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| Comin' Atcha Live! 2008, Frontiers Records, 2008 |
| Jeff Keith |
Vocals |
| Frank Hannon |
Guitar |
| Dave Rude |
Guitar |
| Brian Wheat |
Bass |
| Troy Luccketta |
Drums |
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Länge: ca. 126 Min |
Medium: DVD |
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| 1. Comin' Atcha Live | 14. Freedom Slaves |
| 2. What A Shame | 15. Rock Bottom |
| 3. Modern Day Cowboy | 16. Into The Now |
| 4. Miles Away | 17. Signs |
| 5. Heaven's Trail | 18. Lil Suzie |
| 6. Mama's Fool | 19. Edison's Medicine |
| 7. Hang Tough | Bonus Features: |
| 8. Dear Private Ledbetter | Guitars & Gears |
| 9. Paradise | Interviews |
| 10. Love Song | Sound Checks |
| 11. What You Give | Behind The Scenes |
| 12. Song And Emotion | VIP & Fan Footage |
| 13. Heaven 911 | |
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Tja, da hat mal wieder eine Band dieses Problem: Geistig noch lange nicht tot genug um die nächsten 20 Jahre immer nur die zwei alten Hits zu dudeln, künstlerisch längst auf einem anderen Level angekommen, kommerziell verpflichtet die alten Kamellen zu spielen. TESLA haben das Problem wie kaum eine andere Band der Achtziger, die meisten Klassenkameraden haben sich nämlich längst mit ihrem Status als Classic-Rock-Oldies abgefunden und machen gutes Geschäft damit - falls sie nicht komplett abgestürzt sind. TESLA sind nicht abgestürzt und fahren auch nicht die Opa-Schiene, sie kamen nach der Reunion 2001 drei Jahre später mit dem seltsamen "Into The Now daher, trieben 2007 die Fans mit der blödsinnigen Veröffentlichungspolitik der großartigen Cover-CDs "Real To Reel" in den Wahnsinn, entschädigten kurz darauf mit ein paar wenigen aber erstklassigen Deutschlandkonzerten halbwegs, und hinterlassen seit einigen Wochen mit "Forever More" wieder durchaus gemischte Gefühle bei den mit der Band gealterten Fans. Also was nun?
Menschlich zu bedauern ist sicherlich der Verlust von Tommy Skeoch, aber der arme Kerl hat es einfach nicht geschafft, sich von der Rauschhaftigkeit der Erfolgsjahre zu trennen, er musste raus aus der Tretmühle - hoffentlich überlebt er es unbeschadet. Sein Nachfolger heißt Dave Rude, ist grade 30 geworden, und er ist heiß, langhaarig, breitbeinig, voll mit den Riffs und Soli seiner Jugendhelden. Klar, GUNS N' ROSES gehören dazu, Slash besonders, aber der Mann hat auch TESLA und Joe Perry inhaliert, ergo passt er zu der Band wie vermutlich kein anderer aus der Bay Area.
Sänger Jeff Keith ist 50, Drummer Troy Luccketta kurz davor, Frank Hannon und Brian Wheat sind etwas jünger, haben aber dafür beide einen respektablen Bierbauch hinter Gitarre respektive Bass vorzuweisen. In dieser "neuen" Besetzung haben TESLA vor 10 Monaten die DVD "Comin' Atcha Live!" in Minnesota eingespielt. Und über die reden wir nun.
TESLA hatten mit ihrem ersten Album "Mechanical Resonance" großen Erfolg, mit dem Nachfolger "The Great Radio Controversy" noch größeren, mit "Five Man Acoustical Jam" schrieben sie Musikgeschichte, "Psychotic Supper" war 1991 ein mühevoller Widerstand gegen den Zeitgeist und "Bust A Nut" läutete 1994 das vorläufige Ende ein. Danach war die Band im Grunde mausetot. Naturgemäß besteht die Setlist der DVD vorwiegend aus Nummern der frühen Jahre, "Into The Now" und "Forever More" sind eher unterrepräsentiert, aber was dann zum Einstieg des Konzerts beim 22 Jahre alten Comin' Atcha Live passiert, fegt alle Bedenken hinfort. Frank Hannon explodiert schier und Dave Rude platzt vor Spielgeilheit. Zwei Soli, dann ein legendäres Twin-Guitar-Solo und zum Abschluss der Marsch der drei Gitarrenhälse an den Bühnenrand. Aaaah, mehr geht kaum, das ist perfekt, die Kerle überkommen einen wirklich,
Doch bereits mit What A Shame von "Into The Now" wird klar, dass TESLA zwar zu Höchstleistungen fähig sind, diese aber nie, auch nicht auf den frühen Alben, konsequent durchzogen, zu viele Lückenbüßer können retrospektiv geortet werden. Das gilt nicht für Miles Away, ebenfalls von "Into The Now", denn es beinhaltet die vermutlich bösesten Gitarrenparts der TESLA-Historie. Aber im Verlauf der guten zwei Stunden lässt die Aufmerksamkeit ab und an nach, wenn Mittelklassesongs geboten werden. Modern Day Cowboy war 1986 Meisterklasse, heute klingt es angestaubt, auch wenn das den alten Fans nicht schmecken wird. Der Schritt in die Moderne wird bei solchen Nummern verständlich, auch wenn die Umsetzung auf den oben genannten CDs nicht immer glücklich ist, aber altbackene Kapellen gibt es mehr als genug, gut also, dass TESLA wenigstens versuchen neue Wege zu gehen.
