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Richie Kotzen

Bootlegged In Brazil

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All Music Guide (englisch)

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Bootlegged In Brazil
Bootlegged In Brazil, Frontiers Records, 2008
Richie Kotzen Guitars & Vocals
Johnny Griparich Bass
Dan Potruch Drums
Länge: ca. 75 Min Medium: DVD
1. Go Faster8. High
2. Losin' My Mind9. Remember
3. A Love Divine10. Doin' What The Devil Says To Do
4. Fooled Again11. Mother Head's Family Reunion
5. FaithBonus Feature:
6. So ColdFootage
7. Socialite

Nomen est omen. Besser als "Bootlegged In Brazil" könnte die erste DVD von Richie Kotzen nicht heißen, denn die Bildqualität dieses Konzertmitschnitts ist in der Tat nahe an Bootlegqualität. Eine Kamera vor der Bühne, eine auf selbiger, eine auf dem Balkon und eine aus dem hinteren Zuschauerraum, das dürfte alles gewesen sein, mit dem Richie in die in die audiovisuelle Welt eingestiegen ist. Nicht eben üppig und für Freunde opulenter Musikfilme wohl eher eine Zumutung, dabei hätte die Location viel mehr hergegeben. Ein altes Theater oder Kino, richtig schick und gemütlich eigentlich, proppenvoll mit Fans die gut Spektakel machen (wenn sie nicht grade ihre Handycams in die Luft halten), und vor allem endlich mal der Meister mit Band leibhaftig zu bestaunen. Aber irgendwie will die Scheibe nicht zünden, auch wenn man nicht unbedingt auf Hochglanzbilder beharrt, sondern nur ein gutes Konzert genießen will. Soundtechnisch ist übrigens nichts zu beklagen. Ursachensuche.

An den drei Nummern des letzten Albums "Return Of The Mother Head's Family Reunion" liegt es nicht unbedingt, obwohl Fooled Again auch als WHITESNAKE-Schmonzette durchginge, Faith ein souliger Langweiler ist und die CD insgesamt ein eher durchwachsenes Werk war (im HoR verblüffenderweise positiv besprochen unter dem US-Titel "Go Faster").
An den grundsätzlichen technischen Fertigkeiten der Band um Richie scheitert die Sache auch nicht, Johnny Griparich und Dan Potruch sind ein solides Rhythmusteam. Aber es ist eben nur ein Trio, das hier zugange ist. Noch dazu ein äußerst bluesiges Trio - und da hängt der Hund übern Zaun.
Gut 60 der insgesamt 75 Minuten sind nicht nur arm an Höhepunkten, sie klingen auch letztendlich gleich. Bluesige Basis, Solo, Refrain, Solo, gegebenenfalls Bass- oder Schlagzeugsolo, wieder Gitarrensolo, Ende. Um ehrlich zu sein, da hätte man sich nach den Studio-Alleingängen "Get Up" und "Into The Black" mehr erhofft, wenigstens den einen oder anderen Knaller aus der Kategorie You Can't Save Me vom letztgenannten Album, aber stattdessen wird lieber die Tradition der klassischen Heavyblues-Trios bemüht. Bitte, es gab und gibt grandiose Trios, aber Richie Kotzens Musik hat eigentlich eine pfleglichere Behandlung verdient als die einer alles gleichmachenden Einheitskapelle. Auch Richie selbst gibt sich viel zu oft den (banalen) blauen Tönen hin (High, Remember etc.), anstatt einfach mal so richtig auf die Kacke zu hauen.
Nicht einmal die auf Studiokonserve so ergreifende Ballade Doin' What The Devil Says To Do zeigt live Emotionen, ergo stimmt was nicht im Konzept. Ein solcher Song braucht kein Solo und keine Selbstdarstellung, da reichen einzig Text und Traurigkeit des Erzeugers.

Vielleicht ist Richie Kotzen nicht mehr traurig und vielleicht geht es ihm auch ansonsten gut, aber bis auf das bravourös gerockte Mother Head's Family Reunion aus dem Jahr 1994 hat "Bootlegged In Brazil" leider zu wenig zu bieten. Die Bildergalerie zur Studioversion von Fooled Again ist lächerlich und das Interview ein Witz.

Fred Schmidtlein, (Impressum, Artikelliste), 21.11.2008

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