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| Rockpalast: West Coast Legends Vol.2, WDR/Fresh Fruit/SPV, 2009 |
| Jorma Kaukonen |
Vocals, Guitar |
| Denny DeGorio |
Bass |
| John Stench |
Drums |
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Länge: 73 Min 53 Sek |
Medium: CD |
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| 1. Money Money | 6. Junkies On Angel Dust |
| 2. Keep Your Lamps Trimmed And Burning | 7. Death Don't Have No Mercy |
| 3. To Hate Is To Stay Young | 8. Walkin' Blues |
| 4. Wake Up Dead Man | 9. Valley Of Tears |
| 5. Jelly Raw Blues [richtig: Hot Jelly Roll Blues] | 10. Straight Ahead |
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Und noch ein Rockpalast: Jorma Kaukonen und seine kurzlebige Band VITAL PARTS. Im November 1980 beim gleichen Event (dieses Wort hat damals zum Glück noch kein Mensch verwendet) aufgenommen wie tags zuvor die Cipollina/Gravenites Band, folgerichtig mit "West Coast Legends Vol. 2" untertitelt und - der tönende Beweis für das schnelle Scheitern dieser Band.
Jorma Kaukonen (geboren 1940) spielte seit 1957 (Wikipedia sei Dank) mit dem Bassisten Jack Casady in verschiedenen Bands, war mit ihm Gründungsmitglied von JEFFERSON AIRPLANE und beide betrieben ab 1970 die Nebenband HOT TUNA. Als das Flugzeug zum Raumschiff wurde, war Kaukonen raus und ernannte den Thunfisch zum Haupternährer.
Dem Bay Area Hippie Kaukonen dürften die mittleren Siebzigerjahre mächtig sauer aufgestoßen haben, denn das zuerst akustisch-bluesige Projekt HOT TUNA wurde von Album zu Album grantiger [das ist bayrisch], elektrischer, lauter und härter und letztlich mangels weiterer Ideen 1978 mit der spannenden Live-Doppel-LP "Double Dose" und der bald darauf folgenden Compilation "Final Vinyl" (1979) vorübergehend auf Eis gelegt.
Es folgte das Solo-Album "Jorma", ein echter Solotrip und kommerzieller Flop, auf dem ausschließlich Kaukonen zu hören war. Die verblasste Erinnerung aus dem Plattenladen (man hörte sich damals alles an) flüstert in diesem Moment: "Die LP war ein echter Scheiß!"
Schon im nächsten Jahr, also 1980, hatte Kaukonen wieder Lust auf eine Band und gründete zusammen mit Denny DeGorio (Bass) und John Stench (Drums) VITAL PARTS. Zur schnell veröffentlichten LP "Barbecue King" suggeriert das Gedächtnis: "Powerpop, den damals Leute wie Greg Kihn oder THE KNACK deutlich besser konnten." Fazit: Man musste "Barbecue King" nicht unbedingt haben. Das dachte sich wohl auch die Plattenfirma RCA, die Kaukonen nach dem neuerlichen Verkaufsreinfall in eine bis heute andauernde Indie-Ära entließ. Peter Rüchel dachte damals wohl anders und holte sich VITAL PARTS in den Rockpalast. Alle Nicht-NRWler kommen deswegen 29 Jahre später in den Genuss dieses Auftritts auf CD (die DVD hat ein paar Songs mehr und dauert etwa 15 Minuten länger).
So richtig getraut hat Kaukonen den Songs auf "Barbecue King" offensichtlich nicht, gerade mal 3 ½ Nummern fanden im Konzert (und auf DVD) den Weg auf die Setlist, der Rest war entweder ganz alt oder von HOT TUNA übernommen, teils vorher und nachher nie gehörtes Material oder Zeug von "Jorma", namentlich die letzten zwanzig Minuten in Form von Valley Of Tears und Straight Ahead. Dazu gleich noch.
Zuerst fällt beim Auftritt auf, dass der Gitarrensound übersteuert ist und grausam scheppert und kreischt. Bayrisch würde man dazu "dahaud" sagen. Money Money ist nichts weiter als eine auf - für damalige Zeiten - modern getrimmte Blues-Nummer. Dominanter Bass und darüber eine Säge-Gitarre, das hielt Kaukonen offenbar für zeitgemäß. Noch schlimmer wird es beim TUNA-Klassiker Keep Your Lamps Trimmed And Burning. Der quietschenden Gitarre kann man nicht entgehen, den einfältigen Blues-Schemata am Bass auch nicht, man ist entsetzt. Dass zwischendurch der Sound auch noch völlig entgleist, nimmt man als Bootleg-Problem hin. Aber halt, es ist ja gar kein Bootleg!
