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Skandal!

30 Jahre Spider Murphy Gang

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Skandal!
Skandal - 30 Jahre Spider Murphy Gang, Sony BMG, 2007
Länge: 66 Min 01 Sek Medium: CD
1. Bananafishbones - Zwoa Zigaretten10. Blumentopf - Amerika
2. Werner Schmidbauer - Sommer in der Stadt11. United Balls - Mit'm Frosch im Hois und Schwammerl in de Knie
3. Klaus Eberhartinger (EAV) - Rock'n'Roll Rendevous12. Viva Voce - Ich grüße alle und den Rest der Welt
4. Killerpilze - Skandal im Sperrbezirk13. Dr. Will - Cadillac
5. Hans-Jürgen Buchner (Haindling) - Rosmarie14. The Fabulous Braincandy - Uh Uh I Fancy You (Oh oh i mog di so)
6. Rainhard Fendrich - Schickeria15. Cagey Strings - Rock'n'Roll Schuah
7. Willy Michl - Schuitog16. String Of Pearls - Herzklopfen
8. Willy Astor - Sommer in der Elisabeth17. Claus Vogt feat. B. Flintstone - Autostop
9. Ludwig Seuss Band - Vis-a-vis18. Michael Mittermeier - Ein Skandal wird 30!

Ich möcht' gar ned wissen, wie viel Leut' damals die "zwoundreißig-sechzehn-acht" ang'rufen han. Und dess nid nur in München, oder "draußen vor der großen Stadt"!
Unbestreitbar hatte der Bayrische Rundfunk am Erfolg der Single, und des zugehörigen Albums "Dolce Vita", seinen Anteil, indem er Skandal im Sperrbezirk auf den Index setzte. Solche "Auszeichnungen" haben schon anderen Karrieren einen Schub verliehen. Dazu kam, dass Anfang der 1980er plötzlich Deutsch wieder "in" war, wenngleich die zugehörige Welle manchen Scheiß nach oben spülte. Die SPIDERS - benannt natürlich nach dem Saxofonisten in Elvis' Jailhouse Rock - waren zu der Zeit schon ein paar Jahre unterwegs, in ihrer Mission des boarischen Rock'n'Roll und um jene zu beglücken die immer noch, wieder oder erstmals "auf'n Jimmy Dean und Elvis Presley" standen.
Ja, 30 Jahre sind mittlerweile vergangen und es gibt sie immer noch! Grund genug, für Weggefährten, Sympathisanten und Nachkommen ihnen zu gratulieren. "Mir feiern a bayerische Band" (Die lernen's auch nie, oder Fred? 'bayrische Band' hoast dess!) ist der Untertitel dieser CD und eine richtig schöne Feier ist es auch geworden.

Die Laudatio, wer könnt's besser machen, hält Michael Mittermeier und mein Tipp: Hört sie euch gleich zu Beginn an und nicht erst am Ende der CD. Das bringt einen in die richtige Stimmung.
In Stimmung bringt natürlich auch die Akustik-Surf-Variante von Zwoa Zigaretten der BANANAFISHBONES, die sich - in wundervollem Slang - in respektvollen Worten und Erinnerungen im Booklet als echte Fans outen.
Auch anhand der hier versammelten Gratulanten kommen Erinnerungen auf: Werner Schmidbauer ("Live aus dem Alabama" resp. "Schlachthof") bringt eine noch entspanntere Version (wenn das möglich ist) von Sommer in der Stadt, getragen von perlendem Piano und Fernweh-Harmonika. Nicht gerade Rock'n'Roll, aber selbst im Novembergrau umweht einen da ein Hauch von Sommerferien und "Sonnenbrand".
Den Klaus Eberhartinger kennen wir von seiner Combo EAV und unzähligen Hits. Dem eh schon reggaemäßigen Rock'n'Roll Rendezvous verpasst er noch einen zusätzlichen Schub Dub, bevor es, nach der unschlagbaren Zeile "...sie hat 'n Stereo-Plattenspieler o- und es Wohnzimmerlicht aus-g'macht...", in zum Schubidu-mitschwelg-Refrain geht. Schee war's.
Die KILLERPILZE waren zum Zeitpunkt von Skandal im Sperrbezirk wohl noch nicht mal in der Pipeline, aber ihre aufge'punk'te Aufnahme wird dem Song absolut gerecht und zeigt, wie der auch heutzutage noch funktioniert.
Naturgemäß beschaulicher geht Hans-Jürgen - Haindling - Buchner zu Werke und präsentiert die Rosmarie in einem seiner typischen, leicht verträumten, Arrangements.
Der Rainhard Fendrich lässt sich nicht lumpen und bringt für die Schickeria eine große Bläser-Besetzung ins Studio, mit der er eine groovige Soul-Fassung, mit jeder Menge Wiener Schmäh, kreiert. Der oide Isar-Indianer Willy Michl zwingt die Adaption von Chuck Berrys Schooldays - Schuitog - in eine etwas bluesigere Lederhaut, die aber richtig geil anmacht. Rock everybody!

