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Brant Bjork

Punk Rock Guilt

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Unser Disclaimer
Punk Rock Guilt
Punk Rock Guilt, Low Desert Punk, 2008
Brant Bjork Vocals & all Instruments
Produziert von: Dave Collins Länge: 47 Min 16 Sek Medium: CD
1. Lion One5. Shocked By The Static
2. Dr. Special6. Born To Rock
3. Punk Rock Guilt7. Plant Your Seed
4. This Place (Just Ain't Our Place)8. Locked And Loaded

Freddy Quinn singt: "Brennend heißer Wüstensand". Ihr singt: "So schön, schön war die Zeit". Zusammen gibt das den ultimativen Low-Desert-Gefangenenchor.
Man muss zugeben, Freddy Quinn war ein cooler Typ. Aber Brant Bjork ist noch viel cooler. Und dabei lebt er irgendwo in Kalifornien, genauer gesagt in Palm Desert, vermutlich unter einem Felsblock in der Wüste. 46 Grad im Schatten, es gibt dort nur leider keinen Schatten, außer unter dem Felsblock. Wie cool B.B. trotzdem ist, hat er in den letzten knapp 20 Jahren mit KYUSS, FU MANCHU, zuletzt mit seiner eigenen Band THE BROS und vielen anderen Projekten ausgiebig bewiesen, nun war ihm mal wieder nach einem Soloalbum. Coole Kerle meinen damit ein richtiges Soloalbum, also alles selbst eingespielt. Wenn solche Projekte ausnahmsweise gelingen, darf man den Erschaffer als megacool bezeichnen.
"Ach, Soloalben kann doch heutzutage jedes Kind einspielen", wird der Skeptiker nun sagen. Völlig richtig, der Computer macht's möglich. Aber die ganz eiskalten Jungs nehmen ihr Soloalbum analog auf. Für die jüngeren Leser: Da wird mit Magnetbändern aufgenommen und nicht am PC zusammengebastelt, sondern richtig geschnitten, gemischt und entsprechend geschuftet und geschwitzt. "Punk Rock Guilt" ist so ein Album.

Ein cooler Musikjournalist würde sich bei dieser Schallplatte (es wird ein Doppel-Vinyl neben der CD geben) von Begriffen wie Stoner- oder Wüstenrock verabschieden, aber es gibt ja keine coolen Schreiberlinge mehr, also bezeichnen wir "Punk Rock Guilt" im folgenden Text mangels anderer Ideen einfach als Hard Rock.
Vorausschicken muss man, dass es Brant Bjork nicht gelungen ist, alle acht Songs auf höchstem Level zu halten, etwa zwei Mal verabschiedet sich die Konzentrationsfähigkeit, weil es für Bjorks Verhältnisse etwas beliebig wird. Zum Glück passiert das aber nicht in den beiden Zehnminütern zu Beginn und am Ende des Albums, sondern irgendwo zwischendrin.
Monumentalwerk #1, Lion One, kommt dem ungenannt bleiben wollenden Klischee wohl insgesamt noch am nächsten, die Spannungskurve steigt, fällt, steigt wieder und gräbt sich am Schluss tief in den Sand ein, dazu dröhnt der vierfache Bjork (Gesang, Gitarre, Bass, Schlagzeug) in relativ alter und auf jeden Fall guter Tradition.
Locked And Loaded, der Rausschmeißer, ist völlig anders konzipiert. Über einer hypnotischen Basslinie und völlig losgelöst dahinschwebenden Gitarren singt Brant wie weiland nur Phil Lynott das konnte. Und tatsächlich, Locked And Loaded klingt wirklich wie eine bisher unbekannte LIZZY-Session aus den drogenverseuchten mittleren Siebzigern. Sensationell.

Die restlichen Nummern bewegen sich in normalen Längenbereichen, sind aber bis auf die erwähnten Ausreißer nicht unwichtiger als die beiden Longplayer. Für Dr. Special beispielsweise dürfte sich Brant zwei Bassisten nochmals genauer angehört haben: Jack Bruce und Felix Pappalardi. Trotzdem stehen für den Song weder CREAM noch MOUNTAIN Pate, eher ein lässiger Heavy-Funk-Groove der Marke MOTHER'S FINEST. I'm dancing in the sand…
Der Titelsong erinnert wieder an die schon vorher herangezogenen Iren, diesmal allerdings mit SABBATHs Geezer Butler am Bass. In die gleiche Kerbe schlägt Shocked By The Static, kann aber im Gitarrensolo nicht wirklich überzeugen.

"Punk Rock Guilt" ist trotz aller Retro-Verweise keinesfalls altmodisch, nur eben von alten Großmeistern beseelt. Dazu passt der grandiose Analogsound und Bjorks Können, nicht auf Teufel komm raus alle "Lücken" zuspielen zu müssen. Die Songs leben, haben Atmosphäre und Charakter, Brant selbst ist ein veritabler Universalinstrumentalist und sein Gesang ist so locker und angenehm wie sein Heimatland gerne wäre.
Brant Bjork ist als Schwerarbeiter bekannt, auf etwa 30 CDs war er bisher zu hören und live hat er sich ohnehin nie rar gemacht, außerdem betreibt er sein eigenes Label Low Desert Punk. Er ist erst Mitte Dreißig und hat mit dieser CD - trotz der bei uns in höchsten Tönen gelobten 2005er Veröffentlichung "Saved By Magic" - seine wohl bisher beste Arbeit vollbracht und sich einmal mehr deutlich vom Image des Wüstenrockers distanziert. Hoffentlich bleibt ihm diese Kreativität noch lange erhalten. Hier gilt eindeutig: Cooler geht kaum!

Fred Schmidtlein, (Impressum, Artikelliste), 29.04.2008

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