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No Guts. No Glory

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All Music Guide (englisch)

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No Guts. No Glory
No Guts. No Glory, Roadrunner Records, 2010
Joel O'Keeffe Vocals & Lead Guitar
David Roads Guitar & Backing Vocals
Justin Street Bass & Backing Vocals
Ryan O'Keeffe Drums
Produziert von: Johnny K Länge: 61 Min 00 Sek Medium: CD
1. Born To Kill11. Armed And Dangerous
2. No Way But The Hard Way12. Overdrive
3. Blonde, Bad And Beautiful13. Back On The Bottle
4. Raise The FlagSpecial Edition Tracks:
5. Bottom Of The Well14. Loaded Gun
6. White Line Fever15. My Dynamite Will Blow You Sky High (And Get Ya Moanin' After Midnight)
7. It Ain't Over Till It's Over16. Rattle Your Bones
8. Steel Town17. Kickin' It Old School
9. Chewin' The Fat18. Devil's Child
10. Get Busy Livin'

Kaum eine (Hard Rock) CD wird heutzutage von einer beachtlichen Menschenmenge so sehnlich erwartet wie AIRBOURNEs zweite Scheibe "No Guts. No Glory". Kaum eine (Hard Rock) Band erfährt noch so einen Medienhype wie AIRBOURNE. Kaum eine Band arbeitet so hart wie AIRBOURNE. Und für kaum eine (Hard Rock) Band außer AIRBOURNE ist die Fallhöhe tiefer, wenn das Konzept nicht aufgeht.
Jetzt, am 5. März 2010, ist sie also endlich raus, die für die beinharten AC/DC-Fans wichtigste CD des Jahres. Die Konzerte folgen direkt:
08.03., München, Tonhalle (ausverkauft)
10.03., Wiesbaden, Schlachthof
11.03., Stuttgart, Longhorn LKA
13.03., Berlin, Huxleys
21.03., Hamburg, Große Freiheit 36 (ausverkauft)
22.03., Köln, E-Werk (ausverkauft)

Es ist anzunehmen, dass die Kritiken für "No Guts. No Glory" nicht euphorisch, sondern hysterisch sein werden. Es ist auch anzunehmen, dass die Konzerte wie eine außer Kontrolle geratene Elefantenherde über das Volk hereinbrechen werden. Es ist ebenfalls anzunehmen, dass die Intensität der Gigs von 2008 nicht erreicht wird - und nun kommt der Ketzer mit seiner Begründung.

Als AC/DC ab 1976 durch Europa und die restliche Welt gescheucht wurde (und die mit Abstand am härtesten arbeitende Band war), hatte man in vielen Städten, unter anderem in München, binnen drei Jahren die Gelegenheit den größten Rock'n'Roll-Wahnsinn aller Zeiten fünf Mal live zu erleben. PN Club, Circus Krone (als Support von RAINBOW), Schwabinger Bräu (2x), Circus Krone (Vorband war JUDAS PRIEST) hießen die Stationen. Es waren ausnahmslos Konzerte jenseits aller heutigen Vorstellungskraft, denn AC/DC war die Hölle, es war die Detonation aller jugendlichen Leidenschaft, es war Krach gewordene Geilheit und es war für viele dieser Generation ein Erweckungserlebnis, das bis heute nachwirkt. Der Unterschied zu AIRBOURNE ist, dass von AC/DC in diesen wenigen Jahren fünf LPs epochalen Ausmaßes veröffentlicht wurden, bei AIRBOURNE hat es in den drei Jahren seit "Runnin' Wild" gerade mal zu ein paar EPs, darunter die gute "Live At The Playroom", gereicht. Und dann kommt ein Album wie "No Guts. No Glory" daher, bei dem man ein echtes Problem hat. Weil warum?

Bei jedem einzelnen AC/DC-Album war trotz dem immer gleichen Boogie eine Entwicklung zu hören, im Falle von "Powerage" sogar eine für den Kid-Rocker seinerzeit gar nicht so erfreuliche. Die Youngs und Bon Scott schrieben unablässig neue Songs, auch wenn die natürlich durch den vorgegebenen Stil durchaus vergleichbar waren (STATUS QUO waren auch ein Opfer der dummen Kritikermeinung, dass jedes Album 'anders' zu sein hätte). Dieses Privileg (der neuen Songs) besitzen heutige Bands natürlich nicht mehr, denn in jeder Musik und vor allem im Hard Rock ist tatsächlich schon alles komponiert worden. Für Epigonen der alten Helden, ganz egal wie überwältigend sie live sind, ist es schwer, sehr schwer, den erfahrenen Hörer [ich möchte nicht das Wort "alt" hören!] noch zu überraschen. "No Guts. No Glory" überrascht zum größten Teil, wenn überhaupt, leider nur durch: Langeweile!
Mit Verlaub, nach drei Jahren hätte man sich von AIRBOURNE mehr gewünscht/erwartet als eine leicht schnellere und etwas härtere Ausgabe von "Runnin' Wild". Man hätte sich auch mehr gewünscht als 13 bzw. 18 Nummern im "We salute you"-Stil. Die Jungs hätten es drauf, sie sind sympathisch, machen in ihrem perfekt altmodischen Outfit eine gute Figur, geben sich wie sich ordentliche Rocker zu geben haben, drehen witzige Videos mit Lemmy am Steuer eines Trucks, oder zertrümmern das Büro der Plattenfirma "Dinosaur Records" im neuen Clip zu No Way But The Hard Way. Das mag man, es hat Charme und ist Rock & Roll, auch jeden einzelnen Song von "No Guts. No Glory" mag man, die haben alle Charme und rocken, nur am Stück genossen ist es… nun ja, langweilig eben.
Zwei andere "Nachfolgebands" haben das Dilemma besser gelöst, sowohl BONAFIDE als auch KROKUS haben wenigstens ansatzweise Eigenständigkeit und Abwechslung auf ihren aktuellen Scheiben verewigt. Das ist Joel O'Keeffe und seinen Männern absolut nicht gelungen. Bei einem feurigen Debut nimmt man das gerne hin, nach dem bisher gelaufenen Hype um die Australier nicht mehr, speziell wenn beinahe das gesamte Songwriting irgendwie ausgebrannt, uninspiriert und vor allem frei von jedem Blues ist.
Handwerklich ist nichts zu mäkeln, das Cover ist witzig und mit vielen Anspielungen gestaltet, der Sound ist druckvoll, so gut wie jeden Song kann man auf einer selbst gebrannten Party-CD als Wachmacher platzieren, aber Bands wie AIRBOURNE sind keine Single-Bands, da muss das gesamte Album einfahren. "No Guts. No Glory" rauscht an einem vorbei, einzig Bottom Of The Well, White Line Fever, Back On The Bottle und natürlich der Opener Born To Kill bleiben nach 10, 15 Hördurchgängen hängen, der Rest ist schlicht und einfach B-Ware. "Black Ice" hat gefühlte 123 Ideen mehr zu bieten als "No Guts. No Glory". AIRBOURNE ist schon mit dem zweiten Album dort angelangt, wo AC/DC mit "Flick Of The Switch" war. Das sollte zu denken geben.

Fred Schmidtlein, (Impressum, Artikelliste), 04.03.2010

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