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Kevin Costner & Modern West

Turn It On

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Turn It On
Turn It On, earMUSIC, 2010
Kevin Costner Lead Vocals, Acoustic Guitar
John Coinman Harmony Vocals, Acoustic Guitar
Teddy Morgan Electric & Acoustic Guitar, Percussion, Organ, Harmony Vocals
Park Chisholm Electric & Acoustic Guitar, Organ, Keyboards, Loops, Harmony Vocals
Blair Forward Bass
Larry Cobb Drums
Gäste:
Sara Beck Lead Vocals (Let Me Be The One)
Bobby Yang & Matt Combs Violin & Strings
John Coleman Organ, Piano
Matt Crouse Percussion
Danny Rader Electric & Acoustic Guitar (The Way You Love Me)
Tim Marks Bass (The Way You Love Me)
Richard Medek Additional Drums (Turn It On)
Produziert von: Teddy Morgan & John Coinman Länge: 44 Min 23 Sek Medium: CD
1. Turn It On7. Red River
2. Ashes Turn To Stone8. Palisades
3. Moon So High9. The Way You Love Me
4. Maria Nay10. Saturday Night
5. Let Me Be The One11. All I Want From You
6. Top Down

Was für ein Glück, dass hier nichts über die Filme von Kevin Costner stehen muss, denn von einem ausgewiesenen Nicht-Cineasten und Der-mit-dem-Wolf-Einschläfer gäbe das ein größeres Desaster als es der Schinken "Waterworld" je war. Besser kann man als notorischer Bunte-Leser die öffentliche Person Kevin Costner beurteilen, und da kann man seit vielen Jahren nur sagen: Ein guter Typ. Kein Vordrängler, kein Roter-Teppich-Flaneur, kein Hollywoodegomane, kein Skandalheini, einfach ein sympathischer Mann mit einem leichten Hang zur Schlafmützigkeit.
Ab und an konnte man lesen, dass er seit Ewigkeiten auch Musik macht, entsprechend war es Pflicht, seine erste CD mit der Band MODERN WEST ("Untold Truths") vor gut zwei Jahren wenigstens anzutesten. Es war ganz netter Country Rock, allerdings mit einem gewissen Hang zur…, nun ja, Schlafmützigkeit, und dementsprechend recht schnell wieder vergessen. 2009 gab es eine umfangreiche Europatournee mit wider Erwarten ziemlich knackigem Material und dementsprechend wohlwollenden Kritiken, jetzt kommt die zweite CD namens "Turn It On" auf den Markt.

Zuerst muss gesagt werden, dass MODERN WEST eine richtige Band ist, kein zusammengecasteter Haufen für einen gelangweilten und zuletzt nicht mehr besonders erfolgreichen Schauspieler und Regisseur, ein paar der Musiker waren schon in Costners erster Band ROVING BOY in den 80ern aktiv und man darf durchaus glauben, dass MODERN WEST aus bestens befreundeten Kollegen besteht. Costner geht also einen anderen Weg als beispielsweise Bruce Willis bei seinen beiden (guten) Platten "The Return Of Bruno" (1987) und "If It Don't Kill You, It Just Makes You Stronger" (1989), für die eine Heerschar Cracks ins Studio gekarrt wurde, um routiniert Rhythm & Blues zu covern. "Turn It Up" besteht wie schon "Untold Truths" aus eigenen Songs, lässt also keinen Zweifel an der Ernsthaftigkeit des Vorhabens aufkommen.
Musikalisch hat sich MODERN WEST auf klassischen amerikanischen Rock eingeschossen, also das was man gerne als Americana, Heartland Rock, Roots Rock oder Country Rock bezeichnet. Natürlich sind Vergleiche mit Leuten wie Springsteen, Petty, Mellencamp, Earle oder Seger zulässig, und am Ende der knappen Dreiviertelstunde stehen Kevin Costner und die ganz vorzügliche Band überhaupt nicht schlecht da, im Gegenteil, "Turn It Up" hat die Nase deutlich vor so manchem Langweiler der genannten Altstars. Schlafmützigkeit darf man Costner in diesem Fall beileibe nicht vorwerfen.

