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Vincents fliegender Rock'n'Roll Zirkus & American Girl - Live

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Vincents fliegender Rock'n'Roll Zirkus
American Girl - Live
Vincents fliegender Rock'n'Roll Zirkus & American Girl - Live, Luxus Musik Verlag, 1974 (2007) & 2007
"Vincents fliegender Rock'n'Roll Zirkus":
Paul Vincent Gitarren, Vocals
Mono Gunia Vocals
Max Greger jr. & Thor Baldursson Keyboards
Ralf Nowotny & Olaf Kübler Saxophon
Franz 'Djano' Löffler Geige
Martin Harrison, Keith Forsey & Evert van der Wal Drums
Lothar Meid, Gary Unwin & Wim de Vos Bass
Axel Feyerabend, Gerti Staub & Rainer 'Bronco' Vasic Background Chor
Produziert von: Zeke 'Heil' Lund (Remastering: Uli Eisner) Länge: 52 Min 00 Sek Medium: CD
1. Das Orchester sorgt für Stimmmung11. Ein Wintermärchen
2. Die Gladiatoren laufen ein12. Fixer-Ballade
3. Penner-Ballade13. Letzte Grüsse
4. Mummenschanz14. Ende der Vorstellung
5. Die Moritat von Johnny AlfaBonus Tracks:
6. Lola, o Lola15. Kriminal-Tango
7. Affentheater (King Kong und die weiße Frau)16. Die Gladiatoren laufen ein (Remix)
8. Mephistopheles (Mephisto Aristo)17. Wah-Wah (Remix)
9. Wah-Wah18. Fixer-Ballade (Remix)
10. Vier nackte Jünglinge im Feuerofen
"American Girl - Live":
Paul Vincent Gitarren, Vocals
Mick Brehmen Bass
Andreas Keller Schlagzeug
Oliver Gunia Orgel
Produziert von: Paul Vincent Gunia Medium: CD
1. Noah, Save Us All7. Devil Woman
2. (I Want To Marry An) American Girl8. Dr. Jekyll & Mr. Hyde
3.I. Come Together9. Alright, OK
3.II. Gavotte 1 & 210.I. Eine kleine Nachtmusik, 1. Satz
3.III. Come Together10.II.Sunshine Of Your Love
4. My God Is Real10.III. Eine kleine Nachtmusik, 1. Satz
5.I. Die Moritat von Mäckie Messer11. Air
5.II. Mack's Blues12.I. Shine On, You Mad Ruby
5.III. Die Moritat von Mäckie Messer12.II. Eleanor Rigby
6.I. Alla Turca12.III. Lucy In The Sky With Diamonds
6.II. I Shot The Sheriff12.IV. Eleanor Rigby
6.III. Alla Turca12.V. All Along The Ruby Tower

Ich kannte Paul Vincent (eigentlich Paul Vincent Gunia) nicht, bevor ich auf sein "Rock-Gitarre Buch" stieß. Man konnte nicht umhin, dem Mann ob seiner Kenntnis der Rock-Gitarre hohe Achtung zu zollen, und ein weiteres Wühlen auf seiner Site brachte auch etliche klassische und rockmusikalische Werke zu Tage. Von deren zwei soll hier berichtet werden.

Zur Person: laut Bio ist Paul Vincent seit den frühen Siebzigerjahren im internationalen Rockzirkus aktiv. Er war u. a. Mitglied in Udo Lindenbergs Panikorchester, spielte sämtliche Gitarren auf "Mr. Bad Guy", dem Soloalbum von Freddie Mercury, tourte mit Eric Burdon und war 28 Jahre lang der musikalische Kopf der Wolle Kriwanek Band.
[Spätestens hier ist die bisherige Nichtkenntnis des Herrn Vincent schade, weil a.) Wolle Kriwanek ein Monument schwäbischer Rockmusik war und immer sein wird, und außerdem grundsätzlich betrüblich, denn b.) stand und steht P.V. live für Maximalspaß, aber das wissen wohl viele Menschen oberhalb der Mainlinie nicht. F.S., München]
Parallel dazu komponierte er die Musik für zahlreiche TV-Produktionen, etwa für "Auf Achse", "Tatort", "In aller Freundschaft" oder in Filmen wie "Der Schrei des Schmetterlings". Für dessen Soundtrack erhielt Paul Vincent im Jahre 2001 sogar den Deutschen Fernsehpreis.
Und so einen Mann kennt man nicht? Der war aber dann schon sehr in der zweiten Reihe versteckt.

