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| Ki, InsideOut Music/SPV, 2009 |
| Devin Townsend |
Vocals, Guitar, Fretless Bass |
| Duris Maxwell |
Drums |
| Jean Savoie |
Bass |
| Dave Young |
Keyboards, Piano |
| Gast: |
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| Che Dorval |
Vocals |
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Länge: 66 Min 51 Sek |
Medium: CD |
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| 1. A Monday | 8. Winter |
| 2. Coast | 9. Trainfire |
| 3. Disruptr | 10. Lady Helen |
| 4. Gato | 11. Ki |
| 5. Terminal | 12. Quiet Riot |
| 6. Heaven Send | 13. Demon League |
| 7. Ain't Never Gonna Win... | |
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Kurzversion: Das Ding ist eine verdammte Symphonie - schaurigschön, unbedingt anchecken!
Langversion: Was zur Hölle ist denn nun eigentlich Ki?
"Völlig klar", werden die Einen sagen, "gemeint ist natürlich Kants Kategorischer Imperativ!"
"Unsinn", kontern Andere. "Ki steht für Künstliche Intelligenz."
"Quatsch", widersprechen die Nächsten, "dabei handelt es sich eindeutig um die verbindende Kraft zwischen Geist und Körper."
All diese Leute haben Recht und Unrecht zugleich, denn dieses "Ki" ist nichts anderes als die neue Scheibe von Devin Townsend, der bekanntlich am liebsten auf dem schmalen Grat zwischen Genie und Wahnsinn herumturnt und dabei schon mal gerne in diese oder jene Richtung abdriftet.
Jedenfalls wirken die Pillen, denn Devin lässt es ruhiger angehen. Vorerst vorbei scheinen die Zeiten, in denen er im Raumschiff von Captain Ziltoid sein Unwesen trieb oder als Teufelchen verkleidet seine Vampira besang. Devin hat das Ruder kräftig herumgerissen. Auf "Ki" wendet er sich weitgehend ab von den aggressiven Klangexplosionen seiner früheren Produktionen. Es scheint, als entdecke er nun eine andere Seite der harten Musik, die sich früher höchstens mal ansatzweise zeigte. Auch äußerlich ist der Wandel in ihm zu erkennen: Zuletzt noch mit langer Matte aber ohne Frisur unterwegs, hat er sich einer totalen Keratin-Ektomie unterzogen. Eine Frisur besitzt er zwar immer noch nicht, der Kahlkopf lässt sich aber bestimmt leichter pflegen.
"Ki" verströmt die Melancholie eines einsamen Asteroiden weit jenseits der Plutobahn. Unter "Ki"s Oberfläche brodelt der Zorn eines Mannes, der erkannt hat, dass ein unterdrücktes Zischen mehr Gefühle ausdrücken kann als ein gellender Aufschrei. Devin Townsend geht fast schon behutsam zu Werke. Der Meister Kre-Iert durchdringende Abbilder verschiedener Gefühlswelten, gespeist von unterschwelliger Wut, versteckter Furcht und dumpf treibender Niedergeschlagenheit. Aber eines versteckt sich auch in jeder Note des Werkes: Hoffung, zwar ganz weit hinten am Ende des Tunnels, aber immer wieder spürbar.
Den neuen Devin Townsend-Sound gießen verschiedene für das Projekt angeheuerte Musiker. Ganz vorne rangiert Jean Savoie am Tieftöner. Wo Devin neue Einsatzmöglichkeiten des Basses erkannt hat, setzten er und Savoie sie stringent um. Die depressiven Bassläufe bullern bis weit in die Magengegend. Dabei wird mit einer solcher Dynamik und Konsequenz gezupft, dass man stellenweise gar an einen Tony Levin erinnert wird. Ein schönes Beispiel dafür ist Disruptr. (Wer will bei einem solchen Titel seinen Qagh nicht mit Blutwein oder Romulanischem Ale runterspülen?)
Als Trommler wurde Duris Maxwell verpflichtet. Der alte Haudegen begleitete in seiner Karriere schon so manchen Star mit seinem Können - unter anderem Tommy Chong. Ja genau, dieser Kerl mit einer gewissen Ähnlichkeit zu Jerry Garcia, der zusammen mit Cheech Marin Drogen verherrlichende Filme drehte. Maxwells Stärken liegen ganz im song- und sounddienlichen Schlagzeugspiel, ohne Firlefanz und überflüssiger Zwirbelei, aber mit beachtlichem Anschlag.
An den Tasten veredelt Dave Young die Scheibe. In Devins Kompositionen spielte der Synthie schon immer eine große Rolle. Auch auf "Ki" bereichert er das Klangvolumen und verstärkt die emotionale Tiefe des Werks. Natürlich spuken im Hintergrund wieder allerlei Effekte herum. Sirenengeheule und Vogelgezwitscher sind nur zwei davon.
Die Gesangsparts übernimmt Townsend selbst. Und zwar wie ein junger Gott. Sein Spektrum recht vom vehementen Flüstergesang über beschwörende Falsett-Strophen bis zum (natürlich) vibrierenden Brüllen. Bei einigen Songs (z.B. Gato, Heaven Send) wird er von einem weiblichen Goldkehlchen unterstützt, das den Songs eine erschreckende Dramatik zu verleihen versteht. Die holde Maid heißt Che Dorval. Diese Info konnten wir aber beim besten Willen nicht den Credits des Booklets entnehmen. Die Schriften sind nämlich so klein und düster ausgefallen, dass sie für uns nicht lesbar sind. Schade eigentlich.
Die Truppe liefert mit Heaven Send das Meisterstück auf einem Meisterwerk ab. Treibende Basslines und dynamisches Drumming bilden die Grundstruktur. Die Komposition besticht mit einer intelligenten Klimax. Dadurch kommt auch die Härte nicht zu kurz. Für Devin Townsend-Freunde der alten Schule stellt Heaven Send einen guten Einstand in "Ki" dar - ebenso wie der bereits erwähnte Darkstar Disruptr. Diese Leute sollten sich also nicht scheuen, gleich mal bis Song 6 vorzuskippen.
Mit Trainfire hat es sogar so etwas Ähnliches wie ein Rock and Roll-Stück auf "Ki" geschafft. Aber damit es nicht zu authentisch wird, trotz Boogie-Piano und Bill Haley-Gitarren, streut Devin immer wieder aus seinem Genie/Wahnsinn geborene Wendungen ein.
"Ki" ist für alle Fans zu empfehlen, die auf subkutane Unterhaltung stehen. Die Musik ist schön wie ein (Alb)-Traum und die Arrangements dunkel wie die Nacht. Kaum jemand, der sich diese Scheibe - wirklich - anhört, abwartet bis sich ihre Wirkung entfaltet (Inkubationszeit drei bis vier Umläufe), wird sich der Magie entziehen können. Und jede Wette, auch bei Durchlauf 40 gibt es noch Neues zu entdecken.
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