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Tangent Plane

Project Elimi

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SG Records / 7Hard
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All Music Guide (englisch)

Unser Disclaimer
Project Elimi
Project Elimi, SG Records / 7Hard, 2011
Dennis Hoffmann Drums
Kostas Kontos Bass
Ralph Swan Krieger Keyboards
Jan Michaelis Vocals
Piero Pellegrino Guitars
Medium: CD
1. One Month In Real-Time5. Do You Live
2. One With The Lies6. Deadborn
3. Ice Age7. One Moment And The Murder After
4. Borrow Me Your Dullness8. Project Elimi

Ich will nicht lange um den heißen Brei herumreden. Dieses Album krankt an "Fehlnis". Es fehlt an Hooks die im Ohr hängenbleiben, es fehlt an Kompositionen, die von vorne bis hinten schlüssig sind, es fehlt an durchgehenden Spannungsbögen und es fehlt an einem Sänger, der sicher in all den Tonlagen agiert, in denen er regiert. Dazu kommt noch der Anspruch, dass man ein Power Metal Progressive Album aufgenommen hat. Nun, wenn "Progressive" in dem Fall dafür steht, dass man möglichst viele Soundideen zu einem Song verwurstelt, dann haben TANGENT PLANE das Ziel erreicht. Leider wirkt das Album dadurch konstruiert, zusammengebastelt und oft genug hat man den Eindruck, dass weniger Wendungen ein Mehr an Wert geschaffen hätten. Das sind grundsätzlich alles Gründe ein Album in die Tonne zu kloppen. Warum beende ich dann diese Review nicht gleich hier?

Weil man diesem europäischen Quintett (die Musiker stammen aus Deutschland, Griechenland und Italien) zumindest die Chance des Hörens geben sollte. Denn ab und an blitzt auf, zu was diese Band in der Lage wäre, wenn sie ein schlüssiges Konzept hätten. Als Beispiel sollten dazu meiner Meinung nach aber nicht die beiden Einsteigersongs gewählt werden, diese wirken für mich dermaßen zusammengeflickschustert, dass ich eigentlich nicht gewillt war, weiterzuhören. Nehmen wir also als Einstieg Ice Age, stellen uns vor, Jan Michaelis hätte am Mikro den Dampf auf der Stimme, den er dazu benötigt (und würde nicht klingen wie eine Mischung aus Hansi Kürsch mit Erkältung und Steve Hogarth) und die Gitarren würden mit richtiger Wucht aus den Boxen ballern. Dann könnte sich dieser Song zu einem echten Knaller entwickeln. Aufbau, Spannung, Melodieverlauf, Länge - es passt alles zusammen. Das folgende Borrow Me Your Dullness unter den gleichen Voraussetzungen wie das vorhergehende Lied gehört, entwickelt sich dann ebenso zu einem richtigen guten Stück, weit entfernt von Eintönigkeit, Einfallslosigkeit oder Flaute (wie man "dullness" übersetzen könnte). Der kürzeste Track Do You Live geht so schnell und unspektakulär vorbei, dass man sich recht schnell auf das folgende Deadborn einstellen kann. Und da sind wieder die Punkte der "Fehlnis". Ich vermute, der Song möchte einen gewissen Tiefgang vermitteln. Dazu gehört aber mehr als mühsam erzwungener Pressgesang und leise säuselnde Keyboards, die von diesem scheppernden Gitarrensounds zugemüllt werden. Steuern wir langsam auf das Ende zu. Doch bevor wir uns dem Grande Finale nähern, heißt es noch One Moment And The Murder After zu Gehör zu führen. Musikalisch hat der Song einiges zu bieten, was sogar richtig gut kommt, aber bitte: schafft euch einen anderen Sänger an. Ich spinne mal ein bisschen rum, aber ein Andrew "Mac" McDermott (Ex-THRESHOLD) hätte diesen Song zu was richtig Geilem werden lassen können. Vielleicht läuft's ja mit POWERWORLD nicht so richtig, dann könnte man vielleicht mal … - okay, lassen wir das. Das Grande Finale Project Elimi beginnt mit schwebenden Keyboards, Gitarre und Bass fallen ein und dann nimmt das Opus Fahrt auf. Doublebassgewitter prasselt auf uns hernieder, mit dem Gesang wird das Tempo nicht minimiert, aber der Druck etwas zurückgenommen. Und während ich das anhöre, frage ich mich, was muss ein Longtrack - die ich allgemeinen sehr schätze, weil sie meiner Meinung nach die Krönung der progressiven Schreibkunst sind - haben, damit er interessant ist? Am besten finde ich die, die ein Grundthema aufweisen, dieses variieren und immer wieder darauf zurückkommen. Meister darin ist meiner Meinung nach Neal Morse und auch "Six Degrees Of Inner Turbulence" von DREAM THEATER ist so ein Vertreter. Zum Schluss hin sollte sich das Stück dann logisch auflösen. Wenn es richtig gut gemacht ist, packt es mich und langweilt nicht. All das kann "Project Elimi" nicht aufweisen. Auch hier gilt wieder: in der Kürze hätte die Würze gelegen.

Fazit: TANGENT PLANE haben noch jede Menge Luft nach oben, sollten Veränderung am Sängerposten und Sound vornehmen, unnötigen Ballast aus den Songs nehmen, Kreativität der Übermotivation vorziehen, Ideenvielfalt bündeln und zu ganz neuen Ufern bringen, dann könnte das nächste Album tatsächlich ein Knaller werden. So ist's mehr ein Knallfrosch: knallt ein paar Mal, mehr Spaß macht aber ein D-Böller.

Friedemann Schmidt, (Artikelliste), 14.04.2011


 
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