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| Tres Hombres & Fandango!, Warner Bros. Records Inc., 2006 (1973 & 1975) |
| Billy Gibbons |
Lead Guitar, Slide Guitar, Vocals, Harmonica |
| Dusty Hill |
Bass, Vocals |
| Frank Beard |
Drums |
| Produziert von: Bill Ham |
Länge: 45 Min 06 Sek & 42 Min 06 Sek |
Medium: CD |
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| "Tres Hombres": | |
| 1. Waitin' For The Bus | 8. La Grange |
| 2. Jesus Just Left Chicago | 9. Shiek |
| 3. Berr Drinkers & Hell Raisers | 10. Have You Heard? |
| 4. Master Of Sparks | Bonus Tracks: |
| 5. Hot, Blue And Rightous | 11. Waitin' For The Bus (live) |
| 6. Move Me On Down The Line | 12. Jesus Just Left Chicago (live) |
| 7. Precious And Grace | 13. La Grange (live) |
| "Fandango!": | |
| 1. Thunderbird | 6. Balinese |
| 2. Jailhouse Rock | 7. Mexican Blackbird |
| 3. Backdoor Medley: | 8. Heard It On The X |
| - Backdoor Love Affair | 9. Tush |
| - Mellow Down Easy | Bonus Tracks: |
| - Backdoor Love Affair No. 2 | 10. Heard It On The X (live) |
| - Long Distance Boogie | 11. Jailhouse Rock (live) |
| 4. Long Distance Boogie | 12. Tush (live) |
| 5. Blue Jean Blues | |
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Cub Koda von BROWNSVILLE STATION bezeichnete ZZ TOP im All Music Guide als "sturdy American blues-rock trio". Handfest also, amerikanisch sowieso. Was sollte man da hinzufügen? Bei den Texanern war von Anfang an alles handfest. Musik, Marketingstrategien, Erscheinungsbild und der bis heute andauernde Megaerfolg. Nur logisch, dass nun ein weiteres Mal die beiden ersten Erfolgsalben "Tres Hombres" und "Fandango!" von 1973 und '75 neu aufgelegt werden. "Newly remastered and expanded" ist der Kaufanreiz.
Teil 1 ist gelungen, der remasterte Sound erreicht bisher nicht gehörte Qualität (das 1987 veröffentlichte "Six Pack" ist bei vielen Fans wegen den getriggerten Drums und den auf "modern" gemachten Gitarrensounds verhasst - but I like it), Teil 2, die "Erweiterung", ist allerdings in beiden Fällen etwas enttäuschend, nur je drei Liveversionen von Album-Tracks strecken die Laufzeit auf eine schwache Schulstunde.
Nachdem das Debut 1970 ein Ladenhüter war und "Rio Grande Mud" 1972 die Top 100 verfehlt hatte, mussten sich Gibbons, Hill und Beard etwas einfallen lassen. Als erstes zog man für die Aufnahmen von Tyler, Texas nach Memphis um - mehr Beachtung war garantiert. Außerdem wurden die Konzerte der Band mehr und mehr als Events zelebriert, was dem Zeitgeist etwa 30 Jahre voraus war und dennoch funktionierte.
Manager, Produzent und "Career Director" Bill Ham hatte schon immer ein geniales Händchen bei seinen Businessentscheidungen. Er schickte die Band 1975 dann auch auf die "Worldwide Texas Tour" und ließ die drei mitsamt Stieren, Wölfen, einem Geier und anderem Kriechgetier vor eineinhalb Millionen Menschen als reisenden Zirkus auftreten. Aufwändig zwar, aber umso erfolgreicher und den immerwährenden Ruhm der Kapelle begründend.
Zwei Jahre vorher war die Chose noch etwas übersichtlicher, ZZ TOP waren allenfalls ein lokaler Act und konnten tun und lassen was sie wollten. Und das war unter damaligen Gesichtspunkten einerseits spektakulär und andererseits vollkommen normal: Knochentrockener Bluesrock, Boogie und Rock'n'Roll mit Volldampf und Tex-Mex Zitaten hingefetzt. Billy Gibbons gerierte sich nie als Gitarrenheld, ließ Dusty Hill "generös" den Part als Bass-Rhythmusgitarrist und Frank "Rube" Beard beschränkte sich dazumal noch auf simples aber effektives Haudrauf-Drumming, ohne die später üblichen (elektronischen) Rhythmustricks.
Ohne songwriterisch besonders von der auf "Rio Grande Mud" eingeschlagenen Richtung abzuweichen, wurde "Tres Hombres" eingetrommelt und knallte direkt in die Top 10 der Billboard Charts. ZZ TOP wurden groß und größer und von da an ging alles sehr schnell - wenn man die strategisch klugen und für Rockmusiker äußerst gesunden, wenngleich in der Branche völlig unüblichen langen Pausen zwischen den Veröffentlichungen ab 1976 wegrechnet. Wo andere Bands binnen weniger Jahre verbrannten, können ZZ TOP inzwischen 36 Jahre Konstanz bieten, auch wenn über die CDs der letzten gut eineinhalb Jahrzehnte bestens gestritten werden kann. ZZ TOP können mangels Mißerfolg bis heute tun was sie wollen.
In Europa waren ZZ TOP bis zum Rockpalast 1980 ein reines Import-Thema. Auch ich hatte die LPs erst kurz vorher gekauft und speziell "Rio Grande Mud" und "Tres Hombres" liefen sich einen Wolf. Diesen Ausdruck übernahm die Band später und druckte auf die LPs immer den Spruch "A Lone Wolf Production".