Dennoch ist der Livedarbietung der bedingungslose Einsatz der Herren anzusehen/-hören. Volles Rohr, keine gelangweilte Routine, schließlich müssen sie sich auch nicht schämen für das alte Zeug. So kommt Heaven's Trail beinahe unnatürlich fett aus den Boxen geschossen, aber man soll nicht unken, mindestens Hannons gigantische Slide-Einlage ist absolut authentisch. Der Bass auf der DVD könnte live bei gleichem Druck Menschen töten.
Egal, Mama's Fool ist ein Shuffle zum niederknien, und nebenbei erfährt der junge Zuseher auch noch etwas über die Blues-Roots der Band. Überhaupt, der junge Fan. Das gut rockende Publikum in Minnesota war überwiegend nicht mehr ganz taufrisch und der Regisseur verzichtete ganz im Gegensatz zu anderen Strategen auf die in Amerika üblichen "Superhasen" in den ersten zwei Reihen. Gut so, denn eine vierzigjährige Rock'n'Roll-Lady und ihr grau-langhaariger Kerl sind deutlich echter als hysterische Teenie-Busenwunder bei AEROSMITH.
Da capo. Überhaupt, die Nähe zu AEROSMITH. Die war selbstredend bei TESLA immer gegeben, aber über die Jahre wird sie noch deutlicher. Jeff Keith läuft stimmlich inzwischen ernsthaft Gefahr für (einen etwas jüngeren) Steven Tyler gehalten zu werden. Absurd natürlich, denn Keith ist a.) nicht mehr jung und b.) nur 10 Jahre weniger alt als Tyler, jedoch verblüffend faltenfrei (nur ein Schelm denkt jetzt seltsame Sachen). Speziell in den balladigen Momenten reibt man sich verwundert die Ohren wegen der Ähnlichkeiten. Ist das gut?
Aus der Nummer um den "Five Man Acoustical Jam" kommen TESLA nicht mehr raus. So epochal - und letztendlich fatal - diese wunderbare CD war, so dröge wirken akustische Einlagen heutzutage. Auch wenn sie es gerne machen und den Fans fairerweise ein paar Darmsaiten bieten wollen, es ist vorbei mit dem ausgestöpselten Kram. Geradezu zwanghaft kommt die eine sitzende Nummer 18 Jahre danach und verströmt nur noch wenig Flair. UFOs Rock Bottom geht es beinahe gleich, denn Hannon schenkert sich zwar ehrfürchtig einen ab und Brian Wheat liegt in Way'scher Manier auf dem Rücken, aber die gesamte Darbietung kommt bis auf Dave Rudes tolle zweite Gitarre nicht über den Status einer famosen Coverversion hinaus. Würde man nicht glauben, dass eine Band wie TESLA angesichts ihrer Helden so statisch wirken kann. Into The Now ist danach beinahe erfrischend neu, auch wenn man die Studio-CD nicht mag.
Der letzte Teil ist den Band-Klassikern gewidmet, kommt auch richtig gut und lädt zum mitsingen ein. Sehr starker Hard Rock eben, aber das allerallerbeste war zuerst. Comin' Atcha Live ist das Masterpiece, an dem sich alle anderen und leider auch TESLA selbst messen lassen müssen.
Der Bonus-Teil ist ausnahmsweise wirklich gut. Das "Behind The Scenes" Gedöns ist witzig, die Fans erklären glaubhaft ihre Liebe, aber vor allem sind die Beiträge der Musiker zu ihrem Equipment interessant. Ein kleines ABC der Gitarrenlehre mit Frank Hannon, ein wenig Basskunde mit dem dicklichen Brian und vor allem eine staunenswerte Lektion über sehr viele Pedale und Becken bei Schlagzeugen von Troy Luccketta. Sympathisch.
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