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Let The Madness Begin

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Let The Madness Begin
Let The Madness Begin, Cirkusmusic Records, 2008
Roux'd Lead & Backing Vocals
Snetan Electric & Acoustic Guitars
Dee Bass
Ric Drums, Percussion & Backing Vocals
Gäste:
Chris Tsangarides Hammond (Chexx Mate)
Martin Guné Saxophone (Chexx Mate)
Produziert von: Ric & Snetan Länge: 34 Min 10 Sek Medium: CD
1. Let The Madness Begin6. Fuck 'Em N' Flee
2. Trashy7. Walking Disease
3. Hard Headed Woman8. Crazy
4. Everlong Lasting9. Get It On
5. Chexx Mate

Einfach mal angenommen, du hast nur zwei Möglichkeiten um in den Rock'n'Roll Himmel zu kommen: Entweder du verkaufst deine Seele wie weiland die Genies aus deiner Jugend und zahlst dafür möglicherweise den Preis einer desolaten Gesundheit und völlig seelenloser Musik in 30, vielleicht 40 Jahren, oder, zweite Möglichkeit, du kaufst dir ein Ticket. Eins für den Trendzug, der regelmäßig vorbeikommt. Oder eins für den Zirkus, der immer mal wieder in der Stadt gastiert.
Es gibt heutzutage gottlob (hähä, Blasphemie) wieder viele Bands, die ihre Seele verkaufen und drauflosrocken als gäbe es keinen Tag danach, aber es gibt wie immer auch diejenigen, die sich eine schicke kleine Biographie und maximal doofe Pseudonyme zulegen, das Ersparte in ein paar EPs investieren, im Urlaub nach Amerika fliegen und dort 30 Minuten Pseudoberühmtheit in Clubs wie dem "Whisky A Go-Go" in Los Angeles kaufen. Zwischendurch spielt man zuhause in Jokkmokk, Uppsala oder gar Stockholm in Winz-Clubs oder Restaurants. Aber das macht nichts, denn man braucht das um die Songs des neuen Über-Albums für die nächste US-Tour einzuüben. Und damit sind wir bei der schwedischen Band CIRKUS aus Uppsala, deren Sänger Roux'd den ersten Preis für den blödesten Künstlernamen des Jahres konkurrenzlos einstreicht. Der Verfasser dieser Schrift hat außerdem in wenigen Zeilen eine junge Band diskreditiert und lächerlich gemacht. Coole Sache, wenn da nicht noch ein paar Kleinigkeiten wären…

Die vier jungen Schweden haben für ihr erstes richtiges Album, betitelt mit "Let The Madness Begin", Chris Tsangarides als Mischer engagiert. Der ist seit knapp 35 Jahren im Geschäft und hat seinen Namen auf so vielen Platten hinterlassen, dass man sich eine Aufzählung sparen kann. Der Leser darf gerne die Suchfunktion auf der linken Seite seines Bildschirms verwenden. Klar ist, wer Tsangarides bezahlt, hat Ambition auf mehr als Jugendfreizeit und Lokalprominenz.
Vorwerfen kann man CIRKUS, dass sämtliche Klischees einer großmäuligen Rockband erfüllt werden. Die gleiche Show hat man vor 35 Jahren bei AEROSMITH erlebt, vor 25 bei MÖTLEY CRÜE, vor 20 bei gefühlten 1.728 Glam- und Sleazekapellen, vor 18 Jahren hat alles nach "Teen Spirit" geschmeckt und im neuen Jahrtausend gingen ungezählte Silbermonde über uns auf.
It all comes back, so bekanntlich auch der Sound der 70er und 80er. Wie viel Kalkül hinter CIRKUS steckt mag man nicht beurteilen, "Let The Madness Begin" hat zwar nur einen einzigen Moment echter Eigenständigkeit, beim Saxophonsolo von Chexx Mate nämlich (ein herrlich fluffiger Rocker übrigens), aber die Kerle haben in ihrem jugendlichen Alter schon zu viel auf sich genommen um als Klon beschimpft zu werden. Haben die am Ende doch ihr Seelchen verkauft? Oder hängen sie sich nur an benachbarte Bands wie GEMINI FIVE an? Das abschließende Cover von Get It On lässt schlimmstes vermuten, T. REX wurde inzwischen etwa 5.000 Mal zu oft gecovert.

Dreißig Minuten bzw. sieben eigene Songs (plus Klischee-Intro) ist zu wenig für ein bejubelnswertes Debutalbum, trotzdem muss man den Jungs Respekt für Nummern wie Walking Disease zollen, da wurde die alte AEROSMITH-Schule prima aufgearbeitet, sogar der Gesang klingt geil und nicht affektiert wie manchmal zu Beginn des Scheibchens.
Die kleine Sammlung von Glam- und Sleaze-Hard-Rock ist nicht nervig oder gar peinlich, im Gegenteil, für die Party am nächsten Wochenende sogar bestens geeignet. Großartiges Aufsehen werden CIRKUS trotzdem nicht erregen, denn wer interessiert sich heute noch für POISON und Konsorten, auch wenn Herr Snetan an der Gitarre ein paar richtig geile Soli im CC DeVille-Gedächtnisstil spielt.

Es ist nicht des Kritikers Aufgabe, einer Band etwas vorzuschreiben. Im Fall CIRKUS würde man sich allerdings ein klein wenig mehr Basisarbeit (und vielleicht einen Vertriebsdeal) in Europa wünschen, weil unsereins von Auftritten in Amerika vollkommen unbeeindruckt ist. Dann noch ein paar Lässigkeiten in der Art von Chexx Mate und etwas weniger Augenmerk auf Manierismen - es könnte beim nächsten Album knallen.

Fred Schmidtlein, (Impressum, Artikelliste), 03.06.2009

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