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| Lost In Retrospect, Femme Metal Records, 2009 |
| Michelle Loose |
Vocals, Keyboards |
| Scott Loose |
Guitar |
| Trevor Schrotz |
Drums |
| Suvo Sur |
Violin |
| Ben Kelly |
Bass |
| Matt Kozar |
Guitar |
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Länge: 69 Min 25 Sek |
Medium: CD |
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| 1. Something To This | 8. Dark Waters |
| 2. Driven | 9. To Dream Again |
| 3. Hold On | 10. Surrender |
| 4. Words | 11. To Dance By Moonlight |
| 5. Before Nightfall | 12. Remember The Stars |
| 6. Trapped Inside | 13. Blue Skies |
| 7. Candle In The Dark | 14. Passages |
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Das muss man erstmal alles Stück für Stück begreifen. Ich beginne der Reihe nach: In England wurde ein neues Label gegründet, das es sich zur Aufgabe gemacht hat, den Damen der singenden Zunft eine Plattform für ihre Veröffentlichungen zu bieten. Also quasi die EMMA der Rockmusik zu werden. Weil es so lustig ist, hat man das Label "Femme Metal" getauft und gleich einen fetten Brocken an Land gezogen. Einen fetten Brocken? Na ja, das erste, was auf diesem neuen Label veröffentlicht wird, ist die Best Of-Scheibe der amerikanischen femalfronted Metalband BRAVE, die bereits seit 1997 im amerikanischen Untergrund ihre musikalischen Werke der Meute vorspielt und in Europa weitestgehend unbekannt sein dürfte.
Wobei sie BRAVE eigentlich erst seit 2000 heißen. Denn vorher nannten sich Scott Loose, seine Schwester Michelle und Trevor Schrotz ARISE FROM THORNS und veröffentlichten 1997 ihre erste CD. Zwei Jahre später gab man dem Untergrund den Longplayer "Before The Audience Of Stars" mit auf den Weg, um sich 2000 dann in BRAVE umzubenennen, den inzwischen dazu gestoßenen Bassisten und den zweiten Gitarristen wieder an die Sonne zu tun und eine 4-Track-EP in die Rillen zu hauen. Das Teilchen mit dem Titel "Waist Deep In Dark Waters" wurde im Eigenvertrieb veröffentlicht und im März 2001 auf die Welt gerollt. Aber Achtung: Im Januar 2001 veröffentlichte das Label Dark Symphonies ein Re-Release von "Before The Audience Of Stars" unter dem alten Namen. Keine Ahnung, was das soll.
In 2002 wurde dann die erste Langscheibe von BRAVE mit dem Namen "Searching For The Sun" in das gefundene Sonnenlicht gestellt. Im Anschluss daran stießen der Mann mit der Violine und der Bassist zu BRAVE. Dann wurde noch der zweite Preis bei einem Musikpreis gewonnen und 2004 schließlich die EP "Passages" rausgehauen. Mit soviel Material an der Hand ging man im Vorprogramm so illustrer Bands wie SYMPHONY X, LACUNA COIL, THERION, OPETH, ASIA, SPOCK'S BEARD und anderen auf Tour.
Nachdem BRAVE einen weiteren Gitarristen verpflichten konnten, dauerte es geschlagene 4 Jahre und 10 Monate, ehe "Monuments" das Licht der Welt erblickte. Das bis dahin härteste, stärkste und letzte reguläre Album von BRAVE.
Nach all diesen Wirrungen und Wandlungen ist und war es nun also an der Zeit eine Best Of-Scheibe zu veröffentlichen. Das macht für den europäischen Markt insofern Sinn, da man hier nur sehr schwer bis gar nicht an das Material dieses Sextetts kommt. [Stimmt, aber auch eine Best Of macht nur Sinn, wenn sie erhältlich ist. Ist sie aber nicht, man muss bei der Band direkt bestellen. Macht zu viel Underground doof? Red.]
Warum BRAVE den Sprung über den Teich auf den alten Kontinent nicht geschafft haben ist mir etwas schleierhaft, denn das ist Musik, die man hier sehr gerne hört. NIGHTWISH, WITHIN TEMPTATION, EDENBRIDGE, Alanis Morissette, THE GATHERING kann man hier gut als Vergleich anführen und hat damit eine Schnittmenge dessen, was BRAVE auf ihrer Compilation anbieten.
Um den Appetithappen schmackhaft zu machen, hat man schlauerweise die neusten Werke an den Anfang gestellt. Da wird ordentlich gerockt, ohne sich übermäßig in klebrigen Pathos zu verstricken, die Gitarren dominieren das Gesamtwerk und mit Michelle Loos hat man keine quietschende Opernchanteuse hinters Mikro gestellt, sondern eine Frau, die mit einer sehr angenehmen, unaufdringlichen und warmen Stimme zu glänzen weiß.
Mit To Dream Again hat sich ein verträumter Instrumentaltrack dazwischen gemogelt, den man sich auch hätte sparen können. Zum Ende hin wird ziemlich der Qualitätsunterschied zwischen professionell- und selbstproduziert deutlich, denn es lässt merklich nach. Stimmlich kommt die Dame da auch ihrem Namen sehr nahe, kann das aber immer wieder so gerade eben noch retten.
Sollte es in Europa Menschen geben, die mindestens zwei Alben der fünf Amerikaner mit der Quotenfrau im Regal stehen haben, können diese getrost an "Lost In Retrospect" vorbeigehen. Alle anderen, die sich irgendwas unter der Schnittmenge der o. g. Bands vorstellen können, sollten hier mal einen Griff wagen und reinhören.
Übrigens befindet sich auf der 2001 EP "Waist Deep In Dark Waters" ein Song mit dem Titel Lost (In Retrospect), der aber auf dieser Compilation nicht zu finden ist. Diese Band scheint alles andere als gewöhnlich zu sein…
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