenigen Amps auf der Bühne, das war's dann schon. Wenn da nicht diese Choreographie wäre. Es gab, gibt und wird wohl niemals ein anderes Trio mit zwei Frontmännern geben, das eine so lässige Performance zeigen kann wie ZZ TOP. Gleich im zweiten Song, Waitin' For The Bus, gehen Hill und Gibbons so in die Vollen, dass man vor Begeisterung schreit. Männerballett, synchrones Gitarrenschütteln, noch synchroneres Bartwackeln, yeah, man, they're really bad and mindestens nationwide.
"Live From Texas" ist ein optischer Genuss der Sonderklasse, aber wie sieht es akustisch aus?

Okay, man hört, dass das Feuer von 1975 nicht mehr brennt, darüber muss man nicht diskutieren. Die meisten alten Nummern kommen einen Touch langsamer, gemäßigter daher, aber zum Trost baut Gibbons ein paar gänzlich unerwartete (und auch noch grandiose) Licks ein, Hill ist immer noch der perfekte Rhythmusgitarrist am Bass und sogar Mr. 'Klick' Beard klingt menschlich. Stimmlich kann man gar nichts aussetzen und wenn gar Pearl Necklace vom damals völlig enttäuschenden Album "El Loco" richtig Spaß macht, kann nicht viel falsch sein an ZZ TOP in der Jetztzeit. Dass der leicht schräge Einstieg in Heard It On The X nicht nachbearbeitet wurde, ist wohl ein Zugeständnis an alte Fans, die es schon schlimmer gehört haben.
Klar, der Schinken Rough Boy muss sein - und ist auch gar nicht mehr so schmerzhaft wie 1985. Dafür rockt Sharp Dressed Man umso frenetischer. Dazu muss man sagen, dass das Outfit der Herren tatsächlich arschcool ist, nur kann man so natürlich nicht als Normalmensch in einer deutschen Stadt herumlaufen. Schön, dass wir solche Helden noch haben, die in der Generation ü/40 die gleichen Begehrlichkeiten wie vor 30 Jahren wecken können.
Den Vogel schießen die zwei Platzhirschen erwartungsgemäß mit den Plüschgitarren zu Legs ab. Das sieht so absurd aus und klingt so schaurig gut, wenn Billy "she's my baby" singt und die weißen Puschel aus den Wirbeln am Gitarrenkopf ragen. Göttlich. Ebenso erwartungsgemäß ist das Ende der Show mit dem Tube Snake Boogie (sehr heiß) und La Grange/Tush. Zwar seltsam, dass Dusty plötzlich andere Klamotten trägt, aber egal. Es rockt so gnadenlos wie es schon immer gerockt hat.
Ein nettes Ausrufezeichen setzt Gibbons noch, indem er sich auf offener Bühne ein Zigarillo anzünden lässt. Rauchverbot beim Rock & Roll? Wer das will, ist auf der falschen Veranstaltung und dem sollte auch der Genuss von Bier verboten sein.

Als Bonus gibt es u. a. eine steile Version von Foxey Lady, nach der man sich fragt, warum sie aus dem regulären Programm herausgeschnitten wurde. Außerdem ein Photoshooting (interessant) und eine schauspielerisch deutlich verbesserungsfähige Leistung der drei knapp Sechzigjährigen bei einem fiktiven Pokerspiel, bei dem sie sich Anekdoten von früher erzählen. Nun ja, ganz vergnüglich, aber haben muss man die DVD aus anderen Gründen.

Fred Schmidtlein, (Impressum, Artikelliste), 01.06.2008

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