To Hate Is To Stay Young, ein Track von "Barbecue King", ist ein Noise-Desaster, man kann sich die langen Gesichter im Publikum und bei Rüchel bildlich vorstellen. Da hat man endlich einen Meister wie Jorma Kaukonen auf der Bühne und dann so ein Krach… Neil Young könnte nicht schlimmer sein.
Der Jelly Raw Blues hilft ein wenig ab, aber der Song heißt in Wirklichkeit Hot Jelly Roll Blues und ist eigentlich eine elegante Blues-Lösung. Die verantwortlichen Menschen bei der Plattenfirma sollten sich wirklich etwas mehr Mühe geben bei der Recherche solch einfacher Dinge. Alte Platten kennen hilft dabei zweifelsfrei. Kaukonen slidet sich jedenfalls durch diesen Rag ziemlich brachial. Aber richtig gut.
Noch besser kommt Junkies On Angel Dust. Plötzlich hat die Band auf "Hypnotic-Sounds" umgeschaltet und lässt die Kuh fliegen. Klar, der "dahaude" Gitarrensound ist immer noch da, aber jetzt erkennt man, dass Kaukonen ein toller Gitarrist ist. Dass es sich bei dem Song um eine ziemlich unverhohlene Kopie von Claptonss (nicht J.J. Cales!) Cocaine handelt… Schwamm drüber. Das geht nach vorne ab wie bisher nichts bei diesem Gig. Und wird danach gleich wieder zunichte gemacht, denn Death Don't Have No Mercy ist einfach nicht gut. Das haben GRATEFUL DEAD und HOT TUNA weitaus ohrenfreundlicher gespielt, und der Verfasser, der blinde Rev. Gary Davis (1896-1972), hatte sicher auch andere Klänge im Sinn. Das gilt auch für den Walkin' Blues von Robert Johnson, allerdings rockt und zuckt die Version von Kaukonen ganz erheblich. Das Solo ist trotz massiver Soundverirrung grandios und die Band ist wieder "together", was davor in Teilen eher zweifelhaft war. In den acht Minuten kann sich das Trio endlich richtig austoben, Kaukonen tut dies mit einem fürchterlichen Effekt auf der Gitarre, trotzdem steigert sich die Band in einen kleinen Spielrausch.
Nun zu den beiden bereits erwähnten Songs von "Jorma". So fade die auf dem Album sind, bei diesem Rockpalast sind sie der unbestrittene Höhepunkt. Warum: Jorma Kaukonen wollte sich mit "Jorma" und VITAL PARTS auf neue Wege begeben, was ihm live aufgrund seiner Vergangenheit nicht gelungen ist und im Studio zwecks Zeitgeist weder bei "Jorma" noch bei "Barbecue King" geklappt hat, weil der Mann ein Blueser und kein Waver war/ist und das Ergebnis einfach nur steril geklungen hat. Leicht schräge Töne und mieser Sound machen aus einem Westküstenhippie keinen David Byrne und keine TALKING HEADS. Das war Kaukonen offenbar auch klar, also ließ er diese beiden letzten Songs, Valley Of Tears und Straight Ahead, bei diesem Rockpalast-Auftritt einfach so dahin fließen. Psychedelisch, hart rockend, angeschrägt, ganz so wie man es von einem wie ihm im Jahr 1980 bestenfalls erwarten konnte.
West Coast Rock im eigentlichen Sinne ist das nicht, aber in Teilen spannend allemal. Ob es historisch wertvoll ist? Keine Ahnung, vielleicht äußerst sich Herr Rüchel mal zu dem Thema. Jorma Kaukonen erwähnt in seiner Biographie die Episode VITAL PARTS zwischen HOT TUNA und HOT TUNA jedenfalls mit keinem Wort. Tja, ungeschehen kann er es nicht mehr machen, der Mann, der mit 70 Jahren immer noch mit seinem alten Freund Jack Casidy als HOT TUNA auftritt. Möge jeder darüber denken was er will. Für Sammler ist der Gig ein Muss. Klar.
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