Einem Akustikgitarren-Virtuosen und Musik-Kabarettisten wie Willy Astor verlangt man nix anderes ab, als ein instrumentales Sommer in der Elisabeth.
Den Ludwig Seuss kennt man ebenfalls seit Jahrzehnten als Virtuosen, allerdings an schwarzen und weißen Tasten, die er u. a. für die DOGS WELCOME gehämmert hat, und mit seiner eigenen Band geht's da nicht minder zur Sache wenn er in vis-a-vis klar macht, "...dass I bei Tog und Nacht vor lauter Sehnsucht nach dir fast vergeh'...".
Am Abgefahrensten und sicher gewöhnungsbedürftig ist Amerika in einer Dub-Rap Version von BLUMENTOPF. Klingt ein bisschen wie Udo Lindenberg Space-Trip.
Die UNITED BALLS - mein Gott, gibt's die noch?? - klingen noch genauso wie zu Zeiten von Wavern, Poppern und Pseudos. Also so wie Anfang der 80er, als der Pogo in Togo getanzt wurde und so bringen sie Mit'm Frosch im Hois und Schwammerl in de Knia mit genau der richtigen Attitüde die einen zum mit- und abgehen bewegt. Klasse!
VIVA VOCE bezeichnen sich selbst als "die Fränkische A Capella Boyband". Entsprechend geht's instrumentenlos zu; trotzdem bringen sie Ich grüße alle und den Rest der Welt mit reichlich Schwung rüber. Nicht jedermanns Geschmack, aber in diesem Kontext doch ganz nett.

Mit am Abgedrehtesten ist sicher die dirty-swamp-blues Cadillac Variante von DR. WILL. Oh oh i mog di so ins Englische zu übersetzten und Uh Uh I Fancy You daraus zu machen, wie es THE FABULOUS BRAINCANDY hier tun, ist für mich nicht die glücklichste Idee. Aber den eh schon treibenden Song endgültig in eine RAMONES-Nummer zu verwandeln gefällt mir mit am besten auf diesem Album.
Einer lupenreinen Rock'n'Roll Truppe wie den CAGEY STRINGS passen die Rock'n'Roll Schuah seit Jahren ebenso gut, wie die Leoparden-Hemden im Booklet.
Tom Peschel ist ein Crooner erster Sahne, augenscheinlich aus den 50ern hierher transformiert, der bei den Damen von STRING OF PEARLS heftigstes Herzklopfen auslöst. Ohne Barneys Lachanfall aus dem Original fehlt mir hier aber doch das entscheidende Quentchen.
Ohne Chuck Berry geht im R'n'R nicht viel und so darf auch die Little Queenie - bei den SPIDERS natürlich als Autostopp - noch mal ran. Wie Hunderttausende in den 80ern, haben auch Claus Vogt feat. B. Flintstone nix anderes im Kopf als "stopp, stopp, stopp, ich muss nach Schwabing" und rock'n'rollen stilecht.
Fast acht Minuten erfreut beherzigt Michael Mittermeier dann den Rat der Produzenten: "Michel, du musst nicht singen. Du kannst schöner reden wie singen". Und das tut er in gewohnt brillanter Manier und liefert damit den würdigen Abschluss für diese Geburtstagsständchen. Oder den Anfang... Der SPIDER MURPHY GANG auch von mir: herzlichen Glückwunsch!

Epi Schmidt, (Impressum, Artikelliste), 25.11.2007

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