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| I kon fliang!, Lawine/Sony BMG, 2008 |
| Claudia Koreck |
Gesang, Akustische Gitarre, Mundharmonika, Rhodes |
| Andreas "Andi" Dombert |
Akustische & elektrische Gitarren, Rhodes |
| Andreas "Otto" Schellinger |
Bass, Kontrabass, Gesang |
| Manfred "Manni" Müller |
Schlagzeug, Percussion, Ukulele, Gesang |
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Länge: ca. 112 Min |
Medium: DVD |
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| 1. Dahoam | 10. Wenn des alles is |
| 2. Schuah aus | 11. Ottschko |
| 3. Herbstwind | 12. Vergangenheit |
| 4. I wui weg | 13. Schrei |
| 5. Unverwundet | 14. Schokolad |
| 6. Es liegt nur an dir | 15. Daschn |
| 7. Latte Macchiato | 16. Fliang |
| 8. Geh | Bonus: |
| 9. I mog de Dog | Interviews |
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Das Ampere in München ist ein ausgesprochen schöner Club ganz nahe der Isar. Sehr grundwassernah, sehr frühindustriell romantisch und doch mitten in der Stadt. Für eine Frau wie Claudia Koreck genau der richtige Auftrittsort, steht sie doch ganz offensichtlich selbst völlig geerdet mit beiden Beinen auf dem Boden und trotzdem mitten im wilden Leben, das sogar manchmal wirklich romantisch sein kann. Nicht die triefige Puderzuckerromantik vieler zurzeit aktueller Soul- und R&B-Sternchen, auch nicht die kaputtproduzierte Sterilität amerikanischer Fließbandsongwriter und schon gar nicht der unsägliche Junkie-Soul der bemitleidenswerten Amy Winehouse, viel eher die Romantik einer rauschfreien und in diesen Momenten am allermeisten berauschenden Janis Joplin des 21. Jahrhunderts. Nicht dass Claudia Koreck in irgendeiner Art der Joplin nacheifern würde, aber bei der Betrachtung dieser DVD kommt ganz automatisch immer wieder der Gedanke an die unglaublich seelenvolle Präsenz der Queen of Blues. Wir bewegen uns also mit "I kon fliagn!" ganz weit oben in der Stratosphäre toller Musik, wobei die Joplin schon 24 war, als sie mit "Big Brother & The Holding Company" die Welt erschütterte, die Koreck ist erst 21. Kulturell erschüttern wird sie die Welt umständehalber natürlich nicht, aber ihre Zuhörer packt sie ganz handfest an.
"Fliang" war vor einigen Monaten das von uns empfohlene CD-Debüt (mittlerweile geht es stramm auf 50.000 verkaufte Exemplare zu - nicht wegen unserer Empfehlung natürlich) und schon jetzt folgt eine Live-DVD. Und nein, es ist nicht zu früh für eineinhalb Stunden Bühnendarbietung, ganz im Gegenteil, diese junge Frau kann mit ihrer Band das Publikum kraft der Stärke ihrer Songs und ihrer sympathisch einnehmenden Art sogar zum kollektiven Winken animieren - vor dem Fernseher ist man geneigt mitzuwinken.
Ihr völlig natürliches oberbayrisches Selbstbewusstsein demonstriert sie gleich mit der Einstiegs-Ballade Dahoam. Wer traut sich schon, ein Konzert mit einer leisen Hommage an seine Heimat zu beginnen, wenn das Publikum doch nach Kraftfutter lechzt. Kriegt das Volk anschließend auch, schon mit Schuah aus geht die intime Feier auf und vor der Bühne los, man steht im Wortsinn wirklich barfüßig in Claudias kleinen Geschichten über das Leben, die Liebe und die Ärgernisse im Schnösel-München. Dazu perlt das Rhodes-Piano und die Band wirbelt zuweilen einen mächtigen Blues-Sturm durchs Gemäuer.
Da gibt es keine Angst vor Voyeuren, diese Frau sagt einfach freiweg was sie denkt und fühlt, auch wenn man meistens nicht glauben kann, dass es die Gedanken einer "erst" 21jährigen sind. Hört man sie im Finale der wundervollen Ballade Herbstwind ihren formidablen Gitarristen Andreas Dombert an die Wand shouten, fühlt man sich viel mehr an Größen wie Aretha Franklin oder, um im deutschsprachigen Bereich zu bleiben, Joy Fleming erinnert (die übrigens 1970 das Vorprogramm des einzigen Deutschlandkonzerts von Janis bestritt, und von ihr anschließend ausdrücklich beglückwünscht wurde).
Zurück in die Gegenwart. Am 17. Oktober 2007 sprang unsere Claudia auf der Bühne des Ampere direkt ins Gefühlszentrum ihrer Fans. Hoppla, "unsere Claudia"? Jetzt haben wir es kapiert. Das Mädel ist so frisch und voller Energie, dass man sie sofort akzeptiert, gern hat, sie für sich vereinnahmt, womöglich seine eigene Altersangst von so viel Lebensfreude vertreiben lässt. Da wird nicht pseudointellektuell herumgequatscht, da geht jede Zeile genau auf den Punkt, man versteht was gesagt wird und man lacht herzhaft, wenn sie die Farbe ihres BH verrät. Apropos verstehen. Natürlich ist die Sprache urbayrisch, also nicht für jeden auf Anhieb zugänglich, aber selbst ausländische Freunde zeigten sich von der Stimmung auf dieser DVD begeistert und im knackvollen Ampere waren vor gut zwei Monaten bei weitem nicht nur Bayern anwesend.
Zwangsläufig gerät die Band etwas in den Hintergrund, aber beim dritten, vierten Durchlauf fällt dann doch die einfühlsame Begleitung der drei Jungs auf. Andreas Dombert wechselt zwischen Gitarren und Rhodes, Andreas Schellinger zupft bevorzugt einen virtuosen Kontrabass und Manni Müller trommelt sehr jazzy und niemals angeberisch im Hintergrund feine Percussion. Zusammen ergibt das vermutlich die perfekte Besetzung für die Claudia Koreck Band, die hoffentlich lange zusammenbleiben wird und nicht von einer fehlgeleiteten Marketingstrategie oder Egotrips zerstört wird. Dombert und Schellinger spielten übrigens vor ein paar Jahren auf Elli Erls missratenem Erstling "Shout It Out" mit und sollten dementsprechend wissen, was sie nun an Claudia haben.
Letztmals zurück zum Konzert. Wenn es überhaupt einen Kritikpunkt gibt, dann vielleicht den, dass das auf der Studio-CD französisch gesungene Chocolat hier "nur" bayrisch interpretiert wird. Es wäre der Gipfel der ge- und erlebten Sexyness dieser DVD gewesen, hätte sich Claudia an die für die meisten Menschen unverständliche aber um so erotischere Fremdsprache getraut. Aber egal, "I kon fliang!" wird so oder so die deutsche DVD des Jahres 2008, da sie leider erst am 4. Januar erscheinen wird. Wer nicht so lang warten will, kann das Konzert am 27.12.2007 um kurz vor halb Mitternacht in voller Länge im Bayerischen Fernsehen sehen. Es wird dem Verkaufserfolg keinen Abbruch tun, im Gegenteil.
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