Wie auch immer, die 74er CD "Vincents fliegender Rock'n'Roll Zirkus" ist ein Konzeptalbum, textlich voller Lindenbergscher Stabreime ("Und im Schloss liegt nun seit Wochen schon / eine liebe alte Dame im Pappkarton"), und soweit das mäßig bis ganz witzig ist, wäre es nicht unbedingt erwähnenswert. Interessant aber - vor allem für musikhistorische Rumschnüffler wie wir das sein können - ist die Tatsache, dass hier astreiner klassischer Hard Rock gespielt wird, der sich vor nix, was je aus unseren Landen auf den Teller kam, verstecken muss, eher das Gegenteil. Das erinnert etwa an MOTT THE HOOPLE, natürlich auch an Linden-rock, von der gesanglichen Intonation her stellenweise an Falco und ist sehr kompetent gespielt und für damalige Zeiten auch gut produziert. Das Remastering tut ein Übriges, und dann macht das ganze einen Höllenspaß.
Allem voran erstaunt das Gitarrespiel von PVG. Nach diesem Album wundert man sich nicht mehr, dass einem das Buch über die Rock-Gitarristen so gefallen hat. Hätte ich 1974 von dem Album gehört, hätte ich das aber so was von sicher gekauft… Ja, gab's denn damals ka Marketing net?

"American Girl - Live" ist dann Vincents Band live aus dem Jahre 2007, mit Eigen- und Fremdkompositionen. Wieder wird alles zwischen klassischem Blues und Blues Rock bis hin zum Rock'n'Roll geboten, diesmal ohne textliches Konzept.
Musikalisch gibt es allerdings sehr wohl eines: neben den erwähnten Eigenkompositionen nimmt sich Gunia Songs wie Come Together, Sunshine Of Your Love, Mackie Messer und Eleanor Rigby vor und kombiniert diese mit Zitaten und Versatzstücken klassischer Musik von z. B. Bach (Gavotte 1 & 2) und Mozart (Rondo Alla Turca), bearbeitet sie und fügt alles zu einem neuen Ganzen zusammen.
Als ich Jeff Becks Bearbeitung von A Day In The Life besprach, sagte ich, dessen Art der Neubearbeitung wäre der einzig gangbare Weg für vernünftiges Covering von Songs - und PVG macht hier etwas ganz ähnliches. Man sitzt da und wartet auf den Moment, in dem der eine in den anderen Song übergeht, um herauszufinden wie das gelöst wurde, wobei PVGs Adaptionen durchaus auch schon allein stehend ein Vergnügen sind.
Am besten gefällt mir dabei seine Version der alten Eleanor, bei der PVG die rhythmischen Stärken des Songs heraushebt - das ist ein veritabler Rocksong, übrigens - um in der nächsten Sekunde zu Lucy In The Sky… zu wechseln, und dadurch die Nähe beider Songs hervorzuheben. Aber auch die Idee, das Rondo Alla Turca in die Nähe des Reggae I Shot The Sheriff zu rücken ist reizvoll, und die Nachtmusik des Herrn Mozart bekommt Wagnerisch-Creamsche Züge, wenn sie in den Sonnenschein der Liebe eingebettet wird.
Aber auch die Eigenkompositionen - etwa das funkige Entrée Noah Save Us All oder die Early-WHITESNAKE-Bluesrocker Dr. Jekyll & Mr. Hyde und Alright, OK - haben tatsächlich Ohrrockqualität und stehen neben den Fremdkompositionen nicht zurück, wobei insbesondere Herr Bass-Brehmen mächtig Dampf macht.
Überall glänzt auch auf dieser CD PVGs Spiel, und dabei wird er von einem stellenweise auf jazzige Art um den Beat herumspielenden Drummer unterstützt, die kongeniale Orgel tut das Ihre. Er singt passend und gut, zwar ohne dass seine gesanglichen Qualitäten das Gitarrespiel in den Schatten stellen können, aber er kann auch als Sänger reüssieren.

Wer sich der Zirkusluft aussetzt, muss wissen, dass diese schon ein kleines bisschen abgestanden ist, aber dennoch, wie es beim Zirkus so ist, eine große Faszination besitzt; das amerikanische Fräulein kann man heiraten, wenn man für klassisch-klassizistisches à la DEEP PURPLE und bluesrockiges à la WHITESNAKE etwas übrig hat und außerdem eine gut eingespielte Band mit prima Akteuren mag. Das Fräulein würde ich allemal nehmen.

Dietrich Gastrock, (Artikelliste), 15.04.2009

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