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| Over Mountain, Under Hill, Eigenvertrieb, 2009 |
| Jeff Lane |
Guitars, Bass, Keyboards, Vocals |
| Jim Nahikian |
Drums |
| Produziert von: Jeff Lane |
Länge: 51 Min 39 Sek |
Medium: CD |
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| 1. Over Mountain | 6. Erik |
| 2. Under Hill | 7. Blue Planet |
| 3. Black Riders | 8. The Mountain King |
| 4. The King And His Steed | 9. Revelations |
| 5. Lost At Sea | |
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Das hat aber gedauert - nein, nicht die CD-Produktion, sondern bis ich mich entschlossen habe, ob das hier ein Meisterwerk oder das allerletzte Riffgestapel ist. Da wir ja eine völlig transparente Seite sind, lasse ich euch gerne an meinem Rezeptionsprozess teilhaben:
Erstes Hören (H1)
Was macht Jeff Lane wohl in seiner Freizeit, der sicherlich knappen? Ich habe ihn nicht persönlich gefragt (kommt noch!), aber bin sicher, er ist ein Weltmeister im Stacking - dem als Sport ausgewiesenen Stapeln von schönen, bunten Bechern in schnellstmöglichen Tempo (aufeinander und dann natürlich wieder auseinander, wenn auch vielleicht langsamer).
Das ist, ähnlich dem Vorgänger "Utopia", nicht mehr als eine überambitionierte Ansammlung und Aufeinanderstapelung von Riffs, Melodien, musikalischen Themen - und das alles in einem solchen Speed, dass dir beim ersten Durchhören nur so die Ohren schlackern. Eben hast du ein Riff als "Sieh mal, das klingt fast wie…" beinahe identifiziert, schon sind die nächsten drei gestapelt, und du hastest schnell hinterher.
Das Problem dabei ist: Musikrezeption lebt davon, dass man sich mit dem Werk identifiziert, und das wiederum geht nur, wenn man irgendetwas in Erinnerung behalten kann. Das geht hier nicht (bis auf diesen Bruce Dickinson-Track, und der fällt ab). Was für ein gnadenloses Geriffe; Speed ersetzt Emotion. Völlig überkandidelt. Flop.
H2
Mal eine Analogie: man stelle sich sechs große, rechteckige Holzwände vor. Und nun mach mal was! Der erste geht hin und stapelt die flach so aufeinander, dass sie gerade so nach links und rechts herausstehen, dass sie in der Balance sind und sich gegenseitig festhalten. "Kunst", sagt er. Der nächste stellt die so auf, dass es ein Haus ergibt. "Haus", sagt er. Der dritte baut ebenfalls ein Haus, nimmt Farbe und malt es an. "Heimat" sagt er. Und der vierte malt den Stapel des ersten an: "Heimat-Kunst".
Jeff Lane ist der erste. Over Mountain, Under Hill, Black Rider sind Beispiele, und eins ist kunstvoller als das andere. Man muss das anerkennen, nur heimisch fühlt man sich nicht.
Warte mal, da ist dieser Song Erik. Das ist ja ein richtig netter Riffrocker, und am Anfang transponiert er das Riff auf richtig nette Achterbahnart. Und die Melodie … hat was. Hmmm, da fehlt ja das übliche Riffgestapel.
Und das da ist Blue Planet - ein Midtempo-Rocker mit ebenfalls netter Melodie und einem ganz normalen Solo der guten Art. Und dann die Überraschung: The Mountain King. Eine ganz sanfte, sich klassischer Kompositionsmerkmale bedienende Ballade. Jetzt muss ich erst mal Pause machen.
H3
Once again The Mountain King. Ist das ein Mellotron? Ein 70er Mellotron, das ein ganzes Geigenorchester ersetzt? Das macht mich jetzt aber etwas unsicher - mein Referenzrahmen geht gerade den Bach runter. Das ist ja richtig klasse und müsste eigentlich entsetzlich schmalzig sein - ist es aber nicht, trotz Jeffs hoher Stimme, den etwas merkwürdigen 'Nordische Sage'-Lyrics und den wunderbaren Gitarrenlinien. BARCLAY JAMES HARVEST, so wie sie immer sein wollten, geschmackssicher, wunderbar. Noch mal.
H4
Noch mal Revelations. Klassischer Hard Rock, und passt so irgendwie gar nicht auf das Album. Was soll das? Klingt aber gut. Und rockt.
H5
Also, das sind etwa drei verschiedene Alben, oder eins mit drei Teilen.
Teil 1 (auch von den Lyrics her): Tracks eins bis drei. Das ist Jeff Lane in Reinkultur. Auf Over Mountain hörst du bis zu 1:04 (ja, in der ersten Minute!) sechs verschiedene Riffs, die dann im Laufe des Tracks immer wieder auftauchen, und so, wenn auch nach etwa 1.000-maligem Anhören für den Wiedererkennungswert sorgen. Jeff, irgendwo zwischen Hausbauer und Künstler. Bis auf das Ende von Under Hill - das Riffing führt zu einer klaustrophobischen Stimmung - Jeff der Künstler.
The King And His Steed wird durch die Leadgitarre zum Ende hin melodischer und leitet zum zweiten Teil über.
Der besteht aus den Tracks vier bis acht, wo Jeff Lane das Haus bunt anmalt - Jeff, der Heimat-Künstler. Sehr melodische, teils bis an klassischen Minnegesang gehende Tracks. Natürlich werden immer noch Riffs gestapelt, aber die Melodie tritt immer mehr in den Vordergrund.
Teil drei besteht aus Revelations. Jeff sitzt in seinem schönen bunten Haus und hört Heavy Metal. Entspannend, weil bekannt und gewohnt.
Generell muss man konzedieren, dass alles in so bewunderungswürdiger und schier unglaublicher Präzision von Jim Nahikian an den Drums begleitet wird, dass man nicht anders kann als die enge Verzahnung von Gitarre, Bass und Drums zu bewundern. Und sich zu fragen, wie das im Studio entstanden ist. Oder besser: wie das Studio aussieht. Da steht aber mal sicher ein Reißbrett.
Auf MySpace wird bei den Einflüssen erstaunlicherweise nicht BOSTON genannt. Dabei erinnert mich diese CD frappant an die Art und Weise, wie BOSTON-Musik entstanden ist, mit dem Unterschied, dass hier 10-mal mehr Riffs auf einen Quadratzentimeter kommen als bei More Than A Feeling. Aber das reißbretthafte ist bei beiden durchaus vorhanden.
Jeder Metalliker muss diese CD in seiner Sammlung haben, keine Frage. Aber auch nach H20 ist das kein netter Heavy-Ballerrock.
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