Americana ist in den seltensten Fällen spektakulär, es ist auch keine Musik für wilde Jungspunde, aber den satten Mittelstandsspießer dürften manche Songs auf "Turn It Up" durchaus ein bisschen erschrecken oder wenigstens aufwecken. Da baut sich ein Ashes Turn To Stone hinter einer sehr angenehm gespielten Geige mit einer ganzen Wand von Gitarren, saftig durchgetretenem Rhythmus und einem röhrenden Costner zu einem herzhaften Rocker auf, Maria Nay wechselt vom anfänglichen Rock'n'Roll zu einem dichten, beinahe modernen Gitarrenrocksound und Red River ist ein Riffgebirge klassischer Bob-Seger-Machart (Charlie Daniels in Verbindung mit einem bekennenden Demokraten wie Costner zu erwähnen wäre pure Dummheit und beleidigend dazu). Mit Saturday Night gibt es noch einen Rock'n'Roll, einen der flockigen Sorte und dem Titel entsprechend, aber mit Herzblut und einer tollen Slidegitarre zur Fiddle. Klar, das alles ist Musik für Erwachsene, aber eben für die Erwachsenen, die neben dem Mainstream noch ein Ohr für ehrliche Musik haben.
Die ruhigeren Songs sind naturgemäß leicht in der Überzahl, aber die Band schafft nicht nur Ausgewogenheit, sondern auch äußerst geschmackvolle Balladen. Sogar das auf amerikanischen Platten beinahe notwendige Duett Let Me Be The One, hier mit der Songwriterin Sara Beck, die zwar aus Nashville kommt aber nicht danach klingt, fällt nicht im Geringsten weinerlich und schnulzig aus, und die anderen Slowsongs stehen nicht nach. Top Down erinnert anfangs sogar an Dreams von den ALLMAN BROTHERS. Keine Spur von Altherrengemütlichkeit und Depression, kein bemühtes Mellencamp-Tränengedrücke, kein altersweises Boss-Genöle, keine Rettung des Regenwaldes, der Delphine oder der amerikanischen Farmer, just good Music. Genau deswegen nimmt man Kevin Costner seine Anliegen ab, er hat mit der sehenswerten Dokumentation "500 Nations - Die Geschichte der Indianer" mehr erreicht als alle klugschwätzenden Bonos der Erde zusammen - Aufklärung und Verständnis nämlich -, er hat seine Oscars längst bekommen und braucht keine neuen mehr, er will mit MODERN WEST ganz offensichtlich einfach nur eine gute Zeit haben.
Lesenswert ist übrigens der Tour-Blog des Gitarristen John Coinman auf der Homepage der Band (siehe unter "News"). Es wird klar, dass die Herren neben Spaß und Rock & Roll auch durchaus Interesse an Europa und den besuchten Örtlichkeiten haben. Ein schöner Satz aus dem kleinen Tagebuch: "When we told people back in the states that we are going to Luxembourg they say, 'Where is that? Is it a country or a city?'" Oh ja, solche Menschen sind mir tausendmal lieber als die großkotzigen Lautsprecher der Weltverbessererliga.

Im März 2010 hat man übrigens noch etliche Möglichkeiten, MODERN WEST live zu sehen:

02.03.10, Braunschweig, Stadthalle
03.03., Köln, E-Werk
04.03., Leipzig, Gewandhaus
06.03., Halle, Gerry Weber Event Center
07.03., Jüchen, Polodrom
10.03., Baden-Baden, Festspielhaus
11.03., Düsseldorf, Phillipshalle
12.03., Hamburg CCH1
13.03., Siegburg, Rhein-Sieg-Halle
15.03., Offenbach, Capitol
16.03., Zürich/Schweiz, Kaufleuten
18.03., Berlin, Tempodrom
19.03., Wien/Österreich, Stadthalle
22.03., Dresden, Kulturpalast
23.03., Kempten, Big Box
24.03., Stuttgart, Liederhalle
26.03., Nürnberg, Meistersingerhalle
29.03., Zürich/Schweiz, Volkshaus

Die Ticketpreise für die Konzerte sind sehr, sehr hoch, unter € 50 geht außer in Dresden gar nichts, in der Spitze wird es teilweise dreistellig. Das macht die Sache für den gemeinen Rockfan schwierig und hinterlässt die Frage, ob Kevin Costner eigentlich die Zielgruppe für seine Musik kennt. Ausschließlich betuchte Filmfreaks seiner Generation kann er doch wohl nicht bei seinen Konzerten sehen wollen. Hoffentlich.
Schade ist das, denn mit moderaten Preisen ließe sich nach der schönen CD "Turn It On" ganz sicher ein breiteres, vielleicht sogar jüngeres Publikum finden. Auf jeden Fall aber ein rockigeres.

Fred Schmidtlein, (Impressum, Artikelliste), 24.02.2010


 
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