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Tenth Planet

Everything Is Never Over

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Everything Is Never Over
Everything Is Never Over, Eigenvertrieb, 2008
Brian Paul Guitars
Johnny Pegg Bass
Martin Quellette Vocals
Mauro Scatozza Drums
Länge: 52 Min 00 Sek Medium: CD
1. See Yourself7. Little Nation
2. Lose Your Mind8. Weighed Down
3. Dissolution Meditation9. Into Empire
4. Man In Full10. Drafty
5. Even If You Are Still Alive11. Line In The Sand
6. Carbery12. Balcony

Kleine Einführung in unser Sonnensystem. Es besteht, gemessen an der Entfernung der Sonne, aus den Planeten Merkur, Venus, unserer guten alten Erde, Mars, Jupiter, Saturn, Uranus und Neptun. Seit dem letzten Jahr wissen wir, dass der schnuckelige kleine Pluto nicht mehr dazu gehört. Er ist raus, weil er zu klein, zu unbedeutend für die Planetenforschung ist. Und der 10. Planet? Den gibt's gar nicht.
Hoffen wir mal, dass das kein böses Omen für die Jungs aus Kanada ist, die uns mit "Everything Is Never Over" ihre dritten kosmologischen Ergüsse zu Gehör bringen. Im Jahr 2000 trafen sich die vier Herren und riefen den 10. Planeten auf den Plan. Namenlos. Einfach nur TENTH PLANET benannt. Drei Jahre später löste sich der erste Rundling von der Planetenoberfläche, wurde "Retro Has No Future" genannt und erblickte das interstellare Licht des Universums. Keine zwei Jahre später schoss der Planet mit "The Prophet Curse" Rundling Numero 2 in den Orbit. Es folgten erfolgreiche Touren der irdischen Planetenbewohner über den Globus, dabei unter anderem auch durch das alte Europa, in dessen Verlauf man auf dem Erdenteil Irland Station machte, um hier, sowie in der planetarischen Heimat Kanada, die nächsten Töne aus fernen Galaxien ins Plastik zu gravieren.

Herausgekommen ist dabei zwar keine Musik, die einen von der Erde boxt, aber schon eine Scheibe, die mächtig Druck erzeugt. Beim ersten Durchhören fielen mit sofort die Leipziger Kollegen THINK ABOUT MUTATION ein, die sich 1999 mit ihrer Industrial-Techno-Metal-Version von Two Tribes für kurze Zeit in den Charts platzieren konnten, was auch noch zum Soundtrack des Computerspieles "Command & Conquer: Tiberian Sun" wurde. Musikalisch trennen die beiden Raumstationen keine Welten, allerdings kenne ich von TAM auch nur diesen einen Song.

Es gibt bei TENTH PLANET gleich richtig auf die zwölf und damit ist die interstellare Flugbahn vorgegeben. Aber genau an der Stelle liegt auch der Hase im planetarischen Pfeffer begraben, denn irgendwann fängt es an zu langweilen. Sicherlich ist das Musik, zu der man gut abrocken kann, aber es wirkt auf die Dauer eintönig. Bevor sich aber in universaler Langeweile festgebissen wird, bekommt das Quartett doch noch die Kurve und wirft zarte akustische Gitarrentöne ins All. Ein kleines instrumentales Stück schleicht sich wie ein Wesen von einem anderen Stern aus den Boxen. So richtig will Carbery nicht ins Gesamtkonzept des 10. Planeten passen und trotzdem hinterlässt es einen besseren Eindruck als ein explodierter Alien in der Dusche [falls ein Leser schon einen explodierten Alien in seiner Dusche hatte, wir sind gespannt auf Erlebnisberichte. Red.]. Es wirkt ein wenig wie die Ruhe vor dem Sturm. Eine Oase der Stille im ansonsten lauten Gitarrengetöse der Planetenwesen. Diese wird direkt danach aber wieder zerstört, somit wirkt dieses kleine Intermezzo fehlplaziert.
Warum man Into Empire nicht direkt daran angeschlossen hat, wird das Geheimnis der Künstler bleiben, denn der Song verbreitet etwas mehr Ruhe, als die anderen und Carbery hätte sich somit wunderbar als Intro geeignet. Halt, bevor ich aber zu sehr auf die Langeweile und Eintönigkeit eingehe, sei angemerkt, dass man mit Drafty ein Stück Musik im mittleren Tempobereich geschaffen hat und sich danach mit Lines In The Sand sogar eine richtige (und richtig gute) Ballade ins Gehör schiebt und dort mit ihrem Sternenstaub haften bleibt. So gibt's zum Ende hin sogar versöhnliche Töne - nur um im letzten Song dann doch wieder fast alles beim alten zu belassen.

So bleibt unterm Strich eine CD, die anfangs durch Wucht und Wumms zu begeistern weiß, dann aber schnell in Eintönigkeit dümpelt wie ein antriebsloses Raumschiff um die Erde. Sollten die Herren Paul, Pegg, Quellette und Scatozza demnächst an neuen Songs schrauben, wäre die Hilfe von Spock, Scotty, Alf und den Gremlins angebracht, das könnte dann eine richtig fette Ladung werden. Wir bleiben gespannt und träumen derweil unterm Sternenhimmel…

Friedemann Schmidt, (Artikelliste), 12.02.2009

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