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Stony Waters

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Stony Waters - Demo
Stony Waters - Demo, Eigenvertrieb, 2007
Robert Wendt Guitars
Armin Lorani Vocals, Drums
Manuel Karow Bass
Länge: 18 Min 24 Sek Medium: EP
1. Stony Rock4. Midtown Blues
2. Never Let Me Go5. One Day Or Another
3. Backdoor Man

In jedem Feuilleton kann man nachlesen, dass Rockmusik mausetot und nur noch Angelegenheit irgendwelcher Sektierer ist. Warum schreiben diese Menschen das? Weil sie meinen zu sehen, dass es in der Rockmusik seit vielen Jahren keine nennenswerte Entwicklung mehr gibt? Oder weil sie vergessen haben, dass Kunst problemlos auch im Untergrund passieren kann und mit Verkaufszahlen und Getöse für Millionen nichts zu tun hat?
Muss man nun die Kulturseiten der Zeitungen abschaffen, weil auch in der Literatur, der Malerei, der Filmkunst oder der klassischen Musik seit Jahren und Jahrzehnten keine Novitäten feststellbar sind? Wir sehen uns dann bei der Agentur für Menschenhandel, ihr arbeitslosen Kulturjournalisten, worüber wollt ihr denn noch berichten, wo doch alles in Scherben liegt?
Viel spannender ist die Frage, warum es in der Rockmusik so viele junge und ganz junge Bands gibt, die nichts anderes in ihren langhaarigen Köpfen haben, als akkurat die Musik ihrer Väter zu spielen. Die Antwort ist einfach: So wie es dem Kunststudenten gefällt, die gleichen Farben wie weiland Picasso oder Dürer zu verwenden, so gefällt es dem Gitarristen, genau dieses eine Riff zu spielen, bei dem er schon im Kindesalter Gänsehaut bekommen hat. Ja, diese Jungs mögen nun mal die Werke einer bestimmten Schaffensperiode und wollen ihnen huldigen, an kommerzielle Gesichtspunkte denkt an dieser Stelle kein Musiker, kein Schriftsteller, kein Bildhauer. Auch das norddeutsche Trio STONY WATERS tut dies nicht - unterstellen wir wenigstens -, sondern macht einfach drauflos. Vom Rhythm & Blues beeinflusste Rockmusik der 60er- und 70er-Jahre nennen die Herren ihren Sound.

Schade ist, dass das Demo nur gut 18 Minuten Laufzeit hat. Schade ist auch, dass die Band auf dem Livesektor zu wenig und nur im maximal weit von Bayern entfernten Raum tätig ist, weil die fünf Songs auf dem kleinen und anständig produzierten Scheibchen nämlich massiv Lust auf mehr machen. Vielleicht liegt es aber einfach nur am mangelnden eigenen Repertoire, auf der Homepage kann man eine ziemlich beeindruckende Liste der live gespielten Coversongs finden. Unter anderem wird Mr. High & Mighty von GOV'T MULE angefasst, was erstens ein gesundes Selbstvertrauen und zweitens echtes Können voraussetzt.
STONY WATERS können es, daran gibt's keinen Zweifel. Speziell der Gitarrist und Songwriter Robert Wendt lässt mit knackigen Riffs, geschwinden Soli und zwischendurch mit einer lustvollen Slideguitar aufhorchen. Gesungen wird vom Schlagzeuger, was grundsätzlich immer relativ spektakulär ist, da die Koordinationsfähigkeit solcher Leute bewundernswert ist. Im Mix des Demos wäre aber ein etwas kräftiger Schlagzeugpunch wünschenswert.

Los geht's mit einem klassischen STONES-Rocker, bezeichnend Stony Rock genannt. Astreines Gitarrensolo, verblüffenderweise sogar in einer von den Gründervätern so nie gespielten Version dargebracht - ein Fingerzeig an die Feuilletonisten. Der Hinweis für die Biertrinker ist an dieser Stelle: Prost!
Drei druckvolle Rocker sind zu hören, Never Let Me Go mit einem dezenten Southern-Touch, genanntes Stony Rock, das auch als flurbereinigter (= Rod-loser) FACES-Song durchgehen könnte, und One Day Or Another, wohl das "eckigste" R&B-Stückchen der CD. Dazu zwei bluesige Nummern in Backdoor Man (kein Coversong) und Midtour Blues. Fein gemacht, nur eben zu wenig. Auf, mehr!

Fred Schmidtlein, (Impressum, Artikelliste), 15.01.2008

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