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Ken Burns

Civil War

Der Amerikanische Bürgerkrieg

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Civil War - Der Amerikanische Bürgerkrieg
Civil War - Der Amerikanische Bürgerkrieg, Polyband Medien, 2006
Regie: Ken Burns Länge: ca. 6 Std 15 Min Medium: 5 DVD-Box

Nein, keine Angst, das HoR verändert sich nicht zum HoWar oder HoHistory (zumindest jetzt noch nicht, aber wenn das mit der Musikindustrie so weiter geht...). Aber wie schon anlässlich der Review von "The War" bemerkt, ab und zu schauen wir über den Tellerrand - wenn es sich lohnt. Kochrezepte wird es nicht geben, es sei denn Fred ... nein, ich glaube nicht. [Oooch… F.]

Der Amerikanische Bürgerkrieg kostete 610.000 Soldaten das Leben, das sind 14,8% der dienenden Männer. Betrachtet man die Dienstverpflichteten, erhöht sich der Prozentsatz auf 26,5%! Mehr US-Soldaten starben in keinem Krieg der USA.
Das hat man uns in der Schule damals natürlich nicht erzählt. Statt dessen stellte man diesen Krieg als einen hehren Kampf gegen die Sklaverei dar - was er zu Anfang gar nicht war; vielmehr ging es Lincoln, dem Unionspräsidenten, um die Einheit der Nation; er wollte um jeden Preis verhindern, dass der Süden sich selbstständig machte. Erst 1862/63, also im zweiten/dritten Kriegsjahr, stand das Thema der Sklavenbefreiung dann im Vordergrund. Bis dahin hatte man in Russland alle Leibeigenen befreit!
Auch interessant ist, dass die Sklaven, die aus dem Süden in den Norden kamen, dort mitnichten von allen mit offenen Fahnen empfangen wurden; es kam sogar zu Lynchjustiz, weil die Männer im Norden um ihre Arbeitsplätze fürchteten. Ähnlich wie im Zweiten Weltkrieg, wo die USA nach außen für die Freiheit kämpften, entsprach das Verhalten der Amerikaner durchaus nicht immer dem, wofür sie im Krieg eintraten - auch hier gab es den Splitter im Auge des Nachbarn und den Balken im eigenen; auch in der Zeit des zweiten Weltkriegs wurden schwarze US-Amerikaner von ihren weißen Landsleuten zu Hause gelyncht.

Neben diesen Berichten zur Lage der Weißen und Schwarzen in den USA enthalten die fünf DVDs (jede beleuchtet ein Kriegsjahr) nicht nur Informationen über die wichtigsten Schlachten und Feldzüge und die Generäle auf beiden Seiten. Die Lage der Zivilbevölkerung, die innen- und außenpolitische Situation, die Entwicklung der militärischen Infrastruktur (Lazarette gab es am Anfang allein im Norden einige wenige, der Süden hatte gar keine), die ökonomische Entwicklung, all das wird gründlich beleuchtet und dargestellt.
Es gibt natürlich kein original Filmmaterial, sondern die Darstellung erfolgt zumeist anhand von Fotos, über Aufnahmen der Schlachtfelder aus heutiger Zeit, und über animierte Karten. Das kann dann zwar etwas ermüden - insbesondere auf den DVDs vier und fünf - wenn die historische Entwicklung - Stillstand im Krieg - keine interessanten Informationen zur Verfügung stellt, aber Regisseur Burns hat wohl bewusst auf die Nachstellung von Schlachtszenen verzichtet (wobei ihm dafür zahlreiche kostenlose Statisten zur Verfügung gestanden hätten). Die wichtigsten Schlachten und Befehlshaber werden so ausreichend dargestellt, dass man einen Überblick über das Geschehen bekommt.
Militärisch detaillierter Interessierte kommen hier jedoch etwas zu kurz; für die empfiehlt sich z. B. der "Atlas of the Civil War" von James McPherson oder die eine Trilogie bildenden drei Bücher von Pulitzerpreisgewinner Michael Shaara ("Killer Angels") und seinem Sohn Jeff ("The Last Full Measure", "Gods and Generals") die im Stil von Romanen die Vorgänge darstellen und den handelnden Personen Sprache verleihen; ferner die DVD "Gettysburg/Gods and Generals" auf Basis der Romane der Shaaras.
Was die DVDs von Ken Burns schaffen ist die noch heute auf beiden Seiten vorhandene Mystifizierung und Glorifizierung dieses mörderischen Schlachtens zur Seite zu schieben und einen unvoreingenommenen Gesamtblick auf diese Zeit zu werfen. Insgesamt gesehen weiß der, der diese DVDs gesehen hat, mehr als ausreichend Bescheid über den Bürgerkrieg. Und er bekommt, und das ist das eigentlich Interessante, wie auch bei "The War" ein Verständnis der Werte und Vorstellungen der Menschen der damaligen Zeit. Das kann man dann mit seinen eigenen vergleichen - und sich fragen, ob unsere modernen Vorstellungen in allen Fällen soviel besser sind. Angesichts der Ursachen der gegenwärtigen Weltwirtschaftskrise kann man sich fragen, wie es kam, dass diese Werte so gründlich aus dem modernen Leben in den USA gelöscht wurden.
Und für die Rocker: "Virgil quick, quick come see, there goes Robert E. Lee...". THE BAND, The Night They Drove Old Dixie Down. Robert wer? DVD schauen!
LYNYRD SKYNYRD - Dixie - Intro zu Sweet Home Alabama. Dixie? DVD schauen...

Dietrich Gastrock, (Artikelliste), 11.05.2009

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