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Dystopia Lane

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Dystopia Lane
Dystopia Lane, Fastball Music/BOB-Media, 2010
Nick Reid Vocals, Guitars, Keyboards
Seb Guitar, Vocals
Mini Bass, Vocals
Fabz Drums, Vocals
Produziert von: Nick Red Länge: 52 Min 30 Sek Medium: CD
1. I Wish You 6668. Blue Hair
2. Three Words (Under Ordinary)9. Days Of Rain
3. Invisible Ink10. Based On A True Story
4. Wake Up Dead11. Standby Button
5. Things Will Never Change12. Compassion For A Dream
6. Miracle13. Poker Face
7. Bandit For Life14. Dystopia

"Ey, Schmiddie, schreib Du da mal drüber. Dat is irgendso 'ne Kinderkacke. Irgendwat mit Poppunk! Da sind wir zu alt für!" Tatsache, dass waren die Meinungen, die rund gingen, als uns diese Scheibe angepriesen wurde.
Gut, hab ich gedacht, lässt du mal wieder den Berufsjugendlichen raushängen und hörst dir das mal an. Machst dich mal ein bisschen schlau über diese Band und dann legste mal los.

Also, die Hülle mit dem apokalyptischen Cover geöffnet, die CD mit dem undefinierbaren aufgemalten Etwas in den Player gelegt und… gestaunt. Liebe Kollegen und LeserInnen: das ist mitnichten Kinderkacke. Schon der erste Track hat dermaßen viele geile Sachen, dass es das reinste Vergnügen ist. Nicht nur, dass I Wish you 666 wie Sau durch die Boxen jagt, richtig geil sind die QUEENschen Harmoniegesänge im Refrain. Hammer! Insgesamt ein raffiniertes Arrangement, sehr guter Einstieg. Weiter geht's mit Three Words und das klingt tatsächlich ein wenig nach BLINK 182 oder anderen Punkspaßkapellen, kann aber bei weitem mehr als nur billiges "Hoppla-Eins-Zwei-Drei"-Geschrammel auffahren. Die dicken Keyboard- und Gitarrenwände lassen stark Richtung R.E.D. aus den Staaten blicken, wobei ich bezweifle, dass die Schweden von denen jemals was gehört haben.
Invisible Ink startet verdächtig ruhig, hebt nach 15 Sekunden den Druck, um dann nach 25 Sekunden richtig Fahrt aufzunehmen. Ein schönes Kopfnickerriff und im Refrain ein bisschen pathetischen Poppunk dazugetan und fertig ist ein Song, der in Erinnerung bleibt. Wake Up Dead entwickelt sich nicht zu einer Ballade, auch wenn es anfänglich danach klingt.
Dafür, dass dies erst das zweite Album des schwedischen Quartetts ist, klingt das ziemlich reif und ausgegoren. Ich bin bis jetzt total begeistert. Warum die nach dem ersten Gig zusammen mit den SCORPIONS als Support gecancelt wurden ist mir völlig klar. Denn das ist keine Musik für die eigentliche SCORPs-Klientel, dafür ist das zu modern. Die Hannoveraner sind schließlich mit ihren moderneren Alben bei den Fans auch glatt durchgesegelt.
Weiter im Album. Things Will Never Change ist eine typische NICKELBACK-Nummer mit Falco-Handclaps im Hintergrund. Den Anfang von Miracle würde ich als geklaute Nummer von Madonna durchgehen lassen. So könnte die Queen of Pop auch klingen. Allerdings, wenn die Gitarren einsetzen ist Schluss mit der madonnschen Herrlichkeit. Aber es bleibt ein eher poppiges Stück mit ein paar harten Gitarren. Die Bandbreite, die die Jungs da abdecken, ist immens. Was dann in Bandits For Life geleistet wird ist der absolute Hammer. Geile Refrainharmonien, ohrwurmartige Melodien, ein Heavy-Swing-Riff frisch aus den 30er Jahren geklaut, wo wollen die Schweden noch hin?
Seit 7 Jahren sind sie gemeinsam unterwegs, haben schon auf dem "Sweden Rock"-Festival und als Support für Bands wie CINEMA BIZARRE oder SONIC SYNDICATE ihre Livequalitäten gezeigt, das macht sich auch in dieser Produktion bemerkbar. Klingt sehr amerikanisch das alles, ohne die skandinavischen Wurzeln zu leugnen.
Blue Hair ist der erste Hänger, der aber noch als gut durchgehen kann. Days Of Rain ist die Nummer, die man getrost als bombastische Powerballade bezeichnen darf. Diese Regentage sorgen im trostlosen Novemberwetter für echtes Gänsehautfeeling. Wer einen Vergleich benötigt: SERENITY meets METALLICA meets QUEEN. Hört's euch an, wenn ihr's nicht glauben wollt.
Der Rest der Scheibe kann das Niveau ohne Probleme halten und ich werde mich hier jetzt nicht Stück für Stück dem gleichen Sermon hingeben. Vielleicht zu einem Song noch was: Poker Face erkennt man nicht wieder, obwohl es gewisse Trademarks des Originals von Lady Gaga enthält. Aber sehr interessant interpretiert.

Also, wem die trüben Tage da draußen zu traurig sind, kann hier mal getrost zugreifen. Die Scheibe macht Laune und dürfte für Stimmung bei den nächsten Partys sorgen. Danke noch mal an die Herren aus der Redaktion, die alten Säcke, die diese Scheibe nicht haben wollten. Tja, jetzt müsst ihr sie euch selber kaufen. Ich hab sie ja schon!
[Der hat "alte Säcke" zu uns gesagt, der Lümmel. Zwei Wochen Fernsehverbot! Red.]

Blowsight

Friedemann Schmidt, (Artikelliste), 18.11.2010


 
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