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| Sodom & Gomera, 3stromland, 2009 |
| Josef Weiler |
Kompostierung, Gidda, Xang |
| Dennis Hauk |
Alles |
| Gäste: |
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| Roman Nagel |
Gitarre (Siwwe Daach) |
| Thomas Propheter |
Piano (Siwwe Daach) |
| Bernd Strobel |
Quetschkommode (Hodde Horschd gsaat) |
| Stefan Gerstmann |
Bass (Ä bißl Erleuschdung) |
| Eva-Maria & Bärbel Sonnefroh |
Chor (Ä bißl Erleuschdung) |
| Ralf Sonnenfroh |
Bass (Fritz de Pilotwal) |
| Emily Hauk |
Vokale (Die Beddonfraktion) |
| Frank Hamm |
Bass (Bootmensche) |
| Ralph Binder |
Drums (Bootmensche) |
| Michael Niessner |
Gitarre (Bootmensche) |
| Dirk Hoffmann |
Orgel (Bootmensche) |
| Henni Sonnenfroh |
Sprecherin |
| Produziert von: Dennis Hauk |
Länge: 64 Min 35 Sek |
Medium: CD |
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| 1. Ruus im Sack | 11. Schwimme geh |
| 2. Der Anruf | 12. Widder an Land |
| 3. Die sinn all so bleed | 13. Hodde Horschd gsaad |
| 4. Hauptquartier | 14. De Bu midde verschiedenfaawische Turnschuh |
| 5. Siwwe Daach | 15. Die Beddonfraktion |
| 6. Im Restaurant | 16. Bootmensche |
| 7. Ä bißl Erleuschdung | 17. Jagdschoi |
| 8. Fröschlkonzert | 18. Goldkügelchen |
| 9. Wer war Muddy Waters? | 19. Es is alles nimmie so |
| 10. Fritz de Pilotwal | |
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Erster Gedanke: Eine Rockoper im Jahr 2009. Bescheuert, oder?
Zweiter Gedanke: Pfälzer Dialekt? Da ist jemand komplett plemplem.
Davon abgesehen heißt der Hauptdarsteller der CD Josef und zeigt sich auf dem Coverbild als Tourist. Das sind die Momente, bei denen sich jeder Gedanke verabschiedet und die betroffene CD ungehört auf dem Stapel "Altplastik" landet.
Wochen später nimmt man das seltsame Teil dann doch mit, die Nacht im Hotel wird lang, da braucht man ein paar neue Töne. Außerdem ist "Em Asterix soi Bobbelsche" ein ganz besonders witziges Asterix-Büchlein in eben jener putzigen Sprache. Und ganz außerdem sind die Pfälzer eigentlich nette Leute (wenn nur diese Zyste FCK nicht wäre). Rockoper auf pfälzisch… oh mei.
Stunden und etliche Gläser später: "Sodom & Gomera" landet im Handtaschenplayer und … Heinz Becker plärrt wie von Sinnen "ich bin so aggressiv, ich bin tierisch aggressiv, ich bin manisch aggressiv". Heinz Becker? Der ist doch Saarländer. Josef ist natürlich Pfälzer, aber das macht für Menschen mit sauberem bayrischem Dialekt absolut keinen Unterschied, richtig sprechen können die da drüben alle nicht.
"Ihr kennt ma all mal die Cojones kraule", schreit Heinz-Josef und dazu spielt eine Slidegitarre einen Sound wie Ron Wood bei den FACES. Oder Carl Carlton immer. Nach exakt 63 Sekunden kommt dann ein Solo, das das Thema "Rockoper" endgültig beerdigt. Leid, seid's es narrisch? Das ist ja so was von Rock & Roll, da haut dir der Schuh ab!
Der Scherzkeks Josef-Michael Weiler aus der im Rhein-Pfalz-Kreis weltbekannten Stadt Bobenheim-Roxheim hat zusammen mit seinem Kumpel Dennis Hauk und einer Horde mehr oder wenig zufällig vorbeigekommener Menschen ein brüllend lustiges Boogie-Album eingespielt. So sieht das aus, meine Damen und Herren.
"Sodom & Gomera" hat natürlich mit einer Rockoper so viel zu tun wie AC/DC mit Yehudi Menuhin, und die kleinen Hörspiel-Intermezzi sind tatsächlich Heinz Beckers Brachialhumor deutlich näher als den feingeistigen Wortspielen des bekannten Münchner Musiktheoretikers (und nach Kaiser Franz zweitbekanntestem Untergiesinger, allerdings mit Schwabinger Migrationshintergrund). Aber der Tuntenfisch ist einfach verdammt gute Holzhammerlyrik.
Der Josef ist ned bleed, also lässt er auch Fritz den Pilotwal sein Problem mit U-Booten, Walfängern und dem Golfstrom vortragen, genau wie das Lied Bootmensche mehr Sinn hat als die nächste Charity-Aktion von Bono.
Pass auf, Ungläubiger aus der Beddonfraktion. Das Schlagzeug auf dieser CD kommt größtenteils aus der digitalen Schachtel (und dem Conrad-Katalog), aber es stört nicht, weil der kleine Japaner inzwischen dazugelernt hat und mehr kann als das einfältige Tschakka-tschakka-platsch-bumm von früher. Die Gitarren und der Gesang sind umso echter, und deswegen und wegen dem Hirn und dem Sinn für Absurdität rockt "Sodom & Gomera" wie eine First-Class-Produktion.
Selbstverständlich macht Josef Weiler aus dem alten Boogie-Blues-Shuffle'n'Roll keine Musik für intellektuelle Rollkragenpulloverträger, aber selbst denen sollte bei Songs wie Siwwe Daach (Vollgas-Shuffle), Wer war Muddy Waters? (Blues, vollfett), Schwimme geh (Rock & Roll, simpel) oder Jagdschoi (es geht dabei um den fehlgeschlagenen Versuch für blöde erklärt zu werden, nicht um die Schießerlaubnis für Förster) wenigstens die Augenbraue zucken, wenn es schon für laszives Hüftwackeln nicht mehr reicht.
Die Eröffnung von Ä bißl Erleuschdung könnte bei Jauch die 50.000 Euro Frage sein (a. Britney Spears, b. Xavier Naidoo, c. Claudia Jung oder d. xxx), danach wird das Liedchen ein souliger Vollblutrocker, der nicht mehr aus dem Ohr geht. Die folgende "Molchzart-Liveübertragung" aus dem Estadio del Amphibio kommt mit prima Komplettblödsinn und die geniale Primitivgitarre zu Wer war Muddy Waters? leitet einen deftigen Bluesboogie nach dem alten Hanse-Schoierer-Motto "Neilich bin i gstorbn und mei Leben des war aus" ein. Josef, Josef, wer so viel Ahnung von guter Musik hat, kann eigentlich gar kein Pfälzer sein.
Josef Weiler reiht sich mit seinem Urlaubs-Konzeptalbum "Sodom & Gomera" in die Reihe großartiger Dialekt-Rocker wie Kurt Ostbahn, TORFROCK, RODGAU MONOTONES, Wolle Kriwanek etc. ein und beweist, dass man mit Sprache und Rock & Roll die Leute glücklich machen kann, sogar mit kleinem Budget. Auch wenn's ein Spartenprodukt bleiben wird: Volltreffer! Hodde Fred gsaad. Host mi?
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