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Road To Ruin
Road To Ruin, Metal Heaven, 2007
Lars Chriss Guitar
Sampo Axelsson Bass & Keyboards
Thomas Broman Drums
Matti Alfonzetti Vocals
Länge: 40 Min 42 Sek Medium: CD
1. The Only One6. Walk The Line
2. Pale Rider7. Thorn In My Side
3. Face Of An Angel8. Crawling
4. Pleasure And Pain9. Until I See The Sun
5. For Your Soul

Hach ja, ein Projekt. Ein Resteverwertungsprojekt sogar. Das ist gut, weil es gibt ja so wenig veröffentlichte Musik heutzutage, dass man um jedes Fitzelchen froh ist.
Spaß ohne, im Grunde sollte man den Kerlen den Mund stopfen, denn die Aussage, dass die Songs für ihre Stammband LION'S SHARE nicht zu gebrauchen waren, ist angesichts des Veröffentlichungstsunami der letzten Jahre ein Knieschuss. Klar, LION'S SHARE ist eine Metal-Band und den Herren Chriss und Axelsson sind nun mal ein paar melodische Hardrocker aus den Fingern geflossen, aber dient so ein Nebenprojekt der Glaubwürdigkeit von LION'S SHARE und muss es unbedingt auf CD gebrannt werden, wo doch zum Beispiel Liveauftritte offensichtlich nicht geplant sind?
Anyway, nun haben wir das Ding der Schweden hier, Projekt wie CD heißen ROAD TO RUIN.

Neben Lars Chriss und Sampo Axelsson sind Thomas Broman am Schlagzeug und Matti Alfonzetti als Sänger am Werk. Aufgrund ihrer persönlichen Vergangenheit sind wenigstens Axelsson und Broman mit Bands wie DEEP PURPLE vertraut, beide waren für Glenn Hughes tätig. Broman war überdies unter anderem für die leider lange verschiedenen Funk-Metaller ELECTRIC BOYS am Schlagzeug gesessen. Matti Alfonzetti ist in unseren Breiten ein eher unbeschriebenes Blatt, hat jedoch mit verschiedenen Bands und unter eigenem Namen einige anständige AOR-Plättchen eingesungen.

Musikalisch kann man ROAD TO RUIN wenig vorwerfen. Anständiger Melodic Hard Rock mit Einflüssen der üblichen Verdächtigen und insgesamt nach frühen 1980er-Jahren klingend. Es gibt Menschen, die eine Band wie RAINBOW in diesem Jahrzehnt nicht mehr mochten. Es gibt auch Menschen, die die 80er generell nicht mögen. Kann man denen böse sein?
ROAD TO RUIN schaffen es aber, nicht im Keyboard- und Pathossumpf zu versinken, die meisten Nummern gehen gut nach vorne los, technisch sind die Musiker ohnehin Könner. Wenn Lars Chriss nicht gerade ein Virtuosensolo von sich gibt (über die man ob ihrer Notwendigkeit durchaus streiten kann), gründelt er erfreulich oft in den unterseeischen Riff-Bergen eines Tony Iommi herum, Sampo Axelsson steuert zum größten Teil angenehm altmodische Keyboards hinzu und Alfonzetti, auch ein Schwede, wie der Name schon sagt, überzeugt durchgehend. Den wird man vermutlich bald bei einer ähnlichen Band wieder sehen, mit Jeff Scott Soto beziehungsweise TALISMAN hatte er in der Vergangenheit bereits zu tun.
Was bei den nur neun Tracks fehlt, sind mehr als nur ein oder zwei echte Knaller. Das ist alles gefällig und eingängig, es rockt auch vernünftig, aber die Highlights fehlen. So bleibt ein grandios in den Gitarrensaiten federnder Hochdruck-Rocker wie Crawling oder das erfrischende Pleasure And Pain leider alleine.

Um es klarzustellen, ROAD TO RUIN sind nicht für den Papierkorb! Aber wenn man schon ein stilistisch abweichendes Freizeitvergnügen startet, sollte die Motivation auch hör- und vor allem fühlbar sein. Ein wenig mehr Emotion und ein bisschen weniger songwriterisches Kalkül hätten in diesem Fall zu deutlich euphorischerer Reaktion geführt.

Fred Schmidtlein, (Impressum, Artikelliste), 11.02.2008

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