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Paul Vincent

Das Rock Guitar-Buch

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Das Rock Guitar-Buch
Das Rock Guitar-Buch, Luxus Musik Verlag/PPV Medien, 1994
ISBN: 3-9802124-4-0
Umfang: 226 Seiten, Hardcover
Preis: 9,95 Euro

Der Mensch lebt, weil er neugierig ist… hmm, sagen wir, seine geistige Entwicklung ist an einem zufrieden stellenden Leben nicht ganz unschuldig. Und aus diesem Grund - Neugier - war ich als Nicht-Gitarrist immer schon an dieser Spezies Mensch - den Gitarrespielern - interessiert, und vor allem neugierig darauf, wie sie ihre Effekte und Stimmungen auf einer Platte erzielen. Wie oft sagt man: "Das is' geil, ey!" (je nach Alter kann die Diktion etwas anders ausfallen), meint ein bestimmtes Musikstück oder Gitarrensolo, kann aber nicht sagen, was der Mensch da am Instrument eigentlich macht.
Und - ob das gut ist? Nun kann man sagen, gut ist, was gefällt - landet dann aber schnell bei MODERN TALKING, und das kann es ja auch nicht sein, Cherry Lady. Also möchte man doch wissen, ob der Gitarrist so gut ist wie man denkt, oder einfach nur raffiniert und - wie ich dem Buch über die Hundert besten Gitarristen gelesen habe, 'sein Spiel (Eddie Van Halens) hört sich komplizierter an als es ist'. Hm, dachte ich - das ist arrogant und wurde auch eigentlich nicht begründet.
Eben dieses Buch hat mir dann lange Zeit verleidet, andere Bücher über Gitarristen und deren Spiel zu lesen, weil dort ex cathedra etwas verkündet wurde, und dies dann mehr oder minder unbegründet im Raum stand.
Bis ich auf Paul Vincents Buch stieß. Nicht nur spielt der selber Gitarre, sondern nennt einen sehr humorvollen Stil sein eigen, kennt sich in der Gitarrenwelt - seinem Handwerk also - offensichtlich bestens aus und hat eben dieses extrem lesbare Werk geschrieben. Das ist nicht ganz neu, ich bin aber in der Tat erst kürzlich darauf gestoßen und wollte es hier erwähnt haben.

Die abgehandelten Gitarristen sind Scotty Moore, Chuck Berry, die BEATLES, Keith Richards, Pete Townshend, Eric Clapton, Jeff Beck, Jimi Hendrix, Peter Green, Jimmy Page, Paul Kossoff, Steve Cropper (BLUES BROTHERS), Ritchie Blackmore, Brian May, Mark Knopfler, Ry Cooder, Stevie Ray Vaughan und zusätzlich Johann Sebastian Bach wegen seines Einflusses auf Musik schlechthin, Casanova (!), und die Slide Guitar.

Jedes Kapitel behandelt die musikalische Geschichte des Gitarristen, sein Instrument, und geht dann mittels Beispiel auf seine Technik ein. Das ist sehr interessant und auch für Nicht-Gitarristen informativ und lesbar, da sich die Beispiele im Rahmen halten und eigentlich eher kurz, trotzdem den Kern der Sache betreffend sind. Zwei Beispiele (weitere gibt es hier):
"Interessant ist auch dessen Entstehungsgeschichte: Jimmy Page und Jeff Beck wollten unbedingt einmal einen Song mit Keith 'The Wild Man' Moon, dem legendären Trommler von THE WHO, aufnehmen, und, da dieser nur ein paar Stunden Zeit hatte, beraumte man ganz schnell und heimlich eine Recording-Session an und komponierte zu diesem Zweck das Instrumental Beck's Bolero, Jimmy Page an der elektrischen Fender 12-String, Keith Moon am Schlagzeug, John Paul Jones, der spätere LED ZEPPELIN-Bassist, am E-Bass und 'EI Becko' an der göttlichen Leadgitarre, what a line-up. Beck benutzte für die Aufnahme, die übrigens innerhalb von zwei Stunden komplett im Kasten war, eine Gibson Les Paul und einen Vox AC 30."
"Ein Solo zwischen Bach, Blues und Paganini. Der Opener der LP ist der Up-Tempo-Rocker Highway Star. Ritchie hält sich während der Verse und Refrains noch dezent zurück, erst im letzten Drittel trumpft er auf und lässt ein ungeheuer melodiöses und einprägsames Solo vom Stapel. Das Solo ist, ähnlich wie das Lied selbst, einfach und übersichtlich strukturiert. Gleich zu Beginn dieses mittlerweile klassischen Gitarrensolos verwendet Ritchie einen meisterlichen Trick. Da zuvor alles - inklusive Jon Lords tollem Orgelsolo - in harmonisch geregelten Bahnen verlaufen ist, kann der Master of the Stratocaster nun mit einem einfachen 'Achtung, alle mal herhören!'-Trick die Aufmerksamkeit des Zuhörers voll auf seine Person lenken: Er steigt ganz frech - ohne sich um die zugrunde liegende D-Moll-Harmonik zu kümmern - mit einem viertaktigen Thema ein, das er vom ersten Ton an mit einer (brutal) parallel geführten zweiten Stimme im Abstand einer kleinen Terz würzt.
Die Spielposition der ersten Stimme ist noch ganz brav die D-Moll-Bluesposition, die - wie der D-Moll-Barre-Griff - im 10. Bund ihre Heimat, ihre Grundstellung hat. In der zweiten Stimme (als Overdub natürlich) spielt er nun parallel genau die gleichen Licks wie in der ersten Stimme, allerdings um drei Bünde weiter nach oben verschoben, also in der F-Moll-Barre-Position auf dem 13. Bund. Ganz schön clever, der Bursche, nicht wahr?"
Wie gesagt, ich kann die auf die Musik und die Spielweise selbst bezogenen Abschnitte nicht beurteilen, der oben ist typisch und wird dann natürlich auch noch von Noten und einer weiteren genauen Beschreibung gefolgt.
Und womit spielt Mr. Brian May auf seiner Gitarre Marke Eigenbau? "… Als ich diesen alten Sixpence mit den leicht abgeschliffenen Kanten und sein 'Wunderbrett' in Händen hielt, ist mir mit einem Schlag eine mittlere Bogenlaterne aufgegangen: Da lag nun ein Teil des 'Geheimnisses' seines grandiosen Sounds zum Greifen nah vor mir."

Hättet ihr das gewusst? Ja? Na, dann erübrigt sich dieses Buch für euch wohl. Nein? Dann erübrigt sich wohl jede weitere Empfehlung, denn das ist ein Muss. Schön gebunden ist es auch - ein wunderbares Geschenk.

Dietrich Gastrock, (Artikelliste), 31.03.2009

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