"Tres Hombres" wurde bei uns immer gleichgesetzt mit La Grange. Ein historischer Irrtum, denn die Single war mit Chartposition 41 wesentlich weniger erfolgreich als das Album. Es war das Gesamtkunstwerk, das damals und heute begeistert. Alleine der grandios unübliche Einstieg mit den schleichenden Blues-Giftspritzen Waitin' For The Bus und Jesus Just Left Chicago und dem messerscharfen, offenen Gitarrensound unterschied "Tres Hombres" von anderen Hardrockplatten. Der nahtlose Übergang zwischen den beiden Songs ist übrigens laut Covertext ein "Unfall" im Studio gewesen, als versehentlich etwas zu viel Bandmaterial abgeschnitten wurde ("abgeschnitten" im physischen Sinne, damals wurde noch mit richtigem Band und nicht im Digi-Tal aufgenommen - o tempora o mores, die Kinder von heute wissen nicht was Bandsalat ist). Spätestens beim Boogiebrett Beer Drinkers & Hell Raisers war der Fisch geputzt und jeder Partykeller in Flammen.
Auch damals schon frönte Billy Gibbons seinem Hang zu schrägen Tönen, allerdings wesentlich nervenschonender als heutzutage. Master Of Sparks ist so ein Experiment und klingt, verglichen mit beispielsweise "Mescalero", herrlich naiv und verträumt. Hier und bei der damals ungeliebten Ballade Hot, Blue And Rightous fällt erstmals ganz augenscheinlich die überragende neue Soundqualität dieser Remaster auf. Die Transparenz und Tiefe enthüllt speziell bei den Vocals ganz neue Dimensionen. Das gilt auch für das m.E. beste Stück der Platte, Move Me On Down The Line (früher der Opener auf Seite 2 der LP). Hier ist es die Dynamik im Bassbereich und die Trennung Bass-Gitarre, die dringend einer Überprüfung durch den Käufer bedarf.
Precious And Grace als Aufwärmer und dann der erste Jahrhundertsong der Band: La Grange. Verbesserter Sound hin oder her, bei so einem Killer zählt nur der pure Spaß.
Shiek lebt wiederum durch die jetzt richtig hörbaren Percussions neu auf und Have You Heard?, die wunderschöne Bluesballade, tönt wie neu gesungen.
Die Zugabe besteht aus Liveaufnahmen von Waitin' For The Bus und natürlich Jesus Just Left Chicago sowie La Grange. Herkunft und Aufnahmedatum werden verschwiegen, dürften aber zeitnah sein und klingen exakt so wie man sich ZZ TOP bis heute live wünscht. A bisserl mehr hätte es aber gerne sein dürfen. Geben würde es ganz offensichtlich genügend Material, da schmerzt dieser Geiz schon etwas.
"Fandango!" war schon immer eine etwas zweischneidige Angelegenheit. Einerseits freute man sich natürlich über die Liveaufnahmen auf Seite 1, aber es war halt nur ein Viertelstündchen und die konnte mitnichten ein eigentlich fälliges Live-Doppelalbum ersetzen (die Bootleger hingegen waren happy, denn ihre zumeist grottenschlechten Plättchen fanden reißenden Absatz). Und zweitens dürstete der jugendliche Rocker nach mehr neuem Material, wie es auf der unbeschreiblich geilen B-Seite enthalten war. Dem amerikanischen Kunden war es egal, die Platte wurde in Windeseile vergoldet und später mit Platin dekoriert.
New Orleans erlebte 1974 ein mit Sicherheit gewaltiges Konzert (was gäben wir für eine Bonus-CD mit dem Rest dieses Auftritts, bei anderen Warner/Rhino Reissues funktioniert das doch auch). Uns bleibt leider auch mehr als dreißig Jahre später nur der Extrakt, mitsamt dem bis auf die Boogieknochen pervertierten Willie-Dixon-Knaller Mellow Down Easy. Im Rahmen des Machbaren wurden auch diese Aufnahmen restauriert und machen tatsächlich noch genauso viel Spaß wie damals. Welche Band kriegt einen Gitarre/Bass-Genickbrecher wie Thunderbird hin? Oder die Albernheit im Backdoor Medley, oder ein so dermaßen in Grund und Boden geplärrtes Jailhouse Rock. Was gäben wir für das gesamte Konzert...
Möglicherweis hatte die Band tatsächlich nicht mehr neues Material zur Verfügung und "Fandango!" war also sozusagen eine Notlösung. Dafür sind die sechs Studiotracks allerdings mit zum Besten aller Texas-Zeiten geworden. Kommentar eigentlich überflüssig. Obwohl, der "stinklangweilige" Blue Jean Blues ist plötzlich ein wohltönendes Kleinod geworden, Nasty Dogs And Funky Kings wünschte man sich in einer 15-Minuten Fassung, Balinese ist und bleibt ein Wundershuffle mit der wahrscheinlich schärfsten Gitarre... bis Heard It On The X, das jetzt noch mehr ins Trommelfell fräst. Dazwischen der Groover Mexican Blackbird, den die Herren heute nicht mehr hinkriegen würden, und am Schluss der zweite Jahrhundertsong und erste Top 20 Single-Hit: Tush.
Nu aber wirklich ohne Worte, diese siebzehneinhalb Minuten Musikgeschichte bedürfen keiner weiteren Beschreibung mehr.
Die Bonus Tracks: Noch mal Jailhouse Rock (kopfschüttel), Heard It On The X und Tush. Alle drei gewaltig, aber...
Beer drinkers & hell raisers, jetzt ist die Gelegenheit, Eure alten Vinyls endlich an die Wand zu hängen oder die CD-Erstausgaben zu verschenken. Trotz dem Bonus Malus lohnen sich diese Neuauflagen voll und ganz, Ihr werdet ZZ TOP damit neu entdecken und wieder Party machen wie früher (so es noch geht und die Bärte nicht inzwischen bis zum Boden hängen).
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